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Sa, 14:54 Uhr
24.04.2021
Der Park Hohenrode und die BUGA

Ich hörte es sagen

Die Bundesgartenschau in Erfurt ist eröffnet und der Park Hohenrode in Nordhausen ist als Außenstandort mit dabei. Was das mit einem althochdeutschen Heldenepos und der Lyrik im Allgemeinen zu tun hat, hat Heidelore Kneffel zusammengetragen...

Ich hörte es sagen - so beginnt ein berühmtes germanisches Heldenlied aus dem 9. Jahrhundert. Da es in Althochdeutsch verfasst wurde, heißt die Urzeile: Ik gihorta dat seggen …“. Man könnte auch übersetzen: Mir kam zu Ohren – Es wurde mir mitgeteilt – Es wurde mir erzählt. Das Erzählen von Geschehnissen ist ja uralter Menschenbrauch. Zuerst erfolgte die Weitergabe mündlich, dann später, als man der Schriftsprache mächtig war, wurden die Erzählungen aufgeschrieben.

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Ich hörte sagen, ich las es, ich sah es, dass am Freitag in der Blumenstadt Erfurt die BUGA 2021 eröffnet wurde. Als Standort ist das bekannte Gelände der ega gewählt, seit Jahrzehnten bekannt für herrliche Blumenschauen im Außengelände und in Häusern, eingeschlossen immer Kunst in verschiedener Ausführung. Hinzu kommt die „Zitadelle Petersberg“ im Zentrum der Stadt. Aber nicht genug! Die Thüringer Gartenpracht wird auch angeboten in 25 anderen Standorten in ganz Thüringen. Man hat sie Außenstandorte genannt, eine nicht wirklich passende Wortwahl – außen!!! Einer dieser Orte ist der historische Park Hohenrode in Nordhausen mit seiner Villa, dem Kutscherhaus, dem restaurierten Pavillon. Ich besitze dankeswerter Weise eine Broschüre, die auf das Ereignis der Bundesgartenschau in Thüringen verweist. Inwieweit sie in unserer Region verfügbar ist, weiß ich nicht, sie fiel mir nicht auf, aber man ist ja in der Corona- Zeit auch nicht gerade ein Stadtgänger. Seit Jahren arbeitete man in Hohenrode auf das Ereignis hin.

Als ich gestern durch den Park wanderte, begegneten mir auch Leute von Außerhalb, die sich den Nordhäuser Standort ansehen wollten. Ich konnte nur darauf verweisen, dass durch die Pandemiebestimmungen ein Sparprogramm auferlegt wäre, so hätte ich es aus den Medien erfahren. Aber der Park zeige sich ja im Frühlingsgewand, die Wege laden zum Bummeln ein, die Bänke zum Verweilen. Ein Aushang in der Nähe des Kutscherhauses weist darauf hin, dass jeweils am Dienstag von 13.00 Uhr bis 18.00 Uhr und Donnerstag von 8.00 Uhr bis 13.00 Uhr Frau Daniela Althaus als Ansprechpartner zugegen sei. Woher man das ansonsten erfahren kann, ist mir nicht bekannt.

Am unteren Eingang vor der Treppe mit den ästhetisch schönen Treppenstufen weht eine große BUGA- Fahne im Wind, ein Transparent an der Verlobungsbrücke ist ein nächster Hinweis. Der Weg zum oberen Eingang am Warttürmchen zeigt sich im Bauzustand, gleicherweise die Treppe hinab zum Park in der Verlängerung des Rosengartens. Einschränkungen sind Alltag in Corona Zeiten!

Aber im Parkgelände gibt es einen besonderen Weg, der wegen seiner Gestaltung seinesgleichen sucht in Thüringen – der „Pfad der Poesie“. So komme ich wieder zum Beginn meines Textes, dem Erzählen von Geschichten.

Am 12. Juli 2015 versammelten sich „Menscher“, wie es die Dichterin Sarah Kirsch genannt hätte, um den Weg links der Treppe hügelan zu begehen. Dort begegneten die Menschen damals und die heutigen nach und nach 20 in edles Holz geschnitzten Gedichten, die die Künstlerin Tura Jursa aus Nordhausen mit hohem Können aus der jeweiligen Platte herausgehoben hatte. Die Stunden sind ungezählt, die diese Schöpfung gedauert hat. Aber, welche Genugtuung, wenn das Werk gelungen ist! Jede der Tafeln ist auf ein rundes Holzstämmchen gesetzt worden, so dass sie sich hervorheben aus dem Rasen und besser zu lesen sind. Erfinder dieses Poesiepfades sind Gisela Hartmann, Tura Jursa und Heidelore Kneffel, die die Mehrzahl der Gedichte auswählte.

An Lyrik, in der die Natur in ihrer Vielfalt dargestellt wird, in der ihre Wirkung auf den Menschen direkt oder indirekt aufgezeigt wird, fehlt es nicht und Generation auf Generation an Dichtenden äußern sich in dieser besonderen Sprachform, der Königin in der Literatur. Die Grundidee dabei war, dass die deutschen Verse aus mehreren Jahrhunderten stammen und dadurch die Wandlungen der Sprache deutlich werden. Als verbindendes Element sollte ein künstlerisch gestaltetes Blatt dienen. Seit der Antike wird eine Art besonders gern verwendet, das Akanthusblatt. Berühmt wurde es durch die Akanthusblatt-Kapitelle an Säulen. Auch im Stuckwerk der Villa in Hohenrode taucht es auf. Frau Jursa hat ihrem Einfallsreichtum vollen Lauf gelassen, so dass sie für jede Tafel eine Variation erfand. Auch das also schon ein Hingucker auf den Poesietafeln.

In Althochdeutsch beginnt im Deutschen das Dichten. So ist es logisch, dass damit der Poesiepfad anfängt. In einer doppelten Spalteneinteilung wird der zweite Merseburger Zauberspruch dargestellt. Die Bezeichnung benennt, dass diese Dichtung in Merseburg gefunden wurde, in der Bibliothek des Domstiftes und zwar erst 1841. Der Finder überließ sie den Brüdern Grimm, den berühmten Sprachforschern, um sie zu deuten.

Nun kommt ein Mann in diese Erforschung ins Spiel, dessen Wurzeln in Nordhausen liegen. Er stammt aus der anerkannten Familie Förstemann und heißt Ernst Wilhelm Förstemann (1822 bis 1906). Er wollte alte Sprachen studieren, zuerst in Berlin, dann in Halle, er wechselte von der klassischen Philologie zur philosophischen und historischen Sprachforschung. Nach Berlin zurückgekehrt, veröffentlichte er im Jahrbuch der Gesellschaft für deutsche Sprache und Altertumskunde im Jahr 1843 seine erste kleine Abhandlung über die entdeckten „Merseburger Zaubersprüche“. Später wird dieser Gelehrte helfen, die Maya-Handschrift in Dresden zu entschlüsseln. Dieser Bezug war mir wichtig, als ich den „Zweiten Merseburger Zauberspruch“ als Beginn des Gedichte-Reigens im Park Hohenrode auswählte. Diese Beschwörungsformeln sind in die Zeit um 900 zu versetzen.

Der Glaube an viele Götter herrschte und der, dass sie Wunder bewirken könnten. Der erste Vers wurde gesprochen, um Gefangene aus ihren Fesseln zu befreien, der zweite, derjenige, der in Nordhausen zu lesen ist, verhilft einem beinverletzten Pferd zur Heilung. Die linke Spalte zeigt den althochdeutschen Text, die zweite den ins Neuhochdeutsche übersetzte. Der Text ist jeweils etwas gekürzt. Diese Poetiktafel hat vor der Winterzeit eine Person - ich wähle bewusst eine neutrale Bezeichnung, geklaut! Welche innere Stimmung sich in den Personen aufbaute, die in den verflossenen 7 Jahren diesen Gedichtepfad sozusagen als Lebensfreude brauchen, kann man sich denken.

Ich wünschte, sie/er hätte als Dieb durch den Spruch ordentliche Beschwerden als da wären Gewissensbisse. Aber, da biss nichts, die Tafel blieb verschwunden! Und was tut ein Mensch, der gerne für das Allgemeinwohl tätig ist? Frau Jursa schnitzte diese schwierige Tafel noch einmal. Danke von mir. Weiß nicht, ob ihr offiziell gedankt wurde. Ich hoffe, dass ich einige Lesende auf weitere Gedichtepfad- Geschichten neugierig gemacht habe. Ich biete der nnz-online noch einen Beitrag an.
Heidelore Kneffel
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Kommentare

25.04.2021, 11.47 Uhr
DDR-Facharbeiter | Kontrollen nachts in Park Hohenrode und Parkplätzen
"Wo rohe Kräfte sinnlos walten" , da werden Kunstwerke geklaut und Bäume zerstört.
In Basel häuften sich vor einigen Jahren Raubüberfälle auf nächtliche Heimkehrer aus Fabriken und Gaststätten.
Nach einiger Zeit hörte das auf.
Es wurde bekannt, dass Vierer-Gruppen in einheitlichen Sportanzügen nachts durch die Anlagen und Strassen streiften und ihnen verdächtige Zweier-oder Dreier- Gruppen anhielten und zum Teil zusammenschlugen.
Die nächtlichen Raubüberfälle hörten auf.
Vermutlich waren die "einheitlichen Sportskameraden" Polizisten, die ohne Umweg über Vorschriften die Kriminellen vergraulen wollten.
Wo rohe Kräfte SINNVOLL walten, können Leib und Leben und Kulturgüter wie Hohenrode auch SINNVOLL geschützt werden.
Ob die vom Landrat Jendricke aus mehreren kräftigen Männern zusammengestellte Ordnungstruppe auch in Hohenrode unsere Kulturgüter sichern kann ?

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