AfD-Kundgebung und Protest-Sommerfest in Niedersachswerfen
Höcke hat Grippe
In Niedersachswerfen hatte sich gestern Björn Höcke angekündigt, der Landesverband der AfD lud zum "Bürgergespräch" in den Handwagen. Im Ort formierte sich kurzfristig Gegenprotest, der als gemeinschaftliches Sommerfest auf dem Sportplatz organisiert wurden. Die nnz hat bei beiden Veranstaltungen vorbeigeschaut...
AfD-Kundgebung und Protest-Sommerfest in Niedersachswerfen (Foto: agl/ssc)
Bunte Sonnenschirme spenden Schatten auf dem Festplatz am Sportplatz in Niedersachswerfen. Es gibt Kaffee, Kuchen und Obst, dazu kalte Getränke. An einem Stand wehen kleine Regenbogenfahnen im Wind. Kinder springen auf einer Hüpfburg oder laufen kreischend durch die Fontäne eines Wassersprengers, der an diesem drückend heißen Donnerstagnachmittag für etwas Abkühlung sorgt. Auf den ersten Blick wirkt alles wie ein Sommerfest. Nur die Polizeiwagen auf der anderen Straßenseite verraten, dass es an diesem Tag um mehr geht.
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Unter dem Motto Sommer, Sonne, Miteinander hatte ein Bündnis engagierter Bürgerinnen und Bürger recht spontan zu einem Familienfest eingeladen. Organisiert wurde die Veranstaltung von rund einem Dutzend Menschen, unterstützt von etwa 80 Helfern aus der gesamten Region, auch von den Bündnissen Nordhausen und Bleicherode Zusammen. Jana Urbanek, eine der Mitorganisatorinnen, war berührt davon, wie viele Menschen die Idee spontan unterstützten.
Auf dem Gelände am Sportplatz herrschte bis in die Abendstunden ein ständiges Kommen und Gehen. Familien aus Niedersachswerfen, Nordhausen und den umliegenden Orten nutzten die Gelegenheit zum Austausch, während auf der Bühne unter anderem Jens Schilling, Paula Manzke und Dirk Großstück für die Musik sorgten. Die Teilnehmer des Bühnenprogramms betonten immer wieder die Bedeutung einer freien Gesellschaft.
Uns geht es hier um einen friedlichen Protest ohne Provokation. Und darum zu zeigen, dass ein Bürgerdialog auch anders aussehen kann. Ohne dass man Menschen in eine bestimmte Richtung einpeitschen muss, sondern indem man über Positionen und Themen spricht, ja auch diskutiert, sagte der Niedersachswerfer Heiko Hieronymus, einer der Anmelder der Veranstaltung.
Jens Schilling and Friends auf der Bühne des Sportplatzes in Niedersachswerfen. (Foto: ssc)Bis in die Abendstunden kamen nach Angaben von Jana Urbanek rund 300 Menschen auf dem Sportplatz zusammen. Selbst aus Walkenried in Niedersachsen waren Gäste angereist. Mit einer solchen Resonanz hätten wir tatsächlich nicht gerechnet, zeigten sich Hieronymus und Urbanek zufrieden. Gegenwind habe es im Vorfeld kaum gegeben.
Der Sportplatz war dabei bewusst gewählt. Nur wenige hundert Meter entfernt hatte die AfD für den Abend zu einem Bürgerdialog in den Sachswerfer Handwagen eingeladen. Als Hauptredner wurde Björn Höcke erwartet, die rechtsextreme Gallionsfigur der AfD. Auf dem Festplatz wollten die Organisatoren einen anderen Akzent setzen. Seid laut, habt keine Angst und seid stets mit Hoffnung gefüllt, rief beispielsweise Christian Lautenbach den Besuchern zu. Die Linken-Politikerin Birgit Pommer sagte, die Gesellschaft dürfe nicht in Hass und Anonymität versinken. Man müsse im Dialog bleiben. Eine Veranstaltung wie diese zeigt, dass das geht, sagte Pommer. Sie wolle eine bunte Gesellschaft und keinen braunen Einheitsbrei.
Auch der Männerturnverein Niedersachswerfen (MTV) beteiligte sich mit einem Programmpunkt. Dass zeitgleich in der Gründungsstätte des Vereins, dem Sachswerfer Handwagen, die AfD zu ihrer Veranstaltung geladen hatte, passe nicht zu den Werten des Vereins, der dort einst gegründet worden sei. Diese stünden für Freiheit und gegenseitigen Respekt, betonte der Vereinsvorsitzende Andreas Ehrhardt. Sport steht für Toleranz und verbindet die Menschen, sagte er.
Höcke hat Grippe
Vor dem Handwagen stehen die Gäste kurz vor halb sieben Schlange, drinnen sind die Sitzplätze belegt, etwa 180 an der Zahl. Nicht nach Niedersachswerfen geschafft hat es der angekündigte Hauptakteur des Abends: Höcke hat Grippe. Der Thüringer Parteichef lasse sich entschuldigen, man wünsche gute Besserung, lässt Jörg Prophet den Saal wissen. Der Nordhäuser Landtagsabgeordnete wird flankiert von Kerstin-Düben Schaumann - ebenfalls Abgeordnete im Landtag - sowie von Stefan Möller, in Thüringen der zweite Mann nach Höcke und Christopher Drößler, beide aus dem Bundestag.
Jörg Prophet sprang als Hauptredner für Björn Höcke ein (Foto: agl)
Die blaue Welle rollt, ruft Prophet in den Raum, Düben-Schaumann sieht in der nächsten Legislatur schon als Wirtschaftsminister unter einem Ministerpräsidenten Höcke, der laut Prophet der staatstragendste Politiker der AfD in Deutschland sei, niemand habe mehr für die Sache der AfD getan.
Wenn man an die Macht komme, werde man ein völlig ruiniertes Land übernehmen, dass die letzten 80 Jahren heruntergewirtschaftet worden sei und nun wieder in den Normalzustand versetzt werden müsse, ohne ideologische Experimente, Deindustrialisierung und Wokeismus. Unter nicht normal dürften dabei die Gegendemonstranten fallen, die Protestveranstaltung am Sportplatz in Niedersachswerfen sei laut Prophet der bunte Zoo auf Ausgang und die Nordhäuser Hochschule ein Tiergarten. Wenn demnächst der Bundesparteitag in der Thüringer Landeshauptstadt stattfinde, sei wieder mit Angriffen auf die Partei zu rechnen, die zu erwartenden Demonstranten seien Arbeitsunwillige, die für ihr Erscheinen bezahlt würden, insinuiert Prophet, Erfurt müsse man vor linken Zecken die hier nicht hergehören, schützen.
Zum "Bürgergespräch" waren etwas über 200 Gäste erschienen, nicht alle fanden im Handwagen Platz (Foto: agl)Die wahre Gefahr die es zu beseitigen gelte, sei aber die CDU, wird Möller ergänzen, denn die sei, anders als Grüne und Linke, in ihren Wahlprogrammen nicht ehrlich und habe das Land aus den Angeln gehoben. Düben-Schaumann verspricht Gleichberechtigung statt Gleichstellung, Christopher Drößler beschwört Einheit und Identität der Nation und blickt dabei auf das Kaiser-Wilhelm Denkmal am Kyffhäuser und Barbarossa. Drößler sieht das Land in einer tiefen Identitätskrise, man müsse lernen, sich auf das deutsche Erbe zu besinnen, denn die eigene Identität sei nichts, was man sich aussuche, sondern etwas, dass man annehmen müsse. Die Staatsbürgerschaft zu erlangen reicht dabei offenbar nicht, Drößler warnt denn auch vor Masseneinbürgerung. Mit Aussagen, dass nicht alle Deutschen wirklich Deutsch im Sinne der AfD sind, hatte jüngst Parteifreund Höcke für Schlagzeilen gesorgt, beim Publikum scheint das gut anzukommen.
Das war schließlich auch aufgerufen, Fragen an das Podium zu richten. Der erste Mann am Mikrofon wollte wissen, wie es um den Simson-Antrag steht, es geht um Zulassungsfragen und Rückimporte aus Ungarn. Antwort: man kümmere sich, bei dem Thema zeige sich aber auch, wie die Ostdeutsche Identität zerstört werde, zudem müsse das Verbrennerverbot zurückgenommen werden, die Elektromobilität sei von oben aus Brüssel herab gereicht worden. Als Nächstes eine Dame, in Deutschland würden die 2 + 4 Verträge gebrochen, warum setze sich die AfD damit nicht kritischer auseinander? Alle ausländischen Truppen müssten das Land verlassen. Antwort: natürlich nehme man das ernst, bei dem Thema gebe es aber Bruchlinien in der Partei, im Westen sind damit keine Wahlen zu gewinnen. Drößler verweist auf das zunehmende Gewicht von Staaten wie Indien und China, gegen die man alleine nicht bestehen könne.
Und eine Dritte Frage: seit den Corona-Impfungen werden weniger Kinder geboren, was will man dagegen tun? Da kommt Drößler ins Schwimmen, neue Wege gelte es zu gehen aber nicht durch Zuwanderung, sondern durch Remigration. Die sei Sozialpolitik, wenn man die Leute aus der sozialen Hängematte schmeiße, würden die von ganz alleine nach Hause gehen. Einen Zuwachs an Menschen erreicht man damit freilich nicht, den Ausgleich nötigen Ausgleich zu sinkenden Geburtenzahlen und Produktivkraft könne man wie Japan über Technik und K.I. schaffen, springt Möller ein, außerdem habe die Corona-Politik zu Vereinsamung geführt, auch das Drücke die Zahlen, das Land müsse wieder lebensbejahender und kinderfreundlicher werden.
Im Handwagen staut sich zu dem Zeitpunkt schon die heiße Luft, die Gäste, die draußen bleiben mussten und vor dem Lautsprecher sitzen konnten, hatten es am Ende vielleicht sogar besser getroffen. Am frühen Abend konnte auch die Polizei unverrichteter Dinge abfahren. Susanne Schedwill, Angelo Glashagel
Eine Grippe mäht den "Führer" ("dem man gerne folgt" - Originalzitat aus einem der jährlichen Kyffhäusertreffen, mit welchem sich der Geschichtslehrer unwidersprochen feiern ließ) nieder?
Wie kann das sein als strammer (West-) Deutscher?
Hoffentlich wurde er von einem Arzt mit Migrationshintergrund (Thüringen: 25%, ebenso hoch ist auch in etwa die Verteilung bei Pflegekräften) behandelt, nur so als Denkanstoß für ihn. Obwohl, dann hat er sich dann ja vielleicht lieber gar nicht behandeln lassen und konnte deswegen nicht kommen?
Ach, ich spekuliere ja nur...
Gute Besserung, Herr Höcke. Nicht, dass nicht "nur ein Selbstmord" Sie davon abhält, Ministerpräsident zu werden, sondern eine simple Wald- und Wiesengrippe. Das wäre schon peinlich: Grippe statt Zyankali wie beim großen Vorbild...
Vielen Dank an die Veranstalter, dass ein tolles Sommerfest veranstaltet wurde. Solche Aktionen lassen einen auch in schwierigen Zeiten doch immer wieder daran glauben, dass Solidarität, Zusammenhalt und eine gelebte Willkommenskultur über Hass und Hetze stehen.
Schön, dass so viele Menschen zusammengekommen sind. Das macht einen dann doch etwas Stolz auf die Heimat.
Auch ein Herr Höcke kann krank werden. Ob man seine politischen Ansichten teilt oder nicht, sollte dabei keine Rolle spielen. Krankheit macht keinen Unterschied zwischen Politikern, Handwerkern, Angestellten oder Rentnern. Jeder Mensch kann eine Grippe bekommen, gesundheitliche Probleme haben oder einfach eine Phase erleben, in der der Körper eine Pause verlangt. Niemand kann 365 Tage im Jahr Höchstleistungen erbringen. Gerade von Politikern wird oft erwartet, ständig präsent und belastbar zu sein. Doch am Ende sind auch sie nur Menschen. Kritik an politischen Entscheidungen ist völlig legitim, aber krank zu sein sollte niemandem zum Vorwurf gemacht werden. Respekt und Fairness sollten auch dann gelten, wenn man politisch anderer Meinung ist.
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Harzer Jung
19.06.2026, 12:20 Uhr
Wenn Drößler, Möller und Prophet ein lebensbejaendes und kinderfreundliches Land sehen möchten,
dann hätte sie wohl das Familienfest besuchen sollen. Dort waren Menschen, die nicht nur Probleme und Schuldige brennen können, sondern auch über Perspektiven und Möglichkeiten gesprochen haben. Deren Ziel nicht allein darin bestand bei Menschen Zukunftsängste zu schüren. Das Niveau von Herrn Prophet zeigt sich in seinen abwertenden und respektlosen Aussagen. Das klingt nach sehr viel persönlicher Verbitterung. Von dieser Verbitterung war auf dem Festgelände nichts zu sehen. Nur positive Menschen bringen ein Land voran. Es ist zudem schon bezeichnend, wenn ein Möchtgernführer sich von einer "Grippe" davon abhalten lässt, "zum Volk" zu sprechen. Der Normbürger quält sich mit einer Grippe noch auf Arbeit. So wird es nichts mit der Rückforderung des Abendes. Genauso bezeichnend war es, dass zu beobachten war, das Anhänger und Anhängerinnen der Parteiveranstaltung versuchten zu provozieren und das Fest zu stören. Lustig ist, dass bei solchen Veranstaltungen wie im Sachswerfer Handwagen immer die gleichen Protagonisten in den ersten Reihen sitzen und die eigenen Parteimitglieder die Reihen füllen müssen.😉
Wenn das Land die letzten 80 Jahre runtergewirtschaftet wurde und nun wieder in den Normalzustand versetzt werden soll. Welche Zeitperiode meint Herr Prophet denn da eigentlich genau? Muss man befürchten wie von vor 80 Jahren?
Allgemein klingt das auch ziemlich respektlos gegenüber der Lebensleistung der Leute, gerade hier im Landesteil der Simson-Reimportierer.
Zitat,,,Wenn man an die Macht komme, werde man ein völlig ruiniertes Land übernehmen ...
Das stimmt nicht ! Jedenfalls das mit den 80 Jahren. Jeder hat damals auf Kohl eingedroschen und ich fand das gut. Aber er begriff die Balance zwischen arm und reich, dem Reichen seinen Benz und dem Armen seinen Golf...so wurde die alte BRD für uns so schnuckelig.
Schröter war der erste Politiker, welcher 50jährige Schichtarbeiter nach Jobverlust in eine Reihe mit zugewanderten Menschen, NieArbeitenden und anderen Lebensmodellen in seine Jobcenter presste. Nech Grüne , Ihr wart auch dabei !
Die Afd werde ich wegen ihrer Ferne von uns Arbeitern natürlich nicht wählen. Aber die Altparteien sollten sich mal überlegen, warum diese demokratisch gewählte Partei eine solche Zustimmung erhält !
Anmerkung techn. Support:
Und das, wo die AfD das doch gar nicht nötig hat. 🤣
Querdenker
19.06.2026, 13:25 Uhr
Bürgerdialog ...
es zeigt sich wieder einmal Toleranz und Vielfalt,
in seiner besten Form, vor allem wenn es um um Hass und Hetze geht, wie bei einigen
Kommentatoren vor mir.
Was haben Sie an einem Bürgerdialog nicht verstanden ? Dann wären Sie einfach mal in den Handwagen gegangen, zum einen einfach mal zugehört und zum anderen hätten Sie Ihre Fragen stellen können. Es heißt ja Dialog ...
Auf kritische Fragen , gibt es auch vernünftige Anworten... Nur so läuft ein Dialog.
Aber um kritische Fragen zu stellen zu können , muss man auch mal über seinen Schatten springen und in Kontakt treten... Aber Hass & Hetze ist natürlich einfacher...
Zum Thema - Höcke hat Grippe - Wir sind alle Menschen und jeder wird Krank !
Nur Fakt ist , es gibt Menschen die sind krank und die anderen machen krank.
Frage mich ehrlich bei welchen Klientel mehr Menschen buckeln gehn , um das Rad am laufen zu halten und sich nebenberuflich engagieren und welches Klientel krank feiert und dem Staat auf der Tasche liegt ? !
Auch Bürgerdialoge sind Arbeit und andere feiern Feste ... Finde den Fehler !
habe ich ja schon lange nichts mehr gehört oder gelesen. Vielleicht publiziert er ja in rechten Netzwerken, aber davon bekomme ich nichts mit. Kann ja auch sein, dass die AFD-Führung den rechten Rand der Partei zurückgepfiffen hat. Radikale Äußerungen könnten den Wahlerfolg nur schmälern . . .
Die Meldung über seine Grippe zeigt zumindest, dass es ihn noch gibt.