Do, 17:14 Uhr
20.03.2014
Können Temperaturmesser lauschen?
Diese Frage schwebt seit einigen Tagen durch die Gänge des Nordhäuser Landratsamtes. In einigen Diensträumen wurden "Geräte" entdeckt, die zum Abhören geeignet sein sollen. Die nnz mit der bisherigen "Geschichte"...
Gerüchte haben es so an sich, dass sie durch die Luft schweben. Niemand kann genau sagen, wer sie ausgesetzt hat, niemand kann sie richtig greifen. Oftmals, so lehrt es die berufliche Erfahrung, ist aber auch ein Fünkchen an Wahrheit dran.
Es muss also mit dem Gerücht im Landratsamt in der vergangenen Woche begonnen haben. Da wurden in den Diensträumen der Kommunalaufsicht nach Informationen der nnz "Geräte" entdeckt, von denen man annahm, dass sie etwas größeren Wanzen ähneln. Nicht etwa den organischen Tierchen, sondern denen aus Halbleitern und Sensoren, die selbst geringste Geräuschpegel aufnehmen und weiterleiten.
Ist das nun die Geschichte des großen Lauschangriffs in der Nordhäuser Kreisverwaltung? Diese Frage stellte die nnz dem Landratsamt, denn Geräte - unter den Schreibtischen der Mitarbeiter ohne deren Wissen angebracht - liefern tausend Gründe des Misstrauens.
Die erste Antwort ließ nicht lange auf sich warten: "Bei den Geräten, die unter den Schreibtischen angebracht waren, handelt es sich nicht um 'Wanzen', sondern um Temperaturmessgeräte. Ziel war es aufzuzeigen, ob die in der Heizungsanlage festgelegte Temperatur ausreicht, um für ein gutes Raum- und damit Arbeitsklima zu sorgen..." Zumindest ein Ziel war durch die Aktion nicht erreicht worden - um das Arbeitsklima war es nicht sonderlich bestellt.
Die Nachfrage bei einem Fachmann für Heizung, Lüftung und Sanitär, wo denn ein Temperaturmessgerät am günstigsten anzubringen sei, förderte die Aussage zutage: An der Wand, in halber Höhe. Auf die Möglichkeit, das Gerät unter einem Schreibtisch anzubringen, kam der Experte nicht und stand kurz vor einem Schreikrampf.
Also wieder nachgefragt: Warum unterm Schreibtisch? Diesmal wurde die Antwort aus dem Landratsamt schon konkreter: "In der Winterheizperiode wurden die Messgeräte genutzt, um die Temperatur zu erfassen. Da es sich um große Räume mit hohen Decken handelt, wurden die Messgeräte da angebracht, wo die Mitarbeiter sitzen, auch unterhalb des Schreibtisches. Um die Messung nicht zu beeinflussen, wurden die Temperaturfühler (die technisch nicht in der Lage sind, Geräusche aufzunehmen bzw. aufzuzeichnen) unangekündigt angebracht."
Da werden sich die Mitarbeiter der kommunalen Aufsicht natürlich gewundert haben, warum man ihnen misstraute und sie nicht informierte. Vielleicht war es ihnen in ihren hohen Räumen einfach zu kalt?
Was ist also aus dem Gerücht geworden? Akustische Überwachung und Wanzen? Nein! Banale Geheimniskrämerei mit unangenehmem Beigeschmack gegenüber den Mitarbeitern? Ja. Das hat auch Landrätin Birgit Keller erkannt und bereits Anfang dieser Woche auf das schwirrende Gerücht reagiert: "Die Ängste der Mitarbeiter, abgehört zu werden, habe ich sofort ernstgenommen, denn sowohl aus unserer eigenen Vergangenheit als auch aktuell durch die NSA-Affäre ist dies ein sehr sensibles Thema", so Keller. "Deshalb habe ich am Montag in der Dienstberatung diese Vorgehensweise kritisiert und künftig wird es Temperaturmessungen ohne Information an die Mitarbeiter nicht mehr geben", teilt die Landrätin der nnz mit.
Damit dürften sich die Wogen im Landratsamt zu Nordhausen wieder geglättet haben. Für alle, die es genauer wissen wollen, die eingesetzten Geräte sollen jenen hier ähnlich sehen.
Peter-Stefan Greiner
Autor: redGerüchte haben es so an sich, dass sie durch die Luft schweben. Niemand kann genau sagen, wer sie ausgesetzt hat, niemand kann sie richtig greifen. Oftmals, so lehrt es die berufliche Erfahrung, ist aber auch ein Fünkchen an Wahrheit dran.
Es muss also mit dem Gerücht im Landratsamt in der vergangenen Woche begonnen haben. Da wurden in den Diensträumen der Kommunalaufsicht nach Informationen der nnz "Geräte" entdeckt, von denen man annahm, dass sie etwas größeren Wanzen ähneln. Nicht etwa den organischen Tierchen, sondern denen aus Halbleitern und Sensoren, die selbst geringste Geräuschpegel aufnehmen und weiterleiten.
Ist das nun die Geschichte des großen Lauschangriffs in der Nordhäuser Kreisverwaltung? Diese Frage stellte die nnz dem Landratsamt, denn Geräte - unter den Schreibtischen der Mitarbeiter ohne deren Wissen angebracht - liefern tausend Gründe des Misstrauens.
Die erste Antwort ließ nicht lange auf sich warten: "Bei den Geräten, die unter den Schreibtischen angebracht waren, handelt es sich nicht um 'Wanzen', sondern um Temperaturmessgeräte. Ziel war es aufzuzeigen, ob die in der Heizungsanlage festgelegte Temperatur ausreicht, um für ein gutes Raum- und damit Arbeitsklima zu sorgen..." Zumindest ein Ziel war durch die Aktion nicht erreicht worden - um das Arbeitsklima war es nicht sonderlich bestellt.
Die Nachfrage bei einem Fachmann für Heizung, Lüftung und Sanitär, wo denn ein Temperaturmessgerät am günstigsten anzubringen sei, förderte die Aussage zutage: An der Wand, in halber Höhe. Auf die Möglichkeit, das Gerät unter einem Schreibtisch anzubringen, kam der Experte nicht und stand kurz vor einem Schreikrampf.
Also wieder nachgefragt: Warum unterm Schreibtisch? Diesmal wurde die Antwort aus dem Landratsamt schon konkreter: "In der Winterheizperiode wurden die Messgeräte genutzt, um die Temperatur zu erfassen. Da es sich um große Räume mit hohen Decken handelt, wurden die Messgeräte da angebracht, wo die Mitarbeiter sitzen, auch unterhalb des Schreibtisches. Um die Messung nicht zu beeinflussen, wurden die Temperaturfühler (die technisch nicht in der Lage sind, Geräusche aufzunehmen bzw. aufzuzeichnen) unangekündigt angebracht."
Da werden sich die Mitarbeiter der kommunalen Aufsicht natürlich gewundert haben, warum man ihnen misstraute und sie nicht informierte. Vielleicht war es ihnen in ihren hohen Räumen einfach zu kalt?
Was ist also aus dem Gerücht geworden? Akustische Überwachung und Wanzen? Nein! Banale Geheimniskrämerei mit unangenehmem Beigeschmack gegenüber den Mitarbeitern? Ja. Das hat auch Landrätin Birgit Keller erkannt und bereits Anfang dieser Woche auf das schwirrende Gerücht reagiert: "Die Ängste der Mitarbeiter, abgehört zu werden, habe ich sofort ernstgenommen, denn sowohl aus unserer eigenen Vergangenheit als auch aktuell durch die NSA-Affäre ist dies ein sehr sensibles Thema", so Keller. "Deshalb habe ich am Montag in der Dienstberatung diese Vorgehensweise kritisiert und künftig wird es Temperaturmessungen ohne Information an die Mitarbeiter nicht mehr geben", teilt die Landrätin der nnz mit.
Damit dürften sich die Wogen im Landratsamt zu Nordhausen wieder geglättet haben. Für alle, die es genauer wissen wollen, die eingesetzten Geräte sollen jenen hier ähnlich sehen.
Peter-Stefan Greiner

