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Fr, 10:06 Uhr
10.09.2021
Rechenschaftslegung und Ausblick:

Vertreterversammlung bei der WBG Südharz

53 Vertreterinnen und Vertreter der Wohnungsbaugenossenschaft Südharz (WBG) waren gestern der Einladung des Vorstandes und des Aufsichtsrates zur Vertreterversammlung im 120. Jahr ihres Bestehens gefolgt. Satzungsgemäß müssen die Vertreter zum Beispiel über den Jahresabschluss 2020, die Verwendung der Gewinne oder die Entlastung der unterschiedlichen Gremien bis zum 30. Juni befinden...

Sven Dörrmann bei seinem Rechenschaftsbericht (Foto: WBG) Sven Dörrmann bei seinem Rechenschaftsbericht (Foto: WBG)

Im Konferenzraum des Kunden-Service-Centers der WBG in der Bochumer Straße in Nordhausen begrüßte die Aufsichtsratsvorsitzende Doris Schilling die Vertreter und freute sich, dass - unter Einhaltung aller notwendigen Hygieneregeln - die Versammlung doch noch stattfinden konnte.

In der anschließenden Rechenschaftslegung des WBG-Vorstandes ging zunächst der für Finanzen verantwortliche Vorstand Steffen Loup auf allgemeine wohnungswirtschaftliche Entwicklungen in Thüringen ein. So werde seitens der Statistiker im Landkreis Nordhausen ein Bevölkerungsrückgang von 16,8 Prozent bis zum Jahr 2040 prognostiziert. Demgegenüber befindet sich unter den Genossenschaftsmitgliedern fast ein Drittel im Alterssegment von 71 Jahren und älter. Dieser Entwicklung habe sich die Genossenschaft bereits seit 15 Jahren gestellt und großes Augenmerk auf die Modernisierung und den Neubau von barrierefreien und seniorengerechten Wohnungen gelegt. Die Ausgaben für Instandhaltung, Modernisierung und Neubau beliefen sich im vergangenen Jahr auf rund 17 Millionen Euro. Dabei lag der Instandhaltungskostensatz bei der WBG Südharz bei rund 22 Euro je Quadratmeter Wohnfläche und damit um fast 50 Prozent über dem Thüringer Durchschnitt. Das ist ein Beleg dafür, dass bei der WBG Südharz der Großteil der Mieteinnahmen umgehend wieder in die Häuser und Wohnungen zur nachhaltigen Bestandserhaltung und -verbesserung investiert wird.

Besonders stolz zeigte sich Steffen Loup angesichts dieser Zahlen im Hinblick auf die Stabilität der Mietentwicklung. Im Jahr 2019 lag die Durchschnittsmiete der Wohnungsbaugenossenschaft bei 5,17 Euro, das entspricht exakt dem Thüringer Durchschnitt. Dabei ist zu berücksichtigen, dass rund 95 Prozent des Bestandes als vollsaniert, 1 Prozent als Neubau und 4 Prozent als teilsaniert gelten. Im Hinblick darauf konstatierte Loup eine durchschnittliche jährliche Steigerung der WBG-Mieten um lediglich 1,4 Prozent - und das bei ständig steigenden Baupreisen, die vor allem in den zurückliegenden Jahren unverhältnismäßig stark nach oben kletterten.

Einen Schwerpunkt des Vortrages nahm der Kauf der Objekte der kommunalen Bleicheröder Wohnungsbau GmbH zum 1. Januar 2021 ein. Durch die bereits vorhandenen genossenschaftlichen Wohnungsstandorte der WBG in Bleicherode ist die Genossenschaft seit über 15 Jahren in die Stadtentwicklung eng eingebunden. Bestandteil der Verträge zwischen der kommunalen Gesellschaft und der WBG war unter anderem eine Sozialcharta, mit der sich die Genossenschaft zum Beispiel verpflichtete, alle Regelungen in den Mietverträgen zu Gunsten der Mieter einzuhalten. Außerdem informierte der Finanzvorstand über eingegangene Modernisierungs-, aber auch Rückbauverpflichtungen im Rahmen der Umsetzung der Pläne gem. dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept für Bleicherode.

Steffen Loup berichtete weiterhin über die kommenden Schritte zur Umsetzung der Digitalisierungsstrategie der WBG in diesem und im kommenden Jahr, wobei hier die Implementierung eines Customer Relationship Managements (CRM) als digitales Serviceportal im Mittelpunkt steht. So werden zukünftig die Genossenschaftsmitglieder über eine App auf sämtliche relevanten Daten im Zusammenhang mit ihrer Mitgliedschaft und ihrem Wohnungsnutzungsvertrag online zugreifen können.

Die Sozialarbeit ist ebenfalls ein wichtiger Baustein der Mitgliederbetreuung bei der WBG Südharz. Die neue Hausdame/Quartiersmanagerin für das “SENIORENWOHNEN PLUS am Aueblick” in Nordhausen, Melanie Stahl, wurde vorgestellt und ein Überblick über Aktivitäten in den Quartieren Nordhausen Nord und am “SENIORENWOHNEN PLUS am Löwentor“ in Bleicherode gegeben.

Steffen Loup informierte die Vertreter außerdem über die Fortführung des WBG-Kita-Projektes in diesem Jahr, an dem sich 15 Kindergärten beteiligen können. Für bislang zehn eingereichte Ideenvorschläge wurden insgesamt 5.000 Euro als Unterstützung von Projekten für die Kleinsten zur Verfügung gestellt.

Zum Abschluss seiner Berichterstattung ging Steffen Loup auf die Bilanz der Wohnungsverwaltungsgesellschaft Nordhausen mbH (WVG) ein, die unter anderem 992 Wohnungen für Wohnungseigentümergemeinschaften sowie für 279 Wohnungen institutioneller Eigentümer verantwortlich ist. Wichtige Projekte der WVG, die bereits im Jahr 2019 angelaufen sind, konnten im vergangenen Jahr erfolgreich ausgebaut werden. Dazu gehören die Übernahme der TV-Signal-Versorgung, die Einführung und Umsetzung der „WBG ENERGIE“ -Strom- und Erdgasprodukte für die Mitglieder sowie die Entwicklung eines eigenen „WBG ENERGIE“ –Internetproduktes ab dem kommenden Jahr.

Im Anschluss gab der Vorstand Wohnen der WBG, Sven Dörmann, zunächst einen Überblick über den regionalen Wohnungsmarkt. Hauptsächlich als Folge der Pandemie sank 2020 die Vermietungsquote auf 94,9 Prozent. Dieser Trend setzt sich bisher auch in diesem Jahr fort. Geschuldet ist diese Entwicklung vor allem dem Bereich der Wohnungen für Studierende. Hier war durch den Ausfall der Präsenzlehre an der Nordhäuser Hochschule ein beispielloser Einbruch der Nachfrage zu verzeichnen. Diese Entwicklung hat im vergangenen Jahr u.a. auch die Zahl der Genossenschaftsmitglieder verringert. Sie ging von 7.072 im Jahr 2019 auf 6.849 im Berichtsjahr 2020 zurück.

Sven Dörmann zeigte sich jedoch optimistisch, dass der Rückgang der Vermietungsquote bis zum Jahresende gestoppt und vielleicht sogar eine Trendwende erreicht werden könne. Die ersten Zahlen der neu abgeschlossenen Mietverträge mit Studierenden lassen darauf hoffen.

Sven Dörmann nahm in seinem Vortrag noch einmal die Zahlen des Bevölkerungsrückgangs im vergangenen Jahr auf und wies darauf hin, dass davon im Landkreis Nordhausen zu zwei Dritteln die Stadt Nordhausen betroffen war. Die Folge kann zukünftig wieder vermehrt struktureller Leerstand sein, da dieser Bevölkerungsentwicklung der in den letzten zehn Jahren entstandene große Neubaubestand gegenübersteht. So werden derzeit bereits strategische Überlegungen mit den Verantwortlichen für Stadtplanung angestellt, wie zukünftig wieder notwendige Marktanpassungen in Nordhausen und in Bleicherode zu realisieren sein könnten. Dies müsse jedoch in enger Abstimmung mit den integrierten Entwicklungskonzepten der beiden Städte erfolgen.

Sehr gut angenommen wurde bislang von den Mitgliedern und Nutzern der völlig neu überarbeiteten WBG-Homepage deren Relaunch, der sich im Ergebnis noch mehr an der Nutzerintensität orientiert. Wichtigste Änderung ist die hervorgehobene Präsenz einer möglichen digitalen Terminvereinbarung. Hierbei flossen vor allem die Erfahrungen der pandemischen Situation ein, von der neben den Mitarbeitenden der Genossenschaft auch die WBG-Mitglieder betroffen waren.

Ganz im Sinn der „Grünen WBG“-Philosophie wurden, trotz Corona, auch im vergangenen Jahr wieder 15 Baumsprösslinge gepflanzt und an ihre kleinen Patenkinder übergeben. In diesem Jahr waren bis dato zwölf Anmeldungen für eine Baumpflanzung zu verzeichnen. Berichtet wurde zudem, dass im abgelaufenen Jahr 27-mal die WBG-Ehrennadel in Bronze für eine 50-jährige Mitgliedschaft und 40 Treuepokale für das 50-jährige Wohnen in derselben Wohnung überreicht wurden.

Sven Dörmann berichtete den Vertretern weiterhin über erste Ergebnisse der anonymen Mitgliederbefragung, die von März bis Juni dieses Jahres durch ein Unternehmen aus Hamburg realisiert wurde. Besonders beeindruckt war der Vorstand hinsichtlich der Rücklaufquote von 56,5 Prozent. Insgesamt seien 6.551 Haushalte angeschrieben worden. Aus Sicht des Vorstandes spricht die Quote für ein sehr gutes Verhältnis zwischen der Genossenschaft und ihren Mitgliedern. Die weit überwiegend positive Beantwortung der Fragen konnte auch durch den Vergleich mit anderen Wohnungsunternehmen bestätigt werden. So wurden durch zahlreiche Mitglieder auch Kommentare abgegeben werden wie: “Bei der WBG Card könnten sich mehr Firmen beteiligen” oder “Unterstützung regionaler ökologischer Projekte und Vereine ist etwas, was mir sehr aus der Seele spricht.” Die einzelnen Faktoren der Antworten kommen aus Sicht des Vorstandes in dem Umstand zum Ausdruck, dass 96,1 Prozent der Befragten das Wohnen bei der WBG Südharz jederzeit weiterempfehlen würden.

Der Vorstand ist nun gespannt, was die noch folgende detaillierte Analyse der Befragung in den einzelnen Teamberatungen ergeben wird. Darüber soll in der Mitgliederzeitschrift der Genossenschaft „Bei UNS Zuhause“ (BUZ) informiert werden.

Am Ende seines Vortrages konstatierte Dörmann, dass trotz steigender Materialpreise sämtliche Budgets der Instandhaltung (ca. 7,5 Millionen Euro) und Modernisierung (ca. 9 Millionen Euro) im vergangenen Jahr eingehalten werden konnten.
Im Bereich des Neubaus wird der Kostenplan nicht eingehalten. So sind beim Projekt “WBGREENONE” die Baufirmen nicht nur einige Wochen im Verzug, sondern die Baukosten werden sich nach aktuellem Stand gegenüber den Planungen auch um ca. 15 Prozent erhöhen. Der Vorstand der WBG geht aber davon aus, dass trotzdem die ersten Wohnungen in der Stolberger Straße 18 in Nordhausen noch in diesem Jahr bezogen werden können.

Positives gibt es vom “SENIORENWOHNEN PLUS am Aueblick”. Bis auf die Gestaltung der Parkanlage im Innenhof konnten alle Arbeiten Anfang des Jahres beendet werden. Die komplexe Entwicklung des Standortes für Seniorenwohnen in Nordhausen Nord ist damit nach über zehn Jahren abgeschlossen. Alle Wohnungen sind vermietet.
Sämtliche weitere Baumaßnahmen sowie Wartungsprogramme der WBG liegen in den geplanten Zeit- und Budgetplänen, so z. B. der Anbau neuer Balkone am Taschenberg 7-9 in Nordhausen und in der Freiheitstraße 10-12 in Bleicherode.

In seinem Ausblick konzentrierte sich Sven Dörmann auf die kontinuierliche Beobachtung des Marktes, seiner Entwicklung, ebenso der Bevölkerungsentwicklung und beschrieb die nächsten Jahre als eine Zeit der Konsolidierung. Es werde vorerst weniger Neubau, dafür jedoch Investitionen in notwendige Bereiche geben. Dazu gehören weiterhin Strangsanierungen (Sanitär, Elektro), die Prüfung des Ausbaus der Fernwärme in verschiedenen Wohngebieten, der Ausbau von Glasfasernetzen bis direkt in die WBG-Wohnungen (FTTH), der Anbau von Balkonen, die Dämmung von Fassaden, die Veränderung von Grundrissen und vor allem die Forcierung des barrierearmen Wohnens. Die kommenden Herausforderungen werden anspruchsvoll sein.

Würdigung für Detlef Helbing (2.v.r.) (Foto: WBG) Würdigung für Detlef Helbing (2.v.r.) (Foto: WBG)


In einem weiteren Teil der Vertreterversammlung wurde der Jahresabschluss 2020 der Genossenschaft durch Steffen Loup erläutert und der Vorsitzende des Finanzausschusses des Aufsichtsrates, Andre´Vollmer, verlas das Prüfungsergebnis des Aufsichtsrates.
Der Prüfungsleiter des genossenschaftlichen Prüfungsverbandes, Ansgar Zwernemann, verlas das zusammengefasste Prüfungsergebnis und fand ausschließlich wertschätzende Worte für die wirtschaftliche Entwicklung der WBG Südharz.
Die gewählten Vertreter würdigten das positive Jahresergebnis durch jeweils einstimmige Beschlussfassungen zu Gewinnverwendung sowie Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat zum Geschäftsjahr 2020.
Im Anschluss bestand die Möglichkeit zur Diskussion.

Zum Abschluss der Vertreterversammlung wurde mit Detlef Helbing ein langjähriger Mitarbeiter der WBG Südharz und gewählter Vertreter geehrt. Mehr als 40 Jahre war er Mitarbeiter in verschiedenen Positionen der Genossenschaft und in den vergangenen Jahren Teamleiter der WBG-Objektmanager.
Als gewählter Vertreter wird er sich weiterhin ehrenamtlich einbringen.

Detlef Helbing wurde für sein jahrzehnteübergreifendes außerordentliches Engagement die höchste Auszeichnung der Wohnungsbaugenossenschaft, die „Ehrennadel der WBG Südharz in Gold“ verliehen.
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