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Do, 18:06 Uhr
19.03.2026
Hoher Besuch aus Sachsen-Anhalt

Das neue Nordhäuser Modell macht Schule

Großer Bahnhof heute in Bleicherode: Besuch des Ministerpräsidenten, allerdings war es nicht der Thüringer Landeschef, sondern der Amtskollege aus Sachsen-Anhalt, der zum Rundgang angereist war. Grund für die Visite: das nicht ganz unumstrittene Arbeitsmarktprogramm des Landkreises zur Aktivierung junger Arbeitsloser…

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (Mitte) war heute zu Besuch in der "Bergwerkstatt" in Bleicherode um mehr über das Aktivierungsprogramm des Landkreises für arbeitslose Jugendliche zu erfahren (Foto: agl) Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (Mitte) war heute zu Besuch in der "Bergwerkstatt" in Bleicherode um mehr über das Aktivierungsprogramm des Landkreises für arbeitslose Jugendliche zu erfahren (Foto: agl)

Als Landrat Matthias Jendricke Ende vergangenen Jahres die „neue Härte“ gegenüber arbeitslosen Jugendlichen und jungen Erwachsenen verkündete, rauschte es bundesweit durch den Blätterwald. Das Neue an der eigentlich nicht wirklich neuen Aktivierungsmaßnahme: der Vollzugsdienst des Kreises steht in Uniform bei Unwilligen direkt vor der Haustür.

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Am Anfang stand die Nachricht über die Jugendarbeitslosigkeit im Kreis, vor allem im Bereich Arbeitslosengeld II, also bei denen, die schon länger ohne Anstellung sind, fasst Jendricke am Nachmittag in Bleicherode noch einmal zusammen. Der grundlegende Unterschied sei das Auftreten gewesen. „Wenn da jemand in zivil vor der Haustür steht, dann sind die Leute zurückhaltender oder machen mitunter gar nicht erst auf. Die Maßnahme war also vor allem dazu gedacht, die Sozialarbeiter in dieser Situation zu unterstützen und dem Anliegen mehr Nachdruck zu verleihen“, erläutert der Landrat dem Ministerpräsidenten, dass die Sache bundesweit für Schlagzeilen sorgen würde, damit hatte bei Landratsamt und Jobcenter niemand gerechnet.

Gegenleistung ist auch Gerechtigkeit
Der Gast aus Sachen-Anhalt heißt Sven Schulze und befindet sich mitten im Wahlkampf - seine CDU liegt in den Umfragen mit rund 26 % auf Platz zwei und deutlich hinter der AfD, Zeit zum Aufholen bleibt nur noch bis Anfang September. Dass er am Nordhäuser Modell gefallen finde, habe aber mit dem Wahlkampf wenig zu tun, versichert Schulze. „70 Prozent der Kosten unserer Kommunen in Sachsen-Anhalt entfallen im Schnitt auf den Sozialbereich. Davon ist vieles berechtigt aber manches eben auch nicht. In dem Bereich U25 haben wir rund 10.000 Menschen im Bürgergeldbezug, die eine Gegenleistung bringen könnten und das kann schon die Teilnahme an einer Umschulung oder an einem Sprachkurs sein, etwas das zeigt, dass man wieder raus will aus der Situation und bereit ist, sein Leben selber zu bestreiten. Auch das gehört für mich zur sozialen Gerechtigkeit in dem Sinne, das es gerecht gegenüber denen ist, die einer Arbeit nachgehen und etwas leisten“, sagt Schulze in Bleicherode.

Vorstellung in großer Runde - zunächst kam man im "Haus II" der Bleicheröder Gemeindeverwaltung zusammen (Foto: agl) Vorstellung in großer Runde - zunächst kam man im "Haus II" der Bleicheröder Gemeindeverwaltung zusammen (Foto: agl) Vor Ort hat man zuvor mit drei Jugendlichen gesprochen, die am Nordhäuser Arbeitsmarktprojekt aktiv teilnehmen und in der „Bergwerkstatt“ des Horizont Vereins einem geregelten Tagesablauf nachgehen. Für Werkstattleiter Thomas Apitius und Horizont-Chef René Kübler ist das nach über 20 Jahren in der sozialen Arbeit kein Novum, sondern gelebte Praxis. „Die soziale Integration kommt immer vor der Arbeitsmarktintegration“, meint Kübler, woran es in der Vergangenheit gemangelt habe, dass sei der „aktivierende Sozialstaat“. „Verhalten muss Konsequenzen haben, das ist kein Hexenwerk, aber es braucht Nachdruck und den haben wir mit den Kollegen vom Vollzugsdienst.“

Dort habe man in den letzten Monaten viele gute Erfahrungen und wenige negative gemacht, erzählt Sandra Hesse, die mit ihrem Kollegen in voller Montur erschienen ist. „Viel Handhabe haben wir nicht, das ist nicht wie bei den Schulschwänzern die man in den Unterricht bringt. Was wir tun können, ist die Lage erklären und darum bitten uns zur Maßnahme zu begleiten, freundlich und höflich, aber auch bestimmt.“, berichtet Hesse. Als „Beifang“ sind den Damen und Herren dabei auch mögliche Betrugsfälle untergekommen, darunter offensichtliche Scheinadressen oder auch einen Herren, der offiziell krankgemeldet war, beim Besuch vor Ort dann aber im Blaumann in der Tür stand und dabei war, seine Wohnung zu renovieren.

Seit Beginn der Maßnahme haben 64 Personen teilgenommen, bei 26 Verweigerern prüft das zuständige Jobcenter die rechtlich möglichen Sanktionen und in sieben Fällen wurden Leistungen eingestellt, da die betroffenen Personen wiederholt nicht angetroffen wurden. Mindestens eine Person hat direkt eine Arbeitsstelle aufgenommen, weitere werden sich im Sommer für Ausbildungsplätze bewerben, kann Renè Kübler ergänzen. Die Zahl der Arbeitslosen im Bereich ALG II unter 25 Jahren lag bei Beginn der Aktion bei 195 Personen, im Februar zählte man bei der Agentur für Arbeit knapp über 200 Fälle. Ein direkter Durchschlag auf den Arbeitsmarkt ist also eher nicht zu konstatieren, die öffentliche Aufmerksamkeit habe aber in jedem Fall Moral und Motivation gehoben, erzählt der Leiter des Nordhäuser Jobcenters, Heiko Röder, im Sinne der Moral gelte das für die Kollegen im Haus und im Sinne der Motivation für die Klienten, die sie betreuen, der Wille zur Mitarbeit sei bei vielen ausgeprägter als zuvor.

v.l.: Werkstattleiter Thomas Apitius im Gespräch mit Ministerpräsident Schulze und Landrat Jendricke - das mediale Intersse war auch heute wieder überregional (Foto: agl) v.l.: Werkstattleiter Thomas Apitius im Gespräch mit Ministerpräsident Schulze und Landrat Jendricke - das mediale Intersse war auch heute wieder überregional (Foto: agl)

Theorie, Praxis und Kritik
Die Herangehensweise sorgte bundesweit für viel Aufmerksamkeit aber auch für Kritik, auch aus den Reihen der SPD Genossen. „Im linken Flügel meiner Partei gab es da Unwillen aber wir wollen den Sozialstaat ja nicht abschaffen und von „Zwangsarbeit“ kann gar keine Rede sein, wir bewegen uns vollkommen im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten. Was wir den Leuten deutlich machen wollen, ist, dass Arbeit die Perspektive ist. Dafür muss man nicht erst groß wissenschaftliche Projekte anschieben, der Weg von der Schule in Ausbildung und Arbeit sollte der normale Weg sein. Und für alle die, die wirklich ein Handycap haben, für diejenigen, die wirklich nicht arbeiten können, für die gibt es auch weiterhin eine ganze Reihe an Hilfen und zu Recht“, so der Landrat.

Ähnlich sieht es der Sachsen-Anhaltiner, Schulze hat anno 1998 selber Zivildienst geleistet, im eher ländlich geprägten Harzvorland habe er als junger Mann Mülleimer leeren und das Grün auf dem Fußballplatz pflegen müssen. „Für so etwas muss man nicht viel mitbringen, man muss fleißig sein. Die Lage damals war eine andere als heute und viele Leute in den Arbeitsmaßnahmen waren froh, das sie aus dem Haus kamen und etwas tun konnten. Arbeit ist sinnstiftend und es ist ein gutes Zeichen, wenn sich der Staat auch um solche Maßnahmen kümmert. Das lohnt sich in jedem Fall“, betont Schulze.

Flächendeckend wird man das Nordhäuser Vorbild aber nicht ausrollen können, auch das muss der Ministerpräsident klarstellen. Umsonst sind die Arbeitsgelegenheiten nicht zu haben. Es braucht Menschen wie Werkstattleiter Apitius und Kollegen, die Erfahrung und Fachkompetenz im Umgang mit zum Teil schwer vermittelbaren Individuen mitbringen, es braucht Räume, in denen gearbeitet werden kann, wie die Werkstätten des Horizont-Vereins und es braucht Zeit, einmal gelerntes und nicht selten über die Generationen hinweg weitergegebenes Verhalten zu ändern. Und das alles muss bezahlt werden. Im Landkreis wurden jüngst 150.000 Euro in den Haushalt aufgenommen, um das Projekt in seiner jetzigen Form fortführen zu können und die Infrastruktur, die Vereine wie der Horizont für solche Projekte über Jahre hinweg aufgebaut haben, sind nicht überall vorhanden.

Die Herangehensweise sei dennoch der Richtige, meint Schulze, auch ohne den Wahlkampf im Hintergrund wäre der Ansatz es Wert verfolgt zu werden. Und Landrat Jendricke würde mit dem „aufsuchenden Ansatz“ nicht bei den Jüngeren Halt machen, sondern gerne gesamtgesellschaftliche weiterführen - also unabhängig von Alter oder Herkunft.

Theoretisch ist das machbar, meint Heiko Röder, praktisch aber nicht ad hoc umsetzbar. Man muss sich an Recht und Gesetz halten und braucht die nötigen Mittel, seien sie finanzieller oder personeller Natur, Rahmenbedingungen, über die man auf kommunaler Ebene nur bedingt verfügen kann. Die Grundsatzentscheidungen, die den Rahmen vorgeben, fällen anderen. Auf Ebene der Ministerpräsidenten und darüber hinaus.
Angelo Glashagel
Autor: red

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Kommentare
Fönix
20.03.2026, 06:31 Uhr
Höchst interessant
und höchst aktuell ist nicht nur das Thema an sich, sondern auch die Tatsache, dass dieses Thema, das seit Längerem auf allen Ebenen für große Diskussionen in ganz Deutschland sorgt, offenbar keinen Eingang in die Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Regionalmagazine findet. Nicht im MDR Thüringen Journal, nicht in MDR Sachsen-Anhalt Heute und auch nicht im länderübergreifend in ganz Mitteldeutschland ausgestrahlten MDR Heute Journal, das ja eigentlich prädestiniert wäre, wenn sich ein Ministerpräsident im Nachbarbundesland anschaut, wie man dort versucht, brennende sozialpolitische Probleme in den Griff zu bekommen.
Aber nein, man zeigt lieber, wie ein kleiner Verein in Weimar darunter leidet, dass die Stadt die Fördermittellandschandschaft im für ihn relevanten Bereich neu strukturiert. Oder wie es um die Zukunft für zwei Erdmännchen und einen Thüringer Waldesel im Sonnerberger Zoo bestellt ist. So zwei Beispiele aus dem MDR Thüringen Journal von gestern Abend.
Und nein, das kommentiere ich jetzt nicht weiter. Da kann sich jeder selbst seinen Reim 'drauf machen ...
P.Burkhardt
20.03.2026, 09:41 Uhr
Quatsch Fönix...
...letzte Woche war Jendricke mit genau diesem Thema erst bei "Fakt ist" im MDR zu sehen. 🤣
Fönix
20.03.2026, 10:53 Uhr
"Lesen und Verstehen" @P Burkhardt
ist offenbar auch nicht ihre Stärke.

Zitat Fönix:

"...und auch nicht im länderübergreifend in ganz Mitteldeutschland ausgestrahlten MDR Heute Journal, das ja eigentlich prädestiniert wäre, wenn sich ein Ministerpräsident im Nachbarbundesland anschaut, wie man dort versucht, brennende sozialpolitische Probleme in den Griff zu bekommen. ...)

Zitat P.Burkhardt:

"Quatsch Fönix...
...letzte Woche war Jendricke mit genau diesem Thema erst bei "Fakt ist" im MDR zu sehen. 🤣"

... und hat dort schon letzte Woche kundgetan, dass der MP von Sachsen-Anhalt sich die praktische Umsetzung eines innovativen Lösungsabsatzes für dieses enorm problembehaftete Thema am 19. März vor Ort im Landkreis NDH in aller Ausführlichkeit zeigen und erklären lässt???

Das war wohl eher nicht der Fall, oder ich habe letzte Woche bei "fakt ist" etwas überhört ...

Es ist für den interessierten Fernsehzuschauer schon ein Unterschied, ob mehr oder weniger beteiligte Akteure über ein wichtiges Thema in einem Studio vergleichsweise abstrakt diskutieren oder ob ein Ministerpräsident sich vor Ort selbst ein Bild vom Geschehen macht und mit den unmittelbar beteiligten Personen über die Hintergründe und Erfahrungen spricht.

Dass sie diesen Unterschied nicht erkennen (wollen!), ist bezeichnend. Ich empfehle Ihnen einen Besuch bei dem Waldesel im Sonneberger Zoo.

Übrigens:
Echte Esel nehme ich als ausgesprochen sympathische Tiere war, die im Gegensatz zu ihren menschlichen Pendants auch noch ausgesprochen intelligent sind. Da kann sich mancher eine Scheibe abschneiden...
G.Auer
20.03.2026, 11:13 Uhr
Verstehe nicht
warum der Herr Burkhardt für eine einfache wahre Aussage die Daumen nach unten gezeigt bekommt. Kommen denn Lügen besser an hier auf diesem Portal?
Kobold2
20.03.2026, 12:56 Uhr
Es sind keine Lügen,
sondern die Verdrängung der ungeliebten Realität und vor allem die Meinungen, die über die Fakten gestellt werden. Wenn die Fakten nicht zum Meinungsbild passen, ist der Überbringer für diese Menschen nicht nur das Problem, sondern auch noch der Oberlehrer.
warumauchimmer
20.03.2026, 13:01 Uhr
Das war wohl ein klasssiches Eigentor
Denn die Aussage war: "Höchst interessant
und höchst aktuell ist nicht nur das Thema an sich, sondern auch die Tatsache, dass dieses Thema,
das seit Längerem auf allen Ebenen für große Diskussionen in ganz Deutschland sorgt, offenbar keinen Eingang in die Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Regionalmagazine findet.
Nicht im MDR Thüringen Journal, nicht in MDR Sachsen-Anhalt Heute und auch nicht im länderübergreifend in ganz Mitteldeutschland ausgestrahlten MDR Heute Journal, das ja eigentlich prädestiniert wäre, wenn sich ein Ministerpräsident im Nachbarbundesland anschaut,
wie man dort versucht, brennende sozialpolitische Probleme in den Griff zu bekommen."

Die Betonung liegt hier eindeutig darauf, dass das Thema "seit Längerem" keinen Eingang in die Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Regionalmagazine findet.
Der Zusatz "seit Längerem" ergibt in dem Kontext überhaupt keinen Sinn, wenn Sie sich nur auf den Besuch des MP und nicht auf das Programm des Landkreis selbst beziehen.
Ich kann mir auch nicht so recht vorstellen das es jedesmal eine große mediale Berichterstattung bedarf, nur weil ein MP zum "gucken" kommt. Passiert ist ja selbst noch nix.

Das Thema selbst war übrigens im November in der Tagesschau und im Februar im Thüringen Journal.
Fönix
20.03.2026, 17:32 Uhr
Oder auch: Wer lesen kann, ...
... ist klar im Vorteil:

Zitat warumauchimmer

"Die Betonung liegt hier eindeutig darauf, dass das Thema "seit Längerem" keinen Eingang in die Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Regionalmagazine findet.
Der Zusatz "seit Längerem" ergibt in dem Kontext überhaupt keinen Sinn, wenn Sie sich nur auf den Besuch des MP und nicht auf das Programm des Landkreis selbst beziehen."

Meine Aussage war:

"Höchst interessant
und höchst aktuell ist nicht nur das Thema an sich, sondern auch die Tatsache, dass dieses Thema,
das seit Längerem auf allen Ebenen für große Diskussionen in ganz Deutschland sorgt, ..."

Warum auch immer warumauchimmer hier meint verstanden zu haben, dass dieses Thema seit Längerem "offenbar keinen Eingang in die Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Regionalmagazine findet", geschrieben hatte ich nun mal, "dass dieses Thema ... seit Längerem auf allen Ebenen für große Diskussionen in ganz Deutschland sorgt". Und das ist in diesem Kontext nun mal eine völlig andere Aussage, die in erster Linie darauf abzielt, die überregionale Bedeutung dieses Thema's hervorzuheben.

Ich bemühe mich ja nun wirklich, meine Positionen ausführlich darzulegen und zu begründen, aber es scheint nicht in jedem Fall zu helfen ...

Zitat Kobold2:

"Wenn die Fakten nicht zum Meinungsbild passen, ist der Überbringer für diese Menschen nicht nur das Problem, sondern auch noch der Oberlehrer."

Herrlich. Eindeutiger kann man nicht zeigen, dass nicht die unbequeme Wahrheit an sich, sondern der Überbringer der bösen Nachricht in den Augen der obrigkeits(-ange-)hörigen Protagonisten einer gescheiterten Sozialpolitik das Hauptproblem darstellen. So disqualifizieren sie nicht nur sich und ihresgleichen als Behüter eines unhaltbaren Status quo sondern belegen auch ziemlich eindrucksvoll, dass mit ihnen und ihren Seelenverwandten die dringend notwendige grundlegende Erneuerung eines völlig aus dem Ruder gelaufenen Wohlfahrtsstaates nicht zu machen ist. Eigentlich schade, denn so wird es schwerer und wird länger dauern. Aber es ist alternativlos, wenn wir als Gesellschaft und Nation überleben wollen. Ein Wohlfahrtsstaat nur für wenige Bevölkerungsgruppen kann auf Dauer nicht funktionieren ...
warumauchimmer
20.03.2026, 18:50 Uhr
Mal ganz langsam...
Der zitierte Absatz besteht aus 2 Sätzen.
Satz 1 benennt das Thema und es wird in einem Halbsatz behauptet das es "seit Längerem" diskutiert wird.
Der Satz geht immer noch weiter und Sie sagen es gäbe dazu keine Berichterstattung in den Regionalmedien.
Das "Thema" kann hier nur die Aktion des Landkreises sein, da der Besuch des MP erst kürzlich stattgefunden hat und daher nicht "seit Längerem" diskutiert werden konnte.
Wenn also das Thema einerseits "seit Längerem" disktutiert wurde und es angeblich keine Berichterstattung gegeben hat, so kann es diese Berichterstattung eben über den gesamten Zeitraum hinweg, also "seit Längerem", nicht gegeben haben.
Das ist an der Stelle einfach nur simple Aussagenlogik.

Im zweiten Satz benennen Sie dann diverse regionale Formate. Das bezieht sich offensichtlich auf die im ersten Satz behauptete nicht existierende "Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Regionalmagazine" zu eben jenem, im ersten Satz eingeführten, Thema innehrlab des genannten Zeitraum.
Nur weil Sie dann den Besuch des MP als prädesteniertes Beispiel für einen Anlass zur Berichterstattung nennen, bedeutet es nicht das der Zeitraum aus dem ersten Satz plötzlich vollkommen negiert wird.

Sie mögen das gedanklich vielleicht ganz anders gemeint haben... Kein Ding...
Aber so wie es dort steht ergibt Ihre Behauptung, die ganze Zeit nur vom MP Besuch zu reden, überhaupt keinen Sinn.
Das ist einfach nur wieder so ein typisches Rückzugsgefecht...
Fönix
20.03.2026, 23:39 Uhr
Mal ganz kurz:
Zitat warumauchimmer:

"Sie mögen das gedanklich vielleicht ganz anders gemeint haben... Kein Ding...
Aber so wie es dort steht ergibt Ihre Behauptung, die ganze Zeit nur vom MP Besuch zu reden, überhaupt keinen Sinn..."

Dass ist schon wieder eine durch nichts begründete Unterstellung. Ich habe nirgendwo geschrieben, in diesem Zusammenhang ausschließlich vom Besuch des MP zu reden.

Nochmal: Die von Ihnen monierte Formulierung "seit Längerem" bezieht sich ausschließlich auf die Diskussion dieses Themas in ganz Deutschland und nicht auf den Besuch des MP. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was daran so schwer zu verstehen ist, schließlich habe ich es auch genau so formuliert.

Es bleibt festzustellen, dass sie mit ihrer Interpretationsakrobatik zum wiederholten Mal komplett daneben liegen. Das ist nicht schlimm und ich versuche ihnen sogar zu helfen:

Das hier betrachtete Thema ist die Tatsache, dass die Sozialausgaben in D explodieren und dass wir dringend Lösungen brauchen. Der Lösungsansatz, den LR Jendricke dazu in Bezug auf den Personenkreis potentiell arbeitsfähiger Bürgergeldempfänger im Landkreis NDH verfolgt, ist ein Teilaspekt davon. Dass der MP von Sachsen-Anhalt diesen Ansatz aufgreift, ist ein weiterer neuer Aspekt in diesem Zusammenhang. Und genau dieser neue Aspekt ist in meinen Augen würdig, von den Medien aufgegriffen und verbreitet zu werden. Mehr jedenfalls als die Zukunftsperspektive einzelner Tiere im Sonneberger Zoo, so bemitleidenswert deren Schicksal im Einzelfall auch sein mag ...
Ist doch eigentlich gar nicht so schwer, oder? Man muss nur versuchen, die verschiedenen Zusammenhänge und Darlegungen auf die jeweils passende Betrachtungsebene zu projizieren ...

Zitat warumauchimmer:

"Das ist einfach nur wieder so ein typisches Rückzugsgefecht..."

Diese Wahrnehmung haben sie exclusiv und ich gönne sie ihnen von ganzem Herzen. Mit der Realität hat es wenig gemein und gehört wohl eher in die Kategorie, persönlich zu werden, wenn einem die Argumente ausgehen. Aber der Versuch, durch das Werfen von Nebelkerzen vom eigentlichen ungeliebten Thema, das man am liebsten ganz aus der öffentlichen Diskussion heraushalten möchte, abzulenken, geht meistens nach hinten los!
Fönix
21.03.2026, 07:37 Uhr
Oder wirklich nochmal in Steno:
Der Begriff "Thema" ist in unserer Sprache einer der am häufigsten gebrauchten Begriffe wenn es darum geht, das Gesagte oder Geschriebene inhaltlich zu strukturieren. Es gibt nicht nur das eine Thema, weder ganz allgemein noch in der in diesem Thread geführten Diskussion.

Das übergeordnete Thema hier sind die überbordenden Ausgaben des Sozialstaates. Eigentlich hatte ich vorausgesetzt, dass das jedem interessierten Leser klar ist. War wohl ein Trugschluss ...
Das "Modell Jendricke" ist ein Teilthema davon genauso wie der Besuch des MP aus dem Nachbarbundesland. Es ist völlig legitim, diesen Besuch aufgrund seiner Bedeutung im weiteren Verlauf der Darlegungen als ein eigenes Thema zu betrachten. Zumindest, wenn man die Inhalte der Kommentare zu einem Thema in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen stellt.
Die Schar der Kommentatoren, die hier permanent versucht, ihre eigene Weltsicht als die alleingültige Interpretation des Geschehens darzustellen, hat natürlich immer dann ein Problem, wenn ein Kommentator davon deutlich abweichende Positionen darlegt. Das ein solcher Kommentar eher richtig liegt und deshalb wichtig ist, merkt man immer dann, wenn diese Truppe dann krampfhaft versucht, den betreffenden Kommentator zu diskreditieren statt sich vordergründig mit den Inhalten und Argumentationen auseinanderzusetzen. Dumm nur, wenn der Gegner sich durch diese meist sehr durchsichtigen Verbalattacken nicht beirren lässt und immer wieder den Finger in die Wunde legt ...
Schniedel Castro
21.03.2026, 08:32 Uhr
Den Beitrag von A. Glashagel habe ich mir gerade nochmal zu Gemüte geführt,
dabei ist mir aufgefallen, es kommen darin Satzzeichen wie Punkt und Komma vor.
Nun meine Frage , soll diese Tatsache jetzt auch noch breit diskutiert werden ?

euer Schniedel Castro
Lautaro
21.03.2026, 09:06 Uhr
Ähm Fönix !!!! Sie wissen aber schon, dass viele Leser....
ein Problem beim erfassen von komplexen Texten haben ?
Fönix
21.03.2026, 09:25 Uhr
Und noch einen, weil es gerade richtig Spaß macht:
Wohin es führt, wenn man in seinen Positionen erstarrt, zeigt sich aktuell bei der SPD und bei den Linken.

Die SPD als älteste deutsche Partei befindet sich in einem rasanten Niedergang, morgen wird sie sich die nächste Klatsche abholen. Das Problem offenbart sich auch sehr deutlich an der Tatsache, dass solche mutigen Aktionen, wie sie Landrat Jendricke derzeit auf regionaler Ebene realisiert, in den übergeordneten Gremien dieser Partei ausgesprochen kritisch kommentiert werden. Die Berufspolitiker täten gut daran, hier vor Ort mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, statt sich immer weiter in endlosen ideologischen Diskussionen zu verirren.

Landrat Jendricke war übrigens nie mein Favorit. Gerade am Anfang seiner Karriere als Landrat war er viel zu sehr Nordhäuser Chefbürgermeister (was er ja eigentlich auch werden wollte!) und weniger der politische Kopf des ganzen Landkreises. Die Tragweite und die Verantwortung dieser Aufgabe hat er offenbar erst im Laufe der Jahre vollumfänglich erfasst und seitdem ist es auch besser geworden.

Und die Linken sind noch verrückter. Sie scheuen in ihrem selbstzerstörerischen Wahn nicht davor zurück, ihre führenden Köpfe (erst Wagenknecht, jetzt Gysi) auf das Schafott zu legen. Unglaublich und bezeichnend zugleich ...

Auf die GRÜNEN, die sich vom euphorisch gefeierten Newcomer zum ungeliebten Schmuddelkind rückentwickelt haben, gehe ich jetzt nicht weiter ein. Hier hat die Parteiführung offenbar wenigstens schon realisiert, dass sich im Ergebnis ihrer irrationalen Klimapolitik ihre Wählerschaft auf die Hardcorestammwähler reduziert hat. Ihre auch hier in der nnz vor geraumer Zeit gefeierten Träume von einer 20+x Partei auf
Bundesebene hat sich ja bis auf Weiteres erledigt. Anders ist der freiwillige Rückzug von Trittin, Künast, Roth & Co. nicht zu erklären.
Und der knappe Wahlerfolg im Südwesten ist ja auch eher mit der Tatsache zu erklären, dass der Spitzenkandidat in allen Aussagen und Aktivitäten größtmögliche Distanz zwischen sich und die Bundespartei gelegt hat. Besser kann man das strategische Dilemma einer Partei nicht illustrieren!

PS.
Einen schönen Gruß an warumauchimmer und seine Theorie von den Rückzugsgefechten. Einfach nur köstlich!
warumauchimmer
21.03.2026, 09:45 Uhr
Entschuldigen Sie,
... aber man benötigt keine Interpretationsakropbatik, wenn sich 2 Aussagen(1. eine seit längerem stattfindende Diskussion, 2. kein Eingang in die regionale Berichterstattung) im gleichen Satz sich auf eben den selben Sachverhalt beziehen.
Diese Aussagen sind natürlich miteinander verknüpft. Das Wort "kein" ist eine faktisch absolute Aussage. Es wird nicht behauptet das es zu wenig oder unzureichend Berichterstattung gab, sondern das keine Berichterstattung stattfand.
Genau an dieser Stelle setzte der Kommentar von P.Burkhardt an und gab ihnen ein Beispiel für *trommelwirbel* Berichterstattung und das Elend nahm seinen lauf.
So zu tun das es es ging beim Zeitraum nur um die Disskussion und bei der Berichterstattung rein um den Besuch ist Unsinn.
Der neueste Spin das Thema zu explodierende Sozialausgaben zu verallgemeinern ist noch unlogischer. Denn darüber wird nahezu täglich im öffentlich-rechtlichen Rundfunk berichtet.
Kobold2
21.03.2026, 10:53 Uhr
Es ist schon beeindruckend
Das ein einfaches, "Okay ich lag falsch" offenbar auch nach mehreren Hinweisen von anderen Kommentatoren nicht mehr geht und man sich lieber in endloser Rhetorik verzettelt. Dabei merkt man nicht mal, dass man die Vorwürfe, die man hier an seine Gegenüber austeilt, auch noch selbst verkörpert.
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