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Mo, 12:00 Uhr
26.04.2021
Diskussion über Mohammed-Karikaturen an Schulen - aber:

Keine Probleme, keine Bedrohungen

In Hessen hatte das Kultusministerium vor einigen Tagen einen Brief an die Schulleiter verschickt und auf beunruhigende Hinweise im Zusammenhang mit der Thematisierung des Mordes an einem französischen Lehrer hingewiesen. Wie wird das Thema an Schulen des Landkreises Nordhausen diskutiert? Darf überhaupt diskutiert werden? Wir haben nachgefragt...



Konkret heißt es in dem Schreiben an die rund 1.800 Schulen: „Das Zeigen der Mohammed-Karikaturen oder jede bildliche Darstellung des Propheten Mohammed kann als islamkritisches Verhalten interpretiert werden, das emotionalisierend und unter Umständen auch mobilisierend wie radikalisierend auf den Empfängerkreis, auch Schülerinnen und Schüler, wirken kann.“

Nun kennt Hessen in der Tat einige Hotspots, in denen der Anteil von Muslimen an der dortigen Bevölkerung wesentlich höher ist, als in unserer Nordthüringer Provinz, dennoch könnten auch an den hiesigen Schulen ähnliche Probleme auftauchen. Wie zum Beispiel im Unterricht am Herder-Gymnasium in Nordhausen mit dieser Thematik umgegangen wird, das beschreibt Schulleiter Andreas Trump der nnz: "Karikaturen von Mohammed werden im Unterricht nicht gezeigt. Es wird aber über das Bilderverbot, welches im Koran erwähnt wird, gesprochen. Im Lehrbuch sind z. B. Bilder ohne Gesicht zu sehen und in diesem Zusammenhang wird dann beispielsweise über die Problematik der Karikaturen gesprochen. Kinder mit entsprechendem islamischen Hintergrund beteiligen sich dabei rege an der Diskussion und es gibt keine Auffälligkeiten in dieser Hinsicht."

Ähnlich sieht es sein Schulleiter-Kollege Volker Vogt vom Humboldt-Gymnasium. "Die Aufarbeitung der Mohammed-Karikaturen erfolgte in den einzelnen Jahrgängen, nachdem verschiedene grundlegende Aspekte des Islam behandelt wurden und dient gleichsam der ethischen Urteilsfindung im Spannungsfeld verschiedener Grundrechte (Religionsfreiheit, Meinungs- und Pressefreiheit…). Dabei werden auch im Unterricht verschiedene Karikaturen gezeigt und besprochen. Auch zeitgeschichtliche Ereignisse wie der Mord an Samuel Paty bieten Anlass, über diese Themen zu diskutieren, um einerseits aufzuklären darüber, dass Islam nicht gleichzusetzen ist mit Islamismus und andererseits klar Stellung gegen jegliche Form von Gewalt zu beziehen."

Am Bleicheröder Schiller-Gymnasium wird mit einem einzigen Nein auf die Frage der nnz geantwortet, ob zur Veranschaulichung der religiösen Vielfalt und der Meinungsfreiheit auch Karikaturen von Mohammed verwendet oder über diese Karikaturen gesprochen wird. Über den Islam jedoch werde entsprechend der Thüringer Lehrpläne in den gesellschaftswissenschaftlichen Fächern gesprochen.

Was alle drei Schulen eint ist die Tatsache, dass es im Zusammenhang mit Diskussionen zum Islam allgemein und den Mohammed-Karikaturen noch zu keinen Bedrohungen gegenüber dem pädagogischen Personal kam. Auch seien Warnungen des Nordthüringer Schulamtes nicht an die Schulen gegangen. Das wurde von der Behörde in Worbis der nnz bestätigt.

Weiter schreibt Peter Danne, der stellvertretende Schulamtsleiter der nnz: "Eine inhaltliche Beschäftigung mit dem Islam als Weltreligion findet in allen Schularten in den Fächern Ethik bzw. Religionslehre statt. Hier unterscheiden sich die Lehrziele der Lehrpläne von Schulart zu Schulart. Im Lehrplan Ethik für den Erwerb des Hauptschul- und des Realschulabschlusses ist beispielsweise in jeder Doppeljahrgangsstufe der Lernbereich 'Der Schüler in seinem Verhältnis zur eigenen und zu fremden Kulturen – Wir und die Anderen' zu finden.

In diesem Zusammenhang sind im Bereich Sachkompetenz für die Klasse 8 auch als Lernziele formuliert, dass Schülerinnen und Schüler die Bedeutung Mohammeds als Religionsstifter beschreiben können, den Koran als heilige Schrift charakterisieren können, ethische Grundaussagen des Islam beschreiben können und islamische Einflüsse auf die christlich-abendländische Kultur unter historischen und aktuellen Aspekten an Beispielen beschreiben können.

Im Lehrplan Evangelische Religionslehre für den Erwerb des Hauptschul- und des Realschulabschlusses ist in jeder Doppeljahrgangsstufe der Lernbereich 'Die Frage nach der Vielfalt der Religionen' zu beachten. In den Lehrplänen der Fächer Ethik bzw. Religion für die anderen Schularten, Bildungsgänge und Abschlüsse finden sich ähnliche Zielangaben."
Peter-Stefan Greiner
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