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Mi, 19:48 Uhr
02.11.2011

Das „Schwarze Handwerk“ jetzt auf DVD

Köhlerabend (Foto: Jürgen Kohlrausch) Köhlerabend (Foto: Jürgen Kohlrausch)
Der Harzklub überwindet Grenzen. Gestern waren Köhlerfreunde aus dem gesamten Harzgebiet nach Neustadt bei Nordhausen gekommen, um der feierlichen Präsentation der Filmdokumentation „Die Köhlerei im Harz“ beizuwohnen. Der gastgebende Zweigverein Neustadt/Osterode hatte mit einer gut vorbereiteten Feier die Voraussetzungen für eine Veranstaltung geschaffen...


Und die wurde nicht nur dem einmaligen Filmprojekt gerecht, sondern auch dem leider bisher oftmals verkannten und vergessenen Berufsstand der Köhlers insgesamt ein wahres Denkmal setzte.

In einem überfüllten Saal „Hohnstein“ in der Burgstraße konnte der HKZV-Vorsitzende Dirk Erfurt die geladenen Ehrengäste, Sponsoren, Vertreter beteiligter Institutionen etc. und andere Freunde der Köhlerei begrüßen und sie durch das mit diversen Kurzvorträgen gespickte Programm führen. Musikalisch umrahmt von der Trachtengruppe Neustadt/Osterode zeigte das Benneckensteiner Autoren-Duo Dr. Lutz Wille (Buch & Regie) und Ronald Langer (Kamera & Schnitt) Szenen aus ihrem Film und berichtete über die zwei Jahre währenden Dreharbeiten. Wille zur Motivation seines von ihm als „außerordentlich schwierig aber auch reizvoll“ bezeichneten Projekts:

„Die Köhlerei hat Spuren in der Volkskultur hinterlassen: Lieder, Sagen, Märchen und Erzählungen und nicht zuletzt die technische Fachsprache der Köhler spiegelt ihre einstige Bedeutung und das Leben der Köhler wider. Begeistert schildern die Romantiker, die den Harz im 19. Jahrhundert entdeckten und durchwanderten ihre Begegnungen mit Köhlern auf dem Kohlhai.

Obwohl das Jodeln der Haijungen und die Musik auf dem Köhlergeläut längst verklungen sind, haben Ronald Langer und ich uns auf eine Spurensuche im Harz begeben, und wir sind fündig geworden! Ziel unserer Dokumentation ist es, den Berufsstand des Köhlers und das Harzer Köhlergewerbe in seinen technischen Aspekten zu dokumentieren, Auswirkungen auf die Volkskultur aufzuzeigen und die heutigen touristischen Brauchformen darzustellen.“

Peter Feldmer vom Köhlermuseum „Stemberghaus“ Hasselfelde berichtete mit Stolz von den Aktivitäten der Hasselfelder Köhler innerhalb des Europäischen Köhlervereins und bewertete die jahrhunderte Jahre lange und wirtschaftlich unabdingbare Tätigkeit des Köhlers in der Neuzeit als leider viel zu wenig beachtet. „Wer hätte vor 5 Jahrtausenden wohl daran gedacht, dass die Holzkohle in unserer Neuzeit eine technische Revolution auslösen würde?“ Noch heute spiele die industriell hergestellte Holzkohle in vielen Industriezweigen eine wichtige Rolle, ergänzte der Südharzer Köhlermeister Hermann Homann. Die manuelle Herstellung sei jedoch nur noch auf ganz wenige Standorte beschränkt.

Tatsächlich rauchen im Harz nur wenige Meiler. Außer am Stemberghaus wird vor allem bei Neustadt, aber auch bei Buchholz oder am Sternhaus bei Gernrode Holzkohle noch auf traditionelle, herkömmliche Weise hergestellt. Richard und Otto Ibe können mittlerweile auf eine 380jährige Köhlertradition ihrer Familie zurückblicken. Ihre hauptberufliche Erwerbsquelle endete 1961 mit der Übernahme der privat geführten Köhlerei durch die Forstwirtschaft.

Der Ehrenvorsitzende des Harzklubs und Vorsitzende der Hermann-Reddersen-Stiftung/ Goslar, Dr. Albrecht von Kortzfleisch, bemerkte in seinem geschichtlichen Rückblick u.a., dass es laut neuesten Erkenntnissen wohl etwa 30.000 Köhlermeilerplätze im Harz gegeben habe.

Neben den leidenschaftlich geführten Plädoyers pro Köhlerei ist an diesem Abend aber auch gegenüber der beiden Filmemacher Wille und Langer nicht mit Lob und Anerkennung gespart worden. Ihnen sei es in professioneller Weise gelungen, mit ihrer DVD „Die Köhlerei im Harz“ eine Lücke in der Darstellung alter Harzer Berufe zu schließen. Wille und Langer, als langjährige Aktive des Kultur- und Heimatverein Benneckenstein e.V. und Kenner der Harzer Volkskultur, überzeugten bereits in der Vergangenheit mit wissenschaftlichen Filmen über die Finkenwettbewerbe und die Harzzither.

Am Ende des Köhlerabends dankte Peter Feldmer den Neustädter Harzklubfreunden herzlich im Namen aller und lobte: „Was können sich Filmemacher wohl Schöneres vorstellen, als ihren Film in einer so tollen Veranstaltung präsentiert zu bekommen!“
Jürgen Kohlrausch

Inhalt der DVD:

  • Die mittelalterliche Holzkohlegewinnung in einem Grubenmeiler
  • Die Metallgewinnung mittels Holzkohlefeuerung in einem nachgebauten mittelalterlichen Rennofen
  • Den Ablauf des Kohlprozesses vom Aufbau bis zur Enteimerung bei einem traditionellen Standmeiler
  • Die Geschichte des Köhlergeschlechts Ibe, welches als einziges im Harz noch nach dem traditionellen Erdmeilerverfahren bei Neustadt kohlt
  • Die industrielle Holzkohleerzeugung in einem Industriemeiler in der Köhlerei Stemberghaus bei Hasselfelde und beim Sternhaus bei Gernrode
  • Bau einer Köthe
  • Die heutigen touristischen Brauchformen (Erinnerungen an das Köhlerhandwerk): Das Köhlerfest in Hasselfelde.
Käuflich zu erwerben ist die DVD (Spielzeit 85 min) für 12.90 € in der Touristen-Neustadt, beim HKZV Neustadt und in der Harzköhlerei Stemberghaus in Hasselfelde. Bestellungen und Info unter: info@harzklub-neustadt.de sowie Harzkoehlerei-Stemberghaus@t-online.de
DVD präsentiert (Foto: Jürgen Kohlrausch)
DVD präsentiert (Foto: Jürgen Kohlrausch)
DVD präsentiert (Foto: Jürgen Kohlrausch)
Autor: nnz

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