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Di, 15:47 Uhr
22.11.2011

nnz-Forum: Berater geschult

Am Sonnabend trafen sich 50 Betreuer der Arbeitslosen-Leistungs- Berechtigten in Erfurt zu einem Qualifikationskurs. Der Sozialberater für Arbeitslosen- und Sozialhilferecht, Harald Thomé, war als Referent aus Wuppertal angereist. Im Vorfeld sprach Ina Leukefeld (DIE LINKE) ein paar Worte. Harald Buntfuß war dabei...


So war zu hören, dass der Mindestlohn in Thüringen mit den Stimmen der SPD abgelehnt. Die Erfurter Statistik ist wie im gesamten Bundesgebiet eine Mogelpackung. Auch in Thüringen werden die Fördermittel für den Arbeitsmarkt drastisch zurück gefahren, von 66 Millionen Euro im Jahr 2010, auf 40 Millionen Euro im Jahr 2011 und im Jahr 2012 ist mit einer weiteren einschneidenden Kürzung zu rechnen.

Es dürfte inzwischen jeder wissen, dass man im Land Thüringen die niedrigsten Löhne Deutschlands zahlt und das auch mit Hilfe der SPD. 150.000 Bürger in Thüringen sind erwerbsffähige Leistungs Bezieher, auch ELB´s genannt. Viele von ihnen arbeiten in Vollzeit und müssen dennoch ALG II beantragen. 65.000 Bürger verdienen weniger als 8,50 Euro die Stunde und liegen somit im ALG II Bereich. Jeder zweite Jugendliche ist im Niedriglohnbereich beschäftigt.

Vor diesem Hintergrund stellen sich die Regierungspolitiker in der Öffentlichkeit auch noch hin und lassen sich feiern. Arroganter geht es nun wirklich nicht mehr. Linke Politiker sprechen sich gegen Sanktionen aus und fordern eine öffentliche Aus- und Weiterbildung der Arbeitnehmer. Arbeitsmarktpolitik darf nicht Motor sein für prekäre Arbeit. Das Abhängen der Langzeitarbeitslosen darf nicht geduldet werden.

Brigitte Baki vom DGB Thüringen/Hessen gab zu verstehen, dass auch viele Gewerkschaften auf den Schwindel von der Vollbeschäftigung der von der Kanzlerin und ihren Handlangern verbreitet wird, hereinfallen. Um in den nächsten Jahren eine vernünftige Rente zu bekommen, müsste ein Arbeitnehmer 45 Jahre, ohne Unterbrechung bei einem Stundenlohn von 9,20 € arbeiten.

Die Todesschüsse in einem Frankfurter Jobcenter kamen auch zur Sprache. Es ging hier um die Auszahlung von bereits bewilligten Geld von 50 Euro. Auf eine öffentliche Aufarbeitung dieses Skandals werden wir vergeblich warten. Die Sache wurde bisher mit den Worten: „Die Frau hat selber Schuld“, abgetan. Man muss sich schon fragen, was haben wir für Angestellte in den Jobcentern und bei der Polizei, die eine Frau nur durch einen Todesschuss aufhalten können?

Fachkräftemangel, die Wirtschaft verlangt von der Kanzlerin und ihren zuständigen Minister Rössler den Zuzug ausländischer Fachkräfte, anstatt erst einmal das hiesige Fachpersonal in Anspruch zu nehmen. Warum macht man so etwas? Ganz einfach, durch solche Maßnahmen kann man teure Fachkräfte abbauen und billige einkaufen. Die kann man auch besser unter Druck setzen, wenn sie nicht spuren, werden sie wieder abgeschoben.

Das Ganze hatten wir doch schon, ich erinnere nur an die fehlenden Computerfachleute, dass ging damals schon in die Hose. Ein guter Fachmann kommt nicht unbedingt nach Deutschland, um sich hier ausbeuten zu lassen. Zudem wird das Arbeitsklima in Deutschland immer schlechter. Mobben gehört doch hierzu Lande schon zum Alltag. Zu erwähnen bleibt noch, dass der Versuch mit der Bürgerarbeit ein Rohrkrepierer war und trotzdem eingeführt wurde.

Während der sieben Jahre Hartz IV wurde das Gesetz 57 mal umgeschrieben. Für das nächste Jahr stehen schon wieder beachtliche Änderungen auf der Tagesordnung von der Arbeitsministerin Frau von der Leyen. Viele Hartz-IV-Empfänger werden sehr genau aufpassen müssen, dass sie nicht vom Amt überfordert werden.
Wie sagte Ex-Kanzler Schröder am 28.05.2005: „Wir haben den Arbeitsmarkt reguliert, wir haben in Deutschland den besten Niedriglohnbereich Europas aufgebaut“. Ich glaube dieser Satz sagt alles aus. Ein Stundenlohn von 8,50 Euro entspricht der Hartz-IV-Leistung. Aus diesem Grund brauchen wir einen Stundenlohn von 10 Euro.

In Deutschland gibt es 7 Millionen ALG II Empfänger, 4 Millionen sind in prekären Arbeitsverhältnissen, 1,4 Millionen sind so genannte Aufstocker und die Regierung stellt sich hin und lobt ihre gute Arbeitspolitik, was sind das für Leute? Rentenbeiträge für ALG II werden abgeschafft, Elterngeld wird gestrichen usw. Es entsteht der Eindruck, dass man es vermeiden will, dass die Unterschicht Kinder in die Welt setzt. Minijobber sollten darauf achten, dass der Arbeitgeber den Rentenbeitrag einbehält und abführt. Dieses ist geregelt nach § 5Abs. 2 SGB VI.

Der Außenminister Westerwelle verlangte doch die Kürzung des Regelleistung um 30%. Sagte er nicht die Hartz-IV-Empfänger seien dekadent. Da man sich nicht getraut die Leistungen einfach zu kürzen, macht man dieses auf Umwegen. Nehmen wir nur das Bildungspaket, dass ist so gestrickt, das es die wenigsten beanspruchen können, laufend wird noch daran gebastelt, schon das allein zeigt die Unfähigkeit der regierenden Politiker.

Von der SPD ist auch nichts zu erwarten, sie waren diejenigen, die Hartz-IV eingeführt haben. Heute kuscht man vor den Regierenden, man verlangte großspurig ein vier am Anfang des Regelsatzes. Aber der eigene Posten ist wichtiger und so knickte man ein.

Neu ist auch, dass die Zusatzbeiträge der Krankenkassen von den ALG II Beziehern selber bezahlt werden müssen, dass heißt vom Regelsatz. Die JC werden 2012 nur etwa 20 Cent zuzahlen. Wichtig für den ALG ist es zu wissen, dass er beim Mehrbedarf keinerlei Vorleistung zu erbringen hat.

Ein-Euro-Jobber, die der Meinung sind, dass sie zu unrecht in einer Maßnahme untergebracht waren oder sind, haben das Recht auf eine Nachzahlung und zwar bis in Höhe des Jeweiligen geltenden Tariflohn vom jeweiligen Jobcenter.

Man geht davon aus, dass über 30% der Ein-Euro-Jobs rechtswidrig vergeben wurde. Neu wurde geregelt wird auch das anrechenbare Einkommen, sollte es hier Unklarheiten geben, kann ich nur raten die Nächste Beratungsstelle aufzusuchen. Ein Wort zu den Kosten Unterkunft und Heizung. Hier wird es mit Sicherheit gravierende Änderungen in der nahen Zukunft geben. Pauschalierung heißt das Zauberwort. Dabei werden die kompletten Mietkosten pauschaliert und entsprechen nicht mehr dem tatsächlichen Bedarf.

Das heißt für die Zukunft, wir haben mit einer Ghettoisierung zu rechnen. Bei Hauseigentum ist darauf zu achten, dass notwendige Reparaturen auf Zuschuss bewilligt werden, dass heißt, dass Amt muss zahlen. Zu erwähnen ist auch, dass viele der Eingliederungsvereinbarungen rechtswidrig sind. Man verwendet nur die vorgegebenen Textbausteine, auf die persönlichen Gegebenheiten der Einzugliedernden wird nicht eingegangen. Wie soll es da zu einer vernünftigen Eingliederung kommen? Zum Thema P-Konto ist zu sagen, dass es wichtig ist über dessen Einrichtung nachzudenken

Beratungsstellen finden sie in der Neustadtstraße 6 Nordhausen bei IG-BAU und in der Rautenstraße 8 in Nordhausen.
Harald Buntfuß, Nordhausen
Autor: nnz

Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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Kommentare
actros
22.11.2011, 17:14 Uhr
Und...
...was ist mit der Beratungsstelle der Thüringer Arbeitsloseninitiative in der Wolfstraße 11? Dort wird man beraten, ohne dass man irgendwo Mitglied werden muss und und dann Beiträge zahlen muss.
Paulinchen
22.11.2011, 18:25 Uhr
Peter Hartz
hatte kürzlich im Fernsehen die Gelegenheit, zu seiner „Zuarbeit“ an den „Bastakanzler“ Schröder zu sprechen. Mir stockte der Atem – als ich aus seinem Mund erfahren musste, dass seine Berechnung und Empfehlung bezüglich der Höhe des Regelsatzes 511,- € (!) betrug.

Darauf sollten dann die familiären Erfordernisse addiert werden. Wen wundert es, dass der CSU Chef den Hartz IV Empfängern nun die „Herdprämie“ versagt. Die Politiker gönnen nur sich selbst das Meiste, meint Paulinchen.
Alex Gösel
23.11.2011, 14:44 Uhr
Harald Thomé!
Der Artikel findet meine vollste Zustimmung. Es tut mir nur Leid, das ich an solchen Veranstaltungen nicht teilnehmen kann. Herrn Thomé kenne ich als einen sehr guten Referenten und Sozialpädagogen.

Es ist sehr gut, dass es in unserer Gesellschaft Personen wie Sie und Herrn Thomé gibt, die sich für Belange der unterdrückten Schichten einsetzen.

Wenn ich mir die neuen Änderungen im Hartz-IV-Bereich anschaue, die im nächsten Jahr auf uns zukommen, bleibt nur zu hoffen, dass die Leute dann endlich auf die Straße gehen!

Es ist an der Zeit, dass viele unserer Politiker in die Schranken gewiesen werden!

Wird die Thüringer Arbeitsloseninitiative nicht von den Jobcentern subventioniert?
Retupmoc
23.11.2011, 15:07 Uhr
Änderungen
Dann würde sicher nicht nur mich interessieren, was das für Änderungen sind. Ohne zu wissen, was auf die Menschen zukommt, weiß ich nicht, wogegen ich demonstrieren kann. Ok , gegen diese Politiker könnte man auch pauschal auf die Straße gehen.
Eckenblitz
23.11.2011, 17:07 Uhr
ALG-Berater wichtiger denn je.
Der Artikel zeigt sehr deutlich, dass gute ALG-Berater in der Zukunft dringend gebraucht werden. Wie der Autor schreibt, wurde das Gesetz in den sieben Jahren seines Bestehens, siebenmal verändert.

Man hat schon das Gefühl, dass Ministerium von Frau Leyen, hat nichts anderes zu tun. Immer wieder überraschen sie die ALB´s , wie sie inzwischen spöttisch genannt werden, mit neuen Verfügungen, (um nicht zu sagen mit Schikanen)

das meiste von den Neuerungen sind nicht einmal richtige Gesetze, nein es handelt sich hierbei um Verordnungen, Dienstanweisungen und der gleichen. Sollte es sich doch um ein Gesetz handeln, dann ist es so gestrickt, das es im Ermessen des Jobcenterangestellten liegt, wie er es auslegt, also ein Gummiparagraph wie man so zu sagen pflegt.
Madame-Cherie
23.11.2011, 18:46 Uhr
Unabhängige Berater?
Soweit ich weiß, wird die Thüringer Arbeitsloseninitiative vom Jobcenter unterstützt. Mit einer seriösen Beratung kann man dort sicher nicht rechnen. Man könnte sich dann auch gleich beim Jobcenter beraten lassen.

Ein Beispiel gefälligst!?

Ein Betroffener hatte sich Hilfe dort holen wollen, weil Mitarbeiter des Ermittlungsdienstes des JobCenters sich unangemeldet Zutritt zur Wohnung verschaffen wollten. Es wurde auch gleich mit Leistungskürzungen gedroht. Die Antwort der Mitarbeiterin der Thüringer Arbeitsloseninitiative war daraufhin:

„Wenn sie nichts zu verbergen haben, können sie doch den Ermittlungsdienst in ihre Wohnung lassen“

Das sagt doch eigentlich alles!

Das sind Methoden „zur Überprüfung von Leistungsansprüchen bei Hartz IV-Empfängern“ über die man sich nur noch wundern kann.

Als Arbeitslosenhilfeverein sollte man doch eigentlich Betroffenen zu ihrem Recht verhelfen und nicht genau wie das Jobcenter argumentieren.

Denn:

- grundsätzlich gilt, dass es im Gesetz keine Regelung gibt, die ein Hausbesuch generell erlaubt.

-die Wohnung ist nach dem Grundgesetz unverletzlich (Artikel 13 Abs. 1 GG)

-das Recht auf „Privatsphäre“ ist im Grundgesetz der BRD verankert.

Generell gilt, dass für Hausbesuche ein zu begründender Verdacht auf Leistungsmissbrauch vorliegen muss. Ein vager Verdacht reicht nicht aus.

Informationen über persönliche Verhältnisse (Sozialdaten) sind zunächst immer bei den Betroffenen selbst einzuholen.
Franz Tabak
23.11.2011, 21:11 Uhr
Alg-Berater
Zu Anfang möchte ich eins feststellen: Es gab nicht sieben Änderungen, sondern 57. Desweiteren bezweifle ich, das nur 30% der Ein-Euro-Jobverhältnisse nicht in Ordnung sind.

Durch meine Arbeit komme ich sehr oft mit Ein-Euro-Jobbern zusammen. Diese erzählen mir, was sie für Arbeiten verrichten. Während Gesprächen mit den Arbeitgebern kam folgendes zum Ausdruck: "Wenn die Leute machen, was wir wollen, sind sie doch selber Schuld!"

Vor kurzen las ich einen treffenden Satz: "Heute empfinden viele Menschen als Sozial nur dass, was ihnen nützt, auch wenn es auf Kosten anderer geht."
Retupmoc
24.11.2011, 07:56 Uhr
Änderungen 2
Mich würde immer noch interessieren, was das für Änderungen betrifft? Oder muss ih deshalb kostenpflichtig irgendwo angemeldet sein?
H.Buntfuß
24.11.2011, 17:57 Uhr
Änderungen
Kann man unter Hartz_IV.de nachlesen, oder unter Harald Thomé, hier finden sie ein sehr großes Angebot rund um Hartz-IV
Mister X
24.11.2011, 21:15 Uhr
Berater
Es ist gut, dass es Personen gibt die sich für andere einsetzen. Deshalb möchte ich hier einmal meinen Dank aussprechen. Dieser gilt in besonderem Maße Herrn Wolfgang Meier, der sich seit nunmehr sieben Jahre um die Hartz-IV- Empfänger und ihre großen und kleinen Probleme kümmert.
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