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So, 16:33 Uhr
04.09.2011

Der Nordhäuser Sommer 2011

Statistik contra Starkregen – so die Überschrift zum Sommer im vergangenen Jahr. Der Sommer 2011 bot zwar auch unwetterartige Niederschläge mit Gewitter, prägnanter allerdings war unser Empfinden hinsichtlich der Lufttemperaturen. Eine kurze Zusammenfassung zum Sommer 2011 könnte daher heißen: Statistik contra menschliches Empfinden.


Parnieske-Pasterkamp (Foto: privat) Parnieske-Pasterkamp (Foto: privat) Denn dieses sagt: Es war kalt, es war nass und die Sonne schien kaum. Die Statistik hingegen sagt: Der Nordhäuser Sommer war gar nicht so schlecht. 40 Sommertage, etwas zu wenig Niederschlag und genau die richtige Portion Sonnenschein.

Der Niederschlag in Nordhausen: 176 mm regnet es im langjährigen Mittel in Nordhausen, 166 mm waren es 2011. Auf die einzelnen Monate verteilt war der Juni mit 68 mm der niederschlagsreichste Monat (113% des Niederschlagssolls), gefolgt vom August mit 60 mm (100%) und dem Juli mit 39 mm (67%). Die zweite Julihälfte war die trockenste Sommerperiode, nur 8,1 mm Niederschlag wurden registriert.

Im August gab es fünf stärkere Niederschlagsereignisse (größer 5 mm), die meist mit höheren Windgeschwindigkeiten einhergingen. So wurde die maximale Windgeschwindigkeit der drei Sommermonate (1-Minuten-Mittel) mit 13,8 Meter pro Sekunde am 24. August gegen 19.30 Uhr gemessen. Der 19. August war mit 11,8 mm übrigens der regenreichste Tag im Nordhäuser Sommer.

Besonders windreich war der Monat Juli. Die durchschnittliche Windgeschwindigkeit betrug 1,6 m/s. Dies ist die maximale monatliche Windgeschwindigkeit, die seit Messungsbeginn im Januar 2006 auf dem Campus der FH Nordhausen registriert wurde. Auch die vom Wind zurückgelegte Entfernung, der sogenannte Windweg, ist mit über 4000 km, bezogen auf den Monat Juli, um rund 1000 km größer als im Durchschnitt. Auffällig ist, dass Phasen höherer Windgeschwindigkeiten im Juli einhergehen mit steigendem Luftdruck und sehr kontinuierlichen Windrichtungen aus nordwestlicher Richtung.

Diese Konstellation, hervorgerufen durch sich von West nach Ost verlagernde Tiefdruckgebiete, welche von subtropischen Hochdruckgebieten abgelöst wurden, führte im Juli zu mehrmaligem Zufluss ungewöhnlich kühler Nordatlantik-Luft in den Südharz. So stiegen die Temperaturen an 10 Tagen im Juli nicht über 20°C (Juni: 2 Tage, August 3 Tage unter 20°C). Trotzdem betrug die Monatsmitteltemperatur auf dem Campus 17,2°C und entspricht damit genau dem 30-jährigen Mittel (1961-1990), gemessen in Salza. Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1956 schwankten die Juli-Temperaturen übrigens zwischen 15,2 °C (1978) und 20,8°C (2003).

Heiße Tage mit maximalen Temperaturen über 30°C gab es in allen drei Sommermonaten (Juni: 3, Juli: 2, August: 5). Die Sommertage überwogen dahingegen im Juli (11), im August gab es 10 und im Juni 9 Tage mit Temperaturen über 25°C. Tropennächte gab es im Sommer 2011 auf dem Campus der FH Nordhausen nicht. Mit nur 6,7°C verabschiedete sich in den frühen Morgenstunden des 31. August dann der meteorologische Sommer 2011. Es ist die minimale Temperatur, die zwischen Juni und Ende August in Nordhausen registriert wurde. Nur fünf Tage zuvor, am 26. August, gab es allerdings den bisher heißesten Tag des Jahres 2011 mit 34,6°C. Die durchschnittliche Sommertemperatur in 2011 betrug 17,9°C, 2011 war damit der drittkälteste Sommer der letzten 10 Jahre.

Die Sonne schien gefühlt nur sehr selten. Das Messgerät registrierte trotzdem 594 Stunden Sonne im Sommer 2011. Im Juni schien die Sonne mit 245 Stunden 50 Stunden mehr als im 25-jährigen Mittel. Im Juli waren es 40 und im August 30 Stunden zu wenig (Juli: 172 Stunden, August 176 Stunden). Die Globalstrahlungswerte der drei Sommermonate schwankten zwischen 180 W/m² im August und 248 W/m² im Juni und lagen damit unter dem Wert des Monats Mai 2011 (256 W/m²). Diese Werte bestätigen neben den niedrigen Temperaturen im Juli unseren Eindruck, dass der Sommer 2011 eigentlich keiner war.

Die Klimastatistik sagt eben nichts über den tatsächlichen Wetterverlauf aus. Das hat der Sommer 2011 wieder einmal bestätigt. Die Aufgabe der Statistik ist es, uns einen regionalen oder globalen Trend aufzuzeigen. Und diesen Trend kann man für die Nordhäuser Wetterverhältnisse deutlich erkennen: Betrug die durchschnittliche Sommertemperatur Anfang der sechziger Jahre noch knapp 16°C liegt sie heute bei ca. 18°C, Tendenz weiter steigend.

Die Niederschläge hingegen werden in den Sommermonaten kontinuierlich weniger, in der Summe fielen in den sechziger Jahren noch rund 200 mm, im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends waren es nur noch rund 150 mm, auch hier mit weiter sinkender Tendenz. Der prognostizierte Klimawandel mit heißen und trockenen Sommern schreitet also trotz des kühlen Nordhäuser Sommers 2011 auch in der Südharzer Region weiter voran.
Dr. Jutta Parnieske-Pasterkamp
Autor: nnz

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Kommentare
Bodo Schwarzberg
04.09.2011, 20:35 Uhr
Lob für die FH-Wetterfee
Diese Wetterrückblende gehört meines Erachtens zu den besten, die Frau Dr. Parnieske-Pasterkamp bisher in der nnz veröffentlicht hat. Ich persönlich kritisiere hier immer das oft fehlende übergreifende Denken und Reflektieren in vielen Beiträgen, das Systemische also, in das jeder einzelne Vorgang des Alltags eingebunden ist.

Auf die Darstellung des Sommerwetters 2011 heißt das, dass die Wetterfee sehr schön das diesjährige Sommerwetter in den größeren Zusammenhang der längerfristigen Klimaveränderung (Klimawandel) gestellt hat, und dass sie den Widerspruch zwischen dem empfundenen kühlen, in der Realität aber durchaus nicht unnormalen Sommer angesprochen hat. Viele Menschen mögen es kaum glauben, dass es in den Sommermonaten durchschnittlich bezogen auf den Jahreslauf am meisten regnet.

Der aktuell zu Ende gegangene Sommer war diesbezüglich mal wieder etwas "normaler", wenngleich immer noch zu wenig Regen fiel. Dass er von vielen als zu kühl und zu nass empfunden wurde, widerspiegelt leider die schnelle Gewöhnung des Menschen an die im Vergleich zu 1961-1990 "unnormalen" trockenheißen Sommer der letzten 20 Jahre.

Meine persönlichen Beobachtungen der heimischen Flora (und nicht nur meine) bestätigen die dramatische Entwicklung. Gewöhnen sollten wir uns daher daran nicht, weil die Zahlen eine schlimme, eben dramatische Tendenz beschreiben: Immer wieder weisen Wissenschaftler darauf hin, dass es derartige Klimasprünge in den letzten zehntausenden Jahren nach oben nicht oder kaum gegeben hat, schon gar nicht welche, die von einer ART, in diesem Fall also vom Menschen ausgelöst wurden.

Von daher sollten wir uns unserer Verantwortung für diese Entwicklung stellen - und zwar jeder von uns. Niemand kann dabei seine Hände in Unschuld waschen, natürlich auch ich nicht.

In Bonn wurde auf einer internationalen Konferenz gerade beschlossen, bis 2020 150 Mio Hektar zerstörte Waldflächen weltweit aufzuforsten. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, sofern es gelingt. Das ist Wahrnehmen von Verantwortung für die Zukunft, wenn auch nur ein kleiner Anfang.
Und um diese erkennen zu können, brauchen wir übergreifende, vergleichende Informationen, die unser Denken und Handeln im Mikrokosmos des Alltags in einen höheren Zusammenhang stellen.
Frau Dr. Parnieske Pasterkamp ist dies mit diesem Rückblick auf den Sommer 2011 jedenfalls gut gelungen. Machen Sie weiter so!
Chefkoch
05.09.2011, 11:44 Uhr
Paaaaanik !
Danke, Herr Schwarzberg! Ich freue mich jedes Mal außerordentlich, wenn ich aus kompetenter Feder erfahre, wie berechtigt die schlimmsten aller schlimmen Untergangszenarien sind. Das hilft bei einer guten und gesunden Zukunftsgestaltung. Ich bedanke mich auch, dass Sie uns die Augen für die „größeren Zusammenhänge der längerfristigen Klimaveränderungen (Klimawandel)“ öffnen.

Genau diese Einschätzung der doch so nüchternen statistischen Angaben von Dr. Parnieske-Pasterkamp hat uns zum Weltverständnis gefehlt. Und natürlich die Schwarzbergsche Interpretation, die „das oft fehlende übergreifende Denken und Reflektieren in vielen Beiträgen, das Systemische“ – selbstredend ist das das Denken des Herrn Schwarzberg – dem dummen, konsumsüchtigen Plebs nahe bringt.

Für diejenigen, die mal etwas anderes zum Klimawandel als den üblichen mantraartigen Mainstream lesen möchten, seien die Zwischenergebnisse des CERN bei Genf zum CLOUD-Projekt der experimentellen Evaluierung der vom Weltklimarat (IPCC) jahrelang geschnittenen (weil nicht in die Theorie der menschengemachten Klimakatastrophe passenden) Auffassungen des dänischen Physikers Henrik Svensmark genannt. Hier ein Link dazu: http://www.novo-argumente.com/magazin.php/novo_notizen/artikel/000905
I.H.
05.09.2011, 13:56 Uhr
Das war ein stino Wetterjahr.
Wir hatten nen anständigen Winter, ein herrliches Frührjahr, einen annehmbaren Sommer und zur Zeit isses ja auch nich schlecht. Soweit ganz unproblematisch, gäbe es da nich jemanden, der mir den Spiegel meines kleingeistigen, kleinkarierten Denkens vorgehalten hätte. Als leidenschaftlicher Steakfutterer, der sich nix drum schert wieviel CO2 der Ochse pubst, bin ich jetz zum Systemerkenner geworden.

Als Freund experimenteller Microphysik habe ich mir vorgestellt, die Erde ist ein Topf voll Pellkartoffeln, der gleich überkocht. Is am Überkochen jetz der Topf schuld? Eher nich. Ist das Wasser schuld? Nee, auch nich. Bleiben ja nur noch die Kartoffeln, oder? Kann aber eingentlich auch nich sein, die waren Bio ohne Chemie.

Ich hab dann einfach das Gas ausgemacht und sie da, nix mehr mit überkochen.
Leider haben wir an der Sonne keinen Gashahn. Insofern bin ich jetz so schlau wie vorher.

Aber schön, dass trotz abhanden gekommener Religiösität der Beruf des Missionars oder Pastors niemals ausstirbt. So habe ich, Gott und den Grünen sei dank, beim Steakfuttern immer das ungute Gefühl, dass mir eventuell morgen schon der Himmel auf den Kopf fällt. Und so soll es doch sein, stimmts?!

Klimaforscher - Jupp
Herr Taft
05.09.2011, 14:14 Uhr
belastbare Welt
@Chefkoch: Danke ! Sie sprechen mir aus der Seele. Der Klimawandel ist nicht bewiesener Maßen vom Menschen verursacht - auch wenn Einiges dafür spricht. Die Frage ist, ob diese Sichtweise dem Pfeifen im Walde gleicht, oder tatsächlich zutreffend ist. Ich glaube an den Selbsterhaltungstrieb der Natur.

Unsere Welt ist zweifellos belastbarer als wir denken - der Mensch jedoch ganz sicher nicht. Zum Thema: Die Aufzeichnung an der FH reicht nur bis 2006 zurück. Ein bezüglich klimatischer Veränderungen eher kurzer Zeitraum. Persönlich kann ich mich an knallige Sommer und knackige Winter in meinen Kindertagen erinnern und erkenne dieses Muster in den letzten Jahren wieder.

Noch vor 5 Jahren hätte ich die These vom Klimawandel vorbehaltlos unterschrieben, da damals (gefühlt) Schnee selten und Sonne rar war.
Wolfi65
05.09.2011, 17:14 Uhr
Ja wie will...
man denn dem kleinen Mann die nächste Energiepreisrunde anders erklären, als über den Klimawandel.
Die Sommer sind zu heiss und zu trocken und die Winter sind zu warm und zu nass?
Also ich kann da nichts veränderliches im Landkreis erkennen.
Warscheinlich hat man den geschulten Blick nicht dazu.
Fest steht, dass auch in Zukunft im Winter Schnee fällt und es bitterkalt wird und im Sommer warm ist.
Oder ist es jetzt in NDH kalt?
Konnte im letzten Winter Jemand sich im T-Shirt längere Zeit draußen in NDH aufhalten?
War es nicht den ganzen Dezember bitterkalt mit viel Schnee?
Hat man nicht teilweise Autobahnen wegen Streumittelmangel für Tage sperren müssen?
Man sollte sich nicht zu oft kalte Winter und heisse Sommer wünschen, denn manchmal gehen Wünsche auch in Erfüllung!
Mit Spätsommerlichen Grüßen...
Peppone
05.09.2011, 21:44 Uhr
Danke
an Frau Dr. Parnieske-Pasterkamp. Interessante Zahlen. Den "größeren" Zusammenhang, den Bodo Schwarzberg bei Frau Dr. Parnieske-Pasterkamp's Zahlen sieht, kann ich aber nicht mal ansatzweise erkennen.

Die straffe Behauptung von Herrn Schwarzberg, dass sich das Klima in den letzten zehntausend Jahren lt. "Wissenschaftler" nicht so sprunghaft verändert hat, wie es jetzt der Fall sein soll, ist nicht nur vollkommen unbewiesen, sondern auch falsch!

Es gibt keine zehntausend Jahre alte Wissenschaftler und es gibt auch keine zehntausend Jahre alte Wetteraufzeichnungen.
Es gab mehrere signifikante Klimaänderungen, innerhalb weniger Jahre, allein während der letzten zweitausend Jahre christlicher Zeitrechnung.

Ende des vierten Jahrhunderts war die Völkerwanderung eine Folge kurzfristiger Klimaänderung. Damals war der Grund zwar eine kommende Kaltphase, welcher aber eine Warmphase vorgelagert sein musste. Das Ganze, der Exodus der Skandinavier (Kimbern), spielte sich innerhalb von zwanzig Jahren ab.

Erik der Rote, Wikinger seines Zeichens, besiedelte später im elften Jahrhundert mit seinen Mannen Grönland (Grünes Land). Er und seine Nachkommen betrieben dort während der herrschenden Warmphase Ackerbau und Viehzucht bis Anfang des vierzehnten Jahrhunderts. Danach wurden die Siedlungen aufgrund der folgenden Kaltphase wieder aufgegeben. Heute, in einer angeblich menschlich verursachten Klimaerwärmung, ist Ackerbau in Grönland nur unter Glas oder Folie möglich!

Im siebzehnten Jahrhundert, waren weite Gebiete unseres heutigen Siedlungsraumes Weinbaugebiete. Die Flurbezeichnungen wie "Weinberg" gibt es heute noch überall bei uns. Diese Weinberge wurden erst mit der folgenden Kaltphase wieder aufgegeben und werden heute vielerorts und glücklicherweise wieder rekultiviert!

Die Frage, die man immer stellen sollte ist: Wem nützt eine Behauptung? Und die daraus resultierende Schwarzmalerei nützt immer denen, die politische oder wirtschaftliche Vorteile daraus ziehen wollen! Es gibt z.Z. wichtigere Probleme als ein Grad Temperatur über dem mittleren Durchschnitt der letzten dreißig Jahre!
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