Sa, 07:16 Uhr
11.09.2004
Verzerrt
Nordhausen/Sondershausen (nnz). Den kulturell interessierten nnz-Lesern ist Katrin Landgraf aus Sondershausen als Rezensentin von Konzerten im nördlichen Thüringen bekannt. Jetzt hat die junge Frau ihre erste Ausstellung auf die Beine gestellt...
"Depravati Imagines" nennt sich eine Ausstellung von Werken Katrin Landgrafs, die am letzten Samstag im Riesensaal des Schlosses eröffnet wurde. Doch wer "Verzerrte Bilder" - so die Übersetzung des lateinisch inspirierten Titels - erwartet, wird sich überrascht sehen, denn die 19 Fotografien sind, trotz ihrer Bearbeitung am Computer, in ihrer Intention mehrheitlich klar und eindeutig und dabei manchmal von geradezu befreiender Leichtigkeit. Allerdings handelt es sich, trotz mancher Anlehnung an etablierte Popkünstler wie Warhol, nicht um die Darstellung der Ergebnisse tief schürfender und abgeschlossener Selbsterforschung und -erkennung, sondern viel mehr um den mutigen Schritt einer jungen Künstlerin an die Öffentlichkeit auf dem Weg zu ihrem eigenen Stil. Daher spricht aus manchem Werk auch der Wunsch zur Teilhabe an dem, was die 20-Jährige bewegt: die Liebe. Insbesondere die Liebe zur Musik, die sich in vielerlei Gestalt wie ein roter Faden die Ausstellung zieht.
Die größte Zuneigung Landgrafs gilt der Orgel, die in gut der Hälfte der Bilder im Zentrum steht, mal direkt als zentraler Punkt wie im Zyklus "Die Elemente", mal subtil-indirekt in Gestalt des Kantors der Sondershäuser Trinitatiskirche Jens Goldhardt, dessen Konterfei manche Bearbeitung erfuhr. Doch diese Nähe zur "Königin der Instrumente" kommt nicht von ungefähr, denn die Künstlerin ist selbst an der Orgel geübt und absolviert darüber hinaus derzeit eine Ausbildung zur Orgelbauerin.
Aber nicht nur in Form von Instrumenten begegnet uns die Musik, sondern auch im Abbild der Menschen, die sie ausüben. Besonders oft begegnet dem Besucher der oben bereits erwähnte Jens Goldhardt. Ihm ist u.a. das Triptychon "Die Macht der Töne" zugeeignet, das von einer gewissen Bewunderung für die Leidenschaft und des Temperaments des Kantors für die Musik kündet, indem die Künstlerin im Begleittext bewusst Parallelen zu Paganini zieht, in dem man bekanntlich - im positiven Sinne - auch stets etwas Teuflisches sah. Doch auch andere Menschen begegnen dem Besucher, wie z.B. in den vier Mitgliedern des Sondershäuser Verbandes Akademisch-Musikalischer Verbindungen. Mit einem Augenzwinkern zeigen sich hier Anspielungen auf feucht-fröhliche Abende, engelsgleicher Gesangsunterricht und Gelassenheit in allen Lebenslagen wohl vereint nebeneinander. Spätestens hier wird die Ausstellung dann doch zu einer Hommage an Freunde, an die Orgel, stets aber an die Musik.
Doch nicht immer nimmt Katrin Landgraf den Ausstellungsbesucher an die Hand und führt ihn durch ihre Welt. Mit Bildern wie "lux aeterna" oder "Takt der Zeit", die nicht wie viele andere Bilder ausführlich kommentiert wurden, fordert die Künstlerin den Besucher nachdrücklich auf, sich nicht von vorgegebenen Interpretationsansätzen leiten zu lassen, sondern sich intensiver mit ihr und ihrer Welt zu beschäftigen. Und das kann überraschend tiefgründig sein, wie "Das Ei" zeigt, symbolisiert es hier doch, wie die Kunst das Leben erhält, indem sie reflektiert, deutet und vor allem selbst kreiert.
Auch die Vernissage wurde durch Katrin Landgraf maßgeblich mitgestaltet, die es sich nicht nehmen ließ, selbst zum modernen E-Cello zu greifen, bevor Bürgermeister Joachim Kreyer die Laudatio auf die Künstlerin hielt. Die Ausstellung ist noch bis zum 13. September geöffnet.
Ulrich Witt
Autor: nnz"Depravati Imagines" nennt sich eine Ausstellung von Werken Katrin Landgrafs, die am letzten Samstag im Riesensaal des Schlosses eröffnet wurde. Doch wer "Verzerrte Bilder" - so die Übersetzung des lateinisch inspirierten Titels - erwartet, wird sich überrascht sehen, denn die 19 Fotografien sind, trotz ihrer Bearbeitung am Computer, in ihrer Intention mehrheitlich klar und eindeutig und dabei manchmal von geradezu befreiender Leichtigkeit. Allerdings handelt es sich, trotz mancher Anlehnung an etablierte Popkünstler wie Warhol, nicht um die Darstellung der Ergebnisse tief schürfender und abgeschlossener Selbsterforschung und -erkennung, sondern viel mehr um den mutigen Schritt einer jungen Künstlerin an die Öffentlichkeit auf dem Weg zu ihrem eigenen Stil. Daher spricht aus manchem Werk auch der Wunsch zur Teilhabe an dem, was die 20-Jährige bewegt: die Liebe. Insbesondere die Liebe zur Musik, die sich in vielerlei Gestalt wie ein roter Faden die Ausstellung zieht.
Die größte Zuneigung Landgrafs gilt der Orgel, die in gut der Hälfte der Bilder im Zentrum steht, mal direkt als zentraler Punkt wie im Zyklus "Die Elemente", mal subtil-indirekt in Gestalt des Kantors der Sondershäuser Trinitatiskirche Jens Goldhardt, dessen Konterfei manche Bearbeitung erfuhr. Doch diese Nähe zur "Königin der Instrumente" kommt nicht von ungefähr, denn die Künstlerin ist selbst an der Orgel geübt und absolviert darüber hinaus derzeit eine Ausbildung zur Orgelbauerin.
Aber nicht nur in Form von Instrumenten begegnet uns die Musik, sondern auch im Abbild der Menschen, die sie ausüben. Besonders oft begegnet dem Besucher der oben bereits erwähnte Jens Goldhardt. Ihm ist u.a. das Triptychon "Die Macht der Töne" zugeeignet, das von einer gewissen Bewunderung für die Leidenschaft und des Temperaments des Kantors für die Musik kündet, indem die Künstlerin im Begleittext bewusst Parallelen zu Paganini zieht, in dem man bekanntlich - im positiven Sinne - auch stets etwas Teuflisches sah. Doch auch andere Menschen begegnen dem Besucher, wie z.B. in den vier Mitgliedern des Sondershäuser Verbandes Akademisch-Musikalischer Verbindungen. Mit einem Augenzwinkern zeigen sich hier Anspielungen auf feucht-fröhliche Abende, engelsgleicher Gesangsunterricht und Gelassenheit in allen Lebenslagen wohl vereint nebeneinander. Spätestens hier wird die Ausstellung dann doch zu einer Hommage an Freunde, an die Orgel, stets aber an die Musik.
Doch nicht immer nimmt Katrin Landgraf den Ausstellungsbesucher an die Hand und führt ihn durch ihre Welt. Mit Bildern wie "lux aeterna" oder "Takt der Zeit", die nicht wie viele andere Bilder ausführlich kommentiert wurden, fordert die Künstlerin den Besucher nachdrücklich auf, sich nicht von vorgegebenen Interpretationsansätzen leiten zu lassen, sondern sich intensiver mit ihr und ihrer Welt zu beschäftigen. Und das kann überraschend tiefgründig sein, wie "Das Ei" zeigt, symbolisiert es hier doch, wie die Kunst das Leben erhält, indem sie reflektiert, deutet und vor allem selbst kreiert.
Auch die Vernissage wurde durch Katrin Landgraf maßgeblich mitgestaltet, die es sich nicht nehmen ließ, selbst zum modernen E-Cello zu greifen, bevor Bürgermeister Joachim Kreyer die Laudatio auf die Künstlerin hielt. Die Ausstellung ist noch bis zum 13. September geöffnet.
Ulrich Witt


