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Sa, 08:54 Uhr
15.03.2014

Das versteinerte Liebespaar

An den steilen Hängen der Berge rechts und links vom Behretal hinter Ilfeld, am Eingang zum Harz, gibt es eine große Anzahl von Felspartien, zum Teil durch den Wald verborgen, zum Teil aber auch stark emporragend, so, dass man sie schon von weiten sehen kann...


Zwei solcher markanten sagenumwobenen Felsen sind der hoch am Herzberg stehende Gänseschnabel, der mit einem Gänsekopf Ähnlichkeit hat oder mit etwas Phantasie eine schöne anmutige Frau erkennen lässt und der gegenüber der Papierfabrik, jenseits der Behre und der Gleise der Harzquerbahn sich befindende Felsen am Mühlberg, der wie ein Mönch mit seiner Kutte aussieht. Eine der schönsten Sagen unserer Heimat hat Horst Rasemann aufgespürt und berichtet darüber.

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In alter Zeit lebte in Ilfeld am Südharz ein sehr schönes Mädchen, dem war Vater und Mutter gestorben. In ihrer Not musste sie bei fremden Menschen für karge Kost und geringen Lohn dienen. Im Frühling zog sie mit den Gänsen des Dorfes hinaus, um sie zu hüten. An kalten, rauen Tagen sah man das Gänseliesel, so wurde sie im Dorf genannt, in ihrem dünnen Kleidchen frieren und in ihrer Not, in ihrer Einsamkeit, weinte sie oft über ihr Schicksal.

Am Wege hin zu dem Hüteflecken musste das Gänseliesel immer am Kloster, das von Mönchen bewohnt wurde, mit ihrer Gänseherde vorbeiziehen. Den Mönchen, die nach strengen Vorschriften und Geboten lebten, war es bei Strafe untersagt, sich weltlichen Dingen zu widmen oder gar einem weiblichen Wesen außerhalb der Klostermauern nachzusehen. Doch einer der Mönche namens Gregor sah jeden Tag der Gänsehirtin heimlich durch die schmalen Lichtscharten seiner Zelle nach und war von ihrer anmutigen Gestalt und von ihrem schönen langen blonden Haar angetan.

Gänseliesel (Foto: Archiv Rasemann) Gänseliesel (Foto: Archiv Rasemann) Ihm tat das hübsche Mädchen, wenn es so traurig und kummervoll daherschritt, leid, und so sann er Tage und Nächte darüber nach, wie er ihr helfen könne. Eines Tages, gleich nach der Messe, wagte er, was ihm streng verboten war. Er fasste sich ein Herz und folgte dem Gänseliesel auf ihrem Hütewege durch Feld und Flur. Das Mädchen freute sich, dass sich ein guter Mensch um sie kümmerte und war nun glücklich. Bald trafen sich beide jeden Tag heimlich an einer Stelle. Und je öfter sie sich trafen, desto größer und inniger wurde die beiderseitige Zuneigung und desto leidenschaftlicher entbrannten Liesel und Gregor in Liebe zueinander. Beglückt vom Empfinden wahrer menschlicher Liebe, wünschten sie sich sehnlichst, als Mann und Frau zusammenzuleben.

Doch die Erfüllung dieser Liebe durfte nicht sein, denn er hatte ja als Mönch das Gelübde abgelegt. Das ständige Zusammensein der Liebenden blieb den Menschen lange verborgen, bis ein böser Waldgeist, der außerhalb der Klostermauern Gewalt über den Mönch hatte, sich dagegen auflehnte. Als sich nun der Mönch eines Tages wieder mit der Gänsehirtin treffen wollte und Gregor von einem Berg am Rande des Ilfelder Tales seiner Liesel auf der anderen Seite zuwinkte, wurde er plötzlich vom Kobold in einen mächtigen Felsen verzaubert. Dem Gänseliesel geschah das gleiche.

Beim Besuch von Ilfeld im Südharz kann man noch heute in dem Felsblock, der einem Gänseliesel (siehe Foto) ähnlich sieht, mit etwas Phantasie die schöne Gänseliesel und im gegenüberliegenden Fels den „Mönch“ sehen.
Horst Rasemann
Autor: red

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