Die Wende, eine Revolution, ein neues Zeitalter bricht an - die Aussagen kommunaler Politiker und Wirtschaftslenker überschlugen sich im vergangenen Jahr im Tages- und Wochentakt. Was war geschehen? Ganz einfach: es ging um sechs Busse...
Ach, das waren noch Zeiten, als man in Niedersachswerfen gemeinsam mit der zuständigen Ministerin die E-Busse feierte (Foto: nnz)
Weil der Nordhäuser Stadtrat keinen Bock auf die Anschaffung von drei E-Bussen hatte, übernahm die mit zahlreichen Energiewende-Experten ausgestattete Kreisverwaltung den Erwerb. Wenn schon, dann eben ein halbes Dutzend, sagte Landrat Matthias Jendricke, der immer offen für Investitionen ist, wenn diese auskömmlich mit Fördermitteln begleitet werden. Nur zur Erinnerung an die lokalen Politiker, auch die Landesfördermittel sind unser aller Steuergelder und kein Segen von oben.
Anzeige symplr (mr_1)
Nun aber sind sie ausgegeben, die Millionen Euro und zur Sileo GmbH geflossen. Und dort? Dort hat das türkisch-deutsche Unternehmen erst einmal Insolvenz angemeldet. So einfach scheint das. Bereits Anfang März war die vorläufige Verwaltung über das Vermögen des Unternehmens mit Sitz in Wolfenbüttel durch das zuständige Amtsgericht angeordnet worden.
Der vorläufige Insolvenzverwalter Peter Steuerwald sagte der nnz auf Anfrage, das es sich bei der Sileo GmbH um ein reines Vertriebsunternehmen handele, von Produktion keine Spur. Die E-Busse, so Steuerwald, kommen aus der Türkei. Während in Nordhausen, bei den hiesigen Verkehrsbetrieben noch davon ausgegangen wird, dass ein großer Teil der Wertschöpfung eines solchen Fahrzeuges in Deutschland erfolgt, berichtete der vorläufige Insolvenzverwalter das Gegenteil.
Und selbst die vertriebliche Tätigkeit soll bereits "vor Antragstellung nur eingeschränkt betrieben worden" sein. "Richtig ist aber, dass die Antragstellerin – auftragsbezogen – Reparaturarbeiten bei von ihr vertriebenen Elektrobussen vorgenommen hat. Diese Tätigkeit wird auch aktuell noch durchgeführt", so Steuerwald.
Und welche Auswirkungen hat diese Situation nun für die größte E-Bus-Flotte eines kommunalen Unternehmens in ganz Thüringen? Von den sechs Bussen, für die man gut und gerne mindestens 15 Niederflurbusse mit bewährtem Dieselantrieb hätte anschaffen können, sollen lediglich drei fahrtauglich sein. Bei einem Fahrzeug ist ein Achsschaden aufgetreten, zwei dieser Zukunftsfahrzeuge wollen sich einfach nicht aufladen lassen, hört man. Offiziell bestätigt wird nur der Achsschaden.
In Nordhausen ist man derweil bemüht, den Schaden in Grenzen zu halten. Auf die Ausschreibung hatten laut Verkehrsunternehmen drei Bieter fristgemäß eingereicht. Bei zwei Offerten sollen Unterlagen gefehlt haben, deshalb mussten sie vergaberechtlich ausgeschlossen werden. Somit wurde der Auftrag an die sileo GmbH vergeben. Ob sich einer der Big Player des europäischen E-Bus-Marktes (Mercedes, Solaris, BYD/ADL) an der Ausschreibung beteiligte, konnte nicht recherchiert werden.
Der Schaden ist jetzt auf jeden Fall entstanden. Laut vorläufigem Insolvenzverwalter gibt die sileo GmbH keine Gewährleistung mehr. Sollte es dennoch den Wunsch nach Ersatzteilen aus Nordhausen geben, dann werden die nur noch gegen ein Entgelt geliefert. Ob davon auch weitere Serviceleistungen betroffen sind, steht noch in den Sternen.
Peter Steuerwald bemühe sich, den Geschäftsbetrieb im "Rahmen der sanierenden Übertragung" retten zu können. Denn immerhin soll mittlerweile in der Türkei ein neuer E-Bus-Typ projektiert und entwickelt werden, der vielleicht noch in diesem Jahr oder mit Beginn des nächsten Jahres wieder in Deutschland vertrieben werden kann. Wirklich gute Nachrichten sind das nicht.
Die Hoffnung im Landkreis Nordhausen wird bestimmt zuletzt sterben, denn immerhin könnte das grüne Umweltministerium oder irgendein anderes Ministerium in Erfurt wieder ein neues Programm der Förderung von E-Bussen auflegen. Dann kann wieder gekauft werden und die Flotte der Zukunftsbusse steigt im Landkreis Nordhausen weiter. Egal, ob sie stehen oder fahren. Vielleicht aber auch schauen sich Aufsichtsräte und Gesellschafter beim nächsten Deal alles viel genauer an, denn es ist unser aller Geld, das dabei ausgegeben wird. Peter-Stefan Greiner
Also wurden mal wieder Steuergelder in den Sand gesetzt, im guten Glauben man tue was für die Umwelt.
Werden solche Unternehmen nicht einmal im Vorfeld näher beleuchtet oder wollte man nur Kosten sparen?
Wir werden die Geschäftsbeziehungen zu Russland noch vermissen, wenn wir in der kalten dunklen Wohnung sitzen und das Taxi zur Dialyse ein Lastenfahrrad oder Eseltaxi ist.
Die ehemalige Geschäftsführung war strikt gegen E Busse und Sie wurde unverzüglich ausgetauscht.
Da hat jemand im Vorfeld Recht gehabt.
Alte Weisheit: Wer billig kauft, der kauft zweimal.
Ich habe auch sehr selten diese Fahrzeuge gesehen.
Das schlimme ist das die Steuerzahler und die Fahrgäste dafür aufkommen müssen.
Es fällt schon bei PKW auf, dass E-Mobilität nur im Einzugbereich eines Fahrrades funktioniert. Wer mit einem PKW weiter weg muß, der braucht einen Verbrenner. Ökonomie und Technik schlägt eben ökologische (grüne)Traumtänzerei.
Bei Bussen und LKW, die viel schwerer als PKW sind, ist es noch krasser. Noch weniger Reichweite und Praxistauglichkeit. Da kommt man eben kaum weiter. Das ist Physik. Solche Naturgegebenehiten spielen eben in der Politik keine Rolle. Unser Landrat schnell voran, zeigt eben allen was er kann.
Nun stehen die Busse nicht betriebsbereit rum und Steuergelder im MioBereich sind futsch. Der Bürger kommt mit dem ÖPNV schlechter von A nach B (weil ja weniger betriebsbereite Busse vorhanden sind) und steigt wieder auf den VerbrennerPKW oder Taxi um.
So geht Umweltschutz heute.
Klingt doof, ist aber so.
Unglaublich
Wie war noch mal der Spruch, wenn es um den Kauf von Autos geht? AUGEN AUF, BEIM AUTOKAUF! Das gilt auch für den Kauf mit Steuergeldern. Fremdes Geld gibt sich bekanntlich leichter aus.
Das gibt mal wieder böse Bauchschmerzen. Ich kann mich noch an die Zeiten erinnern , als ich auf öffentliche Ausschreibungen mit geboten habe - wenn man den Auftrag nicht bekommen hat lautete die Begründung : "Es wurde ein wirtschaftlicheres Angebot abgegeben , so das wir Sie nicht berücksichtigen können. " Wenn ich im Nachgang mal so zu der jeweiligen Baustelle Insider befragt hatte , stellte sich fast immer heraus das durch Nachträge das "wirtschaftlichste " Angebot zum teuersten geworden war. Besser wäre es wie es die Schweizer machen - das Teuerste und das billigste Angebot fällt raus und der nächste in der Reihe bekommt den Zuschlag. Wenn nur 1 Anbieter da ist , muss eben neu ausgeschrieben werden. Das würde sicher jede öffentliche Vergabestelle hin bekommen
Kann man in Ihrem Artikel etwa sowas wie einen leicht ironischen Unterton spüren ?
Es war doch für etwas höheres, heiliges gedacht. Unser aller Energiewende. Im Big Business ist der Verlust blanke Peanuts.
Mit so einem Denken wie Ihrem wäre Elon Musk höchstens Landrat geworden............Zwinker.
Jahren zwei kleinere Ebusse in Nordhausen. Ob es die noch gibt weiß ich leider nicht. Vllt. sollte man mal vor einer Ausschreibung eine ordentliche Marktrecherche durchführen. Dann das Leistungsverzeichnung und Pflichtenheft entsprechend gestaltet und schon passiert sowas nicht. Ich weiß wovon ich rede. Ist mein Job.
Die damalige Geschäftsführerin war dagegen der schlaue Landrat und heutige Geschäftsführer waren dafür ... sie hätten von den 90er lernen müssen wo der erste Reinfall war!!! Nun müsste auch hier jemand sein Hut nehmen !!!!!Aber andere haben ja schuld.....
Der Beitrag wurde deaktiviert von psg Gehört nicht zum Beitrag
Pe_rle
01.04.2022, 21:47 Uhr
E Busse
na hoffentlich war das der Aprilscherz
wenn nicht war es garantiert nicht der letzte Reinfall
dann hätten wir aber wenigstens noch den echten bei Schaffhausen
wenn doch , wie vermittelt man sowas den grünen Phantasten
im Vorfeld einer Ausschreibung ein lupenreines Lastenheft mit klar definierten Leistungsmerkmalen zu erstellen, wenn bei der Vergabe nur der Preis zählt und knackige Äpfel mit faulenden Birnen verglichen werden?
Beim Kriterium günstigster Preis werden dann aber plötzlich die faulen Birnen zu bestem Tafelobst deklariert und dem gesunden, knackigen Apfel vorgezogen.
Das Problem bei den Birnen: Der Wurm, den man dann erst später entdeckt haben will, steckt schon drin!
Unser Landrat schnell voran, zeigt eben allen was er kann.
genau, nämlich NICHTS.
auch hier wieder plädiere ich dafür das entscheider mit ihrem privaten vermögen haften.
landrat muss man sich leisten können, es reicht nicht das geld der steuerzahler zu verbrennen.
Das traurige in Nordhausen ist leider das keiner für etwas Verantwortung übernimmt , wir denken mal an unsere damalige Bürgermeisterin . .....
Bezüglich der E- Bus Geschichte , sollen wir über die Personalie Matthias Jendricke und Thorsten Schwarz nachdenken . ......