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So, 09:53 Uhr
22.09.2019
Wiederbewaldung der Schadflächen ist auf gutem Weg

Ministerin Keller sieht Verantwortliche gewappnet

Forstministerin Birgit Keller sieht Thüringens Waldbesitzer und Förster für die Wiederbewaldung der Schadflächen strategisch gut gewappnet. Tausende Hektar Schadflächen sind im Freistaat aktuell zu beklagen, hervorgerufen durch die Trocken- und Sturmjahre 2018/19 und der Ausbreitung von Sekundärschädlingen als deren Folge.



Viele Forstleute erinnern die jetzigen Schäden an das Jahr 2007, in dem Orkan Kyrill rund 3,5 Mio. Festmeter Schadholz in den Wäldern des Freistaats verursachte. „Auf die damaligen Erfahrungen bei der Wiederbewaldung soll in den nächsten Jahren verstärkt gebaut werden“, so die Ministerin. Dies bedeutet, unter Berücksichtigung vielfältiger Pflanzungsstrategien für konkrete örtliche Schadflächen das bestgeeignete Verfahren bei gleichzeitig geringem Ressourcenverbrauch anzuwenden. Gleichzeitig betonte die Ministerin die Wichtigkeit des generellen Waldumbaus hin zu klimastabilen Mischwäldern.

Positive Erfahrungen aus der Wiederbewaldung nach „Kyrill“
Die guten Erfahrungen, die bei der Wiederbewaldung nach Orkan „Kyrill“ gemacht wurden, zeigen, wie wichtig die konkrete waldbauliche Analyse an der Schadfläche ist. „Die daraus abgeleiteten Maßnahmen umfassen im einfachsten Fall die Überlassung der Schadflächen den Naturkräften bis hin zur aufwendig geschützten Mischwaldkultur“, so Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand. Aber auch Vorwaldstrukturen, Ergänzungspflanzungen oder Trupppflanzungen sind erfolgreich angewandte Wiederbewaldungsstrategien. Ebenso können Saatverfahren, etwa bei Birke oder Weißtanne, statt Aufforstungsmaßnahmen zur Anwendung kommen. Um die Entwicklung von klimastabilen Mischwäldern auch in den ersten Wachstumsjahrzehnten abzusichern, sind in der Dickungs- und Jungbestandsphase umfassende Pflegeeingriffe notwendig. Diese sind vorwiegend händisch durchzuführen, was personal- und damit kostenintensiv für die Waldbesitzer ist.

Wiederbewaldung und Waldumbau erfordern eine zeitgemäße Jagd
Die zarten Jungbäume, die in den nächsten Jahren an vielen Orten das Waldbild in Thüringen prägen, sind bevorzugte Leckerbissen insbesondere für das Rehwild. Der Verbiss dieser Jungbäume führt zu Zuwachsverlusten, Verkrüppelung und schließlich zum Absterben. Kulturen mit höheren Ausfallprozenten müssen sodann teuer nachgepflanzt werden. Mit Zäunen sind die großflächigen Kulturen nicht allein zu schützen, zumal diese sehr teuer sind. Rot- und Damwild schält junge- bis mittelalte Bäume mit der Folge, dass Pilze eindringen und dies zu Fäulnis führt. Beide Schadphänomene machen eine Absenkung regional überhöhter Rot-, Reh- und Damwildbestände auf ein ökosystemverträgliches Maß dringend erforderlich. Wiederaufforstung und Waldumbau verursachen enorme finanzielle Belastungen für die Forstbetriebe und Waldbesitzer. Ein zeitgemäßes, ökologisch ausgerichtetes Jagdmanagement sichert diese Zukunftsinvestitionen in besonderem Maße.
Dr. Horst Sproßmann
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Kommentare

22.09.2019, 11.36 Uhr
Himbär | Gut gewappnet geht nicht
Wie kann man bei Schäden dieses apokalyptischen Ausmasses gut gewappnet sein? Das Ende des Waldsterbens ist noch lange nicht erreicht, der Boden ist weiterhin metertief knochentrocken. Daran würde selbst ein wochenlanger Regenguss erst mal nichts ändern. Hat man denn schon begonnen, Sämereien oder Jungpflanzen zu horten? Gibt es dort ein ausreichendes Angebot? Dazu kommt: Thüringen Forst ist ein Staatsbetrieb. Unternehmungen der öffentlichen Hand haben den Makel, dass hier niemand für sein Tun persönlich zur Rechenschaft gezogen werden kann. In der Regel wird alles schlechter, teurer sowieso und verzögert sich immer wieder. Das ist beim Flughafen FBB so, bei der Bundeswehr, bei der Bahn, der Telekom etc.. Auch wenn man nicht verallgemeinern kann, neben den waldbaulichen Konzepten traf der Staatsforst die Entscheidungen gegen den Leistungslohn, für die Abschaffung zahlreicher Waldarbeiter, für die Einstellung der Lehrlingsausbildung u.v.a.mehr. Jetzt hat das klamme Unternehmen die Möglichkeit tief in den Steuersack zu fassen und nebenbei noch eine Legitimation für das eigene Jagdmodell. Der Forstbetrieb ist inzwischen die Gorch Fock der Thüringer Steuerzahler.
Monokulturen sind per se schon nicht gesund, werden sie übernutzt sind die Bestände nicht mehr geschlossen, trocknen schneller aus und bieten Angriffsflächen bei Starkwinden. Bleibt der Windbruch dann im Wald, freut sich der Borkenkäfer. Einzelne befallene Bäume bleiben zu lange stehen weil niemand mehr da ist, der in Handarbeit fällt und kleine Schadnester beseitigt. Erst wenn es so viele sind, dass es sich lohnt mittels Lohnunternehmen eine ordentliche Rückegasse in den Wald zu treiben wird gehandelt. Viele meinen, dass hier inzwischen etwas verquer läuft. Man kann nur noch hoffen, dass das Wetter im nächsten Winter und in den nächsten Jahren hilft, ansonsten kann hier niemand gut gewappnet sein

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