Do, 07:13 Uhr
23.04.2009
nnz-doku: Abschiedsrede
Während der gestrigen Sitzung des Nordhäuser Stadtrates sind viele Rede geredet worden. Ein Stadtrat hatte eine Abschiedsrede gehalten. Matthias Mitteldorf (LINKE) wird nicht mehr als ehrenamtlicher Beigeordneter zur Verfügung stehen. Hier die Rede innerhalb der nnz-doku-Reihe.
Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin
Liebe Kolleginnen und Kollegen, meine Damen und Herren!
Die Zeit rast, schon wieder sind fünf Jahre vorbei und der Tag der Abrechnung ist da. Wir haben Statements über unsere Arbeit gehört, und ich denke, wir können stolz auf das Erreichte sein, trotz vielfältiger Differenzen in der Vergangenheit und vielleicht auch noch heute.
Die Nordhäuserinnen und Nordhäuser werden sicher einige Entscheidungen mit Kopfschütteln, vielleicht sogar mit Wut zur Kenntnis genommen haben. Sicher bin ich aber, dass wir Sachen auf den Weg gebracht haben, die erst in Jahren Wirkung zeigen und später vielleicht auch in Geschichtsbüchern stehen werden.
Wie Sie wissen bin ich seit 15 Jahren Stadtratsmitglied, mit kurzer Unterbrechung 10 Jahre Beigeordneter und von Beruf Schauspieler. In unserer Stadt mit seinen Ortsteilen gibt es für unsere Bürger in ihrer Wahrnehmung keine größere Bühne als DIE STADT mit seinen beiden, sich bedingenden Säulen: dem Stadtrat als Souverän und der Verwaltung mit der Frau OB an der Spitze.
Und auf deutschen Bühnen gibt es den schönen Brauch, zur letzen Vorstellung, auch humorvolle Facetten einbringen zu dürfen. Da ich zwar wieder als Stadtrat kandidiere, jedoch nicht mehr als Beigeordneter zur Verfügung stehe, sei es mir gestattet, in dieser Form kurz über Vergangenes und Zukünftiges zu reflektieren.
Humorvoll war es bei uns öfter, wenn ich an Beiträge von Frau Pape oder Herrn Höfer denke, humoresk war es zuweilen auch unfreiwillig. Vorher jedoch möchte ich mit Ihnen an drei Kollegen denken, und ich hoffe, da habe ich keinen vergessen, die hier mit uns in den letzten 10 Jahren gearbeitet haben, ihr Leben aber viel zu früh vollendet haben.
Ich denke an Bernd Weisleder, den unvergessenen Kurt Wolf und an Frank Hermsdorf, der noch vor fünf Jahren hier zum Abschluss der 3. Wahlperiode mein Dankeschön verlas.
So beginne ich also meine Ausführungen unter Zuhilfenahme dieses Kommunalpolitischen Handbuchs, das wir Stadträte 1999 von Ihnen, Frau Rinke, geschenkt bekamen. Ralf Müller und Jacek Wilk schrieben es für den TOMUS-Verlag.
Wir haben uns also der Kommunalpolitik verschrieben, lt. Sachbuch der meist vergebliche Versuch einer Minderheit, es einer übergroßen Mehrheit recht zu machen. Als Stadträte, das ist ein irreführender Begriff, denn in einschlägigen Wirtschaftskreisen hält sich hartnäckig das Gerücht, dass GUTER STADTRAT teuer sei. Daher besser: Stadtverordnete, denn die werden einer Stadt verordnet, ob sie will oder nicht. Bisher ist ungeklärt, ob der sogenannte Wähler dahintersteckt.
Also wir als Stadträte fühlen uns den Interessen der Bürger (das sind Subjekte, um die sich angeblich alles dreht, in Wirklichkeit aber der größte Störfaktor sind) verpflichtet, haben Erfolge erreicht und zukunftsweisend mit der Verwaltung zusammengearbeitet. Die Verwaltung ist nach Wörterbuch eine riesige Ansammlung von Beamten und Angestellten im öffentlichen Dienst mit der gemeinsamen Überzeugung, dass der Laden ohne Kommunalpolitiker weitaus besser liefe. Zur Aufrechterhaltung eines halbwegs geordneten Betriebs ist es daher erforderlich, Kommunalpolitiker mit allen Tricks und Kniffen hinters Licht zu führen, damit sich die Verwaltung ungestört und in aller Ruhe selbst verwalten kann.
Wir haben auch die Bürgerbeteiligung auf den Weg gebracht, eine Form direkter Demokratie, die jeder gestandene Stadtrat für überflüssig bis schädlich hält. Angehörige liberaler und linker Parteien müssen aber so tun, als wären sie dafür.
Die Präsenz in den Lokalzeitungen war vorbildlich. Lokalzeitungen sind ja das A und O. Und eine gute Präsenz dort ersetzt jedwede mühevolle Arbeit im Stadtrat. MERKE: Gewählt wird der, der oft in der Zeitung steht.
Es ist uns vorerst gelungen, das Theater im Bestand (leider ohne eigenes Schauspiel) zu sichern, obwohl ja die Kulturpolitik der Steinbruch für jeden Finanz- und Haushaltspolitiker ist. So hoffe ich auch heute auf eine gute Wiederspiegelung unserer Sitzung durch die Lokaljournalisten, die ja das personifizierte Souverän und Hort des gesunden Menschenverstandes sind.
Und wenn ich jetzt zum Ende komme, möchte ich mich speziell noch beim Standesamt bedanken, lt. Handbuch die einzige kommunale Behörde, in der vorwiegend JA gesagt wird. Ich habe dies Amt in den letzten 10 Jahren zwei Mal in Anspruch genommen. Aber jetzt im ernst: Ich hoffe, Sie verübeln mir diese Reflektion nicht.
Ich sage Danke, dass Sie es mit mir ausgehalten haben. Uns wünsche ich Schlammschlachtfreie Wahlkämpfe. Ihnen Wünsche ich Glück und Gesundheit. Meinen linken Fraktionären rufe ich zu: Maximale Kampferfolge. Und allen Christen wünsche ich von Herzen Gottes Segen! Haben Sie herzlichen Dank!
Matthias Mitteldorf
Autor: nnzSehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin
Liebe Kolleginnen und Kollegen, meine Damen und Herren!
Die Zeit rast, schon wieder sind fünf Jahre vorbei und der Tag der Abrechnung ist da. Wir haben Statements über unsere Arbeit gehört, und ich denke, wir können stolz auf das Erreichte sein, trotz vielfältiger Differenzen in der Vergangenheit und vielleicht auch noch heute.
Die Nordhäuserinnen und Nordhäuser werden sicher einige Entscheidungen mit Kopfschütteln, vielleicht sogar mit Wut zur Kenntnis genommen haben. Sicher bin ich aber, dass wir Sachen auf den Weg gebracht haben, die erst in Jahren Wirkung zeigen und später vielleicht auch in Geschichtsbüchern stehen werden.
Wie Sie wissen bin ich seit 15 Jahren Stadtratsmitglied, mit kurzer Unterbrechung 10 Jahre Beigeordneter und von Beruf Schauspieler. In unserer Stadt mit seinen Ortsteilen gibt es für unsere Bürger in ihrer Wahrnehmung keine größere Bühne als DIE STADT mit seinen beiden, sich bedingenden Säulen: dem Stadtrat als Souverän und der Verwaltung mit der Frau OB an der Spitze.
Und auf deutschen Bühnen gibt es den schönen Brauch, zur letzen Vorstellung, auch humorvolle Facetten einbringen zu dürfen. Da ich zwar wieder als Stadtrat kandidiere, jedoch nicht mehr als Beigeordneter zur Verfügung stehe, sei es mir gestattet, in dieser Form kurz über Vergangenes und Zukünftiges zu reflektieren.
Humorvoll war es bei uns öfter, wenn ich an Beiträge von Frau Pape oder Herrn Höfer denke, humoresk war es zuweilen auch unfreiwillig. Vorher jedoch möchte ich mit Ihnen an drei Kollegen denken, und ich hoffe, da habe ich keinen vergessen, die hier mit uns in den letzten 10 Jahren gearbeitet haben, ihr Leben aber viel zu früh vollendet haben.
Ich denke an Bernd Weisleder, den unvergessenen Kurt Wolf und an Frank Hermsdorf, der noch vor fünf Jahren hier zum Abschluss der 3. Wahlperiode mein Dankeschön verlas.
So beginne ich also meine Ausführungen unter Zuhilfenahme dieses Kommunalpolitischen Handbuchs, das wir Stadträte 1999 von Ihnen, Frau Rinke, geschenkt bekamen. Ralf Müller und Jacek Wilk schrieben es für den TOMUS-Verlag.
Wir haben uns also der Kommunalpolitik verschrieben, lt. Sachbuch der meist vergebliche Versuch einer Minderheit, es einer übergroßen Mehrheit recht zu machen. Als Stadträte, das ist ein irreführender Begriff, denn in einschlägigen Wirtschaftskreisen hält sich hartnäckig das Gerücht, dass GUTER STADTRAT teuer sei. Daher besser: Stadtverordnete, denn die werden einer Stadt verordnet, ob sie will oder nicht. Bisher ist ungeklärt, ob der sogenannte Wähler dahintersteckt.
Also wir als Stadträte fühlen uns den Interessen der Bürger (das sind Subjekte, um die sich angeblich alles dreht, in Wirklichkeit aber der größte Störfaktor sind) verpflichtet, haben Erfolge erreicht und zukunftsweisend mit der Verwaltung zusammengearbeitet. Die Verwaltung ist nach Wörterbuch eine riesige Ansammlung von Beamten und Angestellten im öffentlichen Dienst mit der gemeinsamen Überzeugung, dass der Laden ohne Kommunalpolitiker weitaus besser liefe. Zur Aufrechterhaltung eines halbwegs geordneten Betriebs ist es daher erforderlich, Kommunalpolitiker mit allen Tricks und Kniffen hinters Licht zu führen, damit sich die Verwaltung ungestört und in aller Ruhe selbst verwalten kann.
Wir haben auch die Bürgerbeteiligung auf den Weg gebracht, eine Form direkter Demokratie, die jeder gestandene Stadtrat für überflüssig bis schädlich hält. Angehörige liberaler und linker Parteien müssen aber so tun, als wären sie dafür.
Die Präsenz in den Lokalzeitungen war vorbildlich. Lokalzeitungen sind ja das A und O. Und eine gute Präsenz dort ersetzt jedwede mühevolle Arbeit im Stadtrat. MERKE: Gewählt wird der, der oft in der Zeitung steht.
Es ist uns vorerst gelungen, das Theater im Bestand (leider ohne eigenes Schauspiel) zu sichern, obwohl ja die Kulturpolitik der Steinbruch für jeden Finanz- und Haushaltspolitiker ist. So hoffe ich auch heute auf eine gute Wiederspiegelung unserer Sitzung durch die Lokaljournalisten, die ja das personifizierte Souverän und Hort des gesunden Menschenverstandes sind.
Und wenn ich jetzt zum Ende komme, möchte ich mich speziell noch beim Standesamt bedanken, lt. Handbuch die einzige kommunale Behörde, in der vorwiegend JA gesagt wird. Ich habe dies Amt in den letzten 10 Jahren zwei Mal in Anspruch genommen. Aber jetzt im ernst: Ich hoffe, Sie verübeln mir diese Reflektion nicht.
Ich sage Danke, dass Sie es mit mir ausgehalten haben. Uns wünsche ich Schlammschlachtfreie Wahlkämpfe. Ihnen Wünsche ich Glück und Gesundheit. Meinen linken Fraktionären rufe ich zu: Maximale Kampferfolge. Und allen Christen wünsche ich von Herzen Gottes Segen! Haben Sie herzlichen Dank!
Matthias Mitteldorf

