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Sa, 09:14 Uhr
08.03.2014

Heimatgeschichte: Die Liebesprobe

Diese Sage entführt uns auf die Burg Lohra auf der Hainleite. Sie erzählt von der in ihrer Liebe gekränkten Gräfin Adelheid, die ihren geleisteten Schwur bricht, hartherzig den Tod vieler jungen Männer verursacht, später vom schlechten Gewissen getrieben viel Gutes an ihren Untergebenen tat aber trotz alledem als Strafe heute noch als Geist auf der Burg umherwandeln muss...

Burg Lohra (Foto: Archiv Rasemann) Burg Lohra (Foto: Archiv Rasemann)
Innenhof der Burg Lohra mit romanischer Doppelkapelle

Anno Tobak lebte auf der Burg Lohra die Gräfin Adelheid mit ihren Vater, den Grafen Heinrich. Einige Jahre nach dessen Tod, der im Kampf gegen die Bürger der Freien Reichsstadt Mühlhausen gefallen war, mangelte es auf der Burg Lohra an Wehrhaftigkeit. Rundum gedachten gewaltsame Nachbarn, die Schutzlosigkeit des Besitztums für sich auszunutzen.

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In dieser Lage blieb Adelheid der Ausweg, sich doch zu vermählen und ihren Schwur, niemals mehr einem Mann angehören zu wollen, zu brechen, den sie einst nach der Feigheit ihres Geliebten, Ludwig von Straußberg, geleistet hatte. Aber sie wollte, wenn sie nun einmal heiraten muss, sich nur einem Mann anvertrauen, der sich durch Mut und Unerschrockenheit auszeichnete, ja selbst sein Leben für sie zu opfern bereit wäre. Deshalb stellte sie ihren Freier die Bedingung, dass sie die Ringmauer dreimal auf der äußeren Krone umreiten müssten. Nur wer dieses Wagnis vollbringe, mit dem wolle sie sich vermählen.

Von überall aus dem Lande kamen nun die Bewerber und begehrten die bildhübsche Adelheid zur Frau. Alle aber mussten ihren Wagemut mit dem Leben bezahlen, denn sie stürzten in den Burggraben hinab und blieben dort zerschmettert liegen.
Lange Zeit schien es, als ob kein Ritter mehr um Adelheid werben würde. Endlich erschien eines Tages der junge schöne Graf Volkmar von Klettenberg. Er ritt ruhig, und als er an den glatten Stein der Burgmauer kam, bei dem alle anderen abgestürzt waren, streute er Asche auf diese Stelle, und das Pferd schritt darüber weg.

Mit Freuden willigte Adelheid in eine Hochzeit mit dem Klettenberger ein. Die Mär berichtet weiter, dass Adelheid von Gewissensbissen getrieben, ihren Untertanen viel Gutes tat. Trotz alledem konnte sie keine Ruhe finden, denn immer musste sie an die vielen Bewerber denken, die sie so hartherzig in den Tod getrieben hatte. Als Strafe hierfür soll sie heute noch um Mitternacht als Geist in der Burg Lohra umherwandern.

Drei Kreuze (Foto: Archiv Rasemann) Drei Kreuze (Foto: Archiv Rasemann)
Stein mit den drei Kreuzen auf der Ringmauer

Wenn Sie, lieber Leser, einmal auf der Burg Lohra weilen, so versäumen Sie nicht, sich den Stein auf der Mauerkrone zeigen zu lassen oder selbst zu suchen, in dem drei Kreuze eingehauen sind (siehe Foto). Der Sage nach sollen an dieser Stelle jene, die sich um die Gräfin Adelheid bewarben, mit ihren Pferden abgestürzt sein.

Soweit die Sage, die Historie der Burg Lohra berichtet uns, dass sie die westlichste der Hainleiteburgen ist. Sie befindet sich auf einen Bergsporn über einen alten Hainleitepaß. Über ihn gelangte man nach Mühlhausen wie auch über Ebeleben nach Erfurt und weiter nach Nürnberg. Im Tal verlief in Ostwest-Richtung die „strata communis“in Richtung Heiligenstadt-Nordhausen. Ihr schlossen sich nach Osten die Kirchbergburgen, Straußberg, die nicht mehr vorhandene Spatenburg über Sondershausen, die Arnsburg und die beiden Sachsenburgen an.

Sie ist eine der größten Burganlagen Thüringens mit einer Kernburg und einer Vorburg die von einer Ringmauer umgeben war. Die Vorburg mit dem Wirtschaftshof im Osten, war durch einen Graben von der im Westen liegenden Kernburg getrennt. Der Zugang zur Hauptburg ermöglichte im Norden ein Torbau mit tonnengewölbten Räumen. Zu den ältesten, noch sichtbaren Teilen der Burg gehört der einst ca. 30 Meter hohe, viereckige Bergfried, der wegen Baufälligkeit gegen Ende des 18.Jahrhunderts zum größten Teil abgetragen und unter anderem zum Bau der Apostelbrücke bei Niedergebra und des Schafstalles in der Vorburg verwendet wurde.

Doppelkapelle (Foto: Archiv Rasemann) Doppelkapelle (Foto: Archiv Rasemann)
Doppelkapelle, Untergeschoss mit romanischen Säulen

Das bedeutendstes Bauwerk ist die romanische Doppelburgkapelle. Sie besteht aus zwei übereinanderliegenden, durch eine Schallöffnung miteinander verbundenen Räumen und ist ein anschauliches Beispiel der Klassentrennung im Mittelalter. Der untere Teil war dem Gesinde vorbehalten, während oben der Burgherr mit seiner Familie dem Gottesdienste beiwohnte (siehe Foto).

Doppelkapelle: Hier wohnte der Burgherr mit seiner Familie (Foto: Archiv Rasemann) Doppelkapelle: Hier wohnte der Burgherr mit seiner Familie (Foto: Archiv Rasemann) In der Unterkapelle fallen besonders die schräg kannelierten Säulen, die Würfelkapitelle mit ihren stilisierten Blattverzierungen und den geschuppten Kämpfern ins Auge (siehe Foto). Laut dem Kreisarchiv Nordhausen wird als erster Besitzer ein Graf Beringer von Lare im Jahre 1116 urkundlich erwähnt. Er nannte sich nach der Burg Lohra und war der Sohn des Grafen Dietrich von Linderbach und Uta.

Zu Anfang des 14. Jahrhunderts kamen die Grafen von Hohnstein in den Besitz der Burg und Herrschaft Lohra. Als im Jahre 1373 dieses Grafengeschlecht eine Erbteilung vornahm, nannte sich die Linie, die Lohra erhielt, „Grafen von Hohnstein, Herren zu Lohra und Clettenberg“ und die Burg Lohra war zeitweilig ihre Residenz. Nach dem Aussterben der Hohensteiner nahm Heinrich Julius von Braunschweig die Grafschaft ein.

Im Dreißigjährigen Krieg hatte die Burg verschiedene Herren. Nachdem die Grafschaft 1650 an Brandenburg gefallen war, bekam sie Geheimrat Graf Johann von Sayn - Wittgenstein. 1702 kam die Herrschaft Lohra - Klettenberg an Brandenburg – Preußen. Amt Lohra blieb bis 1945 Königliche Domäne.
Horst Rasemann
Autor: red

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