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Fr, 06:45 Uhr
21.03.2014

Dank an Stadtförster

Vor wenigen Tagen berichtete Bodo Schwarzberg in der nnz über "Das Sterben der Bunten Erdflechten", eine bedrohte Arten-Gemeinschaft, die im Landkreis auf offenen Gipsböden noch einige wenige Vorkommen hat. Nun bedankt er sich beim Stadtförster für dessen Engagement...

Vom Aussterbe bedroht (Foto: Bodo Schwarzberg) Vom Aussterbe bedroht (Foto: Bodo Schwarzberg)
Diese gestern fotografierte, unscheinbare, auffallend weiße Krusten-Flechte ist wahrscheinlich die in Deutschland vom Aussterben bedrohte Buellia epigaea. Sie wurde in der Rüdigsdorfer Schweiz nachgewiesen. Auf den in Teilen des Gebietes sehr wenigen verbliebenen Restflächen mit der Bunten Erdflechtengesellschaft wird nach ihr gesucht. Eine Sporenanalyse muss zeigen, ob der schöne Schein nicht trügt.

In Teilen der Rüdigsdorfer Schweiz sind durch die extensive Rinderweide zahlreiche wertvolle Bestände der reliktartigen Bunten Erdflechten verloren gegangen. Bekanntermaßen wurden die hochsensiblen Organismen ein Opfer des aus den Kuhfladen resultierenden Nährstoffeintrages.

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Für diese Beobachtung habe ich nun von einer weiteren anerkannten Flechtenspezialistin fachliche Rückendeckung erhalten. Meine Kritik als aktiver Artenschützer richtet sich dabei nicht an den Bewirtschafter und sie verteufelt auch nicht generell die Rinderweide. Aber sie richtet sich gegen nicht immer durchdachte Behörden-Entscheidungen und bisher in Thüringen übliche Empfehlungen, die Rinderweide auf für sie naturschutzfachlich ungeeigneten Flächen zur Anwendung zu bringen.

Ein Zitat aus der Mail der Flechtenexpertin: „Die Beweidung mit Rindern dagegen wirkt sich ausgesprochen negativ auf diese Flechtengesellschaft aus. Meist kommt es zu massiveren Trittverletzungen, die bei Starkregen oft zu einer Bodenerosion führen und damit zur Vernichtung von Initialstadien der Bunten Erdflechtengesellschaft. Der Stickstoffeintrag ist sehr massiv und wird von den Flechten nicht mehr toleriert. Besonders das Abdecken der Flächen durch die Kuhfladen führt unter diesen und meist noch in einem bestimmten Abstand um die Fladen herum zwangsläufig zum Absterben der Flechten.“
Die Einschätzung der Spezialistin wurde (selbstverständlich mit ihrem Namen) an die zuständigen Behörden weitergeleitet. Das Dilemma ist klar: Einerseits wollen wir unsere Trocken- und Halbtrockenrasen erhalten, müssen dies aber mit immer weniger Schaf- und Ziegenherden erreichen.

Schafe beim Weiden (Foto: Bodo Schwarzberg) Schafe beim Weiden (Foto: Bodo Schwarzberg)
Zum Aussterben verurteilt? Eine Schafherde in der Nähe von Buchholz.

Dabei zeigt meine persönliche Erfahrung in der Landschaftspflege, dass die kombinierte Anwendung von kurzzeitiger Rinderweide und alljährlicher tiefer Mahd/Entbuschung inkl. Beräumung des Mähgutes (wichtig!) durchaus zu einer naturschutzfachlich positiven Entwicklung führen kann. Das gilt aber nicht für jene Bereiche, in denen offene Gipsböden vorliegen. Diese Flächen dürfen im Sinne einiger z.T. hochgradig bedrohter Flechten- und Gefäßpflanzenarten niemals mit Rindern beweidet werden. Schaf- und Ziegenweide hingegen ist, extensiv angewendet, problemlos möglich.

Und an dieser Stelle hat die Politik in Thüringen versagt: Die Förderung der Schäfer muss dringend und zwar sofort angehoben werden. Wir können nicht einerseits Biodiversitätsstrategien und Schutzziele für Naturschutzgebiete aufstellen und andererseits Biodiversität durch undurchdachte Entscheidungen zerstören. Hier fehlen im Umweltministerium eindeutig Konsequenz und Glaubwürdigkeit.

Und so fordere ich unsere Landtagsabgeordneten auf, welcher Partei sie auch immer angehören, alles daran zu setzen, die letzten Schafherden nicht zum Opfer einer unvorteilhaften Geldverteilungsmaschinerie werden zu lassen, und vielleicht auch zum Opfer einiger Lobbyisten. Die meines Wissens gerade anstehende Neuaushandlung der Verträge mit den Landwirten zur Bewirtschaftung naturschutzrelevanter Flächen sollten die Widersprüche zwischen den in Naturschutzgesetzen, Biodiversitätsstrategien und FFH-Richtlinien einerseits und den überwiegend wirtschaftlich ausgerichteten Landschaftspflege-Regelungen andererseits endlich auflösen.

Bevor noch mehr Schaden entsteht, z.B. in bisher noch flechtenreichen Gebieten. Und das liegt durchaus auch in der Verantwortung von Stadt und Landkreis. Bedanken möchte ich ganz in diesem Sinne bei Stadtförster Axel Axt. Er und die Forstarbeiter haben höchst unbürokratisch meinem Wunsch entsprochen und in der Rüdigsdorfer Schweiz eine mit Gehölzen bestandene Gipskuppe freigestellt. Sie ist im besagten Teil des Naturschutzgebietes die letzte verbliebene, auf der die bedrohte Bunte Erdflechtengesellschaft noch recht gut ausgebildet ist. - Sie wurde bisher nicht mit Rindern beweidet.
Bodo Schwarzberg

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Autor: red

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