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Di, 12:06 Uhr
07.04.2026
Berufsschüler testen Barrierefreiheit

Mit dem Rollstuhl durch Nordhausen

Wie barrierefrei ist Nordhausen im Alltag wirklich? Dieser Frage gingen Pflegeauszubildende im zweiten Ausbildungsjahr der IWK Berufsfachschule im Rahmen eines praxisnahen Projekts nach...

In einem Selbstversuch haben Berufsschüler sich durch Nordhausen begeben. (Foto: Josephine Eicke) In einem Selbstversuch haben Berufsschüler sich durch Nordhausen begeben. (Foto: Josephine Eicke)
Gemeinsam mit Partnern aus der Region, darunter auch Vertreter der Verkehrsbetriebe Nordhausen GmbH, wagten sie einen Perspektivwechsel: Mit Rollstühlen, Rollatoren und sogenannten „Blindbrillen“ erkundeten sie die Stadt aus Sicht von Menschen mit Einschränkungen.
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Ziel des Selbstversuchs war es, ein besseres Verständnis für die täglichen Herausforderungen zu entwickeln und daraus wichtige Erkenntnisse für die Pflegepraxis zu gewinnen. Bereits zu Beginn zeigte sich, dass viele alltägliche Situationen mehr Aufmerksamkeit erfordern, als es auf den ersten Blick scheint.

Der Weg durch die Innenstadt stellte die Schülerinnen und Schüler vor unterschiedliche Herausforderungen. Unebene Wege, Bordsteine sowie teils enge Geschäftsräume und hohe Ablagen verlangten Geduld, Orientierung und Kommunikation. Gleichzeitig wurde aber auch deutlich, dass es bereits viele positive Beispiele gibt, etwa Geschäfte mit ausreichend Platz, barrierearmen Zugängen und kooperativen Mitarbeitenden.

Ein besonderer Fokus lag auf dem öffentlichen Nahverkehr. Hier sammelten die Auszubildenden vielfältige Eindrücke. Das Ein- und Aussteigen in die Straßenbahn erforderte gutes Timing und Aufmerksamkeit, vor allem bei Höhenunterschieden zwischen Fahrzeug und Haltestelle.

In den Bahnen selbst war das Platzangebot teilweise begrenzt, insbesondere bei höherem Fahrgastaufkommen. Die Kooperation mit der Verkehrsbetriebe Nordhausen GmbH ermöglichte zudem auch den Auszubildenden zur Fachkraft im Fahrbetrieb praktische Einblicke in die Lebensrealitäten von Fahrgästen mit Mobilitätseinschränkungen.

Gleichzeitig konnten auch Fortschritte wahrgenommen werden. Moderne Anzeigen, verständliche Durchsagen sowie technische Hilfsmittel wie Haltewunschknöpfe oder Leitstreifen an Haltestellen tragen bereits zu mehr Orientierung und Sicherheit bei. Positiv hervorgehoben wurde zudem die Offenheit der Mitarbeitenden der Nordhäuser Verkehrsbetriebe, Anregungen aufzunehmen und kontinuierlich an Verbesserungen zu arbeiten. Unterstützung erhält die Stadt Nordhausen durch den kommunalen Beauftragten für Menschen mit Behinderung, Thomas Müller, der das Projekt ebenfalls begleitete.

Neben baulichen und technischen Aspekten spielte auch das Verhalten der Mitmenschen eine wichtige Rolle. Viele Passanten zeigten Hilfsbereitschaft und Rücksichtnahme, was von den Auszubildenden als sehr unterstützend empfunden wurde. Gleichzeitig wurde deutlich, wie wichtig Sensibilität und Aufmerksamkeit im Umgang miteinander sind, um allen Menschen eine selbstverständliche Teilhabe am Alltag zu ermöglichen.

Für die angehenden Pflegekräfte brachte der Selbstversuch wertvolle Erkenntnisse. Im Berufsalltag kommt es nicht nur auf praktische Unterstützung an, sondern vor allem auf Einfühlungsvermögen, Geduld und die Förderung von Selbstständigkeit. Hilfe sollte gezielt angeboten werden, ohne die Eigenständigkeit der Betroffenen einzuschränken.

Das Projekt zeigt insgesamt ein ausgewogenes Bild: Nordhausen ist auf einem guten Weg. Es gibt bereits zahlreiche Ansätze und funktionierende Lösungen, gleichzeitig bestehen noch Entwicklungsmöglichkeiten, die Schritt für Schritt angegangen werden. Die Zusammenarbeit zwischen der IWK Berufsfachschule, der Verkehrsbetriebe Nordhausen GmbH und weiteren Beteiligten macht deutlich, wie wichtig gemeinsames Engagement ist. Denn echte Barrierefreiheit entsteht nicht nur durch Technik und Infrastruktur, sondern vor allem durch Zusammenarbeit, Verständnis und den Willen, den Alltag für alle Menschen zugänglicher zu gestalten.

Die IWK Berufsfachschule bedankt sich abschließend für die Offenheit und Kooperation der Verkehrsbetriebe Nordhausen GmbH, beim Beauftragten für Menschen mit Behinderung, Thomas Müller, bei den Auszubildenden der Verkehrsbetriebe Nordhausen GmbH zur Fachkraft im Fahrbetrieb, beim Eiscafé Verona für die Geduld und freundliche Bewirtung sowie bei allen Innenstadtgeschäften, die am Projekt beteiligt waren.
Autor: red

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Kommentare
Lautaro
07.04.2026, 12:59 Uhr
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