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Fr, 11:51 Uhr
30.07.2021
Schulsozialarbeit in Nordhausen

Ein anspruchsvolles Jahr

Der hohe Stellenwert der Schulsozialarbeit ist unumstritten. Er wandelte sich im Laufe der Zeit und insbesondere in den vergangenen Jahren und Monaten. Das vergangene Jahr erwies sich dabei mit Schulcloud, Wechselunterricht, Tests usw. als besonders anspruchsvoll, auch auf dem Nordhäuser Petersberg...

Mit der Grundschule „Bertolt Brecht“, der Petersbergschule und einem Teil des wegen des Neubaus ausgelagerten Humboldt-Gymnasiums lässt sich dieser Ort im Herzen der Stadt durchaus als Bildungsberg bezeichnen.

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Sowohl in der Brecht- als auch in der Petersbergschule unterstützen die Schulsozialarbeiter des JugendSozialwerk Nordhausen das Geschehen über den Unterricht hinaus. Rüdiger Neitzke ist einer davon. Das Petersbergareal kennt er bereits seit 2004 sehr gut. Damals wurde zur 2. Thüringer Landesgartenschau der Kletterturm „PeterStein20“ und der inzwischen abgebaute Hochseilgarten in Betrieb genommen, für dessen Betreuung er mit zuständig war. Auch heute noch findet man ihn regelmäßig am Kletterfelsen, natürlich umringt von „seinen“ Schülern. Denn das vom Landkreis als wertvolle Jugendarbeit geförderte öffentliche Klettern unter fachkundiger Anleitung steht von Anbeginn an bis heute unter der Regie des Jugendsozialwerkes. Damit ist der JugendSozialwerk Verein an drei Standorten auf dem Petersberg präsent, arbeitet dabei auch mit einer Jugendkoordinatorin und einer Streetworkerin zusammen.

Seit acht Jahren bedient Rüdiger Neitzke die Schulsozialarbeit an der Petersbergschule und sagt: „Im Grunde ist das hier ein schöner autofreier Fleck mit Erholungscharakter mitten in der Stadt Nordhausen, mit Basketballplatz, Spielplatz, Abkühlung verschaffender Wasserfläche, Bolzplatz, Skaterrampen, drei Schulgebäuden und zwei Turnhallen sowie großem und kleinem Kletterturm.“ Nicht unerwähnt lässt er die Schattenseiten: „Der Schulhof ist öffentlicher Raum, für Fremde zugänglich und wird für Großveranstaltungen genutzt. Dann sind Rettungswege eingeschränkt.“ Und merkt an, dass sich der Petersberg verändert hat. „In der letzten Zeit ist festzustellen, dass auch seitens des benachbarten Humboldtgymnasiums Kontakt gesucht wird. Die Themen sind dabei sehr ähnlich. Es geht um Konflikte, Liebe, Berufsberatung und natürlich auch um Drogen. Nur weil es (leider noch) keine Schulsozialarbeit am Gymnasium gibt, die das Thema auf die Tagesordnung setzt, heißt dies noch lange nicht, dass dieses im Gymnasium keine Relevanz hat.“

Er weist darauf hin, dass Prävention wirkt und die Suchtberatungsstelle neben dem Familienzentrum ein wichtiger Kooperationspartner der Schulsozialarbeit an der Petersbergschule ist. Gleich nebenan arbeitet seit 2020 Katja Vopel, ebenfalls Mitarbeiterin des JugendSozialwerk e.V., als Schulsozialarbeiterin in der Grundschule „Bertolt Brecht“, ebenfalls mit acht Jahren Erfahrung im Bereich. Vopel: „Schulsozialarbeit an Regelschulen gibt es in Thüringen seit 2013, an Grundschulen erst seit 2020.“ Ein normales Schuljahr hat sie pandemiebedingt noch nicht erlebt.

Dennoch fühlt sie sich gut angekommen, konnte manches anstoßen und auf die Beine stellen. Das Verhältnis von Schule, Eltern und Schüler betrachtet sie als Dreiecksbeziehung, verweist auf den unlängst installierten Klassenrat, den „Schüler des Monats“ und die Übergangsgestaltung von der Kindertagesstätte an die Grundschule und später weiter in die 5. Klassen der Nachfolgeschulformen. Diese und andere Dinge bilden ihr tägliches Brot. „Hier versuche ich die Kinder abzuholen sowie in den nächsten Schritt zu begleiten. Die inhaltlichen Schwerpunkte an der Grundschule konzentrieren sich hauptsächlich auf die situationsorientierte Einzelfallarbeit.“ In der Schulsozialarbeit geht es nicht um Wissensvermittlung und Stoffpläne, sondern um Unterstützung, Miteinander - eben soziale Aspekte. Um all das, was Kinder und Jugendliche so bewegt und umtreibt, was weit über den Schulalltag hinaus geht. Es geht schlicht um alles, was die Lehrer im Fachunterricht gar nicht bedienen können. Wer in der Schulsozialarbeit tätig ist, benötigt viel Energie, um das breite Spektrum aller Anliegen bedienen zu können.

Auf dem Petersberg gibt es auch eine Integrationsbeauftragte, weiß Rüdiger Neitzke. Für ihn ist es „eine wirklich schöne Aufgabe, an einer Schule zu arbeiten, an der über ein Drittel der Schüler keine deutschen Wurzeln haben. Der eigene Anspruch, jeden Schüler in der Muttersprache zu begrüßen, stellt jeden Morgen eine sprachliche Herausforderung dar, die aber wirklich auch Spaß macht und für das erste Lächeln des Tages sorgen kann.“

Nach einer Schulwoche ist der Kletterfelsen eine willkommene Abwechselung und ein Treffpunkt für etliche Kinder und Jugendliche nicht nur der umliegenden Schulen. Dort setzt sich die Schulsozialarbeit fort, nur außerhalb des Schulgebäudes. Und wirkt doch wieder bis in die Schule hinein. Und natürlich ermöglicht der regelmäßige Kletterturmbetrieb einen positiven Einfluss auf den Treffpunkt Petersberg. Vandalismus und Drogenkonsum, Lärm und Müll bereiten immer wieder Sorgen.

Die aktuellen Überlegungen, nach dem Umzug des Humboldtgymnasium das Gebäude in der Breidscheidstraße als neuen Standort für die Volkshochschule zu nutzen, begrüßt Neitzke und meint: „Ein generationsübergreifendes Lernen an einem Standort ist beispielsweise für Schülerinnen und Schüler von Interesse, die eine gewisse Abneigung gegenüber Schule haben. Während die Eltern in der Volkshochschule lernen, könnten die Kids zeitgleich am gleichen Standort zur Schule gehen.“ Dann würde auf dem Bildungsberg Petersberg eine weitere Generation Einzug halten, positiver Einfluss inklusive.
Autor: red

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