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Fr, 10:13 Uhr
05.08.2011

Erschreckende Zahlen

Immer mal wieder - vor allem im Sommerloch - wird das kommunale Blitzen in Nordhausen auf die Tagesordnung gehoben. Doch was kaum bekannt ist: die Stadtverwaltung lässt schon lange "blitzen". Hier die Einzelheiten...

Rasen statt Fahren (Foto: nnz) Rasen statt Fahren (Foto: nnz)

Es ist - Beobachter der Szene wissen das - nahezu immer das gleiche Spiel, das in Nordhausen gespielt wird. In der Stadtverwaltung setzt man sich ein Ziel, schmeißt den Mitgliedern des Stadtrates ein paar Brosamen hin, wartet geduldig auf Anfragen und beantwortet die dann. Mitunter sehr dramatisch. Hinter verschlossenen Türen, in nicht öffentlichen Sitzungen diverser Ausschüsse werden dann noch Ergebnisse vorgestellt, die dem gemeinen Bürger verborgen bleiben sollen.

So zum Beispiel geschah das mit dem Erfassen von Fahrzeugströmen, wie es im Amtsdeutsch heißt. Der gemeine Bürger versteht darunter vielleicht eine Fahrzeugzählung. Doch die eingesetzte moderne Technik, die nicht weiter beschrieben werden soll, kann weitaus mehr. Sie zählt nicht nur die Fahrzeuge in beiden Richtungen, sie erfasst auch die Geschwindigkeit und die Größe der Fahrzeuge, kann also nach Zweirädern, Pkw oder Lkw/Busse kategorisieren.

Warum mit den Ergebnissen dieser Messung noch nicht an die Öffentlichkeit gegangen wurde, bleibt ein Geheimnis der regierenden Menschen hinter den Mauern des Rathauses. Die Auswertungen, die der nnz nun zur Verfügung gestellt wurden, zeigen, dass in Nordhausen nahezu permanent die vorgeschriebene Geschwindigkeit übertreten wird. Und dabei ist es den Kraftfahrern völlig egal, ob es sich um eine 50er Zone in der Parkallee oder eine 30-Zone unmittelbar vor der Käthe-Kollwitz-Schule handelt.
Die Auswertungen (Foto: Stadtverwaltung Nordhausen)
Die Auswertungen (Foto: Stadtverwaltung Nordhausen)
Die Auswertungen (Foto: Stadtverwaltung Nordhausen)
Wir wollen Ihnen einige Beispiel näher vorstellen. Es ist der 15. März, der Wunderkasten ist an der Uthleber Straße in Sundhausen platziert worden. Hier befinden sich in einer 30er Zone ein Schulweg, eine Bushaltestelle und ein Fußgängerüberweg in Richtung Scheunenhof. An diesem 15. März wurden 4.657 Fahrzeugen in beiden Richtungen gezählt. 95 Prozent der gemessenen Fahrzeugführer ignorierten die vorgeschriebenen 30 Kilometer je Stunde. Spitzenreiter waren Pkw mit 74 oder 71 kmh

Ein weiteres Beispiel ist der Taschenberg, genauer gesagt, der Kreuzungsbereich mit der Sangerhäuser Straße. Ein Bereich, der allgemein als Unfallschwerpunkt bekannt ist. Hier liegt der nnz ein Protokoll vom 25. November des vergangenen Jahres vor. In dieser 30er Zone wurden an jenem Donnerstag fast 11.000 Fahrzeuge gemessen. Acht von zehn fuhren schneller als es momentan noch die Polizei erlaubt, Spitzenreiter war ein Pkw mit 84 kmh. Im rechnerischen Durchschnitt dieses Tages wurde der vorgeschriebene Wert nicht einmal eingehalten.

Dass in Nordhausen nicht überall gerast wird, soll ein nächstes Beispiel darstellen. Am 1. März 2011 wurde das Messgerät in der Käthe-Kollwitz-Straße, vor der Einmündung zur Richard-Wagner-Straße postiert. Hintergrund dafür waren Bürgerbeschwerden über zu schnelles Fahren. Von den 1.628 registrierten Fahrzeugen war lediglich ein Prozent zu schnell, der Spitzenreiter wurde mit 61 kmh im Speicher abgelegt. Das aber ist die Ausnahme, die jedoch zeigt, wie subjektiv mitunter das Empfinden der Raserei sein kann.

Es ist die Ausnahme. Gerast wird in Nordhausen, nachweisbar unter anderem in der Kleinwertherstraße in Hesserode, in der Hauptstraße in Salza, am Lohmarkt oder in der Südharzer Straße in Stempeda - allesamt Bereiche, in denen wegen Schulbushaltestellen zum Beispiel eine Tempo-30-Zone eingerichtet wurden.

Welche Konsequenzen werden nun daraus gezogen? Vermutlich, Bürgermeister Mattias Jendricke (SPD) deutete es im Gespräch mit einem Thüringer Radiosender an, soll ein mobiles Blitzgerät in Nordhausen mal für eine Woche getestet werden. Dann aber wird richtig geblitzt, mit Name und Hausnummer, mit Porträtfoto und Kennzeichen. Der Nordhäuser Stadtrat muss dazu nicht befragt werden, das ist allein Verwaltungshandeln.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

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Kommentare
Sebastian1
05.08.2011, 11:55 Uhr
Gerchte einnahmequelle
Das sowas getestet wurde, fiel mir nie auf in NDH obwohl ich Regelmäßig mit dem Auto in NDH unterwegs bin.

Aber als Bürger nehm ich mit erschrecken fest das in NDH sehr viel die Geschwindigkeit überschritten wird.
und wenn ich Abends am Fenster oder auf dem Balkon sitzte um die Abendsonne zu Genissen oder ähnliches und das in der Rautenstrasse kann man denken da werden täglich Abends Rennen Veranstaltet da würd Hoch mit großen Geschwindigkeiten manchmal hört man sogar NOS -gas Einspritzungen wobei es Verboten ist. Unterrunterwärts würd nochmals vorll aufs Gas gedrückt.
Sauerei... Da Empfehle ich einen Blitzer der fest Installiert ist.

In anderen städten ist diese Methode Üblich und auch Erfolgreich, über die Finanzierung solcher Geräte muss man nicht lange überlegen das Geld ist schneller drin als man denkt.

Und meine Meinung zum Artikel das diese Methode der Zählung nicht Öffentlich war ist keinesfalls schlimm, denn dann würde nie die Wahrheit ans Licht kommen, und somit wäre das Projekt hinfällig.

Die Bürger die keine Blitzer fest oder mobile wollen, haben große Angst das sie zu oft Post bekommen und ein Viertel des Gehaltes an die Stadt geht. :)
Bürger die sich nicht an Geschwindigkeit halten können Fahruntüchtig.
Bodo Schwarzberg
05.08.2011, 12:24 Uhr
Die ignorierte Bombe: das Auto
Tja, die bei der Fahrschule vermittelten physikalischen Weisheiten vom Verhältnis zwischen Geschwindigkeit und Bremsweg sind im Alltag schnell vergessen. Der versteckte Glaube daran, in brenzlichen Situationen doch noch rechtzeitig anhalten zu können, ist fest verwurzelt und auch durch noch so stichhaltige Argumente und naturwissenschaftliche Fakten nicht zu zerstören.

Ist der Fahrer dann doch für Verletzte oder gar Tote verantwortlich, zeigt er (sie) sich zutiefst am Boden zerstört und oft reumütig und die Polizei und die Gerichte können ein Lied davon singen, dass gleichermaßen die Zahl der Uneinsichtigkeiten und Ausreden unbarmherzig Blüten treibt. "Ich habe doch gar keinen Fußgänger gesehen!", "Ich war nicht zu schnell", "Das Kind muss doch wissen, dass es auf der Straße gefährlich ist" oder "Die Stadt ist schuld, denn sie hätte ja Fußgängerampeln aufstellen können" und so weiter.

Das Verdrängen der Gefahren im Straßenverkehr ist so alt wie der Straßenverkehr selbst. Das Verdrängen von Gefahren, das Auskoppeln von zwingenden, gefahrbringenden Zusammenhängen bestimmt unser Alltagsleben ebenso wie die Politik, vor allem die Umweltpolitik.

Wer ein Fahrzeug führt, sitzt gewissermaßen auf einer zugelassenen und akzeptierten Bombe, die potentiell ebenso akzeptiert, aber leider meist ignoriert tödlich ist.

An die Einsicht zu appellieren, funktioniert erwiesenermaßen nicht. Wirksame Daumenschrauben können nur empfindliche Strafen bringen, die aber in Deutschland noch immer all zu harmlos ausfallen. Das wirksamste Mittel gegen zu schnelles Fahren ist meines Erachtens der langfristige Führerscheinentzug, z.B. pro 10 km/h Überschreitung drei Monate zzgl. kostenintensiver Nachschulungen. Wer jemanden durch Raserei verletzt, sollte seinen Schein drei Jahre lang abgeben.
Die Norweger sind da rigoroser. Ich habe mal irgendwo gelesen, dass ein deutscher Motorradfahrer ausgewisen wurde, weil er statt 100 200 km/h fuhr.

Hier noch ein Auszug aus dem norwegischen Bußgeldkatalog (Quelle: www.autogenau.de). Aber eigentlich ist auch der noch zu harmlos.
Über 0,2 Promille Alkohol am Steuer: ab 630 Euro (1-2 Monatsgehälter)
6 km/h: 124 Euro
20 km/h zu schnell: ab 400 Euro
Überholverbot: 640 Euro
Rote Ampel missachtet: 640 Euro
Missachtung der Lichtpflicht: 180 Euro
Kein Licht: ca. 190 Euro
Falsch Parken: 90 Euro
Handy am Steuer: 165 Euro
Missachtung der Gurtpflicht: ca. 100 Euro

Eine Idee wäre vielleicht auch ein gesetzlich vorgeschriebener Fahrtenschreiber (wie auf Lokomotiven), mit dem jede gefahrene Strecke und Geschwindigkeit dokumentiert wird. Am Ende eines Jahres wird er abgegeben und ausgewertet. Alle Geschwindigkeitsüberschreitungen werden ermittelt und in Geld ausgedrückt. Dann erfolgt das Verschicken von Rechnungen an die Autofaherer bzw. von Anzeigen, Führerscheinaberkennungen e.c.t.
Gibt es da nicht das aalte Sprichwort: "Wer nicht hören will, muss fühlen?" und "Wer es nicht im Kopf hat, hat es in den Beinen"?
-Insider-
05.08.2011, 13:28 Uhr
au
backe. einen installierten fahrtenschreiber. george orwells visionen lassen grüssen.

zum thema: prinzipiell bin ich dafür, dass der strassenverkehr sicherer wird und gerade meine generationen, die "ed-hardy shirt, knusperbraunen, superhechte", neigen dazu zu rasen. nur in diesem falle ist ja die motivation hinter diesem "projekt" nicht die sicherheit der menschen, sondern das füllen der kasse. ähnliches kann man ja durchaus bei der überwachung des ruhenden verkehrs beobachten ;)
abc123
05.08.2011, 14:05 Uhr
Geschwindigkeitsüberwachung
Vielen Dank für die Veröffentlichung dieser Statistik! Sie zeigt auf, warum hier immer soviel Aufregung um das Thema Geschwindigkeitsüberwachung durch die Stadtverwaltung herrscht. Scheinbar ist kaum jemand in der Lage, sich an die vorgeschriebene Geschwindigkeit zu halten.

Die Statistik zeigt, dass es dringend notwendig wäre, in Nordhausen mehr zu Blitzen. Denn dadurch werden die Leute quasi gezwungen sich an die Vorschriften zu halten, außer sie haben zuviel Geld....
Peppone
05.08.2011, 16:43 Uhr
Die Statistik
sagt vor allem eines aus, dass Bürger den Zusammenhang zwischen Geschwindigkeit und Bremsweg offensichtlich besser begriffen haben als einige Politiker und Kommentatoren hier. Da wo man ihnen Raserei unterstellt, tun sie es offensichtlich nicht mal!

Zum Thema: Der Salzlandkreis in Sachsen Anhalt läßt derzeit alle seine mobilen und festen Blitzanlagen entfernen. Begründungen sind, dass die Kosten bei weitem nicht die Einnahmen decken und dass es keinerlei Erfolge hinsichtlich "Verkehrzerziehung" gibt. Im Gegenteil, die dortige Polizei sagt selbst, dass das Geblitze der Kommune von den Bürgern nur als Abzocke verstanden wird.

Die Polizei sagt, dass Geschwindigkeitskontrollen der Polizei, am besten mit Herausziehen und Gespräch, wesentlich mehr zur Verkehrserziehung beitragen als zugeschickte Kostenbescheide einer Kommune. Man darf sich das Ganze auch gerne in der ZDF Mediathek anschauen.

Da aber in Nordhäuser Verwaltungen das Fahrrad gerne nochmal erfunden wird, kann man sich schon auf viele neue Blitzer und viele neue Löcher im Haushalt freuen. Das wäre aber immer noch das kleinere Übel gegenüber dem, was Herr Schwarzberg fordert. Vor einem solchen totalen Überwachungsstaat graust es mir einfach nur.
Janko
05.08.2011, 20:42 Uhr
"überwachungsstaat"....
"überwachungsstaat", nur weil mit blitzgeräten die (dem artikel nach offensichtlich hochgradig notwendige) höchstgeschwindigkeitseinhaltung kontrolliert wird?

leute, wenn ihr blitzer als "überwachungsstaat" empfindet, dann unterstelle ich euch hochgradigen realtitätsverlust. geht nach russland oder israel, wenn ihr überwachungsstaaten und staatsüberwachung kennenlernen wollt.

wandert nach afrika aus, wenn ihr echtes elend kennenlernen möchtet. aber blitzer als einschränkung der persönlichen freiheit auf raserei zu empfinden - man, bin ich froh, dass ich andere probleme habe.
-Insider-
06.08.2011, 08:32 Uhr
ich
glaube ihr problem liegt eher im verstehenden lesen. niemand schrieb davon, dass blitzen an sich "überwachsungsstaat" ist. nur die idee des eingebauten fahrtenschreibers mit ort, datum, zeit und geschwindigkeit, dass grenzt an sonde im poppes. aber gut, der staat hat es leicht. er ist der hirte und viele schafe folgen ihm - in ewiger treue und ewiger demut vor den herrschern dieses landes.
Janko
06.08.2011, 21:41 Uhr
es bereitet mir nicht gerade schlaflose nächte,
... dass ich, nur weil ich es nicht verdammenswert finde, dass behörden geschwindigkeitskontrollen an stellen einführen, welche, laut dem artikel, mehr als notwendig sind (95% aller autofahrer ignorieren an bestimmten orten der stadt die zulässige höchstgeschwindigkeit? geht's noch?!), als treudoofes, demütig-staatsdienerndes schaf bezeichnet werde.

im artikel konnte ich zumindest nichts über einzubauende fahrtenschreiber lesen, ich empfinde nur blitzer an echten gefahrenstellen bzw an stellen, wo erwiesenermaßen die höchstgeschwindigkeit trotz potentieller gefahrenstelle nicht eingehalten wird, als durchaus legitime art und weise, den straßenverkehr sicherer zu machen. macht mich diese ansicht zu einem staathörigem schaf, kann ich damit sehr gut leben.
Harzer_Wolf
09.08.2011, 10:08 Uhr
Kommunales Blitzen
Es geht hier sicher nicht um einen Überwachungstaat - denn den haben wir auch ohne das Herr Jendricke blitzen lässt. Es geht einzig und allein darum, das es unsinnig ist. Beispiel gefällig:

Ich komme am Sonntag nachmittag aus Richtung Sondershausen, habe kurz vor dem Heidehaus bei Tempo 100 einen Drängler aus Leipzig ( Kennzeichen sagte das aus ) hinter mir... fahre vorschriftsmäßig am Heidehaus mit 50 in die Kurve und beschleunige dann auf 70 ( 70km-Zone ), da jagt der Leipziger kurz nach der Kurve innerorts an mir vorbei, beschleunigt auf über 100! Bei der Einfahrt zu den Häusern steht ein mobiler Blitzer, der Fahrer aus Leipzig sieht es im letzten Moment bremst mit quietschenden Reifen und überlistet in letzten Moment den Blitzer. Was nützt uns also dieser Blitzer? Der Verkehrsrowdy sieht ihn und bremst den nachfolgenden Verkehr gefährdend radikal ab. Keine Strafe, kein Blitz ! ( Naja...ich hatte einen Beifahrer und wir haben diesen Assi gestern angezeigt, der kommt nicht ungeschoren davon ! ). Aber das hat nicht der Blitzer gebracht.

Und wissen Sie, warum viele Leute in dieser Stadt auch zu schnell fahren? Weil Sie sich teilweise veralbert vorkommen...

Kommen Sie aus Richtung Stempeda nach Buchholz rein... da steht am Ortseingang Buchholz ein Verkehrsschild, das die Straße kaputt ist und zwar auf einer Länge von 500 m. Witzig ! Das ist genau die Strecke die man vor Wochen sarniert hat und demzufolge nicht kaputt ist, sondern total glatt und eben. Im weiteren Verlauf nach Petersdorf bremsen Verkehrschilder wegegn einer angeblichen Baustelle den Verkehr auf 50 km herunter... Also ich bin Donnerstag bis Samstag jeden Tag da lang gefahren und da war keine Baustelle ! Will man Autofahrer veralbern? Heute früh sehe ich in der Hesseröder Str. und in der Bochumer ( Höhe WBG ) Fahnen über die Straße mit der Aufschrift " Schulanfang ! Achtet auf Kinder"... Ist ja löblich, aber ein wenig früh. Wenn dann in ein paar Wochen wirklich Schulanfang ist, achtet keiner mehr darauf, weil die Plakate schon Gewohnheit sind. Das ist Verarsche... Wundern Sie sich dann noch, wenn man sich nicht an Verkehrszeichen hält?
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