So, 12:30 Uhr
26.08.2012
Neue Exposition
Heute in einer Woche öffnet die neue Ausstellung der Burggalerie Von Mädchen, Frauen und Männern - Zeichnungen von Max Lingner (1895-1969) und Skulpturen von Jenny Mucchi-Wiegmann (1888-1959). Erstmals werden Werke dieser bedeutenden deutschen Künstler in der Galerie zusammen ausgestellt...
Neue Ausstellung in der Burggalerie | Max-Lingner-Stiftung; Schmerz und Scham sowie Verhör in Algerien: Susanne Mucchi (Foto: Heute in einer Woche öffnet die neue Ausstellung der Burggalerie Von Mädchen, Frauen und Männern - Zeichnungen von Max Lingner (1895-1969) und Skulpturen von Jenny Mucchi-Wiegmann (1888-1959). Erstm)
Die Kuratorin der Ausstellung, die Kunstwissenschaftlerin Dr. Angelika Weißbach (Berlin) spricht zu den Künstlern und ihren Werken. Die Leihgeber, Susanne Mucchi (Berlin/Mailand) und der Berliner Kultursenator a.D. Dr. Thomas Flierl als Vorstand der Max-Lingner-Stiftung werden anwesend sein. Konzertgitarrist Alexander Keppner (Leinefelde, Weimar) umrahmt die Vernissage musikalisch.
Für die künstlerische Entwicklung beider Künstler war Paris, wo sie in den 1930er Jahren lebten und arbeiteten, eine wichtige Station. Lingner zeichnete von 1931 bis 1935 für die französische Wochenzeitung MONDE und von 1936 bis 1939 für die kommunistische Tageszeitung l´Humanité. Nach der Internierung in mehreren Lagern gelang ihm 1941 die Flucht, und er schloß sich der Résistance an.
Mucchi-Wiegmann war freischaffend tätig und hatte in Paris Kontakt zur internationalen Kunstszene. Im Jahre 1934 zog sie zusammen mit ihrem Mann, dem italienischen Maler Gabriele Mucchi (1899-2002), nach Mailand. Von 1943 bis 1945 beteiligte sie sich aktiv am italienischen Widerstand gegen den Faschismus.
In den 1950er Jahren lernten sich Lingner und Mucchi-Wiegmann in Ost-Berlin auch persönlich kennen. Lingner war 1949 nach Deutschland zurückgekehrt und als Professor für Malerei an die Kunsthochschule Berlin-Weißensee berufen worden. Mucchi-Wiegmann pendelte seit Mitte der 1950er Jahre regelmäßig zwischen Mailand und Berlin, da ihr Mann ebenfalls einen Lehrauftrag in Weißensee angenommen hatte.
So inspirierend das grenzüberschreitende Arbeiten für beide Künstler war, für die offizielle Rezeption ihrer Werke in der DDR erwies es sich zunächst als nachteilig. Für die jungen Künstler in der DDR hingegen waren gerade diese internationalen Einflüsse wichtig und nachhaltig. Bei Lingner war es die an Renoir und Matisse, später auch an Léger geschulte Melodik der Komposition, bei Mucchi-Wiegmann die Linien realistischer Plastik von Maillol und Rodin einerseits, Barlach und Kollwitz anderseits.
In der Großbodunger Ausstellung überwiegen Darstellungen junger Mädchen und Frauen. Vor allem Lingner hat bei der Thematisierung alltäglicher Situationen und politischer Ereignisse auf die weibliche Figur zurückgegriffen. In typisierender Art zeichnete er zum Beispiel eine Verkäuferin, ein Brotmädchen, tanzende und singende Frauen, eine Gruppe Serviererinnen oder eine internierte Mutter mit Kind auf dem Arm.
Jenny Mucchi-Wiegmann hat neben grazilen Aktdarstellungen Skupturen geschaffen, die symbolisch für die Leiden des 20. Jahrhunderts stehen. Sie war überdies eine angesehene Porträtistin, zu deren die in Berlin entstandenen Bildnisse des Komponisten Paul Dessau, des Schriftstellers Arnold Zwei und des Malers Heinrich Ehmsen gehören.
Die Ausstellung ist vom 2.09.-18.11.2012 von Mittwoch bis Sonntag, 14.00 bis 18.00 geöffnet. Für Gruppen sind individuelle Öffnungszeiten vereinbar.
Autor: nnz
Neue Ausstellung in der Burggalerie | Max-Lingner-Stiftung; Schmerz und Scham sowie Verhör in Algerien: Susanne Mucchi (Foto: Heute in einer Woche öffnet die neue Ausstellung der Burggalerie Von Mädchen, Frauen und Männern - Zeichnungen von Max Lingner (1895-1969) und Skulpturen von Jenny Mucchi-Wiegmann (1888-1959). Erstm)
Die Kuratorin der Ausstellung, die Kunstwissenschaftlerin Dr. Angelika Weißbach (Berlin) spricht zu den Künstlern und ihren Werken. Die Leihgeber, Susanne Mucchi (Berlin/Mailand) und der Berliner Kultursenator a.D. Dr. Thomas Flierl als Vorstand der Max-Lingner-Stiftung werden anwesend sein. Konzertgitarrist Alexander Keppner (Leinefelde, Weimar) umrahmt die Vernissage musikalisch.
Für die künstlerische Entwicklung beider Künstler war Paris, wo sie in den 1930er Jahren lebten und arbeiteten, eine wichtige Station. Lingner zeichnete von 1931 bis 1935 für die französische Wochenzeitung MONDE und von 1936 bis 1939 für die kommunistische Tageszeitung l´Humanité. Nach der Internierung in mehreren Lagern gelang ihm 1941 die Flucht, und er schloß sich der Résistance an.
Mucchi-Wiegmann war freischaffend tätig und hatte in Paris Kontakt zur internationalen Kunstszene. Im Jahre 1934 zog sie zusammen mit ihrem Mann, dem italienischen Maler Gabriele Mucchi (1899-2002), nach Mailand. Von 1943 bis 1945 beteiligte sie sich aktiv am italienischen Widerstand gegen den Faschismus.
In den 1950er Jahren lernten sich Lingner und Mucchi-Wiegmann in Ost-Berlin auch persönlich kennen. Lingner war 1949 nach Deutschland zurückgekehrt und als Professor für Malerei an die Kunsthochschule Berlin-Weißensee berufen worden. Mucchi-Wiegmann pendelte seit Mitte der 1950er Jahre regelmäßig zwischen Mailand und Berlin, da ihr Mann ebenfalls einen Lehrauftrag in Weißensee angenommen hatte.
So inspirierend das grenzüberschreitende Arbeiten für beide Künstler war, für die offizielle Rezeption ihrer Werke in der DDR erwies es sich zunächst als nachteilig. Für die jungen Künstler in der DDR hingegen waren gerade diese internationalen Einflüsse wichtig und nachhaltig. Bei Lingner war es die an Renoir und Matisse, später auch an Léger geschulte Melodik der Komposition, bei Mucchi-Wiegmann die Linien realistischer Plastik von Maillol und Rodin einerseits, Barlach und Kollwitz anderseits.
In der Großbodunger Ausstellung überwiegen Darstellungen junger Mädchen und Frauen. Vor allem Lingner hat bei der Thematisierung alltäglicher Situationen und politischer Ereignisse auf die weibliche Figur zurückgegriffen. In typisierender Art zeichnete er zum Beispiel eine Verkäuferin, ein Brotmädchen, tanzende und singende Frauen, eine Gruppe Serviererinnen oder eine internierte Mutter mit Kind auf dem Arm.
Jenny Mucchi-Wiegmann hat neben grazilen Aktdarstellungen Skupturen geschaffen, die symbolisch für die Leiden des 20. Jahrhunderts stehen. Sie war überdies eine angesehene Porträtistin, zu deren die in Berlin entstandenen Bildnisse des Komponisten Paul Dessau, des Schriftstellers Arnold Zwei und des Malers Heinrich Ehmsen gehören.
Die Ausstellung ist vom 2.09.-18.11.2012 von Mittwoch bis Sonntag, 14.00 bis 18.00 geöffnet. Für Gruppen sind individuelle Öffnungszeiten vereinbar.




