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09.04.2021
Wohnungsbaugenossenschaft Südharz feiert rundes Jubiläum

Seit 120 Jahren genossenschaftlicher Wohnungsbau

“120 Jahre Miteinander Zuhause” - unter diesem Motto feiert die Wohnungsbaugenossenschaft Südharz in diesem Jahr ihr Jubiläum. Das sind 120 Jahre, in denen das gemeinsame soziale Wohnen in Nordhausen im Mittelpunkt stand, steht und stehen wird...

Neubauten in der Wolfstraße nach den Weltkriegszerstörungen (Foto: WBG) Neubauten in der Wolfstraße nach den Weltkriegszerstörungen (Foto: WBG)

Es war der 10. April 1901. Der Nordhäuser Spar- und Bauverein wurde als eingetragene Genossenschaft gegründet. Zwei Monate später wurde in der ersten Generalversammlung die Satzung beschlossen. Am 5. Juli des gleichen Jahres erfolgte die Eintragung als Genossenschaft beim Königlichen Amtsgericht zu Nordhausen.

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Der Gründung vorausgegangen war eine Untersuchung der Wohnverhältnisse in den Arbeitervierteln der Rolandstadt. Diese zeigte erschreckende Ergebnisse von menschenunwürdigen Zuständen und der Wohnungsnot in Nordhausen um die Jahrhundertwende. Schon zum 25-jährigen Bestehen der ersten Genossenschaft konnten die Mitglieder feststellen, dass sich der Aufwand und das Engagement beim Aufbau des Spar- und Bauvereins gelohnt hatten.

Es sollte jedoch nicht die einzige Genossenschaft sein, die sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Nordhausen gründete. So hatte der gegründete Beamten-Wohnungs-Verein das Ziel, Wohnungen für Beamte zu schaffen, seine Eintragung am Amtsgericht erfolgte am 2. Februar 1909. Zeugnisse sind fünf Häuser in der Förstemannstraße und in der Jahnstraße. Eine weitere Genossenschaft, die sich im Jahr 1921 gründeten, war die Siedlungs- und Baugenossenschaft für Nordhausen (Siebano).

Das frühere Eingansportal in der Hesseröder Straße 29  (Foto: WBG) Das frühere Eingansportal in der Hesseröder Straße 29 (Foto: WBG)

Ende November 1957 wurden diese drei Genossenschaften miteinander zur Nordhäuser Baugenossenschaft verschmolzen.

Bereits im Jahr 1954 wurde die Arbeiter-Wohnungsbaugenossenschaft (AWG) “8. Mai” Nordhausen gegründet. 1956 war dann das Jahr der Gründung der Heringer AWG “Ernst Thälmann”, die 1959 eine zweite Genossenschaft unter dem Titel “AWG Aufbau” in Nordhausen etablierte. Im Jahr 1974 wurden dann wiederum die drei Genossenschaften in Nordhausen zur “Vereinigten Arbeiterwohnungsgenossenschaft Nordhausen” (VAWG) verschmolzen. Sie ist der Vorläufer der heutigen WBG Südharz. In den 16 Jahren ihres Bestehens hatte die VAWG insgesamt 6.477 Wohnungen in ihren Bestand übernommen.

Die Wohnungsbaugenossenschaft eG Nordhausen wurde am 12. Juli 1991 beim Kreisgericht Erfurt unter der Nummer 88 in das Genossenschaftsregister eingetragen. Die WBG ist damit das historische Ergebnis aus den Verschmelzungen von zehn Einzelgenossenschaften.

Die ersten Jahre nach der politischen Wende in der damaligen DDR waren geprägt vom Ringen um Liquidität, denn die aus der DDR-Zeit festgelegte Miete von 0,90 DM je Quadratmeter konnte die Kosten unmöglich decken und so war die Erhöhung um 1 DM je m² sowie die Einführung der Betriebskosten-Umlageverordnung zum 1. Oktober 1990 längst überfällig.

In den darauffolgenden Jahren hat sich die WBG Südharz zum größten Wohnungsvermieter in Nordthüringen entwickelt. So stieg ab 1999 der Wohnungsbestand durch die Verschmelzungen mit Genossenschaften in Ilfeld/Niedersachswerfen (Harztor), 2005 in Bleicherode und Heringen sowie zuletzt 2015 in Rottleberode (Südharz) auf aktuell rund 7.000 Wohnungen.

Mehr als 6.800 Frauen und Männer sind derzeit Mitglieder der WBG Südharz. Über 600 Mitglieder sind bereits länger als 50 Jahre Teil der Gemeinschaft und rund 250 von ihnen bewohnen sogar immer noch die gleiche Wohnung wie zu ihrem damaligen Eintritt.
Gleichgeblieben sind die genossenschaftlichen Prinzipien der Selbstverwaltung, Selbstverantwortung und der Selbsthilfe, verändert haben sich die Anforderungen. “Wohnen mit Service” lautet inzwischen die Philosophie der WBG Südharz mit vielen wohnbegleitenden Servicebausteinen. WBG-Objektmanagement, WBG-Sozialmanagement, WBG-Abfallmanagement, WBG-Energie-Produkte, WBG-Handwerker-Service, WBG-Objektdienstleister u. s. w.. So vielschichtig sind die Service-Angebote der Genossenschaft für ihre Mitglieder inzwischen.

Genossenschaftsmitglieder helfen beim Wohnungsbau (Foto: WBG) Genossenschaftsmitglieder helfen beim Wohnungsbau (Foto: WBG)

Wohnen ist mehr als Vermietung, es ist komplexer und differenzierter geworden. Die Ansprüche, die jüngere Mitglieder oder junge Familien stellen, sind andere, als sie von Senioren geäußert werden. Hierauf hat der Vorstand der WBG die passenden Antworten gefunden. Diese sind nicht etwa statisch angelegt, sondern werden bei Bedarf verändert oder erweitert. Zum Beispiel die Möglichkeit für die WBG-Mitglieder bei ihrer Genossenschaft sicher und rentabel zu sparen. Und so wurde im Jahr 2011 als ein weiterer Baustein zur Verstetigung des genossenschaftlichen Gedankens unter dem Slogan “Wohnen und Sparen” die Herausgabe von Inhaberschuldverschreibungen (IHS) eingeführt. Das aktuelle Sparvolumen beläuft sich auf über 4,2 Millionen Euro.

Die neuen Herausforderungen machen auch vor den internen Abläufen der Verwaltung der Genossenschaft keinen Halt. Neue Technik, steigende Baupreise, Digitalisierung, neue Software und ein neuer ökologischer Fahrzeugpark sind nur einige Beispiele der tagtäglichen Anforderungen an die Mitarbeiter der WBG. Hinzu kommen die Maßnahmen, die nach “außen” am augenscheinlichsten wahrgenommen werden: die Investitionen in den Wohnungsbestand. 320 Millionen Euro hat die Genossenschaft seit 1990 in Modernisierung, Sanierung und Neubau investiert. In diesem Jahr, dem 120. des Bestehens der Genossenschaft, werden es weitere 14 Millionen Euro sein.

In Nordhausen ist, neben der Fertigstellung des letzten Bauabschnittes zur Modernisierung im Projekt „SENIORENWOHNEN PLUS am Aueblick“, der geplante Abschuss des Neubauvorhabens „WBGREENONE“ in der Stolberger Straße 18 die Hauptaufgabe in diesem Jahr. Einem Jahr, das wiederum durch die Corona-Pandemie maßgeblich beeinflusst wird. Daher müssen die Mitglieder wohl anders feiern als noch vor fünf Jahren. “Wir wollen kurzfristig reagieren, wenn Feierlichkeiten möglich und vernünftig erscheinen. Exakte Zusagen zum Inhalt einer Jubiläumsfeier sind jetzt noch nicht planbar.”, bittet der WBG-Vorstand um Verständnis.

Auch wenn das „Miteinander Feiern“ derzeit nicht stattfindet, soll das „Miteinander Zuhause“ auch im Jubiläumsjahr weiterhin ganz im Interesse der Genossenschaftsmitglieder gestaltet werden. Daher findet aktuell wieder eine Befragung aller WBG-Mitglieder nach ihrer Meinung zum Thema „Wohnen bei der WBG Südharz“ statt. Vorstand und Mitarbeiter der Genossenschaft ziehen aus diesen Informationen wichtige Schlüsse für zukünftige Entwicklungen. Also: Mitmachen kann was bewegen!
Am Frauenberg 1970 (Foto: WBG-Arciv)
beim bau der Baltzerstraße 1962 (Foto: WBG-Archiv)
Bingerhof (Foto: WBG-Archiv)
Hallesche Straße 77 vor der Bombardierung (Foto: WBG-Archiv)
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