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Mi, 12:18 Uhr
08.04.2020
Offener Brief von Pflegeleitern an den Landrat

Schutzmasken für den Landkreis?

In einem offenen Brief wenden sich Geschäftsführer und Einrichtungsleiter von Pflegeheimen an den Nordhäuser Landrat und stellen ihre Sicht der Dinge dar. Die nnz veröffentlicht das Schrieben in voller Länge...

Sehr geehrter Herr Jendricke,
im Namen aller Pflegenden unseres Landkreises herzlichen Dank für Ihr tatkräftiges Engagement zur Bereitstellung von Schutzkleidung!
Ihre Aussage dazu, dass arbeitgeberseits etwas „schief laufen“ würde, wenn nicht ausreichend Material zur Verfügung gestellt werden könnte, möchte die Seniorenwerk gGmbH (sicher auch im Namen vieler anderer Einrichtungen und Dienste) so nicht stehen lassen – und ja, verärgert uns mit Blick auf enormen zeitlichen Aufwand und überteuerten Vertrieb grad sehr.

Seit Wochen setzen wir alle Erlässe, Verordnungen und Beschlüsse zum Schutz unserer Bewohner und Mitarbeiter um. Abgesehen davon, dass Prozesse und Abläufe neu gestaltet werden mussten, Mitarbeiter zusätzlich belastet durch geschlossenen KiTa’s und Schulen sind oder der Partner vielleicht gerade keiner Arbeit mehr nachgehen kann, nimmt die Beschaffung von Schutzkleidung für Einrichtungs – und Pflegedienstleitung gut 25 % der täglichen Arbeitszeit in Anspruch.

Im Übrigen sind Schutzausrüstung nicht nur Atemmasken. Es zählen auch dazu: Handschuhe, Haube, Schutzkittel, Desinfektionsmittel, Schutzbrillen, Überzieher für Schuhe, usw. Etwa 1 bis 2mal pro Woche erfolgt diesbezüglich in den Einrichtungen der Seniorenwerk gGmbH eine Inventur. Was und wieviel haben wir wovon, wie lange reichen die Arbeitsmittel damit im normalen Betriebsverlauf und im Ernstfall unter Quarantäne. Wann erhalte ich meine vor 2 Wochen ausgelöste Bestellung und man freut sich, selbst 100 Stück einfache Mund – Nasen – Schutz zu erhalten.
Ja, es ist sehr aufwändig, jedoch tun wir alles in unserer Macht Stehende dafür, unsere Mitarbeiter und Bewohner zu schützen und ordern weltweit Schutzkleidung.

Arbeitgeberseits können wir an dieser Stelle versichern, es scheitert nicht am Willen der Bemühungen, vielmehr oft an Angebot und Nachfrage. Und dennoch haben wir seit Wochen für unsere Mitarbeiter alle notwendigen Schutzausrüstungen zusammengebracht.

Nebenbei sei bemerkt, dass sich im Landkreis Nordhausen und Deutschlandweit in der Corona Krise gezeigt hat, dass gerade ämterseits die schlechteste Vorbereitung auf die Pandemie gegeben ist.
Der Bereich Katastrophen- und Bevölkerungsschutz ist offensichtlich systematisch vernachlässigt worden. Bereits 2013 hatte das Robert Koch Institut (RKI) im Auftrag der Bundesregierung ein Pandemieszenario erarbeitet, welches der jetzigen Krise erstaunlich ähnelt. Leider wurden offensichtlich keine Schlüsse seitens der politischen Entscheidungsträger gezogen und Vorsorge getroffen.

Wir sehen es als Aufgabe der Verwaltungsbehörden als Teil der Daseinsvorsorge an, dass entsprechende Schutzausrüstungen zur Überbrückung von Engpässen –mindestens für das Gesundheitswesen – bei einer Pandemie vorgehalten werden. Wir hoffen auf Umsetzung durch die zuständigen Ämter für die Zukunft. Im Anfordern von Plänen und Unterlagen waren selbige in den letzten Jahren ja auch Spitze.

Christian Döring, Geschäftsführer Seniorenwerk gGmbH, Kathleen Höhne, Einrichtungsleitung Seniorenwerk Asternhof
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Kommentare

08.04.2020, 14.38 Uhr
Lotterfee | Richtig so
Während in den letzten Tagen immer wieder vom Landrat die Bemühungen um Schutzkleidung vehement hervor gehoben wurden, scheint es in der Praxis doch anders auszusehen.
Deswegen finde ich es richtig, das auch hier einmal die andere Seite zu Wort kommt.
Wenn man schon Verordnungen erlässt, dann müssen auch die Voraussetzungen um diese einzuhalten zu können, gegeben sein.
Leider scheint das keine Ausnahme zu sein, denn im ganzen Land ist von Hilferufen nach Schutzkleidung zu hören und zu lesen.

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08.04.2020, 14.43 Uhr
mgoerk | Danke
Sehr geehrter Herr Döring, werte Kollegen aus der Altenhilfe,

ich unterstütze zum großen Teil Ihr Schreiben. Insbesondere
in pucnto Preispolitik beim Verkauf von Material, Ihren Eindruck von der Vorbereitung der Pandemie seitens des LK und das es nicht am Willen der Träger oder Arbeitgeber liegt.

Dankbar bin ich für die gute Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt des LK, der Heimaufsicht und unseren Arbeitsmedizinern!

Alles Gute und vielen Dank an alle Mitarbeitenden in den Altenhilfeeinrichtungen und Krankenhäusern! Mehr als eh schon, leisten Sie alle Herausragendes!

Michael Görk
Trägerverbund der Diakonie Nordhausen

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08.04.2020, 15.47 Uhr
brandty54 | Schutzmaskenpflicht
Die verordnete Schutzmaskenpflicht u.a. beim Einkaufen ist sinnvoll, aber es müßte auch dafür gesorgt werden, dass jeder eine benötigte Schutzmaske erwerben kann. Nach Ostern soll es ja 100€ kosten, wenn man ohne Maske gesehen wird.
Einen ganz besonderen Dank an alle, die in der heutigen Zeit für die Sicherheit der Bürger tätig sind.

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08.04.2020, 16.25 Uhr
A.kriecher | Pflegeheime
Ich kann das Gejammer nicht mehr hören. Pflege darf nicht kommerziell sein. Diese ganzen,,gGmbh" und kirchlichen Träger, sehen nur ihre Gewinne dahin schwinden. Warum investieren denn Gerüstbauer, Rechtsanwälte und alle anderen in Pflegeheime? Weil man da ne Mark verdienen kann.
Die stetige steigend Mehrbelastung des Personals , interessiert keinen, die Zahlen müssen stimmen mehr nicht. Pflegende werden nur noch abgearbeitet und es wird definitiv nicht besser. Warum fehlen denn so viele Pflegekräfte? Weil Pflegekräfte schon mit Beginn der Ausbildung verheizt werden, kaum was lernen, gelerntes nicht umsetzen können weil keine Zeit dafür ist. Darum hören viele auf und fehlen dann, weil die die Schnauze voll haben von der scheinheiligen ganzheitlichen Pflege.

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08.04.2020, 19.17 Uhr
unpolitisch47 | Nicht verstanden
A.kriecher, Gerüstbauer und Co. investieren in die Gebäude und betreiben sie nicht. Die gemeinnützigen Pflegeanbieter haben genau für diese Investition oft gar kein Geld weil sie eben nicht kommerziell sind. Sprich nur begrenzt zweckgebunden Rücklagen bilden dürfen und auch keine Gewinne.

Aber in Ihrem Ansatz haben Sie Recht. Die öffentliche Hand sollte (wieder) in die Gebäude investieren, damit dann nicht durch gewerbliche Vermieter zu hohe Mieten auf die Pflegebedürftigen umgelegt werden. Gab es früher mal als sog. Investitionskostenzuschüsse.

Die reine Pflege ist in der freien Wohlfahrtspflege prinzipiell in guten Händen. Die gemeinnützigen Zahlen im übrigen nachweisbar deutlich besser, als die gewerblichen Anbieter.

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09.04.2020, 12.39 Uhr
A.kriecher | @unpolitisch Pflege
Ob meine Mutter , Bekannter, Heilige Geist in die Gebäude investiert und mein Bruder, Schwager oder der Weihnachtsmann das Heim betreibt ist mir doch egal. Fakt ist ,Pflege ist ein sicheres Geschäft hier wird auf kosten der Allgemeinheit, des Pflegepersonals und der Pflegebedürftigen gut verdient.

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