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Mi, 10:30 Uhr
04.03.2026
Wenn in Kino 1 die Stricknadeln klappern

Wollkommen im Strickkino

Mit Corona-Einbruch und Streaming-Konkurrenz haben die Kinos hierzulande bis heute zu kämpfen, im Nordhäuser Filmpalast hat man kreative Wege gefunden, um die Sitze wieder zu füllen. Unter anderem wird im großen Saal seit ein paar Monaten regelmäßig zum „Strick-Kino“ eingeladen…

Gemütlich und Beisammen - im Nordhäuser Filmtheater wurde gestern zum "Strickkino" geladen (Foto: agl) Gemütlich und Beisammen - im Nordhäuser Filmtheater wurde gestern zum "Strickkino" geladen (Foto: agl)

Bianka Gauder ist am Montagabend wieder voll ausgerüstet im Filmpalast Neue Zeit erschienen: Kisten voll bunter Wollknäuel, Strickmuster und -nadeln, nützliches Zubehör und Spezialgerät wie „Haspel und Wollwickler“, dazu ein fertiger Pullover, zur Inspiration für die Strickfreunde. „Das ist mein liebstes Hobby. Ich stricke viel. Sehr viel. Aber dass ich das mal im Kinosaal machen würde, hätte ich auch nicht gedacht“, erzählt Gauder. Viel Zeit hat sie nicht, die Damen (und auch ein paar Herren) die zum „Strickkino“ gekommen sind, haben reichlich Redebedarf, ehe der Film losgeht. An den vor der Leinwand aufgestellten Tischen wird eifrig gestöbert und gefachsimpelt und wer Platz nimmt, hat schnell das Strickzeug zur Hand.

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Rund 60 Besucher zählt Kinochef Jürgen Deisting an diesem Montag im „Kino 1“, dem größten Saal im Haus. Seit man im vergangenen Juni mit dem „Strickkino“ begann, hat sich eine feste Gruppe gebildet, viele hier sind „Wiederholungsstricker“. Als echter Kurs oder Workshop ist der lockere Abend allerdings nicht zu verstehen, erläutert Gauder, die bietet die Frau vom Fach in Sondershausen an und hat dazu mit „Wollreich & Handgemacht“ ihre eigene kleine Wollwerkstatt aufgebaut.

Binaka Gauder an der "Haspel" (Foto: agl) Binaka Gauder an der "Haspel" (Foto: agl)

Die Idee zum "Woll-Happening" im Kinosaal kommt ursprünglich aus Skandinavien und landete über die sozialen Medien schließlich auch auf Jürgen Deistings Radar. „Wir haben uns gedacht, dass wir das auch einmal ausprobieren müssten. Ich habe dann hier ein bisschen recherchiert und bin auf Bianca und auf ihre Strickkurse gestoßen. Eins hat zum anderen geführt und inzwischen macht die Idee in allen Kinos der Filmtheatergruppe die Runde.“, erzählt der Nordhäuser Kinochef.

Gezeigt wird am Montag „Ein fast perfekter Antrag“ mit Heiner Lauterbach und Iris Berben in den Hauptrollen. Die Filmvorführung steht aber eigentlich schon fast im Hintergrund. Im Saal wird das Licht nicht vollends gelöscht, der Ton wird herunter gedreht, man soll sich noch unterhalten können. Entscheidend sei das gemeinsame Erlebnis, sagt Deisting. „Die könnten hier alle auch zu Haus stricken und tun das mit Sicherheit auch. Dann aber eben allein. Hier im Saal, zusammen im Austausch miteinander ist das ein anderes Erlebnis und das suchen die Menschen. Das gilt nicht nur für das Strickkino, wir erleben das auch bei den anderen Sondervorstellungen. Ob da Roland Kaiser oder Metallica auf der Leinwand sind oder ein Anime im Original mit Untertiteln läuft - die Leute kommen wegen dem Erlebnis und weil sie auf Gleichgesinnte treffen, mit denen sie das teilen können. Mit Netflix auf der Couch geht das nicht und wenn uns Corona eines gelehrt hat, dann das wir eigentlich nicht die ganze Zeit zu Hause bleiben wollen.“

Rund 60 eifrige Strickfreunde kamen gestern im Nordhäuser Kino zusammen (Foto: agl) Rund 60 eifrige Strickfreunde kamen gestern im Nordhäuser Kino zusammen (Foto: agl) Vom Pandemie-Knick haben sich die Lichtspielhäuser hierzulande immer noch nicht ganz erholt, aber es geht vorwärts. Das vergangene Jahr sei wieder besser gelaufen als 2024, erzählt Deisting, man sei aber noch nicht wieder ganz da, wo man eigentlich hin will. Aber es gibt Lichtblicke. Auch das „Seniorenkino“ hat als Experiment mit einer Vorstellung begonnen, inzwischen spielt man zwei mal im Monat in drei Sälen und das Pendant „Mein erster Kinobesuch“ - ohne Werbung dafür mit Maskottchenbesuch und Urkunde - kommt bei den Familien zunehmend gut an.

Wer jetzt schon die Nadeln gezückt hat, muss ich in Geduld üben: das nächste Strickkino wird noch etwas auf sich warten lassen, eigentlich ist der erste Montag im Monat als Termin gesetzt, doch da kommt im April das Osterfest dazwischen. Die Stricknadeln werden erst nach der Ostereiersuche wieder im Kinosaal klappern können. Wann genau teilt das Kino bei Zeiten mit.
Angelo Glashagel
"Wollkommen" im Strickkino in Nordhausen (Foto: agl)
"Wollkommen" im Strickkino in Nordhausen (Foto: agl)
"Wollkommen" im Strickkino in Nordhausen (Foto: agl)
"Wollkommen" im Strickkino in Nordhausen (Foto: agl)
"Wollkommen" im Strickkino in Nordhausen (Foto: agl)
"Wollkommen" im Strickkino in Nordhausen (Foto: agl)
"Wollkommen" im Strickkino in Nordhausen (Foto: agl)
Autor: red

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Kommentare
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04.03.2026, 11:28 Uhr
Eine gute und sinnvolle Idee ! Meine Anerkennung.
Ich erinnere mich noch an die Nachkriegszeit, als meine Mutter für mich "Anziehsachen" gestrickt hat. Ich hoffe ja nicht, dass sich diese notbedingten Verhältnisse wiederholen werden, obwohl die bekannten Hetzsender ja schon wieder von einer anstehenden Inflation sprechen. Dass sich das Preisniveau auf allen Gebieten durch die riesigen Kriegsausgaben bereits drastisch erhöht hat, merken die Bürger jetzt schon !
Und es wird durch die anstehenden Kriegsereignisse weiter steigen !
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