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Mi, 16:20 Uhr
03.04.2024
Gedenken zum Jahrestag der Bombardierung

Die Demokratie muss jeden Tag verteidigt werden

Am 03. und 04. April jährt sich die Bombardierung Nordhausens im zweiten Weltkrieg. Vor dem Rathaus gedachte man diesen Schicksalstagen und ihrer Opfer heute morgen...

Gedenken an die Zerstörung Nordhausens im zweiten Weltkrieg vor dem Rathaus (Foto: agl) Gedenken an die Zerstörung Nordhausens im zweiten Weltkrieg vor dem Rathaus (Foto: agl)


Die Gedenkrede hielt Oberbürgermeister Kai Buchmann und wie üblich veröffentlichen wir diese im Rahmen unserer Dokumentationsreihe im Wortlaut:

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich begrüße die Vertreterinnen und Vertreter der Fraktionen des Stadtrates und des Kreistages, der Kirchen und der Nordhäuser Religionsgemeinschaften, ich begrüße Sie, liebe Nordhäuserinnen und Nordhäuser, am 3. und 4. April 1945 - heute vor 79 Jahren - wurde unsere Stadt, durch zwei Luftangriffe schwer zerstört. Tausenden Menschen kostete dies das Leben, unter ihnen viele Häftlinge des KZ Mittelbau-Dora und Zwangsarbeiter, die in der „Boelcke“-Kaserne untergebracht waren. Eine Woche später wurde die Stadt von Einheiten der US- Armee besetzt. Die Luftangriffe stehen damit in Nordhausen auch für das Ende des Zweiten Weltkrieges. Der folgende Wiederaufbau war in vielen Stadtteilen tatsächlich ein Neuaufbau, zu groß waren die Zerstörungen. Trotzdem lässt sich an vielen Stellen Nordhausens das historische Erbe der Luftangriffe heute noch sehen oder ist nachvollziehbar.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, 1945 ist das Jahr der Einsicht, dass Europa durch den radikalen Nationalismus an den Rand der Selbstzerstörung geraten war. Dieser Nationalismus brach sich seit der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Januar 1933 hemmungslos Bahn: Radikalisierung der Bevölkerung, Ausgrenzung von Menschen sowie Minderheiten und schließlich das massenhafte Morden.

Die Maßstäbe der allgemeinen Menschenrechte, die
Rechtsstaatsprinzipien, die Selbstbestimmung, die Freiheit - dies alles galt im Land der Aufklärung nicht mehr. Nach dem 2. Weltkrieg stellten die Mütter und Väter unseres Grundgesetzes Freiheit, Demokratie und Recht und die Unantastbarkeit der menschlichen Würde als Grundpfeiler der wehrhaften Demokratie gegen die besonderen Erfahrungen der Weimarer Republik und dem Albtraum Nationalsozialismus.

Man kann dies auch Staatsräson bezeichnen! Das Erinnern, das Gedenken aber vor allem das Verhindern dieses nationalsozialistischen Totalitarismus liegt in der Verantwortung eines jeden einzelnen Deutschen, ob hier geboren, zugewandert und hier lebend. Meine sehr geehrten Damen und Herren, das Erinnern an die Auswirkungen von Krieg und Totalitarismus möchte ich gern stärker in unserer Stadtgesellschaft verankert sehen.

Aus diesem Grund freue ich mich, dass die diesjährigen
Erinnerungs- und Gedenktage durch die Sonderausstellung „ORTE DES ERINNERNS - Nordhausen April 1945“ begleitet werden, zu deren Vernissage ich Sie an dieser Stelle für morgen, den 4. April, um 17.00 Uhr, in unser Museum Flohburg recht herzlich einlade.

Im Anschluss daran treffen wir uns gegen 20.00 Uhr hier auf dem Rathausplatz wieder. Dann werden wir Fotos unserer Stadt nach den Angriffen an das Stadthaus projizieren. Meine sehr geehrten Damen und Herren,
unsere Demokratie muss jeden Tag von uns allen verteidigt werden. Im Gespräch, im täglichen Miteinander mit unseren Mitmenschen, durch das Engagement in Vereinen, Initiativen, Parteien und Projekten.

Lassen Sie uns aber auch all jenen die Hand reichen, die sich nicht mehr von Verschwörungstheorien und leeren Versprechungen fehlleiten lassen wollen. Lassen Sie uns gemeinsam diejenigen überzeugen, die den Boden der freiheitlich demokratischen Grundordnung verlassen wollen.

Wir sind Demokratinnen und Demokraten und stehen heute geeint im Gedenken an die Opfer der Luftangriffe vom 3. und 4. April 1945 sowie aller Kriege und Konflikte. Vielen Dank.


Anmerkung:
In einer früheren Fassung war ein Sinn verfälschendes »nicht« zu viel. Wir haben das korrigiert.
Gedenken zum Jahrestag der Bombardierung Nordhausens (Foto: agl)
Gedenken zum Jahrestag der Bombardierung Nordhausens (Foto: agl)
Gedenken zum Jahrestag der Bombardierung Nordhausens (Foto: agl)
Gedenken zum Jahrestag der Bombardierung Nordhausens (Foto: agl)
Gedenken zum Jahrestag der Bombardierung Nordhausens (Foto: agl)
Gedenken zum Jahrestag der Bombardierung Nordhausens (Foto: agl)
Gedenken zum Jahrestag der Bombardierung Nordhausens (Foto: agl)
Gedenken zum Jahrestag der Bombardierung Nordhausens (Foto: agl)
Gedenken zum Jahrestag der Bombardierung Nordhausens (Foto: agl)
Gedenken zum Jahrestag der Bombardierung Nordhausens (Foto: agl)
Gedenken zum Jahrestag der Bombardierung Nordhausens (Foto: agl)
Gedenken zum Jahrestag der Bombardierung Nordhausens (Foto: agl)
Gedenken zum Jahrestag der Bombardierung Nordhausens (Foto: agl)
Gedenken zum Jahrestag der Bombardierung Nordhausens (Foto: agl)
Gedenken zum Jahrestag der Bombardierung Nordhausens (Foto: agl)
Gedenken zum Jahrestag der Bombardierung Nordhausens (Foto: agl)
Gedenken zum Jahrestag der Bombardierung Nordhausens (Foto: agl)
Gedenken zum Jahrestag der Bombardierung Nordhausens (Foto: agl)
Gedenken zum Jahrestag der Bombardierung Nordhausens (Foto: agl)
Gedenken zum Jahrestag der Bombardierung Nordhausens (Foto: agl)
Gedenken zum Jahrestag der Bombardierung Nordhausens (Foto: agl)
Gedenken zum Jahrestag der Bombardierung Nordhausens (Foto: agl)
Gedenken zum Jahrestag der Bombardierung Nordhausens (Foto: agl)
Autor: red

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Kommentare
geloescht.20240908
03.04.2024, 17:02 Uhr
Der Beitrag wurde deaktiviert – Danke für den Hinweis. Wir haben das korrigiert.
Nordhäuser0815
03.04.2024, 19:03 Uhr
Der Beitrag wurde deaktiviert – Machen wir aber nicht.
Bodo Schwarzberg
03.04.2024, 23:37 Uhr
Militarismus und keine Einsicht
Nordhausen wurde letztlich durch fanatischen Militarismus und dessen Ursachen zerstört: durch den Glauben, militärisch eigene Interessen und vor allem Ideologien durchsetzen zu können und den Tod von Zivilisten in diesem Sinne strategisch nutzen zu müssen.

Die Menschen, die unter den zerbombten Häusern lagen, die betroffen waren, und überlebten (auch Nordhäuser Vorfahren von mir), hat zunächst nicht interessiert, wem sie ihr Unglück in letzter Konsequenz zu verdanken hatten. Ihnen ging es
um die nackte Existenz.

Heute und seit Jahrzehnten werden ihr Leiden und der hunderttausendfache Tod im Bombenkrieg von verschiedener Seite aber vereinnahmt und politisiert.

Die damaligen Fehler aber nicht wieder zu machen, Militarismus in Europa nicht wieder zuzulassen, dazu hat die Politisierung der Bombenopfer jedoch leider nicht geführt.

Wieder glaubt man, beidseitig des neuen eisernen Vorhanges, das Recht und die Wahrheit gepachtet zu haben und man begründet so seinen eigenen Militarismus.

Der Krieg des anderen wird zu recht gebrandmarkt, um die eigenen Verfehlungen aber und den eigenen Militarismus vergessen zu machen und schön zu reden.

Die mahnenden Worte der damaligen Überlebenden, ob nun Nordhäuser, Hamburger, Dresdner oder Dessauer, wurden, das zeigt sich genau darin, nie je verstanden. Sie sind verhallt. Ungehört.

Und die heutige Friedensbewegung wurde, welch Glück für die europäischen Militaristen, zum Opfer der Brechtschen Weisheit: "Erst wird gefressen, dann kommt die Moral."
Südharzmensch
04.04.2024, 10:30 Uhr
Bürgermeister predigt Frieden, Ampel stellt Bundeswehr auf Kriegsfall um
Sehr schön, daß Herr Buchmann vom Frieden redet. Es wäre gut gewesen, wenn er den anwesenden Mitgliedern seines *nordhausenzusammen* Untestützerteams mal ins Gewissen geredet hätte, dass diese ihren RegierungsParteien in Berlin klar sagen, dass die aktuell laufende Umstellung der Bundeswehr auf den Kriegseinsatz alles andere als eine Friedensbotschaft ist.

Trotzdem war das Gedenken an der Stele wichtig.

Während der Veranstaltung war nicht nur mein Blick auf die Fassade des dahinter stehenden Rathauses gerichtet. Eine schnelle Reingung des dort befindlichen Stromkastens von unappetittlichen Schmierereien sollte vor der nächsten Veranstaltung vorgenommen werden.
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