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Fr, 16:16 Uhr
29.08.2025
Arbeitsmarkt und Zuwanderung

Alleine wird es nicht gehen

Für den Überblick zum Arbeitsmarkt in Nordthüringen wurde heute in das St. Jakob Haus geladen. Die Pflegebranche entwickelt sich prächtig, auch weil man hier frühzeitig erkannt hat, dass es ohne Hilfe von außerhalb nicht weiter geht…

Der Personalbedarf in der Pflege ist ungebrochen hoch, bei der Diakonie geht man auch im Ausland auf die Suche, v.l.: Emilda Suratni, Pflegerin mit indonesischen Wurzeln, Hausleiterin Mandy Krafcick, Neuzugang Unurjargal Althausuk aus der Mongolei und der Leiter der Agentur für Arbeit in Nordthüringen, Karsten Froböse (Foto: ykh) Der Personalbedarf in der Pflege ist ungebrochen hoch, bei der Diakonie geht man auch im Ausland auf die Suche, v.l.: Emilda Suratni, Pflegerin mit indonesischen Wurzeln, Hausleiterin Mandy Krafcick, Neuzugang Unurjargal Althausuk aus der Mongolei und der Leiter der Agentur für Arbeit in Nordthüringen, Karsten Froböse (Foto: ykh)

Die Zahlen sprechen ihre eigene, deutliche Sprache. Während die meisten Branchen unter der allgemeinen wirtschaftlichen Lage Beschäftigung abbauen, wächst das Heim- und Sozialwesen. Fast 300 Beschäftigte mehr als im gleichen Quartal des Vorjahres zählt die Agentur für Arbeit in Nordthüringen, das verarbeitende Gewerbe hat im gleichen Zeitraum über 1.100 Arbeitskräfte eingebüßt.

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Zu der Momentaufnahme unter dem Eindruck unsicherer Zeiten gesellt sich der langfristige Blick auf die Entwicklung der Bevölkerung in der Region. Auf 100 Nordthüringer jenseits des 55. Lebensjahres kommen 37, die unter 25 Jahre alt sind. Das Delta hat sich etwas verkleinert, man lag schon bei einem Verhältnis von 34 zu 100, sagt Karsten Froböse, Leiter der Nordthüringer Arbeitsagentur, immerhin ein kleiner Lichtblick. Der generelle Trend ist dennoch nicht zu leugnen - die die arbeiten können werden weniger, die die früher oder später gepflegt werden müssen, werden mehr.

So verwundert es wenig, wenn gerade die Bereiche Gesundheit und Pflege schon heute die sichere Bank der Berufswahl für Nordthüringen sind. Das Ausbildungsniveau ist hoch, die Bezahlung gut, die Arbeit anspruchsvoll. Im Haus St. Jakob in Nordhausen ist man gut aufgestellt, erzählt Einrichtungsleiterin Mandy Krafcick, Pflegefachkräfte und Pflegehelfer - auch das inzwischen ein Ausbildungsberuf - arbeiten Hand in Hand. Die Fachkräfte übernehmen kritische Schritte wie die Medikamentengabe, die Pflegehelfer assistieren und können auch Aufgaben wie die Blutdruckmessung handhaben. „Wir haben gute Leute und wir bilden neue Kollegen aus. Aber wir sehen trotzdem, dass wir eigentlich immer noch zu wenige sind. Die Krankheitsbilder ändern sich und viele unserer Bewohner kommen mit einem höheren Pflegebedarf bei uns an, als das in der Vergangenheit üblich war“, berichtet Krafcick.

Einen Mangel an Pflegeplätze sei im Landkreis nicht zu erwarten, auch nicht in den nächsten zehn Jahren, meint Michael Görk, der Leiter der Diakonie Nordhausen, die auch das St. Jakob betreibt. Wer heute einen Pflegeplatz sucht, wird in der Regel innerhalb weniger Wochen fündig. Und auch die Art und Weise, wie im Alter gelebt und gepflegt werden kann, wird überdacht. Erst vergangene Woche hatte die Diakonie das alte Arnoldheim mit neuen Wohnkonzepten wiedereröffnet.

Worum man sich, aufgrund des hohen Bedarfs vielleicht noch mehr als andere Branchen, Gedanken machen muss, ist die personelle Verstärkung über das Ausland. Etwaige Rückkehrer und heimischer Nachwuchs allein reichen nicht, um den Bedarf in den kommenden Jahren abzudecken, der nüchterne Blick auf die Zahlen reicht aus, das zu erkennen.

Bei der Diakonie hat man nun schon ein paar Jahre Erfahrung sammeln können. Emilda Suratni etwa aus Indonesien kam 2018 nach Nordhausen und begann als Hilfskraft. Die Arbeit mit den alten Damen und Herren sei ihr ans Herz gewachsen, erzählt die 45jährige, die Entscheidung die Ausbildung zur Pflegefachkraft zu absolvieren lag nahe, 2022 hat sie den Abschluss in der Tasche und ist seitdem volle Fachkraft in St. Jakob. Eine neue Kollegin aus der Mongolei wurde heute morgen begrüßt. Unurjargal Althausuk hat ihren Weg nach Nordhausen über die Initiative des Firmenausbildungsverbundes gefunden und bekam zum Einstand eine kleine Zuckertüte.

Altersheim Nordthüringen?
Weniger Kinder, weniger Arbeit, mehr Alte und Pflegebedürftige - wäre man zynisch, so könnte man der einstigen Industrieregion eine Zukunft als Altenheim voraussagen. So überspitzt mag man es bei Diakonie und Arbeitsagentur nicht sehen, mit den demographischen Problemen ist man nicht allein, nicht in Deutschland und nicht in Europa. „Noch sind wir eine industriell geprägte Region, was in Zukunft daraus wird, hängt davon ab, was wir daraus machen. Wir können versuchen, Menschen für uns zu gewinnen und ihnen freundlich zu begegnen. Oder wir können die Tore zumachen. Dann kann es wirklich sein, das wir unter uns vergreisen.“, sagt Karsten Froböse.

Gründe für Optimismus gebe es durchaus, auch an der demographischen Front, meint der Agenturchef. Die Region bietet gerade jungen Menschen weiter viele Möglichkeiten, sich zu entfalten. Die Breite der beruflichen Chancen wird man demnächst in Bleicherode präsentieren können, am 10. September wird hier zur 4. Berufsmesse „BAM“ geladen.
Angelo Glashagel
Autor: red

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Kommentare
BerndLuky
29.08.2025, 17:03 Uhr
Der Beitrag wurde gespeichert und die Freigabe beantragt.
A.K.
29.08.2025, 17:56 Uhr
Geschichten erzählen..🎶 🎶🤣
Die Bezahlung ist gut u es gibt auch keinen Mangel an Pflegeplätzen...🫡
Aus meinem persönlichen Umfeld weiß ich sicher,das die Bezahlung in dieser Branche jenseits von Gut u Böse ist.. oder weshalb werden inzwischen sogenannte Alltagshelfer über Zeitarbeitsfirmen gesucht?
Einen Platz im Heim erhält man auch erst ,wenn jemand wegstirbt...Zudem wird ein Zimmer direkt neu vergeben,quasi muss es direkt nach dem Tod des Angehörigen geräumt werden u wird mit "warmen "Bett weitervermietet.
Leider selbst so erfahren müssen...
Zudem bedarf es keiner Hilfe aus dem Ausland,es gibt genügend vir Ort die gern in der Pflege arbeiten möchten...aber keine Chance für Quereinsteiger...
Alexandra Se.
29.08.2025, 18:09 Uhr
Man kann es natürlich
schön reden und natürlich ist es wichtig, dass es genug Pflegekräfte gibt. Die Sprachbarrieren sind aber nicht zu unterschätzen... die B2 Scheine werden im Ausland verkauft, das ist bekannt. Mir tun die alten Menschen leid, die in den Pflegeheimem alles ertragen müssen was die jüngeren "versauen". Gerade Menschen mit Demenz sollten verstanden werden und verstehen...
free Gigi
29.08.2025, 20:58 Uhr
Schlagzeilen
über 3 Mio. Arbeitslose aber noch mehr Zuwanderung?
A.K.
30.08.2025, 05:28 Uhr
@free Gigi
Arbeitslos bedeutet nicht gleich arbeitswillig...
Jeder Unternehmer wird bestätigen, das nur ein kleiner Prozentsatz der 3 Millionen brauchbar ist...Der Rest möchte hohe Löhne,aber mit mangelnder Qualifikation u Ausbildung.
emmerssen
30.08.2025, 08:41 Uhr
Alles richtig
Mit den neuen Pflegekräften die auch gewillt sind diese Arbeit, die gewiss nicht leicht ist, auch zu machen. Aber auch ich verweise auf die Sprachbarriere die bei manchen Krankenhaus Ärzten schon nicht einfach ist. Meine Mutter hatte nur noch Nordhäuser Plattdeutsch zum Schluss drauf. Wie soll das so eine Pflegekraft verstehen?
Was ist mit den vielen Bürgergeld Empfängern die keine Lust haben für das gleiche Geld wie vom Amt arbeiten zu müssen? Von den vielen eingereisten Goldstücken, die dann ja auch kein Plattdeutsch verstehen würden, gar nicht erst zu reden.
BerndLuky
30.08.2025, 12:49 Uhr
Danke aber auch!
Natürlich brauchen wir in Deutschland Pflegekräfte – aber die dauerhafte Lösung kann nicht sein, massenhaft Arbeitskräfte aus aller Welt ins Land zu holen. Wer ständig nach „Zuwanderung“ ruft, verschweigt, dass diese Menschen in ihren Heimatländern dann fehlen. Gerade dort ist die Not in der Pflege oft noch größer als bei uns. Wir lösen unser Problem also nur auf Kosten anderer.

Gleichzeitig wird unsere eigene Jugend vernachlässigt. Anstatt jungen Deutschen bessere Perspektiven zu geben, Löhne und Arbeitsbedingungen in der Pflege spürbar zu verbessern und moderne Ausbildungsmodelle zu fördern, setzt man auf den schnellen Weg: Fachkräfte aus dem Ausland. Das ist bequem, aber verantwortungslos.

Auf lange Sicht führt genau diese Politik zu einer schleichenden Überfremdung. Immer mehr Schlüsselbereiche unserer Gesellschaft hängen von ausländischen Kräften ab, während die eigenen jungen Leute keine Förderung erhalten und sich abwenden. Wer das ignoriert, spielt mit der Zukunft unseres Landes.
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