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Mo, 17:56 Uhr
07.11.2011

Beerdigung und Auferstehung

Im Landkreis Nordhausen gibt es mit der Lift gGmbH und dem Horizont-Verein zwei große Beschäftigungsgesellschaften. Das allerdings wird sich im kommenden Jahr ändern – eine Gesellschaft wird „begraben“. Das jedoch ist nun auch wieder nicht so korrekt...


Um es klar auszudrücken, es wird eine Fusion zwischen Lift und Horizont geben. Dabei wird die Lift gGmbH in den Verein aufgehen. Für René Kübler, den Horizont-Chef, ist klar, dass es für viele Lift-Mitarbeiter ein schmerzlicher Schritt sein wird, denn von den derzeit 70 hauptamtlichen Mitarbeitern der gemeinnützigen GmbH müssen elf entlassen werden. Sechs Mitarbeitern der Verwaltung ist gekündigt worden oder wird noch gekündigt, bei fünf werden befristete Verträge nicht verlängert.

„Gemeinsam mit der Lift-Geschäftsleitung haben wir uns im Juni dieses Jahres die Bücher angesehen und dabei festgestellt, dass die Einnahmeseite eine solche Schieflage erfahren hatte, dass Horizont als Hauptgesellschafter (70 Prozent) die Reißleine ziehen musste. Das ist bei Lift, übrigens wie bei vielen anderen Beschäftigungsgesellschaften auch, keine temporäre Erscheinung, sondern diese Schieflage wird sich im kommenden Jahr – vom Gesetzgeber so gewollt – fortsetzen“, analysiert Kübler im nnz-Gespräch.

So hat zum Beispiel das Nordhäuser Jobcenter seine Zuschüsse drastisch reduziert, die Zahl der geförderten Stellen ist allein im Landkreis Nordhausen innerhalb eines Jahres um zwei Drittel gesunken. Ab 2014 wird auch der Geldstrom aus Brüssel nachlassen, dann ist Ostdeutschland nicht mehr Fördergebiet 1 innerhalb der EU.

Nun muss gehandelt werden. Zuerst wird Horizont die Anteile des Jugendsozialwerks (27 Prozent) und die drei Prozent, die von Privatpersonen gehalten werden, übernehmen. Damit ist dann der Weg frei für die Fusion, deren Zielstellung Kübler ebenso klar formuliert: „Wir wollen die vielen sozialen Dienstleistungen, die bei Lift ins Leben gerufen wurden für die Menschen weiter erhalten, die leider nur über einen schmalen Geldbeutel verfügen. Auch aus diesem Grund sind Arbeitsgruppen gebildet worden, deren Ziel es ist, das „Stöbereck“, den ökologischen Gartenbau, die Familien-Alltagshilfe, das Mehrgenerationenhaus und die Großküche zu sichern und in das Horizontkonzept zu überführen.

Mit der Fusion ist auch die Insolvenz der Lift gGmbH abgewendet worden und den verbliebenen Mitarbeitern wird das Los erspart, was in Thüringen derzeit ausgemacht wird. Land auf, Land ab gehen Lift-ähnliche Konstrukte den „Bach runter“, vor allem in Ostthüringen ist das der Fall. Doch zurück nach Nordhausen.

Aus der Fusion mit der Lift gGmbH soll der Horizont-Verein gestärkt hervorgehen, ganz klar. Für seine Verwaltungsmitarbeiter fordert René Kübler mehr Arbeit ohne einen Cent mehr an Gehalt, da die Verwaltungsarbeit von Lift Stück für Stück übernommen wird. Die Kündigungen innerhalb der Lift-Verwaltung auszusprechen, das sei für ihn nicht einfach gewesen, gibt Kübler zu. Das Ziel, diese Trennung einerseits zu unternehmerisch wie nötig, andererseits so sozial wie möglich vorzunehmen, sei bislang erreicht worden. Es habe nicht eine Kündigungsschutzklage gegeben.

Im kommenden Jahr soll die Fusion über die Nordhäuser Bühne gehen. Die Kunden, die seit Jahren die Dienstleistungen der Lift gGmbH in Anspruch nehmen, die werden diese Leistungen auch in den kommenden Monaten erhalten. Möglich ist dann sogar eine weitere Erhöhung der Qualität.

Zusammen mit den 59 Mitarbeitern von Lift, die vom Horizont-Verein übernommen werden, gehört der dann zu einem der größten Anbieter auf dem Beschäftigungssektor. Der Verein ist solide geführt und auch unter marktwirtschaftlichen Aspekten gut aufgestellt. Unter anderem verfügt Horizont nach der Fusion über zwei Großküchen. Mit deren Erlösen ist es wiederum möglich, in Nordhausen und Heiligenstadt zwei Gebrauchtwarenhäuser am Leben zu erhalten, die sozial-bedürftigen kostengünstig Möbel und andere Einrichtungsgegenstände verkaufen können.

Und so schließt sich letztlich wieder ein Kreis von vielen, bei dem es darum geht, Menschen aus unterschiedlichsten Verhältnissen am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu lassen. Und das ist – trotz sinkender Arbeitslosenzahlen – gerade in Nordthüringen immer noch notwendig.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

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Kommentare
Alex Gösel
07.11.2011, 23:10 Uhr
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H.Buntfuß
08.11.2011, 13:28 Uhr
Wahr schon lange abzusehen?
Das die Lift gGmbH vor dem Aus steht, war schon vor geraumer Zeit abzusehen. Die Geschäftsführerin Frau Haase versucht zwar in den anderen Medien das Ganze klein zureden, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass hier absolute Misswirtschaft betrieben wurde.

Auffällig ist für mich nur ein Fakt, kaum hat Herr Müller das Jobcenter verlassen und schon kommt das Aus für Lift. Sollte es hier doch zu Ungereimtheiten gekommen sein? Oft genug wurde ja darüber berichtet, allerdings wurde immer wieder dementiert. Lift steht auf gesunden Füßen, hieß es noch vor einigen Wochen.

Frage ist, wurde der Bürger hier mit Absicht getäuscht, oder war die Geschäftsführung wirklich so NAIV zu glauben, man könne Lift noch retten?
Frank Tabatt
08.11.2011, 20:46 Uhr
Beerdigung und Auferstehung
Hallo,
es ist immer schade um Firmen, die wirtschaftlich nicht mehr zu Recht kommen- egal ob Privatfirma oder solche gemeinnützigen Einrichtungen wie Lift. Sicher wird man versuchen im Horizontverein (zu dem man ja bereits vorher schon zu 70% gehörte) alles sozial verträglich für Mitarbeiter und Klienten zu regeln. Ich wünsche gute Erfolge !

Eine Frage habe ich trotzdem - wem gehören denn eigentlich die anderen Nordhäuser Sozialeinrichtungen? Wer hält Anteile , wer finanziert deren Arbeit? Diese Frage ist frei von Hintergedanken und basiert wirklich auf Neugierde - ich glaube auch andere Bürger wüssten es gern!
Die Recherche könnte die nnz bitte mal öffentlich machen - geschlossene Ratssitzungen gibt es schon genug!
Mfg Frank Tabatt
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