Interventionsstelle sucht Publikum für ein besonderes Projekt
Ich bin die Frau, die…
Die meisten Opfer häuslicher Gewalt bleiben im Dunkeln, nur ein Bruchteil schafft es die Schritte zu tun, die aus einer toxischen Beziehungen herausführen. In Nordhausen führt der Weg oft über die Interventionsstelle der Caritas und die will die Essenz aus 18 Jahren Erfahrung demnächst künstlerisch auf Bühne und Leinwand bringen, um denen, die im Dunkel bleiben, Mut zu machen…
Künstlerischer Szenenentwurf für "Ans Licht" (Foto: agl)
Ich bin die Frau, die Angst hat
Ich bin die Frau, die verzweifelt
Ich bin die Frau, die hofft das doch noch alles besser wird
Ich bin die Frau, die immer verzeiht
Ich bin die Frau, die ihre Wunden versteckt
Ich bin die Frau, die nicht mehr weiter weiß
Ich bin die Frau, die Frieden sucht
264 Frauen, aus Nordthüringen, die allein im vergangenen Jahr Hilfe gesucht haben.
187.128 Frauen, die im Jahr 2024 häusliche Gewalt erfahren haben
132 Frauen, die im selben Jahr in Deutschland von ihrem Partner getötet wurden
Das ist das Hellfeld, also die Vorfälle die bekannt werden und Eingang in die Statistik finden. Eine Dunkelfeldstudie von Bundesfamilienministerium und Bundeskriminalamt, die im Frühjahr veröffentlicht wurde, geht davon aus, dass das nicht einmal in zehn Prozent der Fälle passiert.
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Gewalt in der Beziehung geschieht im Dunkel, sie trifft Frauen wie Männer und kommt in vielerlei Art daher, kann physisch oder psychisch sein, wobei die rohe, körperliche Gewalt meist Frauen trifft. Unter den 288 Menschen, die im vergangenen Jahr bei Steffi Mayer und ihren Kolleginnen von der Interventionsstelle gesucht haben, waren 264 Frauen. In den 18 Jahren, in denen Mayer sich mit häuslicher Gewalt auseinandersetzt, werden es Tausende gewesen sein.
Jede Entscheidung ist immer ein Prozess und sich zu lösen kann eine große, schwere Entscheidung sein. Man begräbt vielleicht einen Lebensentwurf, es kann Abhängigkeiten, finanzielle Nöte und gemeinsame Kinder geben, Druck von der Familie, der Religion, der Gesellschaft, von den eigenen Erwartungen an sich selbst. Dazu kommen Schuld- und Schamgefühle, Verzweiflung, Verletzlichkeit, mitunter Panik und nicht selten auch der Glaube, ganz alleine da zu stehen. Diese Dinge auszusprechen, ist oft der erste Schritt, der hilft voran zu kommen., erzählt Mayer.
Viel hat man in den letzten Jahren getan, um das Problem aus dem Dunkel herauszuziehen, in der täglichen Arbeit, über Schulungen für diejenigen, die mit den Paaren und Familien in Kontakt kommen und durch öffentlichkeitswirksame Aktionen, wie Ende 2024 vor dem Rathaus. Durchaus mit Erfolg, meint Mayer, heute werde mehr und offener über häusliche Gewalt gesprochen, als noch vor ein paar Jahren.
Steffi Mayer arbeitet seit 2008 bei der Interventionsstelle der Nordhäuser Caritas (Foto: agl)Aus der Seele auf die Bühne
Auch in der Kunst hat man sich mit der Gewalt auseinandergesetzt. Franziska Gräber hat für ihre Installationsreihe Women in the Dark auf der ganzen Welt Geschichten von Frauen gesammelt, die Gewalt und Unterdrückung erleben mussten und diese von den Frauen auf Blusen niederschreiben lassen.
In Deutschland kamen 690 dieser Blusen zusammen, die textilen Zeugnisse machte die Künstlerin zu großformatigen Kunstwerken, gepaart mit Literatur, Fotografie und Aufnahmen, die im Netz zu sehen und zu hören sind. Das Ergebnis konnte man unter anderem zwischen März und Mai in Erfurt betrachten. Zur Eröffnung waren auch die Thüringer Interventionsstellen eingeladen, was uns zurück nach Nordhausen bringt, denn bei Mayer reift die Idee, einen lang gehegten Wunsch wirklich werden zu lassen.
Wir haben schon lange mit dem Gedanken gespielt ein Theaterstück auf die Beine zu stellen, aber wenn wir ehrlich sind, haben weder wir noch die Frauen, die zu uns kommen, die Zeit ein ganzes Stück umzusetzen. Aber etwas kleineres, kompakteres, das könnte vielleicht funktionieren. Mit ein paar Ideen im Kopf haben wir beim Theater angefragt und wollten eigentlich nur ein paar praktische Tipps haben. Intendant Daniel Klajner hat dann aber gleich ein offenes Ohr gehabt und uns direktere Hilfe angeboten, berichtet Mayer. Zusammen mit den Kolleginnen und Kollegen des Projektes Mutmacherin aus der Tauschbörse der Caritas in der Landgrabenstraße, der Sozialberatung Gewaltfrei Leben und einer großen Gruppe engagierter Frauen im Alter zwischen 18 und 85 geht es seitdem ans Werk. Viel Zeit hat man dabei nicht.
Einen Tag lang haben die Frauen die Bühne des Theaters im Anbau für sich, um ihr rund 20 Minuten langes Kunststück "Ans Licht" auf Video zu bannen. Die Kostümbildner, Bühnentechniker und Beleuchter des Theaters greifen den Laien dabei freiwillig unter die Arme. Was genau geschehen soll, lässt sich in Worte so leicht nicht fassen.
Mayer schwebt ein Schattentanz aus Klang, Licht und Bewegung vor, der von den bereits aufgezeichneten Stimmen der Frauen geleitet wird und die innere Reise von den dunkelsten Tiefen der Verzweiflung und der Isolation hin zurück ins Licht nachzeichnet. Wir wollten nichts zu plakatives machen, Schläge und Prügel müssen nicht auf die Bühne. Es geht mehr darum, was mit den Menschen im Inneren passiert und was die Gemeinschaft bewirken kann, wenn man einmal erkannt hat, dass man nicht alleine ist. Man durchschreitet das Tal der Tränen, erfährt die Greifbarkeit der ersten Schritte, überwindet die Widerstände und findet zu Schutz und Frieden.
300 Plätze sind zu füllen
Die Videoaufnahmen der Performance sollen später öffentlich gezeigt werden, idealerweise während der Anti-Gewalt-Woche Ende November. Welche Leinwände sich dafür finden lassen muss noch geklärt werden, erst einmal muss das Kunststück im Kasten sein.
Für die finale Szene sucht man noch nach Unterstützung: wenn der Vorhang fällt, soll die Kamera herumschwenken und einen hoffentlich bis auf den letzten Platz gefüllten Saal zeigen. Man ist nicht allein. Es gibt viele Menschen, die sich engagieren, die Hilfsbereit sind, die Courage zeigen. Für die letzte Szene in unserem kleinen Stück hoffen wir genau auf diese Menschen und würden uns sehr freuen, wenn wir die knapp 300 Plätze im Saal voll bekämen, erzählt Mayer.
Bevorzugt sollte lebensfrohe Kleidung getragen werden, bunt muss es nicht sein, ein weißes Hemd oder Bluse tun es auch und wer nur schwarz im Kleiderschrank hat, wird sicher nicht der Tür verwiesen werden.
Drehtag für "Ans Licht" ist der 02. Juli. Wer das Projekt mit Anwesenheit im Publikum unterstützen möchte, findet sich bis kurz vor 17 Uhr am Theateranbau ein. Angelo Glashagel
Mann kommt nach hause, die Partnerin hat schon lang eine bessere Weide gefunden und er wird beschuldigt, das Kind oder die Frau berührt zu haben....er wird von den Genossen der VP mitgenommen. Wenn er dann wieder rauskommt.....ist die Bude leer geräumt.
Selbst bei Freunden erlebt ! Drum prüfe, wer sich ewig ......