Do, 18:35 Uhr
05.03.2026
Geplante Baumaßnahme in der Innenstadt
Neue Mensa wird deutlich teurer
Der Bau der neuen Mensa für das Humboldt-Gymnasium in Nordhausen wird deutlich teurer als ursprünglich geplant. Mit dem Thema hat sich jetzt der Finanzausschuss des Landkreises beschäftigt. Über die zusätzlichen Mittel muss der Kreistag in seiner Sitzung am 10. März entscheiden...
Die Visualisierung zeigt, wie sich neue Mensa und das Hauptgebäude in die Münzgasse einfügen. (Foto: Visualisierung: Arge Tölle/Waldheim)
Nach aktuellen Berechnungen liegen die Gesamtkosten für das Projekt bei rund 6,83 Millionen Euro netto. Damit steigt der Finanzbedarf für den Landkreis deutlich. Im Haushalt sind bisher zwei Millionen Euro eingeplant. Nach der aktuellen Kalkulation erhöht sich der Anteil des Landkreises um rund 1,35 Millionen Euro. Dieses fehlende Geld soll aus dem Kommunalen Investitionsprogramm des Landes Thüringen kommen. Dem Kreis stehen aus diesem 18,5 Millionen Euro für die nächsten vier Jahre zur Verfügung.
Ein Teil der Baukosten soll über Fördermittel aus der Städtebauförderung von Bund und Ländern gedeckt werden. Dafür sind derzeit rund 3,2 Millionen Euro vorgesehen. Der verbleibende Eigenanteil liegt damit bei etwa 3,63 Millionen Euro. Zwei Millionen sind bereits im Haushalt gesichert.
Mit einer städtebaulichen Vereinbarung zwischen Stadt, Landkreis und der Service Gesellschaft des Landkreises Nordhausen (SGN) soll nun die Grundlage für den Bau geschaffen werden. Der Kreistag soll den Landrat ermächtigen, dieser Vereinbarung zuzustimmen.
Schwieriger Baugrund treibt die Baukosten
Der Hauptgrund für die Kostensteigerung liegt im schwierigen Baugrund in der Nordhäuser Altstadt , erklärte Gunnar Reuter, Chef der Servicegesellschaft des Landkreises, den Ausschussmitgliedern. Das Bauprojekt gilt schon jetzt als eines der kompliziertesten Bauvorhaben in der Innenstadt seit Jahren. Wir haben ein sehr schwieriges Baufeld mit einem Untergrund, der bis in etwa vier Metern Tiefe nicht tragfähig ist, erklärte Ingenieur Karsten Tölle im Vorfeld der nnz-online.
Altstadtlage bringt zusätzliche Risiken
Der Bauplatz liegt mitten im historischen Stadtkern. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gelände mit Trümmern aufgefüllt. Dadurch ist der Untergrund heute instabil. Das Gebäude sicher zu gründen, wird aufwendig. Allein die sogenannte Mikro-Bohrgründung verursacht Mehrkosten von rund 400.000 Euro. Diese tief in den Boden eingebrachten Stützen sollen das Gebäude dauerhaft stabilisieren. Auch benachbarte Gebäude wie die Spendekirchhof-Turnhalle und das Felix müssen während der Bauarbeiten besonders gesichert werden.
Bei Voruntersuchungen wurde außerdem ein tiefer Gewölbekeller entdeckt. Welche weiteren Funde bei den Bauarbeiten noch auftauchen könnten, ist unklar. Archäologische Untersuchungen müssen in jedem Fall begleitet und finanziert werden, so Tölle weiter.
Neue Stromleitung sorgt für weitere Mehrkosten
Zusätzliche Kosten entstehen zudem bei der Energieversorgung. Da die Kapazität des vorhandenen Transformators in der Altstadt ausgeschöpft ist, muss eine neue Stromleitung von der Anlage der Nordhausen Netz in der Blasiistraße verlegt werden. Auch hier fallen Mehrkosten von rund 400.000 Euro an, erklärte Gunnar Reuter.
CDU stellt Kosten des Projekts infrage
Der CDU ist der geplante Neubau zu teuer. Ausschussvorsitzender René Fullmann stellte die Frage, ob es nicht auch eine preiswertere Alternative geben könne. Wir sind natürlich dafür, dass eine ordentliche Essensversorgung vorgehalten wird. Aber könnte man nicht auch günstiger bauen?, fagte er.
Fördermittel und Zeitdruck sprechen für den Neubau
Gunnar Reuter erteilte der Idee eine Absage, das Projekt im jetzigen Stadium noch einmal grundsätzlich zu überdenken. Die Kosten würden nicht sinken, wenn die Planungen wieder von vorn beginnen müssten. Landrat Matthias Jendricke (SPD) machte deutlich, dass für die gewählte Variante die Städtebauförderung ausschlaggebend ist. Ohne diese Fördermittel können wir als Landkreis das Projekt nicht umsetzen, so Jendricke. Er zeigte sich dankbar, dass die Stadt die entsprechenden Fördermittel an den Landkreis weiterreiche.
Bürgermeisterin Alexandra Rieger (SPD) gab in inrer Funktion als Ausschussmitglied zu bedenken, dass die Stadt das Signal erhalten habe, dass sich das Zeitfenster für die Städtebauförderung voraussichtlich 2027 schließen werde. Viel Zeit bliebe nicht mehr. Zudem sei die aktuelle Essensversorgung im Humboldt-Gymnasium katastrophal. Der Neubau sei daher notwendig.
Moderne Mensa als Lückenbau in der Münzgasse
Die Mensa entsteht als Lückenbebauung direkt neben dem derzeit geschlossenen Restaurant Felix in der Münzgasse. Während ursprünglich eine Fassade im Fachwerkstil geplant war, wurde der Entwurf inzwischen überarbeitet. Die neue Gestaltung fällt moderner aus. Wir haben diesen Entwurf mit der Denkmalschutzbehörde abgestimmt, sagte Tölle. Das Projekt betreut er gemeinsam mit dem Nordhäuser Architekten Michael Waldheim.
Platz für bis zu 300 Kinder
Mittelpunkt des Gebäudes wird ein großer Speisesaal, der flexibel genutzt werden kann. Große Glasflächen sollen für helle Innenräume sorgen und eine Verbindung zwischen Innen- und Außenbereich schaffen.
Im Anbau an das Felix soll im Erdgeschoss ein Backshop entstehen, darüber ein größerer Speiseraum. Dahinter schließt sich der eigentliche Mensa-Neubau an, der sich bis zur Spendekirchhofhalle erstreckt. Zusammen könnten Mensa und Restaurant künftig Platz für bis zu 300 Kinder bieten.
Barrierefreiheit und neuer Campusbereich geplant
Auch das Thema Barrierefreiheit spielt bei der Planung eine wichtige Rolle. Ein Aufzug verbindet die Etagen stufenlos miteinander. Außerdem ist im Erdgeschoss ein öffentlich zugängliches, rollstuhlgerechtes WC vorgesehen. Ein solches Angebot gibt es bislang in dieser Form nicht in der Nordhäuser Altstadt, verdeutlichte Architekt Michael Waldheim im Gespräch mit der nnz. Das Projekt solle damit auch die barrierefreie Infrastruktur im historischen Stadtkern verbessern.
Über einen neu geschaffenen Zugang zur Turnhalle soll der Mensa-Neubau künftig direkt mit den Außenanlagen und der Sporthalle verbunden werden. So entsteht ein zusammenhängender Campusbereich, der für schulische und außerschulische Veranstaltungen genutzt werden kann, erklärt Waldheim. Der Neubau ist nach seinen Worten mehr als Mensa. Eine neue, große Freitreppe verbindet Mensa, Turnhalle und Außenraum. Sie dient zugleich als Aufenthalts- und Begegnungsfläche und kann bei Schulveranstaltungen, Abschlussfeiern oder Gruppenfotos genutzt werden. Bei größeren Veranstaltungen sollen Mensa, Turnhalle und Außenbereiche gemeinsam genutzt werden können.
Ausschuss empfiehlt Beschluss mit Enthaltungen
Mit vier Ja-Stimmen und sechs Enthaltungen empfiehlt der Ausschuss dem Kreistag, den Beschluss zu fassen.
Susanne Schedwill
Autor: ssc
Die Visualisierung zeigt, wie sich neue Mensa und das Hauptgebäude in die Münzgasse einfügen. (Foto: Visualisierung: Arge Tölle/Waldheim)
Ein Teil der Baukosten soll über Fördermittel aus der Städtebauförderung von Bund und Ländern gedeckt werden. Dafür sind derzeit rund 3,2 Millionen Euro vorgesehen. Der verbleibende Eigenanteil liegt damit bei etwa 3,63 Millionen Euro. Zwei Millionen sind bereits im Haushalt gesichert.
Mit einer städtebaulichen Vereinbarung zwischen Stadt, Landkreis und der Service Gesellschaft des Landkreises Nordhausen (SGN) soll nun die Grundlage für den Bau geschaffen werden. Der Kreistag soll den Landrat ermächtigen, dieser Vereinbarung zuzustimmen.
Schwieriger Baugrund treibt die Baukosten
Der Hauptgrund für die Kostensteigerung liegt im schwierigen Baugrund in der Nordhäuser Altstadt , erklärte Gunnar Reuter, Chef der Servicegesellschaft des Landkreises, den Ausschussmitgliedern. Das Bauprojekt gilt schon jetzt als eines der kompliziertesten Bauvorhaben in der Innenstadt seit Jahren. Wir haben ein sehr schwieriges Baufeld mit einem Untergrund, der bis in etwa vier Metern Tiefe nicht tragfähig ist, erklärte Ingenieur Karsten Tölle im Vorfeld der nnz-online.
Altstadtlage bringt zusätzliche Risiken
Der Bauplatz liegt mitten im historischen Stadtkern. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gelände mit Trümmern aufgefüllt. Dadurch ist der Untergrund heute instabil. Das Gebäude sicher zu gründen, wird aufwendig. Allein die sogenannte Mikro-Bohrgründung verursacht Mehrkosten von rund 400.000 Euro. Diese tief in den Boden eingebrachten Stützen sollen das Gebäude dauerhaft stabilisieren. Auch benachbarte Gebäude wie die Spendekirchhof-Turnhalle und das Felix müssen während der Bauarbeiten besonders gesichert werden.
Bei Voruntersuchungen wurde außerdem ein tiefer Gewölbekeller entdeckt. Welche weiteren Funde bei den Bauarbeiten noch auftauchen könnten, ist unklar. Archäologische Untersuchungen müssen in jedem Fall begleitet und finanziert werden, so Tölle weiter.
Neue Stromleitung sorgt für weitere Mehrkosten
Zusätzliche Kosten entstehen zudem bei der Energieversorgung. Da die Kapazität des vorhandenen Transformators in der Altstadt ausgeschöpft ist, muss eine neue Stromleitung von der Anlage der Nordhausen Netz in der Blasiistraße verlegt werden. Auch hier fallen Mehrkosten von rund 400.000 Euro an, erklärte Gunnar Reuter.
CDU stellt Kosten des Projekts infrage
Der CDU ist der geplante Neubau zu teuer. Ausschussvorsitzender René Fullmann stellte die Frage, ob es nicht auch eine preiswertere Alternative geben könne. Wir sind natürlich dafür, dass eine ordentliche Essensversorgung vorgehalten wird. Aber könnte man nicht auch günstiger bauen?, fagte er.
Fördermittel und Zeitdruck sprechen für den Neubau
Gunnar Reuter erteilte der Idee eine Absage, das Projekt im jetzigen Stadium noch einmal grundsätzlich zu überdenken. Die Kosten würden nicht sinken, wenn die Planungen wieder von vorn beginnen müssten. Landrat Matthias Jendricke (SPD) machte deutlich, dass für die gewählte Variante die Städtebauförderung ausschlaggebend ist. Ohne diese Fördermittel können wir als Landkreis das Projekt nicht umsetzen, so Jendricke. Er zeigte sich dankbar, dass die Stadt die entsprechenden Fördermittel an den Landkreis weiterreiche.
Bürgermeisterin Alexandra Rieger (SPD) gab in inrer Funktion als Ausschussmitglied zu bedenken, dass die Stadt das Signal erhalten habe, dass sich das Zeitfenster für die Städtebauförderung voraussichtlich 2027 schließen werde. Viel Zeit bliebe nicht mehr. Zudem sei die aktuelle Essensversorgung im Humboldt-Gymnasium katastrophal. Der Neubau sei daher notwendig.
Moderne Mensa als Lückenbau in der Münzgasse
Die Mensa entsteht als Lückenbebauung direkt neben dem derzeit geschlossenen Restaurant Felix in der Münzgasse. Während ursprünglich eine Fassade im Fachwerkstil geplant war, wurde der Entwurf inzwischen überarbeitet. Die neue Gestaltung fällt moderner aus. Wir haben diesen Entwurf mit der Denkmalschutzbehörde abgestimmt, sagte Tölle. Das Projekt betreut er gemeinsam mit dem Nordhäuser Architekten Michael Waldheim.
Platz für bis zu 300 Kinder
Mittelpunkt des Gebäudes wird ein großer Speisesaal, der flexibel genutzt werden kann. Große Glasflächen sollen für helle Innenräume sorgen und eine Verbindung zwischen Innen- und Außenbereich schaffen.
Im Anbau an das Felix soll im Erdgeschoss ein Backshop entstehen, darüber ein größerer Speiseraum. Dahinter schließt sich der eigentliche Mensa-Neubau an, der sich bis zur Spendekirchhofhalle erstreckt. Zusammen könnten Mensa und Restaurant künftig Platz für bis zu 300 Kinder bieten.
Barrierefreiheit und neuer Campusbereich geplant
Auch das Thema Barrierefreiheit spielt bei der Planung eine wichtige Rolle. Ein Aufzug verbindet die Etagen stufenlos miteinander. Außerdem ist im Erdgeschoss ein öffentlich zugängliches, rollstuhlgerechtes WC vorgesehen. Ein solches Angebot gibt es bislang in dieser Form nicht in der Nordhäuser Altstadt, verdeutlichte Architekt Michael Waldheim im Gespräch mit der nnz. Das Projekt solle damit auch die barrierefreie Infrastruktur im historischen Stadtkern verbessern.
Über einen neu geschaffenen Zugang zur Turnhalle soll der Mensa-Neubau künftig direkt mit den Außenanlagen und der Sporthalle verbunden werden. So entsteht ein zusammenhängender Campusbereich, der für schulische und außerschulische Veranstaltungen genutzt werden kann, erklärt Waldheim. Der Neubau ist nach seinen Worten mehr als Mensa. Eine neue, große Freitreppe verbindet Mensa, Turnhalle und Außenraum. Sie dient zugleich als Aufenthalts- und Begegnungsfläche und kann bei Schulveranstaltungen, Abschlussfeiern oder Gruppenfotos genutzt werden. Bei größeren Veranstaltungen sollen Mensa, Turnhalle und Außenbereiche gemeinsam genutzt werden können.
Ausschuss empfiehlt Beschluss mit Enthaltungen
Mit vier Ja-Stimmen und sechs Enthaltungen empfiehlt der Ausschuss dem Kreistag, den Beschluss zu fassen.
Susanne Schedwill

