Di, 18:14 Uhr
03.08.2010
Im Totaleinsatz
KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora zeigt Ausstellung zur Zwangsarbeit der tschechischen Bevölkerung im Nationalsozialismus Zwischen 1939 und 1945 mussten bis zu 600.000 tschechische Frauen und Männer für das Dritte Reich Zwangsarbeit leisten. Diesem Thema widmet sich die Wanderausstellung Im Totaleinsatz, die nun in der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora zu sehen ist.
Plakat (Foto: Gedenkstätte Mittelbau Dora)
Offiziell eröffnet wird sie Montag, den 9. August 2010 um 17 Uhr durch Dr. Tomás Jelínek, den Geschäftsführer des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds, in der umgebauten Ausstellungsbaracke im ehemaligen Häftlingslager. Die Ausstellung Im Totaleinsatz behandelt die Entwicklung des Systems der Zwangsarbeit vor dem Hintergrund der nationalsozialistischen Besatzungspolitik im damaligen Tschechien. Nach der Errichtung des Protektorats Böhmen und Mähren im März 1939 übten deutsche Behörden wachsenden Druck auf die tschechische Bevölkerung aus, sich zur Arbeit in Deutschland zu melden. Formal galt das Prinzip der Freiwilligkeit, tatsächlich aber wurden die Rekrutierungsmaßnahmen immer drastischer; dies gipfelte in der Dienstverpflichtung ganzer Jahrgänge, dem Totaleinsatz.
Die Ausstellung zeigt die Maßnahmen zur Mobilisierung und Rekrutierung tschechischer Arbeitskräfte sowie deren Arbeits- und Lebensbedingungen. Dokumentiert wird zudem das System von Arbeit und Strafe in den nationalsozialistischen Arbeitserziehungslagern. Auch die Zwangsarbeit der KZ-Häftlinge sowie die spezifische Situation tschechischer Juden und Roma werden dargestellt. Im letzten Abschnitt widmet sich die Ausstellung dem
langen Weg bis zur Entschädigung der Betroffenen. Außerdem werden beispielhaft einige ehemalige Zwangsarbeiter mit Kurzbiografien vorgestellt.
Zu sehen sind fast 250 vor allem persönliche Dokumente und Fotografien, die zum Teil in dieser Ausstellung erstmals öffentlich präsentiert werden. Entstanden ist die Schau auf der Grundlage einer tschechischen Ausstellung, die vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds und Kooperationspartnern erarbeitet und seit 2005 in zahlreichen tschechischen Städten gezeigt wurde. Zusammen mit dem Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit Berlin-Schöneweide wurde eine aktualisierte deutsche Fassung erstellt. Zur
Ausstellung ist ein zweisprachiger Katalog erhältlich.
Mit der Ausstellung werden zugleich die neuen Seminar- und Ausstellungsräume in der rekonstruierten Unterkunftsbaracke im ehemaligen Häftlingslager der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora der Öffentlichkeit übergeben. Umbau und umfassende Sanierung der Baracke wurden durch Sondermittel des Freistaates Thüringen und des Bundes (Konjunkturpaket) ermöglicht.
Das Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit Berlin-Schöneweide ist seit 2006 eine Abteilung der Stiftung Topographie des Terrors (Berlin). Es befindet sich am historischen Ort einer der über 3000 Sammelunterkünfte für Zwangsarbeiter/innen, die während des Zweiten Weltkrieges in Berlin existierten. Der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds wurde 1997 in Prag gegründet. Neben der Förderung von gemeinsamen deutsch-tschechischen Projekten im Bereich der Kultur, Bildung, Jugend oder Wissenschaft finanzierte er seit 1998 humanitäre Hilfe für Überlebende der NS-Gewaltherrschaft und wurde 2000 zu einer der sieben Partnerorganisationen der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft.
Im Zuge der Entschädigung bearbeitete er mehr als 120 000 Anträge ehemaliger tschechischer Zwangsarbeiter. Das Ausstellungsprojekt wurde gefördert von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft, der Botschaft der Tschechischen Republik sowie dem Stiftungsfonds Tschechischer Rat für NS-Opfer.
Autor: nnz
Plakat (Foto: Gedenkstätte Mittelbau Dora)
Offiziell eröffnet wird sie Montag, den 9. August 2010 um 17 Uhr durch Dr. Tomás Jelínek, den Geschäftsführer des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds, in der umgebauten Ausstellungsbaracke im ehemaligen Häftlingslager. Die Ausstellung Im Totaleinsatz behandelt die Entwicklung des Systems der Zwangsarbeit vor dem Hintergrund der nationalsozialistischen Besatzungspolitik im damaligen Tschechien. Nach der Errichtung des Protektorats Böhmen und Mähren im März 1939 übten deutsche Behörden wachsenden Druck auf die tschechische Bevölkerung aus, sich zur Arbeit in Deutschland zu melden. Formal galt das Prinzip der Freiwilligkeit, tatsächlich aber wurden die Rekrutierungsmaßnahmen immer drastischer; dies gipfelte in der Dienstverpflichtung ganzer Jahrgänge, dem Totaleinsatz.Die Ausstellung zeigt die Maßnahmen zur Mobilisierung und Rekrutierung tschechischer Arbeitskräfte sowie deren Arbeits- und Lebensbedingungen. Dokumentiert wird zudem das System von Arbeit und Strafe in den nationalsozialistischen Arbeitserziehungslagern. Auch die Zwangsarbeit der KZ-Häftlinge sowie die spezifische Situation tschechischer Juden und Roma werden dargestellt. Im letzten Abschnitt widmet sich die Ausstellung dem
langen Weg bis zur Entschädigung der Betroffenen. Außerdem werden beispielhaft einige ehemalige Zwangsarbeiter mit Kurzbiografien vorgestellt.
Zu sehen sind fast 250 vor allem persönliche Dokumente und Fotografien, die zum Teil in dieser Ausstellung erstmals öffentlich präsentiert werden. Entstanden ist die Schau auf der Grundlage einer tschechischen Ausstellung, die vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds und Kooperationspartnern erarbeitet und seit 2005 in zahlreichen tschechischen Städten gezeigt wurde. Zusammen mit dem Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit Berlin-Schöneweide wurde eine aktualisierte deutsche Fassung erstellt. Zur
Ausstellung ist ein zweisprachiger Katalog erhältlich.
Mit der Ausstellung werden zugleich die neuen Seminar- und Ausstellungsräume in der rekonstruierten Unterkunftsbaracke im ehemaligen Häftlingslager der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora der Öffentlichkeit übergeben. Umbau und umfassende Sanierung der Baracke wurden durch Sondermittel des Freistaates Thüringen und des Bundes (Konjunkturpaket) ermöglicht.
Das Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit Berlin-Schöneweide ist seit 2006 eine Abteilung der Stiftung Topographie des Terrors (Berlin). Es befindet sich am historischen Ort einer der über 3000 Sammelunterkünfte für Zwangsarbeiter/innen, die während des Zweiten Weltkrieges in Berlin existierten. Der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds wurde 1997 in Prag gegründet. Neben der Förderung von gemeinsamen deutsch-tschechischen Projekten im Bereich der Kultur, Bildung, Jugend oder Wissenschaft finanzierte er seit 1998 humanitäre Hilfe für Überlebende der NS-Gewaltherrschaft und wurde 2000 zu einer der sieben Partnerorganisationen der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft.
Im Zuge der Entschädigung bearbeitete er mehr als 120 000 Anträge ehemaliger tschechischer Zwangsarbeiter. Das Ausstellungsprojekt wurde gefördert von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft, der Botschaft der Tschechischen Republik sowie dem Stiftungsfonds Tschechischer Rat für NS-Opfer.

