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Do, 14:49 Uhr
17.06.2021
Landschaftspflegeverband Südharz/Kyffhäuser

Amphibienwanderung im Teichtal Hainrode

Die Froschkonzerte mit lautem, vielstimmigem Quaken im Frühjahr bis in den Sommer hinein kennt bestimmt jeder. Wie diese Frösche machen sich jedes Jahr auch zahlreiche andere Amphibien mit den ersten wärmeren Tagen auf, um von ihren Winterlebensräumen zu den Laichgewässern zu wandern...

Ein Bergmolch (Foto: Wiebke Pasligu) Ein Bergmolch (Foto: Wiebke Pasligu)

Diese Wanderung ist jedoch nicht selten sehr gefahrvoll, da auf dem Weg zum Gewässer häufig eine Straße ein gefährliches Hindernis darstellt. Aus diesem Grund werden überall in Deutschland zu dieser besonderen Zeit sogenannte Amphibienschutzzäune oder auch „Krötenzäune“ aufgebaut, um die Tiere vor dem Überfahren zu retten. Dabei befinden sich entlang des Zauns alle paar Meter in den Boden vergrabene Eimer, in die die Tiere hineinfallen. Die in den Eimern sitzenden und am Zaun entlang laufenden Tiere werden aufgesammelt, bestimmt und dann sicher über die Straße zum Gewässer getragen.

So passierte das auch in diesem Jahr im Teichtal Hainrode. Das Gebiet hat dabei einen ganz besonderen Stellenwert, da es deutschlandweit das Gebiet mit dem mit Abstand höchsten Amphibienvorkommen ist. Vor allem Molche wie der besonders geschützte Kammmolch wandern von den angrenzenden Wäldern zu den Teichen. Der Kammmolch ist mit einer Länge von bis zu 18 cm der größte heimische Molch. Er wird im Volksmund auch „Wasserdrache“ genannt, da die Männchen zur Paarungszeit im Wasser einen großen, gezackten Kamm ausbilden, dem sie ihren Namen verdanken. Aber auch Frösche, Erdkröten und die seltenen, kleinen Geburtshelferkröten sind hier zu finden.

Dieses Jahr wurde der Zaun am 15. März aufgebaut und seitdem zweimal täglich kontrolliert. Dabei fand sich neben zahlreichen Teich-, Berg- und Kammmolchen am 25. Mai ein ganz besonderer Besucher am Zaun ein. Ein Laubfrosch! Diese kleinen, giftgrünen Frösche wurden dieses Jahr das allererste Mal in dem Gebiet festgestellt, wodurch dieser Fund ein richtiges Highlight ist. Zudem war es auch ein absoluter Zufall, da diese Frösche dank kleiner Haftscheiben an ihren Fingern extrem gut klettern können und sogar auf Bäumen in über zwanzig Metern Höhe zu finden sind. Ein Amphibienzaun stellt daher kein Hindernis für diese Tiere dar.
Insgesamt wurden bis zum Zaunabbau am 03. Juni über 38 000 Tiere erfasst und in die Gewässer gesetzt. Davon sind ca. 37 000 Individuen den drei vorkommenden Molcharten zugehörig. Die Tiere werden nun noch bis in den Sommer hinein in den Teichen bleiben, wo man sie sehr gut am Uferbereich beobachten kann. Im Spätsommer werden die Tiere dann zusammen mit den fertig entwickelten Jungtieren das Gewässer wieder verlassen und die nahen Landlebensräume aufsuchen.

Während der Zeit der Molchwanderung haben im Teichtal Hainrode auch Besucher die Möglichkeit, an dem interessanten Schauspiel der Molchwanderung teilzuhaben, die Zählung der Amphibien zu begleiten und die Tiere aus nächster Nähe zu beobachten. Das Team des Landschaftspflegeverbandes Südharz/Kyffhäuser e.V. mit seiner Natura2000-Station lädt jährlich ab März Familien und Kinder, Kita-Gruppen und Schulklassen, Wandernde und Naturinteressierte ein zu Führungen, Vorträgen und Projekttagen und lässt sich gern bei den Maßnahmen zum Schutz der Amphibien über die Schulter schauen. Dazu steht als „Molchhütte“ ein moderner Bauwagen zur Verfügung, der als Vortragsraum und Lernort, aber auch zum Basteln und Ausruhen genutzt werden kann. Bei den während der Molchsaison angebotenen Veranstaltungen werden viele Informationen, z. B. zur Ökologie der „Teichtal-Bewohner“, vermittelt und vielseitige Erlebnisangebote für Kindern gestaltet. Es macht nicht nur Spaß, es erfüllt auch mit ein wenig Stolz, die kleinen Tiere vor Gefahren zu schützen, sie anhand ihrer Körpermerkmale zu bestimmen, ihren Lebenslauf im Wechsel der Jahreszeiten kennenzulernen oder sie zu zeichnen.

In Zeiten der Corona-Pandemie beschränkten sich die Angebote auf einzelne Beobachtungen und Gespräche im kleinen, individuellen Kreis. Für die Zeit der kommenden Molchwanderung wird aber wieder ein breites Angebot an Führungen, Vorträgen, Schul- und Kita-Projekten mit hoffentlich zahlreichen Besucherinnen und Besuchern geplant.
Beobachtungen im Faunarium (Foto: S.Staubitz)
Laubfrosch (Foto: Wiebke Pasligu)
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Kommentare

18.06.2021, 09.19 Uhr
Ziegentaler | Aus Urlauberdorf wurde Molchdorf -eine Schande
Was ist aus dem staatlich anerkannten Erholungsort
Hainrode geworden?
Der Tourismus wurde runtergewirtschaftet und in Hainrode abgeschafft.
Den letzten 60 Dauercamper wurde gekündigt.
Aus dem Naherholungszentrum wurde ein geplünderter
Schandfleck.
Das der Tourismus in unserer Region auch funktionieren kann,sieht man z.B.am Ferienpark Feuerkuppe,Possen
oder Campingplatz Hünstein.
Beim Teichtal haben die Verantwortlichen geschlafen.
Stillschweigend hat man dem Untergang hingenommen.
Statt dessen rühmen wir uns mit,,Molchen''
Früher gab es Naturlehrpfade und ausgeschilderte
Wanderwege in unserer Hainleite.
Jetzt brüsten wir uns mit Amphibienwanderungen.
PS : Da kaum noch der Verkehr den Molchen bei der Überquerung der Straßen gefährlich werden kann,
Ist auch der Krötenzaun und die damit verbundenen
Personalkosten überflüssig.
Vielleicht sollte man den alten Campingplatz der Natur als Biotop zurückgeben .

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