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Di, 12:41 Uhr
15.11.2011

Speichern im Südharz

In der Nähe von Ellrich soll ein riesiges Pumpspeicherwerk gebaut werden. So jedenfalls die Vorstellungen von Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD), die er heute in Erfurt vorgestellt hat...


Insgesamt 13 Standorte – davon drei bestehende Talsperren – sind in Thüringen für die Errichtung von Pumpspeicherkraftwerken besonders geeignet. Das geht aus dem „Pumpspeicherkataster Thüringen“ hervor, das Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig heute in Erfurt gemeinsam mit Dr. Stefan P. Schmid, Projektleiter bei der mit der Untersuchung beauftragten Hydroprojekt Ingenieurgesellschaft mbH, Weimar, sowie Dr. Peter Bretschneider, stellvertretender Leiter des beteiligten Ilmenauer Anwendungszentrum Systemtechnik des Fraunhofer-Instituts für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung (IOSB), Karlsruhe, vorgestellt hat.

„Leistungsfähige Energiespeicher sind das Rückgrat der Energiewende in Deutschland“, sagte Machnig. Denn Pumpspeicherkraftwerke (PSW) seien derzeit die effizienteste Art, Schwankungen bei der Stromerzeugung auszugleichen. Thüringen verfüge über eine Reihe geeigneter Standorte für solche Kraftwerke und könne daher einen wesentlichen Beitrag zur Energiewende leisten. „Mit dem Kataster verfügen wir jetzt über eine gute Datenbasis, um weitere Investoren für Thüringen zu interessieren“, sagte Machnig.

„Das ist eine große Chance nicht nur für den Klimaschutz, sondern auch für Wirtschaft, Kommunen, Beschäftigung und Tourismus.“ Allerdings könne angesichts der hohen Investitionskosten und des enormen Planungsaufwands nur ein kleiner Teil der Standorte tatsächlich mittel- bis langfristig entwickelt werden. Transparente Verfahren, in denen die Interessen von Umweltverbänden und Anwohnern voll berücksichtigt werden, seien selbstverständlich.

Folgende Standorte hat die Studie als besonders geeignet identifiziert:
  • Südharz: Ellrich;
  • Westlicher Thüringer Wald: Floh-Seligenthal;
  • Östlicher Thüringer Wald: Altenfeld, Großbreitenbach;
  • Westliches Thüringer Schiefergebirge: Reschwitz, Lothramühle, Lehesten, Leutenberg;
  • Südliches Thüringer Schiefergebirge: Blechhammer, Theuern.
  • Hinzu kommen drei bestehende Talsperren: Schmalwasser, Weida, Hohenleuben.
Die Summe aller dieser Vorzugsstandorte beläuft sich laut der Studie auf eine Leistung von 5.130 Megawatt – zum Vergleich: Das Pumpspeicherkraftwerk in Goldisthal verfügt über eine Leistung von 1.060 Megawatt. Das größte Potential weisen laut Kataster dabei die Standorte Lehesten (760 MW), Floh-Seligenthal (710 MW) und Theuern (630 MW) auf – die größten Anlagen könnten also im Süden Thüringens realisiert werden.

„Der Auswahl dieser Standorte liegt ein differenzierter Kriterienkatalog zugrunde“, erläuterte Projektleiter Stefan Schmid die Methodik der Studie. Zu den Kriterien zählen z.B. topographische Eignung – etwa im Hinblick auf künftige Fallhöhen, Beckenvolumen und Flächenbedarfe –, Wasserangebot, vorhandene Anbindung an das Stromnetz, Konflikte mit bestehenden Nutzungen oder Umweltauflagen. „Von 191 Talsperren in Thüringen kamen schon allein wegen des Staurauminhalts von weniger als zwei Millionen Kubikmetern 165 nicht in Frage“, sagte Schmid.

Bei einem Großteil der übrigen 26 Talsperren habe es sich zudem um Trinkwasser- oder Talsperren mit Hochwasserschutzfunktion gehandelt, die ebenfalls ausgeschlossen wurden. Von den betrachteten Brauchwasser- oder aus der Nutzung genommenen Trinkwassertalsperren blieben wegen des Fehlens geeigneter Standorte für Oberbecken letztlich nur noch die drei genannten Talsperren als potentielle Pumpspeicher-Standorte übrig.

„Mit dem Ausstieg aus der Kernenergie und dem Umstieg auf die erneuerbaren Energien wird der Bedarf an Energiespeichern steigen“, sagte Peter Bretschneider vom IOSB. In verschiedenen bundesweiten Studien seien erste Abschätzungen des erforderlichen Speicherbedarfs vorgenommen worden. So geht die dena-Netzstudie II von einem Speicherbedarf von 1,5 Terawattstunden bei einer Speicherleistung von 13,1 Gigawatt deutschlandweit aus. Bretschneider sieht darüber hinaus aber auch positive Effekte für die Wirtschafts- und Regionalentwicklung.

„Pumpspeicherkraftwerke generieren Steuereinnahmen für das Land und die Kommunen und schaffen neue Arbeitsplätze“, sagte Bretschneider. Zudem profitierten auch die Wasserwirtschaft und der Hochwasserschutz von solchen Kraftwerken.
Autor: nnz

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