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So, 10:50 Uhr
02.10.2022
Neue Sonderausstellung im "Tabakspeicher"

"Geschweiftes" im Jugendstil

Gestern Nachmittag wurde im Nordhäuser Museum Tabakspeicher eine neue Ausstellung eröffnet. Gezeigt werden Ausschnitte aus einer Sammlung von ganz besonderem Porzellan...

Ausstellungseröffnung im Tabakspeicher (Foto: nnz) Ausstellungseröffnung im Tabakspeicher (Foto: nnz)
„Hochkarätige Leihgaben aus Privatbesitz lassen die Geschichte der im Jahr 1901 gegründeten und nahe Jena gelegenen Manufaktur, die bis 1929 existierte, lebendig werden“, sagte Museumsleiter Jürgen Rennebach zur Eröffnung der Exposition.

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In seinem Grußwort zeichnete der ehrenamtliche Beigeordnete der Stadt Nordhausen, Peter Uhley, die Geschichte von Ferdinand Selle und seiner Porzellanmanufaktur nach.

Selle stammte aus einer mit der Porzellanherstellung vertrauten Familie. 1901 gründete er in Burgau bei Jena die "Porzellan-Manufaktur Burgau a.d. Saale Ferdinand Selle". Als Mitglied im 1907 gegründeten Deutschen Werkbund verfügte Selle über gute Kontakte zu zeitgenössischen Künstlern und konnte für einige Services namhafte Entwerfer gewinnen, mit denen er Erfolge in der Fachwelt und auf Messen erzielte: unter anderen Henry van de Velde, Albin Müller, Albert Gessner, Franz Seeck, Rudolf und Fia Wille, Else Wenz-Vietor oder Erich Kuithan.

Nach dem plötzlichen Tod Selles im Jahr 1915 übernahm offiziell seine Frau Anna Agnes Adeline Selle das Unternehmen. Für die Geschäftsführung waren aber der Obermaler und der Prokurist zuständig. Höchstwahrscheinlich aufgrund der beginnenden Weltwirtschaftskrise wurde das Unternehmen am 13. Dezember 1929 aus dem Handelsregister gestrichen. In diesen 14 Jahren waren auch nur fünf Neuentwicklungen produziert worden, im Gegensatz zu zehn Services zwischen 1902 und 1914. 1929 übernahm die Rudolstädter Manufaktur Albert Stahl & Co. die Formen und produzierte damit weiter bis in die 1950er Jahre.

Thomas Selle, ein Urgroßneffe des Unternehmers Ferdinand Selle (Foto: nnz) Thomas Selle, ein Urgroßneffe des Unternehmers Ferdinand Selle (Foto: nnz)
Gegenwärtig erlebt der Jugendstil in all seinen Ausdrucksformen eine große Renaissance und begeistert Jung und Alt. Die Ausstellung im Tabakspeicher zeigt die Teile der ersten Form „1902“, die auch als „Geschweifte Form“ bezeichnet wird. Henry van der Velde beurteilte diese Erzeugnisse als die ersten im modernen Stil: Design macht das Leben erst schön. Speise-, Kaffee-, Tee- und Mokkaservice in ihren vielfältigen Dekoren in Unterglasur, Haushaltsgeschirr sowie Zierporzellane können bewundert werden.

„Wir danken dem Sammler Thomas Selle, einem Großneffen des Manufakturgründers Ferdinand Selle, für die außergewöhnlichen Ausstellungsstücke. Unser Dank gilt ebenso der Kuratorin der Ausstellung, Birgitt Hellmann“, so Rennebach abschließend.
Peter-Stefan Greiner
Autor: psg

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