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Di, 12:45 Uhr
08.11.2011

Selbstverwaltung in Gefahr

Zum heutigen Aktionstag der kommunalen Verwaltungen, die damit auf die Auswirkungen der Kürzungspläne der Landesregierung aufmerksam machen wollen, weißt auch der Landkreis Nordhausen auf die drohenden Konsequenzen hin...


„Das Land trägt mit den geplanten Kürzungen für die Thüringer Kommunen die kommunale Selbstverwaltung zu Grabe!“ sagt Jutta Krauth (SPD), die 1. Beigeordnete des Landkreises und zuständig für Finanzen. „Der Landkreis würde mit den gekürzten Schlüsselzuweisungen in die Handlungsunfähigkeit steuern.“

Setzt die Landesregierung ihre derzeitigen Sparpläne um, müsste der Landkreis Nordhausen im kommenden Jahr mit rund 10,6 Millionen Euro Schlüsselzuweisungen auskommen. Das wären fast 3,7 Millionen Euro weniger als in diesem Jahr und 3 Millionen Euro weniger als vor zehn Jahren im Jahr 2001. Damals hat das Land allerdings noch zusätzlich eine allgemeine Investitionszulage von 1,9 Millionen Euro an den Landkreis ausgereicht.

Damit standen dem Landkreis 2001 rund 4,9 Millionen Euro mehr an Landesmitteln zur Verfügung als im kommenden Jahr, wenn das Land seine Pläne so durchsetzt. „Diese Kürzungen des Landes müsste der Landkreis über eine dramatische Erhöhung der Kreisumlage um rund 7 Prozent ausgleichen“, so Jutta Krauth. „Das Land mutet aber auch den Städten und Gemeinden im Landkreis beträchtliche Kürzungen zu. Bei den Schlüsselzuweisungen für unsere Städte und Gemeinden werden 7,5 Millionen Euro gestrichen. Die kommunale Familie im Landkreis verliert damit insgesamt 11,2 Millionen Euro. Das ist nicht zu verkraften.“

Die geplanten Kürzungen stellen nicht nur die Sicherung der freiwilligen Aufgaben in Frage, sondern gefährden ebenso die Erfüllung der Pflichtaufgaben – insbesondere angesichts der zu erwartenden Mehrausgaben bei vielen gesetzlichen Pflichtausgaben des Landkreises, auf die es einen rechtlichen Anspruch gibt und demnach keinen Spielraum für Reduzierungen.

„Die Landesregierung muss den Verfassungsgrundsatz der kommunalen Selbstverwaltung ernst nehmen“, unterstreicht Jutta Krauth. Es kann nicht angehen, dass es in der Folge der Kürzungen zu Verteilungskämpfen zwischen den Städten und Gemeinden und den Landkreisen kommt. Das zerstört den kommunalen Frieden und schadet einer positiven Entwicklung der Region.“

In der Kreistagssitzung in der kommenden Woche wollen die Kreistagsmitglieder deshalb eine Resolution verabschieden, die sich dem Protest des Thüringischen Landkreistages und des Gemeinde- und Städtebundes gegen das geplante Thüringer Finanzausgleichsgesetz 2012 anschließt. Die geplanten Einschnitte, die mit prognostizierten Steuermehreinnahmen begründet werden, treffen die Landkreise besonders hart, da diese keine Steuern einnehmen.

Auch das Argument, der kommunale Investitionsbedarf sei gesunken, entspreche nicht der Realität. Da seit Jahren die Finanzausstattung der Kommunen kontinuierlich abnimmt, müssen diese schon lange auf notwendige Investitionen verzichten. Aus dieser Zwangssituation einen geringeren Investitionsbedarf abzuleiten, sei falsch heißt es in der Resolution.

Auch die vom Bund angekündigte Entlastung des Landkreises, schrittweise die Kosten der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung zu übernehmen, wird nach den jetzigen Kürzungsplänen des Landes nicht im Kreisetat ankommen. Ebenfalls nicht ausreichend ist die Auftragskostenpauschale für übertragene Pflichtaufgaben, die das Land um nahezu die Hälfte gekürzt hat – ohne dass sich der Umfang der Aufgaben verringert hat.
Autor: nnz

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Kommentare
Neutrali
08.11.2011, 17:23 Uhr
Der Landkreis wird handlungsunfähig....
Unser Landkreis ist bereits handlungsunfähig. Da sehr viele Ausgaben bereits über Kredite finanziert werden und diese auch getilgt werden müssen, verlagert die Kreisverwaltung alle heutigen Sorgen eh schon in die Zukunft.

Natürlich sind diese Kürzungen katastrophal. Allerdings kann auch der Landkreis als Körperschaft des öffentlichen Rechts seine eigenen Hausaufgaben machen und sparen.

Beispiele gefällig?: Deponie Nentzelsrode, Führungspersonal (brauchen wir 3 Beigeordnete), Personal im Landratsamt, ...etc.
H.Buntfuß
08.11.2011, 18:56 Uhr
Jetzt wird gejammert?
Frau Krauth, ich habe nur eine Frage. Was haben Sie und Ihre Kreistageskollegen unternommen, als es um die Pleite NENTZELSRODE ging? Haben sie nicht Jahrelang zugesehen, wie dort Misswirtschaft betrieben wurde?

Saßen nicht Kreistagesmitglieder Im Aufsichtsrat und sogar in der Geschäftsleitung dieser Firma? Haben diese Personen nichts von den Missständen bemerkt? ( Hier kann sich auch keine Partei raus reden, sie waren alle im Aufsichtsrat vertreten)

Haben sie nicht über zig Monate hinweg TAUSENDE von Euro bezahlt für einen MARODEN Betrieb ohne Gegenleistung, oder zahlen sie immer noch? So etwas wird ja der Öffentlichkeit gern verschwiegen.

Das heißt, hier wurden Steuergelder von enormer HÖHE in den Sand gesetzt. Nentzelsrode ist aber nur ein Beispiel von Steuerverschwendung. Sie Frau Krauth wissen besser, wo der Kreis Steuergelder verschwendet wurden?

Nun jammern Sie, aber jammern hilft hier nicht mehr. Sie und Ihre Kollegen sollten einfach nur bessere Arbeit leisten, dann passieren solche Steuerausfälle nicht und die Lage wäre nicht so DRAMATISCH.

Schuld sind aber wie immer die ANDEREN, nicht wahr? Nun wundert man sich plötzlich, dass die SELBSTVERWALTUNG in Gefahr ist, ich kann da nur sagen, wer sich darüber wundert, der muss schon sehr NAIV sein.
Pe_rle
08.11.2011, 19:26 Uhr
nicht nachvollziehbar
vorne wird das Rathaus zugeschlossen,und auf der Rückseite wird Steuergeld verpulvert.
Aber man gönnt sich ja sonst nichts.Man braucht ja eine neue Bibliothek.
Recht so,das gekürzt wird.
Vieleicht lernt man dann mal sparen.
Bodo Schwarzberg
08.11.2011, 20:17 Uhr
Krokodilstränen der Verwaltungen
Ich kann diese Jammerei der Verwaltungen nicht mehr hören! Menschen bzw./oder Verwaltungen etwas wegzunehmen ist immer schmerzlich. Aber solche Vorgänge können und sollten auch die Phantasie derer beflügeln, die heute nicht gearbeitet haben, eine Phantasie, an der es oft genug mangelt! Das größte Sparpotential bietet doch die aufgeblähte Bürokratie der Verwaltungen selbst! Tausende Sachbearbeiter sind tagtäglich damit beschäftigt, Aktenberge mit Antragsformularen auf sonstwas von einer Schreibstube in die nächste zu schieben. Ausgelöst wird das Ganze durch Gesetzeswerke, durch die kaum noch ein Jura-Professor oder Steuerberater durchblickt! Natürlich verschlingen Ordnerberge bis zum Mond Millionen!
Ich plädiere für Kürzungen bei den Beamtengehältern. Es ist doch unglaublich, was manche Beamten im höheren Dienst an Geld bekommen.

Weiter: Wenn den öffentlich Bediensteten das Funktionieren ihres Verwaltungsapparates dermaßen am Herzzen liegt: Warum verzichten sie denn dann nicht zugunsten dieser Strukturen auf ein oder zwei Runden von Gehaltserhöhungen oder diverse Extrazulagen, die viele normale Arbeitnehmer und schon gar nicht die vielen kleinen Selbstständigen schon lange nicht oder nicht mehr bekommen? Warum fordern sie nicht den Abbau von Personal an bestimmten Stellen im eigenen Hause (analog einem anderen Kommentar hier)? Natürlich aber werden die Verwaltungen nicht für eigene, ganz persönliche Einsparungen plädieren.

Und was ist mit dem riesigen Hofstaat der Erfurter Ministerien? Warum muss dort unbedingt alles vom Feinsten gebaut werden, wenn das Geld angeblich so knapp ist? Warum genehmigen sich die Landtagsabgeordneten regelmäßig ansehnliche Diätenerhöhungen?

Die Personen, die heute ihre Schreibstuben abgeschlossen haben, hätten eine Menge Möglichkeiten, Einsparungen anzumahnen und zwar im eigenen Hause und in Erfurt gleichermaßen. Aber wieder ist nur ein einziges Gesetz im Fokus, statt über den Tellerrand zu argumentieren, selbstkritisch zzu sein und einen Rundumschlag der Einsparung, statt mehr Geld zu fordern.

Nicht zuletzt ist es natürlich so, dass der liebgewonnene Wohlfahrtsstaat auch etwas kostet. Wohl werden wir uns daran gewöhnen müssen, dass dieses Leben in Saus und Braus, das wir in Mitteleuropa ganz im Gegensatz zum Rest der Welt genießen können, nicht ewig so weitergeht.

Hier ist aber auch die Bevölkerung gefragt, solche Dinge aufs Korn zu nehmen, was sie natürlich nicht tut, weil es ihr ja immer noch, trotz mancher echter oder vorgeschobener Probleme viel zu gut geht und weil sie natürlich auch keine Annehmlichkeit missen möchte.

Etwas Sinnvolles hätten die Bediensteten heute auch getan, wenn sie für mehr Beteiligung der Reichen an der Finanzierung des Wohlfahrtsstaates plädiert hätten, zumal sich einige Superreiche auf Bundesebene sogar schon öffemtllich dazu bereit erklärten. Damit hätten sie nämlich zugleich etwas für die langfristige Erhaltung des sozialen Friedens getan, der eventuell gefährdet ist, wenn de Schere zwischen arm und recih in Deutschland immer weiter auseinander geht.
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