Do, 12:19 Uhr
06.03.2014
Heimatgeschichte: Der Mann ohne Kopf
Im Wippertal zwischen der Hainleite und den Bleicheröder Bergen, an der Eisenbahnstrecke Halle – Kassel sowie an der B 80, liegt Niedergebra. UNd dort trug sich eine Sage zu, die Horst Rasemann für die nnz aufgespürt hat...
Wahrzeichen des Ortes ist der Blaue Hof ein barockes Wasserschloss (siehe Foto), erbaut etwa 1730-32 vom Landrat Friedrich Philipp von Hagen (1683 - 1754).
Er war der erste Landrat der preußischen Grafschaft Hohenstein, also unseres Kreises. Nach dem Siebenjährigen Krieg erreichte F.P.von Hagen den Höhepunkt seiner Laufbahn, als Friedrich der Große den tüchtigen Beamten zum Wirklichen Geheimen Etats-, Kriegs- und dirigierenden Minister beim Generaldirektorium ernannte, ihn also an die Spitze der preußischen Staatsverwaltung stellte. Er war nun der Chefminister des Königs.
Das Herrenhaus ist an allen vier Ecken mit einem quadratischen Turm verstärkt, von denen jeder eine schwedische Haube trägt. Die Anlage ist von einem Wassergraben umgeben, über den eine steinerne Brücke zum Eingangsportal führt. Am Schloss deutet heute keine Inschrift mehr auf den Erbauer hin. 1945 wurde der Besitz durch die Bodenreform enteignet und alle Gemälde sowie die gesamte Einrichtung entfernt.
Lediglich am Tor sind noch einige Wappensteine zu sehen. Leider befindet sich jetzt dieses alte Hagensche Schloss bzw. der Blaue Hof in einem beklagenswerden ruinösen Zustand.
Mann ohne Kopf (Foto: Archiv Rasemann)
Zu Anfang des 19. Jahrhunderts wohnte auf dem Blauen Hof (so genannt wegen seiner Schiefereindeckung) der Amtmann Hauenschild. Das war ein überaus rauer, stolzer und gestrenger Herr. Auf seine Veranlassung musste der Nachtwächter des Dorfes die Stunden auch vor dem Herrenhaus ausrufen. Als dies wieder einmal geschah und Mitternacht nahte – es war in der Adventszeit – sah der Wächter von den Stallungen her einen grauen Mann auf sich zukommen.
In der Annahme, es sei der ihm befreundete Knecht Neithardt rief er: Neithardt bist du es? Als er aber auf mehrmaliges Anrufen keine Antwort erhielt, betrachtete er die Gestalt schärfer und sah mit Schrecken, dass ihr der Kopf fehlte. Doch er verlor den Mut nicht, sondern griff beherzt nach seinem Spieß und stach nach der gespenstischen Gestalt. er traf aber nur ins Leere. Am anderen Morgen meldete er dem Herrn, was vorgefallen war.
Der befahl, ihn auf der Stelle zu benachrichten, falls sich das Gespenst noch einmal zeigen sollte. In der folgenden Nacht zur Mitternachtsstunde erschien der Graue wieder. Sobald nun der Nachtwächter den Amtmann über das Erscheinen informiert hatte, kam dieser mit einem geladenen Gewehr ans Fenster. Auf Zuruf brachte der Wächter sich schnell in Sicherheit. Das war kaum geschehen, da krachte auch schon ein Schuss, ohne jedoch zu treffen. Am folgenden Tag, aber bereits zur Mittagszeit, erschien der Mann ohne Kopf erneut.
Sein Weg führte ihn direkt ins Herrenhaus. Er klopfte dreimal an und trat ohne Zögern ins Zimmer, in dem sich Hauenschild befand. Das Gespenst umfasste ihn, drückte und presste ihn so, dass der vor Schreck und Schmerz augenblicklich seinen Geist aufgab. An seinem Körper fand die Totenfrau unzählige blaue Flecken und überall Spuren von Fingern und Nägeln. Sie hielt es für ratsam, die Leiche nicht mit einem Totenhemd zu bekleiden, sondern das alte Hemd am Körper zu lassen.
Horst Rasemann
Autor: redWahrzeichen des Ortes ist der Blaue Hof ein barockes Wasserschloss (siehe Foto), erbaut etwa 1730-32 vom Landrat Friedrich Philipp von Hagen (1683 - 1754).
Er war der erste Landrat der preußischen Grafschaft Hohenstein, also unseres Kreises. Nach dem Siebenjährigen Krieg erreichte F.P.von Hagen den Höhepunkt seiner Laufbahn, als Friedrich der Große den tüchtigen Beamten zum Wirklichen Geheimen Etats-, Kriegs- und dirigierenden Minister beim Generaldirektorium ernannte, ihn also an die Spitze der preußischen Staatsverwaltung stellte. Er war nun der Chefminister des Königs.
Das Herrenhaus ist an allen vier Ecken mit einem quadratischen Turm verstärkt, von denen jeder eine schwedische Haube trägt. Die Anlage ist von einem Wassergraben umgeben, über den eine steinerne Brücke zum Eingangsportal führt. Am Schloss deutet heute keine Inschrift mehr auf den Erbauer hin. 1945 wurde der Besitz durch die Bodenreform enteignet und alle Gemälde sowie die gesamte Einrichtung entfernt.
Lediglich am Tor sind noch einige Wappensteine zu sehen. Leider befindet sich jetzt dieses alte Hagensche Schloss bzw. der Blaue Hof in einem beklagenswerden ruinösen Zustand.
Mann ohne Kopf (Foto: Archiv Rasemann)
Zu Anfang des 19. Jahrhunderts wohnte auf dem Blauen Hof (so genannt wegen seiner Schiefereindeckung) der Amtmann Hauenschild. Das war ein überaus rauer, stolzer und gestrenger Herr. Auf seine Veranlassung musste der Nachtwächter des Dorfes die Stunden auch vor dem Herrenhaus ausrufen. Als dies wieder einmal geschah und Mitternacht nahte – es war in der Adventszeit – sah der Wächter von den Stallungen her einen grauen Mann auf sich zukommen. In der Annahme, es sei der ihm befreundete Knecht Neithardt rief er: Neithardt bist du es? Als er aber auf mehrmaliges Anrufen keine Antwort erhielt, betrachtete er die Gestalt schärfer und sah mit Schrecken, dass ihr der Kopf fehlte. Doch er verlor den Mut nicht, sondern griff beherzt nach seinem Spieß und stach nach der gespenstischen Gestalt. er traf aber nur ins Leere. Am anderen Morgen meldete er dem Herrn, was vorgefallen war.
Der befahl, ihn auf der Stelle zu benachrichten, falls sich das Gespenst noch einmal zeigen sollte. In der folgenden Nacht zur Mitternachtsstunde erschien der Graue wieder. Sobald nun der Nachtwächter den Amtmann über das Erscheinen informiert hatte, kam dieser mit einem geladenen Gewehr ans Fenster. Auf Zuruf brachte der Wächter sich schnell in Sicherheit. Das war kaum geschehen, da krachte auch schon ein Schuss, ohne jedoch zu treffen. Am folgenden Tag, aber bereits zur Mittagszeit, erschien der Mann ohne Kopf erneut.
Sein Weg führte ihn direkt ins Herrenhaus. Er klopfte dreimal an und trat ohne Zögern ins Zimmer, in dem sich Hauenschild befand. Das Gespenst umfasste ihn, drückte und presste ihn so, dass der vor Schreck und Schmerz augenblicklich seinen Geist aufgab. An seinem Körper fand die Totenfrau unzählige blaue Flecken und überall Spuren von Fingern und Nägeln. Sie hielt es für ratsam, die Leiche nicht mit einem Totenhemd zu bekleiden, sondern das alte Hemd am Körper zu lassen.
Horst Rasemann


