Mi, 08:22 Uhr
19.02.2014
Der Wippernixenstein
Lieber Leser, damit das wertvolle Volksgut in diesem Fall Die Sagenwelt unserer Heimat nicht in Vergessenheit gerät und auch der Nachwelt überliefert hat Horst Rasemann zwei schöne Nixensagen, die er von unseren Altvorderen mündlich gehört har, aufgeschrieben...
Die Pflege des Erbes unseres Volkssagengutes ist sehr wichtig. Mögen diese alten Zeugnisse unserer heimatlichen Sagenwelt, die von der Weisheit und der Fabulierkunst unserer Vorfahren zeugen, die Liebe zur Heimat stärken helfen und den heimatkundlich Interessierten weitere Anregung zur Beschäftigung mit der Vergangenheit bieten und allen, ob jung oder alt, manchen Gewinn und viel Freude bringen. Dazu wünsche ich allen Lesern eine gute Unterhaltung.
Unweit des Kyffhäuserkreises, an der Landkreisgrenze von Nordhausen, liegt im Wippertal das 1138 Jahre alte Dorf Kleinfurra. Eingebettet zwischen Wind- und Hainleite. Zu den Altertümlichkeiten des Ortes zählt auch die ehemalige Wippermühle. Über ein Wehr konnte man früher die Mühlwipper, die in den Mühlgraben entlang floss, von der Wipper abschiebern.
Das ist die Wipper in Kleinfurra nach der Begradigung des Flusslaufes. Im Foto ganz unten rechts, stand früher der Wippernixenstein.
Der Mühlgraben war eine Abzweigung des Wipperlaufes und mündete nach einem kleinen Bogen vorbei an der Mühle und am Anwesen des sogenannten Pflugeisens wieder in den direkten Wipperlauf. Die Abriegelung geschah meistens einmal im Jahr, im August, um die jährlich anfallenden Reparaturarbeiten an dem Mühlrad der Mühle durchführen zu können. Nach der Abschieberung der Wipper wurde dann der Mühlgraben abgefischt, denn früher war die Wipper ein fischreiches Gewässer.
Das Wehr, welches aus gewachsenen Felsen und Betonwangen bestand, nannten früher die Dorfaltvorderen auch den Wippernixenstein. Unter Nixen stellte man sich elfenhafte Bewohner des Wassers vor. Die sich in dessen Tiefe, von matten Lichtschein erhellt, tummeln und dort Schätze bewachen. Hierbei unterschied man den männlichen Neck, der meist in den Erzählungen als hässlich, klein, ungestalt und tückisch im Wesen dargestellt wurde und den weiblichen Geschöpf, der Nixe.
Diese stellten sich die Menschen, sobald wie sie ihr Element das Wasser verließ, als friedfertiges, freundliches, junges, hübsches Wesen in Menschengestalt vor, die Musik und Tanz über alles liebt. Man glaubte auch, dass die Nixen versuchen die Menschen durch Zärtlichkeiten und Liebe an sich zu ziehen, zu verzaubern, kamen heimlich zu ihren Tanzvergnügungen in die Dorfschenke und verliebten sich ihrerseits auch manchmal in die Menschen. Für dieses Vergehen wurden sie oft von ihren Vätern, den männlichen Wassergeistern, hart, ja, sogar mit dem Tode bestraft.
So erzählt man sich – dass in den Wipperwasser, das durch das Kleinfürscher Wehr angestaut wurde, früher Nixen wohnten. Oft sah man weiße Wäsche auf den Wangen des Wehres liegen. Wenn am Sonntagabend Tanz im Dorfe war, kamen die immer verliebten Nixenmädchen und tanzten mit den jungen Burschen des Dorfes. Aber zu einer bestimmten Stunde, meistens kurz vor Mitternacht, waren sie plötzlich wieder verschwunden.
Eines Abends hatte sich nun beim Tanz eine der Nixen in den Schäfer des Dorfes so sehr verliebt, dass sie zusammen in trauter Zweisamkeit etwas länger in der lauen Kirmesnacht weilten und die Nixe ihre Sehnsucht so lieben zu können wie eine irdische Frau sich erfüllte, selbst um den Preis von Leid und Tod. Doch auf einmal fing sie an zu weinen und der Ort der gestillten Liebessehnsucht wurde nun zum Ort ihres tiefen Schmerzes.
Sie sagte unter Tränen zu ihren Liebsten: Komm doch bitte morgen früh hierher zum Wehr. Wenn das Wipperwasser dann rot wie Blut ist, so hat mein Vater mich getötet, weil ich dich, einen Menschen, so unsagbar liebe. Kaum das sie es ausgesprochen hatte, war die Nixe auch schon im Wasser verschwunden. Am anderen Morgen eilte der Schäfer, als die dunkle Nacht sich gelichtet hatte, zum Wehr und fand, o schreckliches Schicksal wie bist du so grausam, das Wasser blutrot. In seiner Verzweiflung und in grenzenloser Liebe stürzte er sich in das Wasser und ward niemehr wieder gesehen.
Eine andere Sage berichtet uns, dass eines Abends ein fremder Mann an die Tür der Hebamme des Dorfes Kleinfurra klopfte und sie bat doch bitte seiner Frau in ihren Geburtsnöten beizustehen, es solle ihr Schaden auch nicht sein. Auch brauche sie keine Angst zu haben, es wird ihr kein Leid geschehen. Da nun der fremde Mann so flehentlich bat, auch nicht den Eindruck machte, als ob sie etwas zu befürchten habe, ging sie mit ihm.
An der Wipper beim Wehr angekommen, gebrauchte der Fremdling seinen Zauberstab. Er schlug damit ins Wasser, worauf sich die Wassermassen teilten. Nun gingen sie trockenen Fußes unter den Fluten hindurch in ein Gemach, das von Pracht und Herrlichkeit gülden erstrahlte. Freundlich kamen ihr die Kinder des Mannes, die niedlichen Wasserjungen, entgegen. Nachdem nun die Hebamme ihres Amtes gewaltet hatte und mithalf ein kleines süßes Wassernixlein auf die Welt zu bringen, geleitete sie der glückliche Vater wieder aus den Wipperfluten an das Ufer beim Wehr und beschenkte sie reichlich.
Zum Schluss ist noch zu vermelden, dass seit der Begradigung der Wipper (siehe Foto) und den damit verbundenen Wegriss des Wippernixensteins (Wipperwehr), keine Nixen hier in Kleinfurra mehr gesehen wurden.
Horst Rasemann
Autor: redDie Pflege des Erbes unseres Volkssagengutes ist sehr wichtig. Mögen diese alten Zeugnisse unserer heimatlichen Sagenwelt, die von der Weisheit und der Fabulierkunst unserer Vorfahren zeugen, die Liebe zur Heimat stärken helfen und den heimatkundlich Interessierten weitere Anregung zur Beschäftigung mit der Vergangenheit bieten und allen, ob jung oder alt, manchen Gewinn und viel Freude bringen. Dazu wünsche ich allen Lesern eine gute Unterhaltung.
Unweit des Kyffhäuserkreises, an der Landkreisgrenze von Nordhausen, liegt im Wippertal das 1138 Jahre alte Dorf Kleinfurra. Eingebettet zwischen Wind- und Hainleite. Zu den Altertümlichkeiten des Ortes zählt auch die ehemalige Wippermühle. Über ein Wehr konnte man früher die Mühlwipper, die in den Mühlgraben entlang floss, von der Wipper abschiebern.
Das ist die Wipper in Kleinfurra nach der Begradigung des Flusslaufes. Im Foto ganz unten rechts, stand früher der Wippernixenstein.
Der Mühlgraben war eine Abzweigung des Wipperlaufes und mündete nach einem kleinen Bogen vorbei an der Mühle und am Anwesen des sogenannten Pflugeisens wieder in den direkten Wipperlauf. Die Abriegelung geschah meistens einmal im Jahr, im August, um die jährlich anfallenden Reparaturarbeiten an dem Mühlrad der Mühle durchführen zu können. Nach der Abschieberung der Wipper wurde dann der Mühlgraben abgefischt, denn früher war die Wipper ein fischreiches Gewässer.
Das Wehr, welches aus gewachsenen Felsen und Betonwangen bestand, nannten früher die Dorfaltvorderen auch den Wippernixenstein. Unter Nixen stellte man sich elfenhafte Bewohner des Wassers vor. Die sich in dessen Tiefe, von matten Lichtschein erhellt, tummeln und dort Schätze bewachen. Hierbei unterschied man den männlichen Neck, der meist in den Erzählungen als hässlich, klein, ungestalt und tückisch im Wesen dargestellt wurde und den weiblichen Geschöpf, der Nixe.
Diese stellten sich die Menschen, sobald wie sie ihr Element das Wasser verließ, als friedfertiges, freundliches, junges, hübsches Wesen in Menschengestalt vor, die Musik und Tanz über alles liebt. Man glaubte auch, dass die Nixen versuchen die Menschen durch Zärtlichkeiten und Liebe an sich zu ziehen, zu verzaubern, kamen heimlich zu ihren Tanzvergnügungen in die Dorfschenke und verliebten sich ihrerseits auch manchmal in die Menschen. Für dieses Vergehen wurden sie oft von ihren Vätern, den männlichen Wassergeistern, hart, ja, sogar mit dem Tode bestraft.
So erzählt man sich – dass in den Wipperwasser, das durch das Kleinfürscher Wehr angestaut wurde, früher Nixen wohnten. Oft sah man weiße Wäsche auf den Wangen des Wehres liegen. Wenn am Sonntagabend Tanz im Dorfe war, kamen die immer verliebten Nixenmädchen und tanzten mit den jungen Burschen des Dorfes. Aber zu einer bestimmten Stunde, meistens kurz vor Mitternacht, waren sie plötzlich wieder verschwunden.
Eines Abends hatte sich nun beim Tanz eine der Nixen in den Schäfer des Dorfes so sehr verliebt, dass sie zusammen in trauter Zweisamkeit etwas länger in der lauen Kirmesnacht weilten und die Nixe ihre Sehnsucht so lieben zu können wie eine irdische Frau sich erfüllte, selbst um den Preis von Leid und Tod. Doch auf einmal fing sie an zu weinen und der Ort der gestillten Liebessehnsucht wurde nun zum Ort ihres tiefen Schmerzes.
Sie sagte unter Tränen zu ihren Liebsten: Komm doch bitte morgen früh hierher zum Wehr. Wenn das Wipperwasser dann rot wie Blut ist, so hat mein Vater mich getötet, weil ich dich, einen Menschen, so unsagbar liebe. Kaum das sie es ausgesprochen hatte, war die Nixe auch schon im Wasser verschwunden. Am anderen Morgen eilte der Schäfer, als die dunkle Nacht sich gelichtet hatte, zum Wehr und fand, o schreckliches Schicksal wie bist du so grausam, das Wasser blutrot. In seiner Verzweiflung und in grenzenloser Liebe stürzte er sich in das Wasser und ward niemehr wieder gesehen.
Eine andere Sage berichtet uns, dass eines Abends ein fremder Mann an die Tür der Hebamme des Dorfes Kleinfurra klopfte und sie bat doch bitte seiner Frau in ihren Geburtsnöten beizustehen, es solle ihr Schaden auch nicht sein. Auch brauche sie keine Angst zu haben, es wird ihr kein Leid geschehen. Da nun der fremde Mann so flehentlich bat, auch nicht den Eindruck machte, als ob sie etwas zu befürchten habe, ging sie mit ihm.
An der Wipper beim Wehr angekommen, gebrauchte der Fremdling seinen Zauberstab. Er schlug damit ins Wasser, worauf sich die Wassermassen teilten. Nun gingen sie trockenen Fußes unter den Fluten hindurch in ein Gemach, das von Pracht und Herrlichkeit gülden erstrahlte. Freundlich kamen ihr die Kinder des Mannes, die niedlichen Wasserjungen, entgegen. Nachdem nun die Hebamme ihres Amtes gewaltet hatte und mithalf ein kleines süßes Wassernixlein auf die Welt zu bringen, geleitete sie der glückliche Vater wieder aus den Wipperfluten an das Ufer beim Wehr und beschenkte sie reichlich.
Zum Schluss ist noch zu vermelden, dass seit der Begradigung der Wipper (siehe Foto) und den damit verbundenen Wegriss des Wippernixensteins (Wipperwehr), keine Nixen hier in Kleinfurra mehr gesehen wurden.
Horst Rasemann


