Do, 08:04 Uhr
17.04.2008
Die Freiheit beginnt mit der Lokomotive...
...war ein Satz des Christoph Nix bei seiner Buchvorstellung am gestrigen Abend im Nordhäuser Theater. Ich wär ganz gern mal Botschafter in Afrika. ein weiterer. Wie das zusammengeht, das lesen Sie hier …
Nix zurück in Nordhausen (Foto: Julius Seifert)
Wie eine kleine Lok 1954 (das ist sein Geburtsjahr) kommt er ins Foyer des Theater´s. Seine inzwischen grauen, welligen Haare wirken wirklich wie der Dampf einer Eisernen Zugmaschine. Von seiner Energie hat er nix verloren!
Dietrich Rose vom gleichnamigen Buchhaus, dem Förderverein des Nordhäuser Theater´s und der Leitung des Musentempels ist es zu danken, dass er hier liest. Und um es vorwegzunehmen, der Abend hat sich gelohnt!
Geplant war zwar die Theaterkantine Da Capo für das Wiedersehen, doch der Platz dort reichte bei weitem für die beinahe 100 Gäste nicht aus, so dass man zwei Etagen höher gehen musste. Auch der Aufsichtsrat mit zwei Vertretern und Kulturamtsleiterin Dr. Cornelia Klose ließen sich den Abend nicht entgehen.
Dietrich Rose und Intendant Lars Tietje übernahmen die Begrüßung und überhäuften den Autoren gleich mit (zuviel) Fragen, auf die er artig antwortete:
- geb. 1954 in Hessischer Provinz Ehringshausen (4000 Einwohner), 60km von Frankfurt/M
- Jurist für Jugendstrafrecht, Prof. ebenso in Hannover
- Praktikant am BERLINER ENSEMBLE bei damaligem Chef PALITSCH
- Intendant u. Geschäftsführer des Nordhäuser Theaters
- Intendant des Staatstheaters Kassel; Freundschaft zu Lars Tietje nach 3 jähriger Zusammenarbeit
- nicht ruhe-, aber arbeitslos, (…die hessische CDU hat mich abgeschlachtet…)
- jetzt erfolgreicher Intendant mit über 100 000 Besuchern in einem Einspartenhaus (Schauspiel !!!) mit 95 Beschäftigten in Konstanz
- erstaunlich gute Zusammenarbeit mit dem Oberbürgermeister und Kulturdezernenten (beide CDU) dort, obwohl diese Partei dort seit über 50 Jahren allein regiert usw., usf. . . .
Junge Hunde heißt sein Roman, der auch vor wenigen Wochen bei der Leipziger Buchmesse vorgestellt wurde. Er wird über den Verlag DAS NEUE BERLIN in der EULENSPIEGEL VERLAGSGRUPPE vertrieben. Christoph Nix reflektiert seine wichtigste Zeit der Jugend zwischen seinem 14. und 17. Lebensjahr, bestreitet keine autobiografischen Züge. Als Fahrschüler, d.h. jeden Tag mit dem Zug, vorn die Lokomotive, zur Schule fahren, war Freiheit (Rauchen, Hausaufgaben abschreiben…).
Seine Figuren gab es in Westdeutschland, in der Provinz. Der will er ein Gesicht verschaffen, denn auch dort keimte der Widerstand gegen das muffige Schweigen der Kriegsgeneration auf :
Der Junge, Michael Menz, 14 Jahre jung, erlebt das Wirtschaftswunder, weil sein Vater ein kleines Kaufhaus in der Provinz führt. Waschmaschinen lösen den Waschtrog ab. Es geht aufwärts! Oder doch nicht? Der Vietnamkrieg der USA erhält in seiner Grausamkeit mit Gift- und Napalmbomben auch in der BRD Bilder. Alle liebten die USA mit Präsident Kennedy. Der wurde ermordet. Wie kann solch ein Land jetzt so was tun? Die Eltern, der Pfarrer, alle schweigen. Wie zum letzten Krieg in Europa. Man besorgt sich linke Schriften von Rosa Luxemburg, Mao, Karl Marx. Man ist fasziniert von Che Guevara und liest Gedichte vom ehemaligen Buddhistenmönch, und jetzigen Präsidenten Nordvietnams Ho Chi Minh, der nicht im Palast, sondern nur in seinem Gartenhaus leben möchte und dort später auch stirbt. Michael u seine Freunde begründen die revolutionäre Gruppe Ho Chi Minh...
Nix schreibt nicht mit dem Zeigefinger! Á la EULENSPIEGEL schreibt er mit dem Augenzwinkern und will anderen den Spiegel vorhalten. Er schreibt auch über Michaels erste Liebe …Und warum der Titel? : Wir waren wie junge Hunde, verspielt, tollpatschig, haben herumgerauft, uns zwischen die Beine gegriffen. Aber wir wurden diszipliniert, waren also keine Katzen!
Des Autoren Anliegen ist es vor allem, wie er sagt, dass gerade junge Menschen sein Buch lesen sollen, damit eben seine Generation, die linke westdeutsche, in ihrer damaligen Gedankenwelt analysiert werden kann. Der unorthodoxe Linke ohne Parteibuch, wie er sich selbst nennt, macht Lust auf´s Lesen seines Buches. Er ermöglicht auch uns Ossi´s einen Einblick in eine unbekannte Welt, in der Marx-Bilder von der Wand gerissen wurden, OSTERMARSCHIERER als Staatsfeinde durch die westdeutsche Polizei zusammengeknüppelt wurden. Ein weißer Fleck bekommt Farbe.
Ach, ja. Was war da noch mit Afrika? In Uganda hätte Nix beinahe mal mit dem Ex-Chef des Nordhäuser Jugendsozialwerks, Thomas Pape, ein wichtiges soziales Projekt gestartet. Der ist jetzt wie der Ex-Geschäftsführer des Nordhäuser Theaters, Michael Schindhelm, in Dubai, also Asien.
Die letzten beiden müssen sich jetzt nicht mehr, wie Schindhelm vor wenigen Wochen im DER SPIEGEL zitiert wird mit Gewerkschaften und Betriebsräten herumschlagen. Monarchie hat auch seine guten Seiten. Der Ex-Nix möge sich hier bitte in der Demokratie weiter mit allen herumschlagen. Seine Lokomotive soll dampfen.
Die kleine Lok 1954 musste weiterfahren. Der Aufenthalt war zeitlich begrenzt.
Beim nächsten Mal sollte man ein Wartegleis einrichten, denn ein altes Eisen hat noch viel zu erzählen. Da stehen dann die Signale auf ROT.
S. F. für nnz
Autor: nnz
Nix zurück in Nordhausen (Foto: Julius Seifert)
Wie eine kleine Lok 1954 (das ist sein Geburtsjahr) kommt er ins Foyer des Theater´s. Seine inzwischen grauen, welligen Haare wirken wirklich wie der Dampf einer Eisernen Zugmaschine. Von seiner Energie hat er nix verloren!Dietrich Rose vom gleichnamigen Buchhaus, dem Förderverein des Nordhäuser Theater´s und der Leitung des Musentempels ist es zu danken, dass er hier liest. Und um es vorwegzunehmen, der Abend hat sich gelohnt!
Geplant war zwar die Theaterkantine Da Capo für das Wiedersehen, doch der Platz dort reichte bei weitem für die beinahe 100 Gäste nicht aus, so dass man zwei Etagen höher gehen musste. Auch der Aufsichtsrat mit zwei Vertretern und Kulturamtsleiterin Dr. Cornelia Klose ließen sich den Abend nicht entgehen.
Dietrich Rose und Intendant Lars Tietje übernahmen die Begrüßung und überhäuften den Autoren gleich mit (zuviel) Fragen, auf die er artig antwortete:
- geb. 1954 in Hessischer Provinz Ehringshausen (4000 Einwohner), 60km von Frankfurt/M
- Jurist für Jugendstrafrecht, Prof. ebenso in Hannover
- Praktikant am BERLINER ENSEMBLE bei damaligem Chef PALITSCH
- Intendant u. Geschäftsführer des Nordhäuser Theaters
- Intendant des Staatstheaters Kassel; Freundschaft zu Lars Tietje nach 3 jähriger Zusammenarbeit
- nicht ruhe-, aber arbeitslos, (…die hessische CDU hat mich abgeschlachtet…)
- jetzt erfolgreicher Intendant mit über 100 000 Besuchern in einem Einspartenhaus (Schauspiel !!!) mit 95 Beschäftigten in Konstanz
- erstaunlich gute Zusammenarbeit mit dem Oberbürgermeister und Kulturdezernenten (beide CDU) dort, obwohl diese Partei dort seit über 50 Jahren allein regiert usw., usf. . . .
Junge Hunde heißt sein Roman, der auch vor wenigen Wochen bei der Leipziger Buchmesse vorgestellt wurde. Er wird über den Verlag DAS NEUE BERLIN in der EULENSPIEGEL VERLAGSGRUPPE vertrieben. Christoph Nix reflektiert seine wichtigste Zeit der Jugend zwischen seinem 14. und 17. Lebensjahr, bestreitet keine autobiografischen Züge. Als Fahrschüler, d.h. jeden Tag mit dem Zug, vorn die Lokomotive, zur Schule fahren, war Freiheit (Rauchen, Hausaufgaben abschreiben…).
Seine Figuren gab es in Westdeutschland, in der Provinz. Der will er ein Gesicht verschaffen, denn auch dort keimte der Widerstand gegen das muffige Schweigen der Kriegsgeneration auf :
Der Junge, Michael Menz, 14 Jahre jung, erlebt das Wirtschaftswunder, weil sein Vater ein kleines Kaufhaus in der Provinz führt. Waschmaschinen lösen den Waschtrog ab. Es geht aufwärts! Oder doch nicht? Der Vietnamkrieg der USA erhält in seiner Grausamkeit mit Gift- und Napalmbomben auch in der BRD Bilder. Alle liebten die USA mit Präsident Kennedy. Der wurde ermordet. Wie kann solch ein Land jetzt so was tun? Die Eltern, der Pfarrer, alle schweigen. Wie zum letzten Krieg in Europa. Man besorgt sich linke Schriften von Rosa Luxemburg, Mao, Karl Marx. Man ist fasziniert von Che Guevara und liest Gedichte vom ehemaligen Buddhistenmönch, und jetzigen Präsidenten Nordvietnams Ho Chi Minh, der nicht im Palast, sondern nur in seinem Gartenhaus leben möchte und dort später auch stirbt. Michael u seine Freunde begründen die revolutionäre Gruppe Ho Chi Minh...
Nix schreibt nicht mit dem Zeigefinger! Á la EULENSPIEGEL schreibt er mit dem Augenzwinkern und will anderen den Spiegel vorhalten. Er schreibt auch über Michaels erste Liebe …Und warum der Titel? : Wir waren wie junge Hunde, verspielt, tollpatschig, haben herumgerauft, uns zwischen die Beine gegriffen. Aber wir wurden diszipliniert, waren also keine Katzen!
Des Autoren Anliegen ist es vor allem, wie er sagt, dass gerade junge Menschen sein Buch lesen sollen, damit eben seine Generation, die linke westdeutsche, in ihrer damaligen Gedankenwelt analysiert werden kann. Der unorthodoxe Linke ohne Parteibuch, wie er sich selbst nennt, macht Lust auf´s Lesen seines Buches. Er ermöglicht auch uns Ossi´s einen Einblick in eine unbekannte Welt, in der Marx-Bilder von der Wand gerissen wurden, OSTERMARSCHIERER als Staatsfeinde durch die westdeutsche Polizei zusammengeknüppelt wurden. Ein weißer Fleck bekommt Farbe.
Ach, ja. Was war da noch mit Afrika? In Uganda hätte Nix beinahe mal mit dem Ex-Chef des Nordhäuser Jugendsozialwerks, Thomas Pape, ein wichtiges soziales Projekt gestartet. Der ist jetzt wie der Ex-Geschäftsführer des Nordhäuser Theaters, Michael Schindhelm, in Dubai, also Asien.
Die letzten beiden müssen sich jetzt nicht mehr, wie Schindhelm vor wenigen Wochen im DER SPIEGEL zitiert wird mit Gewerkschaften und Betriebsräten herumschlagen. Monarchie hat auch seine guten Seiten. Der Ex-Nix möge sich hier bitte in der Demokratie weiter mit allen herumschlagen. Seine Lokomotive soll dampfen.
Die kleine Lok 1954 musste weiterfahren. Der Aufenthalt war zeitlich begrenzt.
Beim nächsten Mal sollte man ein Wartegleis einrichten, denn ein altes Eisen hat noch viel zu erzählen. Da stehen dann die Signale auf ROT.
S. F. für nnz


