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Fr, 13:22 Uhr
21.01.2011

Inakzeptabler Mietvertrag

Nachdem erste Informationen an die Öffentlichkeit gedrungen sind, wandte sich nun ehemalige Mitarbeiter des liquidierten Fahrradwerks Bike Systems an die Stadtratsfraktion der Partei DIE LINKE. Es geht um einem Mietvertrag der Stadtverwaltung mit der "Heuschrecke" Lone Star...


"Sie wollten wissen, ob die Stadt tatsächlich Geschäfte mit Lone Star, dem letzten Besitzer und letztlich dem Liquidator des Nordhäuser Fahrradwerks gemacht habe. Ich konnte darauf leider nur mit ja antworten", so Alexander Scharff, Stadtratsmitglied der LINKEN.

Nachdem klar war, dass städtische Behörden wegen Baufälligkeit das Waisenhaus in der Altstadt verlassen mussten, wurde dem Stadtrat in nichtöffentlicher Sitzung eine Beschlussvorlage vorgelegt, die eine Lösung für die Probleme darstellen sollte. Die Behörden sollten für die Zeit der Sanierung des Waisenhauses in das Gebäude der Hauptpost umziehen. Eigentlich praktisch, da die Entfernung zu den Rathäusern kurz ist und sich automatisch positive Synergieffekte ergeben. Nur ist nicht die Deutsche Post AG der Vermieter, sondern eine 100%ige Tochter des texanischen Finanzinvestors Lone Star, die bundesweit Postimmobilien aufkauft und vermarktet.

„Zur Erinnerung: Lone Star war der Finanzinvestor, der das Nordhäuser Fahrradwerk Bike Systems aus reiner Profitgier opferte und über 130 Beschäftigte auf die Strasse setzte. Alle waren damals in der Freiherr-vom-Stein-Straße und haben den Beschäftigten ihre Solidarität zugesagt. Dieser Mietvertrag ist ein Schlag in das Gesicht derer, die über drei Monate tapfer um ihre Arbeitsplätze gekämpft haben“, stellt Scharff für seine Fraktion fest.

Nach eingehender Prüfung der Beschlussvorlage, stellte DIE LINKE in der entsprechenden Stadtratssitzung die Anfrage, ob man nicht wisse, mit wem man diesen Mietvertrag eingehen würde. "Wir dachten wirklich, dass es der Stadtverwaltung nicht bekannt war, wer hinter dem Vermieter steckt. Frau Rinke bestätigte das Gegenteil. Dass der Vertrag trotzdem zur Abstimmung vorgelegt wurde, ist für uns nicht nachzuvollziehen und inakzeptabel. Wir haben die Beschlussvorlage abgelehnt und einen Antrag eingebracht, der der Stadt Nordhausen zukünftige Rechtsgeschäfte mit diesen Finanzinvestoren untersagen soll“, so Scharff weiter. Dieser Antrag ist inzwischen an das Rechtsamt der Stadt und an verschiedene Ausschüsse zur Beratung überwiesen. Eine Beschlussfassung steht noch aus.

Der Mietvertrag fand trotzdem eine Mehrheit im Stadtrat, die Nichtöffentlichkeit über diesen Vorgang ist inzwischen aufgehoben und es bleibt die Frage, wie es überhaupt dazu kommen konnte, dass das Waisenhaus in einem so maroden Zustand ist, dass man für Jahre diese Immobilie räumen musste.
Autor: nnz

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Kommentare
-Insider-
21.01.2011, 14:19 Uhr
ich
möchte zu dem artikel eine frage stellen: wenn nicht das postgebäude, wohin dann? es sind ja nun immerhin doch einige "fleissige bienchen" die im waisenhaus sitzen....

dazu noch eine anmerkung: das das waisenhaus seit jahren baufällig ist, sollte einem gut informierten stadtrat doch schon bekannt sein. wo waren dann bitte die anfragen diesbezüglich an die krone der schöpf...ich meine, an die verwaltungsspitze? im nach hinein sagen "ich wusste/weiß alles besser" kommt immer ein klein wenig...nun ja, sie wissen was ich meine.
Besorgter Bürger
21.01.2011, 14:26 Uhr
LONE STAR for ever!
Ich danke der nnz und Herrn Scharff von den LINKEN für die Beantwortung der Frage aus meinem Kommentar zum nnz-Artikel „Rinke beim Wort nehmen“ vom 19. Januar. Ich weiß nicht, wie das die anderen Leser hier sehen. Ich aber glaube, wir haben damit einen handfesten Skandal in der Stadt und ich erwarte eine Stellungnahme der OB.

Da die Abstimmung zum Vertrag aus einem nichtöffentlichen zum öffentlichen Vorgang erhoben wurde, wäre jetzt noch interessant zu wissen, wer im Stadtrat dem Deal mit der Heuschrecke seinen Segen gegeben hat. Nur so aus Interesse des Wählers.

Vielleicht ist mittlerweile ja auch das gesamte öffentliche Immobilieneigentum einschließlich Rathaus und Roland im Rahmen eines PPP-Vertrages bei Lone Star gelandet und die Stadtverwaltung hat sich längst in den ehemalig eigenen Gebäuden bei Lone Star eingemietet. Auszuschließen wäre das ja nun nicht mehr.
Luftikus
21.01.2011, 23:18 Uhr
Der Stadtrat tat sich seinerzeit schwer
dem Mietvertrag zuzustimmen. Das wissen auch die LINKEN. Man stimmte diesem letztentlich zu, da die leeren Räumlichkeiten der Post direkt am Waisenhaus angrenzen und der Umzug so auch weit günstiger ist als in andere Gebäude, zB. dem Hochhaus ehemals RFT.
TeeEff
22.01.2011, 13:48 Uhr
Seit wann gehört die Post denen denn?
Das baulich doch gut aufgearbeitete Reichspostgebäude muss ja irgendwann an die Firma übergegangen sein.
Die Frage wäre wann und für welchen Preis?

Auch schön wäre zu sehen auf wessen Kosten es (ich denke mal VOR) dem Verkauf saniert wurde. Da war die Post wohl noch ein Staatsunternehmen...
denk-mal
22.01.2011, 17:01 Uhr
wir gönnen uns was ...
das waisenhaus eines der ältesten gebäude der stadt ist, naja, nicht mehr benutzbar, noch nicht baufällig. wir mieten uns ein, wenn auch der vermieter unseren bürgern nicht unbedingt nutzen gebracht hat.

der zustand des waisenhauses wurde den stadträten zur kenntnis gebracht, erst im zusammenhang mit den notwendigen anzumietenden räumlichkeiten.
der landrat hatte diesmal glück. ihm gehört das waisenhaus nicht, sonst hätte herr BM ein schlachtefest daraus gemacht (immerwieder gern).

wir verbauten für eine unterführung
10 000 000 euro, wir bauen für ca 10 000 000 euro eine stadtbibliothek, wir bauen für 4 000 000 euro eine angebliche sanierung der flohburg (allein bei den kellern denkt man mehr an luftschutzkeller als an normal zu nutzende keller)die prioritäten sind eben mehr für die denkmäler und prestigeobjekte.

den stadträten kann man da wenig vorwürfe machen, denn die werden immer nur passend informiert und die notwendigkeiten werden entsprechend sugeriert - so ist das nun mal, wenn stadträte freizeitpolitiker sind und nebenbei noch arbeiten müssen!
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