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Do, 07:00 Uhr
21.05.2026
Pflegeeinrichtung in Ilfeld nutzt Empathie-Roboter

Navel zieht im Sonnenhof ein

Große blaue Augen, eine kleine Stupsnase und ein freundliches Lächeln: Auf den ersten Blick wirkt Navel (sprich: Newwel) wie eine Disney-Figur. Doch der rund 75 Zentimeter große und rund 8 Kilogramm schwere Roboter ist echt und steckt voller moderner Technik. Im Seniorenpflegeheim Sonnenhof in Ilfeld unterstützt der sogenannte Empathie-Roboter künftig die Betreuung der Bewohner, insbesondere im Demenzbereich...

Navel trägt immer Mütze.  (Foto: ssc) Navel trägt immer Mütze. (Foto: ssc)
Damit ist die Einrichtung des Seniorenwerks bislang die einzige im Landkreis Nordhausen, die einen solchen Roboter dauerhaft einsetzt. „Wie fühlst du dich heute Helga?“, fragt Navel mit ruhiger Stimme, bewegt dabei seinen Mund und rollt mit den großen Augen, während er leicht den Kopf neigt. „Gut, danke und wie fühlst du dich“, antwortet Helga Wolf. Navel würde das Gespräch mit Helga stundenlang fortsetzen. Immer neue Fragen fallen ihm ein. „Ich finde den kleinen Mann nicht schlecht. Er verbessert die Stimmung der Leute und er sieht einfach lustig aus“, sagt die 83-Jährige. Tatsächlich wirkt Navel witzig und sympathisch: Der Roboter ist etwa so groß wie ein vierjähriges Kind, trägt eine blaue Mütze und hat zwei Arme. Mit kleinen Rädern bewegt er sich allein fort.
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„Man muss ihm manchmal schon sagen, dass er aufhören soll zu fragen“, sagt Sophia Westphal, Pflegedienstleiterin im Fachbereich Demenz des Sonnenhofs. Denn Navel plappert gern, bleibt dabei aber stets höflich und geduldig. Gerade bei Menschen mit Demenz könne er helfen, Gespräche anzuregen und Einsamkeit vorzubeugen, meint Westphal. Teilweise führe der Roboter über längere Zeit einfache Alltagsgespräche und reagiere empathisch auf sein Gegenüber. Im normalen Pflegealltag eine Entlastung für die rund 130 Mitarbeiter des Hauses.

Kerstin Jühlich und Sophia Westphal (v.l.nr.) im Gespräch mit Helga Wolf und Navel.  (Foto: ssc) Kerstin Jühlich und Sophia Westphal (v.l.nr.) im Gespräch mit Helga Wolf und Navel. (Foto: ssc)
Dabei soll Navel ausdrücklich kein Ersatz für Pflegekräfte sein. Vielmehr versteht das Seniorenwerk den Roboter als zusätzliche Unterstützung und kleinen Gutelaunemacher. „Uns ist wichtig zu betonen, dass Navel keine Pflegekräfte ersetzt, sondern unseren Mitarbeitern und Bewohnern zusätzliche Impulse im Alltag bietet. Er kann Gespräche anregen und Nähe schaffen“, erklärt Einrichtungsleiterin Kerstin Jülich. Gerade Menschen, die sich komplett zurückziehen, reagieren auf das lustige Kerlchen eher als auf einen menschlichen Gesprächspartner.

Der Roboter wurde speziell für den Einsatz in Pflege- und Betreuungseinrichtungen entwickelt. Mehr als ein Dutzend KI-Module ermöglichen ihm, Sprache und Stimmungen wahrzunehmen und darauf zu reagieren. Besonders auffällig ist seine sogenannte 3D-Augenlösung, durch die Navel Blickkontakt herstellen und Mimik darstellen kann.

Navel bedient das Kindchenschema. (Foto: ssc) Navel bedient das Kindchenschema. (Foto: ssc) In der Pflegeeinrichtung eingezogen ist Navel am 21. April und aktuell befindet er sich noch in der Eingewöhnungsphase. Auch seine integrierte Sprach-KI muss weiter trainiert werden. „Er lernt die Bewohner erst kennen, merkt sich Namen und verknüpft mit jedem Namen auch individuelle Geschichten. Doch das muss er halt trainieren“, erklärt Westphal. Geheimnisse verrät er übrigens keine. Navel plappert zwar viel, aber er tratscht nicht. Zunächst lernt er Mitarbeiter und Abläufe kennen, bevor er schrittweise stärker in den Alltag der Bewohner integriert wird. Im Einsatz bleibt Navel stets unter Begleitung des Pflegepersonals.

Die Fachhochschule Nordhausen begleitet das Projekt wissenschaftlich. Im Masterstudiengang „Therapeutische Soziale Arbeit“ soll untersucht werden, wie sich der Einsatz des Roboters auf Bewohner und Pflegealltag auswirkt.

Auch die Öffentlichkeit wird Navel bald kennenlernen können: Beim Straßenfest am Obertor stellt das Seniorenpflegeheim den Empathie-Roboter erstmals offiziell vor.

Ganz billig ist so ein Sprachroboter allerdings nicht: Die Anschaffungskosten für Navel liegen bei rund 28.000 Euro netto. Möglich wurde das Projekt ausschließlich durch Spenden sowie die Unterstützung zahlreicher regionaler Unternehmen und Förderer. Denn die Kosten für innovative Technologien wie Empathie-Roboter werden bislang nicht von den Kranken- oder Pflegekassen übernommen. Einrichtungen wie der Sonnenhof sind deshalb auf finanzielle Unterstützung angewiesen, um neue Wege in Betreuung und Pflege gehen zu können.

Übrigens: Mit jedem Update wird Navel noch ein Stück schlauer. Künftig soll er sogar Stürze erkennen und das Pflegepersonal informieren können. Noch ist das Zukunftsmusik, doch die künstliche Intelligenz ist im Pflegeheim in Ilfeld längst angekommen.
Susanne Schedwill
Autor: ssc

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Kommentare
Wie Bitte
21.05.2026, 07:27 Uhr
Hoffentlich geht die Entwicklung der Roboter-Pflege -
- möglichst schnell voran - als Ersatz, nachdem die Pflegekräfte mit Migrationshintergrund alle verschwinden mussten.
hannes07
21.05.2026, 09:32 Uhr
Symptomatisch
28.000 Euro für einen Gesprächsroboter – während die Pflege in Deutschland seit Jahren personell ausgeblutet wird. Das nennt sich dann Innovation.

Natürlich ist es schön, dass demenzkranke Menschen durch den Empathie-Roboter Impulse bekommen. Und ja, wer sich komplett zurückzieht, reagiert vielleicht eher auf eine putzige Maschine als auf einen Pfleger, der gleichzeitig fünf andere Bewohner im Blick haben muss.

Wenn ein Roboter Einsamkeit lindern soll, weil 130 Mitarbeiter für eine ganze Einrichtung nicht ausreichen, dann ist das kein innovativer Fortschritt – das ist eine elegante Umgehung des eigentlichen Problems. Echte menschliche Zuwendung, ein vertrautes Gesicht, eine Hand, die man hält: Das kann kein KI-Modul leisten, egal wie ausgeklügelt die 3D-Augenlösung auch sein mag.
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