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Do, 18:37 Uhr
13.01.2022
Spenden für die Opfer des Weihnachtsbrandes

Zwölf Schicksalsschläge

Für zwölf Nordhäuser Familien wird der erste Weihnachtsfeiertag 2021 als dunkler Tag in besonders in Erinnerung bleiben. Kurz nach der Mittagsstunde schlugen Flammen aus dem Dach des alten Fachwerkhauses im Mecklenburgs Hof und verschlangen ihr Hab und Gut. Die Geschichte hat aber nicht nur Schattenseiten…

Die Aufräumarbeiten am Mecklenburgs Hof sind in vollem Gange (Foto: agl) Die Aufräumarbeiten am Mecklenburgs Hof sind in vollem Gange (Foto: agl)

Es gibt Momente, die bleiben einem im Gedächtnis. Momente bei denen man auch Jahre später noch genau weiß, wo man war und was man getan hat. Meistens sind dies große, umwälzende Ereignisse. Das es solche auch in einer eher kleinen und beschaulichen Stadt wie Nordhausen geben kann, zeigte der erste Weihnachtsfeiertag 2021, in diesem Fall leider zum Schaden vieler Menschen.

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Um die Mittagszeit bricht im Mecklenburgs Hof, im Herzen der Altstadt, ein verheerender Brand aus. 150 Rettungskräfte kommen aus dem halben Landkreis zusammen und kämpfen fünf Stunden lang mit den Flammen, bevor am späten Nachmittag gemeldet werden kann: Brand unter Kontrolle. Es folgen Nachtwache und noch am nächsten Tag Ablöscharbeiten. Oberbürgermeister Buchmann war am Brandtag zwei mal vor Ort, hört von den Einsatzkräften das man es mit „einem schwierigen Brand“ zu tun habe. „Fünf Stunden Kampf bei schlechtem Wetter, das war für alle eine Zumutung. Unser Dank gilt allen Einsatzkräften“, sagte der OB heute im Ratsaal des Bürgerhauses.

Die Ermittlungen zur Brandursache in dem vom Einsturz gefährdeten Fachwerkbau konnten erst spät und unter schweren Bedingungen beginnen. Inzwischen sei sicher, dass keine vorsätzliche Straftat, also keine Brandstiftung, vorliege, erklärte die Pressesprecherin der Nordhäuser Polizei gegenüber der nnz. Fahrlässigkeit oder ein technischer Defekt stünden weiter im Raum, ließen sich womöglich aber nicht mehr einwandfrei feststellen.

Zwölf Schicksalsschläge
Der Kampf gegen die Flammen, das ist die eine Seite. Die andere ist die der Menschen, die mit ansehen mussten wie Haus und Heim vom Feuer verschlungen oder vom Löschwasser ertränkt wurden. Die Bilanz am Ende der Katastrophe: zwölf Familien, die bis auf ihr Leben fast alles verloren haben. Das ist die eine gute Nachricht, die schnell die Runde macht - es gibt an diesem Tag keine Toten zu betrauern und keine Verletzten zu pflegen. Alle haben zügig und richtig gehandelt, und das meiste ihrer physischen Habe hinter sich gelassen. Manche trifft es härter als andere, aber niemand kommt zu körperlichem Schaden.

Auch hinter diesen zwölf Schicksalsschlägen gibt es einen Lichtschein. Die Hilfsbereitschaft der Nordhäuserinnen und Nordhäuser läuft fast so schnell an, wie der Brand bekämpft wird. Die Fotografin Nadine Baerens kennt persönlich zwei der betroffenen Familien. „Das waren zwei harte Schläge und ich bin eine Macherin, ich wollte was tun.“, erzählt Baerens am heutigen Nachmittag. Noch am Abend des Brandes zieht sie eine Spendenaktion für die Betroffenen über zwei Internetportale auf. Heute nun kam man zusammen, um die eingegangenen Spenden zu verteilen. Nach Abzug einiger Gebühren und dem Verzicht einer Betroffenen zu Gunsten der anderen, kommt man auf etwas über 3.125 Euro für jede der nunmehr elf Parteien.

Für die zwölf am schwersten Betroffenen Familien kamen über das Netz Spenden in Höhe von rund 37.500 Euro zusammen (Foto: agl) Für die zwölf am schwersten Betroffenen Familien kamen über das Netz Spenden in Höhe von rund 37.500 Euro zusammen (Foto: agl)


Angesichts des angerichteten Schadens sicher nur ein kleiner Tropfen auf den sprichwörtlich heißen Stein, aber ein guter Tropfen. „Sie haben das schnell kanalisiert und die richtigen Knöpfe gedrückt, in dieser Geschwindigkeit wäre das für die Stadtverwaltung gar nicht möglich gewesen.“, lobt Oberbürgermeister Buchmann Initiatorin Baerens und spricht auch den Spender aus der Stadt und darüber hinaus von Herzen seinen Dank aus.

Auch in der Nachbarschaft muss man über die Feiertage an die Opfer der Brandkatastrophe denken. So gehen im Dom spenden über die offene „Antiarmutskasse“ ein und machten es Pfarrer Riechelmann heute möglich, auch noch einmal 80 Euro für jede Familie draufzulegen. Der Friseursalon „Schnittstelle“, der am Eingang zum Hof vom Feuer verschont wurde, hat ebenfalls gesammelt und konnte rund 600 Euro zusammentragen. Die Nordhäuser Städtefreunde habe bei den Partnern in Bochum angeklopft und sind bereit, in diesen schwierigen Zeiten zu helfen, erklärte deren Vorsitzender, Hans-Joachim Tischer. Bei der Energieversorgung Nordhausen hat man sich derweil ebenfalls Gedanken gemacht und kam nach vielen praktischen Abwägungen zu dem Schluss, dass man den Betroffenen schlicht eine Auszeit im Badehaus spendiert, um „ein paar schöne Stunden zu verbringen und den Kopf frei zu bekommen“, so die neue EVN-Chefin, Jana Zöller. Pragmatismus auch bei der Stadtverwaltung: das Rathaus organisierte für die Betroffenen diverse Gutscheine im Gesamtwert von 5.500 Euro.

Auch wenn noch niemand eine neue Wohnung beziehen konnte, so sind doch alle Brandopfer bei Freunden und Verwandten und in einem Fall in einer Ferienwohnung, untergekommen. Der erste Weihnachtsfeiertag 2021 wird für sie noch lange nachwirken, wahrscheinlich länger als für die, die nur Zuschauer der Geschehnisse waren. Ein Tag an dem man sich immer erinnern wird. Ein dunkler Tag. Aber vielleicht wird man dann auch an den heutigen Nachmittag zurückdenken, und sich an diesen guten Tag und ein Zeichen der Hilfsbereitschaft und des Mitgefühls, ewiglich erinnern.
Angelo Glashagel
Die Aufräumarbeiten am Mecklenburgs Hof sind in vollem Gange (Foto: agl)
Spendenübergabe im Nordhäuser Ratssaal (Foto: agl)
Spendenübergabe im Nordhäuser Ratssaal (Foto: agl)
Spendenübergabe im Nordhäuser Ratssaal (Foto: agl)
Spendenübergabe im Nordhäuser Ratssaal (Foto: agl)
Spendenübergabe im Nordhäuser Ratssaal (Foto: agl)
Autor: red

Kommentare
Harzer66
13.01.2022, 19.51 Uhr
Achtung Finanzamt
Aufpassen, dass im Nachhinein nicht das Finanzamt von den Spenden bei den so schon Betroffenen seinen Anteil will.
Herr Schröder
13.01.2022, 20.54 Uhr
Großartige Aktion!
Ich hoffen die Spenden helfen den Betroffenen auch wenn es nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Viele persönliche Dinge sind einfach nicht zu ersetzen.
Schön das Nordhausen ist solch schweren Zeiten auch zusammen steht und hilft.
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