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Mi, 11:00 Uhr
12.10.2022
DIW Berlin

Späterer Renteneintritt ist der Gesundheit abträglich

Die Rentenexperten des DIW haben die Abschaffung der sogenannten "Altersrente" für Frauen im Jahr 1999 untersucht und dabei festgestellt, dass ein höheres Renteneintrittsaltervor allem die psychische und teilweise auch die physische Gesundheit betroffener Frauen verschlechtert hat...

Eine Erhöhung des Renteneintrittsalters ist regelmäßig Gegenstand politischer Diskussionen. Meist stehen dabei die finanzielle Stabilität des Rentensystems und der Fachkräftemangel im Vordergrund. Die gesundheitlichen Folgen bleiben häufig im Dunkeln. Eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) weist nun anhand einer Rentenreform aus dem Jahr 1999 nach, dass sich der gesundheitliche Zustand verschlechtert, wenn die Betroffenen erst später in den Ruhestand gehen können. Das gilt vor allem mit Blick auf psychische Krankheiten wie Stimmungsstörungen, aber auch mit Blick auf körperliche Erkrankungen, beispielsweise Übergewicht und Arthrose.

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Konkret haben die DIW-Rentenexperten Mara Barschkett, Johannes Geyer und Peter Haan die Abschaffung der sogenannten Altersrente für Frauen untersucht. Bis 2011 konnten Frauen unter bestimmten Voraussetzungen bereits mit 60 Jahren und Abschlägen in Rente gehen. Frauen der Geburtsjahrgänge ab 1952 hatten diese Option nicht mehr; sie konnten sich in der Regel frühestens mit 63 Jahren verrenten lassen. Auf Basis von Daten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) haben die Studienautoren den Geburtsjahrgang 1951 – also den letzten, der von der alten Regelung profitieren konnte – und den Jahrgang 1952 unter die Lupe genommen und deren Gesundheit verglichen.

Die Berechnungen ergeben, dass stressbedingte Krankheiten bei 60 bis 62 Jahre alten Frauen des Jahrgangs 1952 im Vergleich zum durchschnittlichen Vorkommen im Jahrgang 1951 um 0,8 Prozentpunkte auf rund 23 Prozent gestiegen sind. Die Häufigkeit von Stimmungsstörungen hat im Zuge der Rentenreform sogar um 0,9 Prozentpunkte auf etwa 19,5 Prozent zugenommen. Bei 59-jährigen Frauen waren die Anstiege noch größer, was mit Antizipationseffekten zu erklären ist. In allen Fällen waren die gemessenen Effekte im statistischen Sinne signifikant. „Arbeit ist offenbar insbesondere in höherem Alter mit Stress verbunden und überfordert einen Teil der Beschäftigten“, resümiert Barschkett. Auch im Alter von 63 bis 65 Jahren zeigten sich bei den Rentnerinnen noch negative Gesundheitseffekte, wenngleich weniger stark.

Weiterbildung wichtig, um Berufswechsel zum Ende des Erwerbslebens zu ermöglichen
Bei körperlichen Erkrankungen fällt das Bild weniger eindeutig aus und hängt von der speziellen Diagnose ab. Es lässt sich jedoch feststellen, dass sich der Gesundheitszustand durch eine Erhöhung des Renteneintrittsalters nicht verbessert. Für Adipositas (Übergewicht) ergab sich eine deutliche Zunahme von bis zu rund einem Prozentpunkt auf etwa 14,5 Prozent. Grund dafür könnte neben mangelnder Zeit für Sport und gesunde Ernährung auch die festgestellte Zunahme der psychischen Belastungen sein. Auch Arthrose und Rückenbeschwerden traten deutlich häufiger auf, wohingegen die Effekte beispielsweise auf Bluthochdruck und Diabetes nicht statistisch signifikant waren.

Um die gesundheitlichen Folgen eines höheren Renteneintrittsalters abzumildern, sprechen sich die Studienautoren unter anderem für präventive Gesundheits- und Bildungsinvestitionen aus. „Wenn die Arbeit die Gesundheit erst in Mitleidenschaft gezogen hat, ist es meist zu spät – zielgerichtete Gesundheitsvorsorge muss bereits in jungen Berufsjahren ansetzen, um die Beschäftigten dauerhaft zu stärken“, empfiehlt Haan. „Dabei geht es auch darum, Berufswechsel zum Ende des Erwerbslebens zu erleichtern, um der körperlichen Verfassung entsprechende Tätigkeiten ausüben zu können. Weiterbildung ist in diesem Zusammenhang ein wichtiges Stichwort. Allerdings ist auch die Bereitstellung altersgerechter Arbeitsplätze wichtig“, so Haan. Da es jedoch immer Menschen geben werde, die in höherem Alter nicht mehr arbeiten können, seien darüber hinausgehende Lösungen gefragt, ergänzt Rentenexperte Geyer. „Eine weitere Erhöhung des Renteneintrittsalters sollte daher mit Reformen und Verbesserungen bei der Erwerbsminderungsrente einhergehen.“
Autor: red

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Kommentare
Im Nu
12.10.2022, 12:18 Uhr
Spätestens ab 60...
...sollte jeder die Möglichkeit haben- mit einer auskömmlichen Rente- in den Ruhestand zu gehen. Dann ist man einfach ausgelaugt und hätte dann noch die Aussicht, ein paar Jahre seinen Ruhestand zu genießen. Aber das ist inzwischen leider Utopie. Geld wäre vielleicht vor Jahren noch da gewesen, wenn man vernünftig gewirtschaftet und nicht Unsummen in alle Welt verteilt hätte. Machen sich die Politiker eigentlich auch mal Gedanken, wie die Senioren einen Pflegeplatz bestreiten sollen, wenn die Kosten weiter steigen? Wo soll das ganze Geld herkommen? Die aktuelle Situation löst so viele Probleme aus, dass man täglich mehr Angst bekommt.
Paulinchen
12.10.2022, 12:55 Uhr
Das kann doch nicht sein...
... in einer Zeit, wo die Politik über die Erhöhung des Renteneintrittsalters (75+) grübelt, kommt jemand um die Ecke, der es ganz sicher genauer betrachtet, aber es versäumt hat, die Politiker mit an den Tisch zu holen.
Wird wohl nicht lange dauern, da kommt der Prof. Lauterbach ans Rednerpult und kassiert diese Studie.
Harzfan
12.10.2022, 15:43 Uhr
Renteneintrittsalter
Es ist sicher so gewollt,dass man als alter Mensch mit über 45Jahren Arbeitszeit nicht noch ewig dem Sozialsystem auf der Tasche liegt. Am effizientesten wäre, kurze Zeit nach dem fröhlichen Rentnerleben abzutreten. Aber obwohl... die Pharmaindustrie könnte da auch noch einige Milliönchen dran verdienen, wenn die Leute kaputt und fertig sind, es gibt schließlich für alles und jeden eine Pille.
Zurück zu den Frauen: Dass Frauen in allen Lebensbereichen einer Doppelbelastung ausgesetzt sind, war früher schon so und ist heute trotz Emanzipation immernoch so.
Da brauchen wir uns nicht in die Tasche zu lügen.
Es wird die selbe Leistung verlangt, wie bei Männern. Natürlich nicht immer körperlich, aber überall in typischen Frauenberufen.
Dem ganzen Gender- Unfug zum Trotze...
Nun kann man einführen, dass in vielen Ländern der EU das gesamte Renteneintrittsalter auch nicht niedriger ist. Aber wer gerne mal verreist im Urlaub, der sieht, dass dort mitunter 5 Leute das machen, was hier in Deutschland 1 oder 2 machen.
Leser X
12.10.2022, 17:59 Uhr
Rente mit 60 für alle!
Meine Forderung ist nicht ironisch gemeint! Das Geld dafür ist vorhanden. Schon immer. Es ist und bleibt eine Grund-Lüge, den Leuten einzureden, es sei zu teuer.

Wenn Banken quasi über Nacht mit Unsummen alimentiert werden, die Armee spontan 100.000.000.000 Euro zugeschoben kriegt und - neuestes Steckenpferd der Regierenden - ein monströser Krieg befeuert wird, dann muss ich wohl an dieser Stelle gar nicht weiter reden...

Dass Millionen Menschen bis zum geht-nicht-mehr schuften müssen und als "Belohnung" eine Mini-Rente kriegen, hat System in diesem unmenschlichen System.

Und was wir uns nicht erkämpfen, wird uns eiskalt vorenthalten.
Strandläufer
13.10.2022, 07:35 Uhr
"Ihre Renten sind sicher"
Sprach uns lächelnd Norbert Blüm in den 90igern von allen Wahlplakaten. Etwas, was er später selbst revidierte.

Warum überarbeitet man das gesamte System nicht: Stichwort Pension vs Rente? Vieles ist überholt. Es sollten alle einzahlen und auch alle die einzahlen davon menschenwürdig ihren Lebensabend/je nach Lebensleistung verbringen dürfen. Auch wenn mir das jetzt Buhrufe einbringt, aber warum bekommen Ukrainer ihren Renteneintritt mit Ende 50 hier bei uns in voller Summe zugesichert? Das sie nichts eingezahlt haben kommt noch dazu. Das die Stimmung kippt ist kein Wunder und der Zulauf zur AFD sollte auch keinen wundern.
Was mich nur wundert, warum man der AFD so das Feld überlässt. Ist es die Arroganz der Macht?
P.Burkhardt
13.10.2022, 09:16 Uhr
Erstaunen !
"...warum bekommen Ukrainer ihren Renteneintritt mit Ende 50 hier bei uns in voller Summe zugesichert?" - woher haben Sie denn das ?

Tatsächlich ist das Rentensystem überholt... und das nicht erst seit gestern. Als die demokrafische Entwicklung offensichtlich wurde (Also bereits vor Jahrzehnten), wäre Zeit zum Reagieren gewesen.. Es ist mühsam ein bestehendes Umlagesystem zu verändern und es geht nicht von jetzt auf gleich (wegen bestehender Ansprüche, gesetzlicher Regelungen, und was weiß ich noch alles)...

Wenn die Umlagefinanzierung so erhalten bleiben soll...bedarf es einer breiteren Einzahlerbasis (Beamte, Selbstständige)...
Schnapshäuser
13.10.2022, 09:30 Uhr
Das Ziel ist eben woanders Strandläufer
Strandläufer,

das Feld soll natürlich niemand anderen überlassen werden,
das ist ja wohl klar.
Nun sind aber nicht alle so gutgläubig wie Sie.
Manche Leute erkennen halt die Auswirkungen politischer Aktionen.

Viele Grüße
diskobolos
13.10.2022, 12:47 Uhr
Fragen an Strandläufer
"...warum bekommen Ukrainer ihren Renteneintritt mit Ende 50 hier bei uns in voller Summe zugesichert?"
Woher haben Sie denn das? Und mal angenommen es stimmt, was heißt das denn? In der Ukraine dürfte die Rente bei umgerechnet 100 € liegen. Davon könnten die Armen hier nicht leben.
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