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Mi, 14:30 Uhr
08.10.2008

nnz-Forum: Auf falschem Gleis

Berechtigt zum Ende des zweiten Jahrzehnts wächst das Bürgerinteresse an Wertungen und besonders an Folgerungen aus der Nachwendephase. Was sind die Vorteile von Freiheit, die mehr als Reisefreiheit sein muss und Demokratie, die klugen Rat der Bürger hoch achtet? Antworten auf diese Fragen im Forum der nnz.


Nordhausen und der Landkreis haben Bedeutendes vorzuweisen. Eine Fachhochschule, moderne medizinische Betreuung und Anschluss an eine neue Autobahnlinie qualifizieren den Standort. Mittelstand, Handwerk und Gewerbe wurden die treibenden und dynamischen Kräfte für Arbeitsplätze, erwarten aber schon länger die Förderung der Zusammenarbeit mit der Hochschulforschung. Erst wenn innovative Produkte am Markt sich behaupten, lohnen etwaige Betriebsvergrößerung, dann werden erst integrationsfähige Investoren auch von außerhalb angezogen. Aber leider wurden die schnell wirkenden Tendenzen im Thüringer Wirtschaftsraum (Konzentrationen längs der Autobahn A4 ) einschließlich der anliegenden Wissenschaftspotentiale nicht tiefgründig analysiert.

In diesem Umfeld entwickelten unsere Verantwortungsträger und ihre beigeordneten Planer den Mythos von der anziehenden Kraft einer zum Industriegebiet erhobenen 100 ha – Ackerfläche in der Goldenen Aue, dem sich auch die LEG (Landesentwicklungsgesellschaft Thüringens) anschloss. Unsere Wirtschaftförderer wurden so bestenfalls zu Akquisiteuren = Kundenwerbern, qualitativ solide Analysen konnten entfallen. In dieser Erwartungsstarre wurde auf Investoren gehofft, sie blieben aber aus. Jahrelange Unternehmererfahrung kontra kurzschlüssiger Konzepte - das war hier die Frage.

An unseren Rändern auch anliegend oder in der Nähe der A38 entwickelten sich z.B. in Göttingen ein Güterverkehrszentrum, Photovoltaik – Forschung in Halle und die wissenschaftliche Fundierung der Hochtemperatur-Brennstoffzelle in Dresden. Vorrangig in der Nähe solcher Innovationen entstanden Arbeitsplätze, weil die künftigen Produzenten zeitig einbezogen und ihre Standortanforderungen unmittelbar integriert werden konnten.

Der dazu völlig konträre Nordhäuser Gegenentwurf muss somit im Vergleich als Rückgriff auf überholtes planwirtschaftliches Methodenarsenal diagnostiziert werden . Für Lage und Flächengröße fehlen bis heute entscheidende Begründungen. Forderungen danach gelten als Tabu Der Erfolg wird ausschließlich am Nutzungsquotienten und variierenden Arbeitsplatzahlen gemessen, nicht aber an der Schubkraft für moderne Wirtschaftsentwicklung. Die Modelle anderer sind nicht kopierbar, deren Bedingungen und Realitäten unterscheiden sich vom Raum Nordhausen, können einfacher oder komplizierter sein, aber verpflichten endlich zu effektiven und wirkungssicheren Lösungen.

Die Verantwortungsträger und Initiatoren stehen gleichzeitig in Erklärungspflicht auch für möglichen fahrlässigen Umgang mit Steuer- oder Fördermitteln durch permanente Erfolglosigkeit. Bei ausbleibendem Gegenwert werden die eingesetzten finanziellen Fonds entwertet. Damit entfällt der Unterschied zur aktuellen Geldvernichtung der großen Investmentbanken. Bündnis 90/Die Grünen unterstützen Überlegungen in der Bundesregierung zur persönlichen Haftung. Die Wirtschaftsförderung in Stadt und Landkreis bedarf dringend neuer Strukturen und der Reduzierung eines erheblichem Nachholbedarfs für wirtschaftsstrategische Entscheidungen.
Dr. Horst Kox, Kreistagsmitglied Bündnis 90/Die Grünen
Autor: nnz

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