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Do, 14:11 Uhr
30.06.2022
Thüringer Schlossfestspiele

Premiere für die "Zwillingsbrüder"

Franz Schuberts Singspiel »Die Zwillingsbrüder« hat Samstag auf der Theaterwiese vor der Rotunde von Schloss Sondershausen Premiere. Über Hintergründe der Entstehung der Produktion war Renate Liedtke im Gespräch mit Intendant Daniel Klajner, der diese Opernrarität in Szene gesetzt hat…

Schuberts »Die Zwillingsbrüder« ist selten auf der Opernbühne zu erleben. Wie bist du auf diese kleine kostbare Perle gestoßen?

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Die Stückauswahl für die Theaterwiese ist nicht so ganz einfach. Es können aus Platzgründen nicht allzu viele Beteiligte auf der Bühne agieren und die Besetzung der Rollen sollte das Haus-Ensemble, was ohnehin stark in die Schlossfestspiele eingebunden ist, nicht vor unlösbare Aufgaben stellen. Jedes Ensemblemitglied kann schon probentechnisch nur in je einer Produktionen eingesetzt werden. Mit dem Thüringer Opernstudio hatten wir deshalb schon langfristig eingefädelt, dass junge Sängerinnen und Sänger in dieser Produktion beteiligt sein sollen. Zusammen mit dem TN LOS! kooperieren das Deutsche Nationaltheater Weimar, die Theater Erfurt und Gera/Altenburg mit der Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar, um mit dem »Thüringer Opernstudio« jungen, hochbegabten Sänger*innen die Chance zu bieten, professionelle Berufserfahrungen auf der Opernbühne zu sammeln.

Auch die Anzahl der Orchestermusiker*innen sollte für den Orchesterspielort Rotunde passend sein, und natürlich muss die Stücklänge stimmen. Als Familienangebot kann man nicht eine Oper von 2 ½ Stunden auswählen. So schauten wir, welches Werk unter diesen Vorgaben passen könnte. Da ist die Auswahl, ehrlich gesagt, gar nicht so groß. Wir sind nicht auf die Suche nach einer Rarität gegangen, sondern suchten überhaupt für die Theaterwiese mögliche Stücke. Dann ist unsere Chefdramaturgin Dr. Juliane Hirschmann sozusagen über dieses Werk von Schubert gestolpert und hat es vorgeschlagen. Nach genauer Prüfung war es perfekt für die Theaterwiese. Dass dieses Singspiel eine Rarität ist, kommt on top als Sahnehäubchen.

Intendant Daniel Klajner bei den Proben (Foto: Marco Kneise) Intendant Daniel Klajner bei den Proben (Foto: Marco Kneise)


Das TN LOS! bietet dieses Singspiel für Familien an, also für Eltern und Großeltern, die mit ihren Kindern einen vielleicht ersten Opernabend erleben wollen. Wie wird den Kindern der Zugang zu dem Werk erleichtert?

Ich glaube, dieser Zugang ist stückimmanent. Das Stück hat eine komische Seite, die sich jeder Altersgruppe spontan erschließt. Die Figuren des Amtmanns und des Lakaien haben eine komische Seite, die sich über Gestik und Körperlichkeit vermittelt und sich auch im Kostüm abbildet. Das zweite komische Element ist das der Verwechslung.

Jeder im Publikum sieht, dass die Zwillinge von ein und demselben Sänger gespielt werden, die Zuschauer wissen mehr als die Darsteller auf der Bühne. Das ist wie in manchen Krimis, man weiß als Leser, wer der Mörder ist, nur die im Buch handelnden Figuren wissen es noch nicht. Diese Erzählstrategie birgt in unserer doch leichtfüßigen Geschichte ein komisches Element, das sich den jüngsten Zuschauer*innen total schnell erschließt, auch wenn die Kinder es vielleicht intellektuell noch nicht erfassen können. So ist dieses Singspiel ein Leckerbissen für alle Musikfreunde, und insbesondere für diejenigen, die mit dem Opernwerk Schuberts noch nicht so vertraut sind. Dann kommt dazu, dass eine super Truppe auf der Bühne steht. Das Werk bietet Komik, Dramatik, Leidenschaft – es ist einfach alles dabei.

Auch eine Kinderrolle wurde noch zusätzlich mit eingefügt…

Genau. Es war eine Prämisse an die Regisseure auch der vorjährigen Produktionen, dass eine Beteiligung von Kindern eingeplant wird. Da waren schon Kinder vom Tanzstudio Radeva auf der Bühne, vom Theaterjugendclub und andere, so dass es rundum ein Mehrgenerationen-Projekt ist.

In diesem kleinen Werk ist sogar ein Chor beteiligt. Die Sondershäuser Madrigalisten, eigentlich ein Konzertchor, sind ein Teil des Festspielchores – ist für die Sänger*innen das Agieren auf der Bühne eine spannende Neuerfahrung?

Das können die Choristen sicher viel, viel besser schildern als ich. Ich konnte jedoch feststellen, dass alle einen tollen Bühneninstinkt haben und sich gut bewegen können. Innerhalb der kurzen Zeit, die wir zum Proben hatten, haben sich alle auf die Anleitungen und Hinweise eingelassen und singen zudem noch schön. Macht Spaß! Auch der Schauspieler Hans Burkia agiert mit auf der Opernbühne, er hat auch schon ein wenig Musiktheatererfahrung, aber hier bringt er sich als Schauspieler mit seinem unfassbar komischen Talent ein. Er ist mit allen Wassern gewaschen, gerade wenn es ums Timing oder die Textbehandlung geht.

Apropos Textbehandlung, wurden die doch etwas sprachlich alten Dialoge bearbeitet?

Mir und auch Juliane Hirschmann war es bei der Bearbeitung des Stoffes wichtig, die Dialoge zu schärfen, die dramaturgischen Ungenauigkeiten, die zur Zeit der Entstehung nicht so wahr genommen wurden, zu bereinigen. Man hatte früher Theater ja ganz anders gedacht. Wir haben den Figuren mehr Kontur gegeben und mehr dramatisches Gefälle hineingebracht. Wir haben auch etwas Lokalkolorit in die Geschichte eingefügt. Natürlich spielt die Handlung in Sondershausen.

Wie ist das eigentlich zu schaffen, ein Theater leiten, die Schlossfestspiele allabendlich betreuen, ein Umzug in eine Interimsspielstätte steht an und dann auch noch eine Inszenierung? Gibt es ab und an auch eine Mütze Schlaf?

Ja, ist total entspannt. (lacht) Es ist zeitlich schon ziemlich fordernd. Ich habe dieses Jahr auch noch zwei Orchestrationen gemacht für großes Orchester und zwei Libretti geschrieben, zwei Inszenierungen gemacht, also ja – ehrlich, es ist ganz schön viel.
Erwähnen möchte ich noch, dass wir diese Saison auf der Theaterwiese ein großes Zelt haben. Egal, wie das Wetter sein wird, man sitzt geschützt, sowohl bei Sonnenhitze als auch bei Regen – und es gibt Kaffee und Kuchen. Einem perfektem Sommernachmittag steht also nichts mehr im Weg.
Autor: red

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