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Mo, 06:40 Uhr
22.10.2012

Einfach umgepflügt (2)

Eigentlich, liebe nnz-Leserinnen und –leser hatte Autor Bodo Schwarzberg zu dieser Überschrift keine Fortsetzung geplant, ganz einfach deswegen, weil er dachte, dass sie nicht notwendig sein würde. Doch er hatte sich getäuscht...


Oder mit anderen Worten: Als ich am 8. August des vergangenen Jahres über das gesetzwidrige Umpflügen von Teilen eines Halbtrockenrasens im Naturschutzgebiet Sattelköpfe bei Woffleben schrieb, war ich mir sicher, dass dies ein einmaliges Versehen des Landwirts aus dem Westen des Landkreises sein würde. Aber ich war zu gutgläubig. Wieder ist eine Frevelei passiert und das soll angeblich kein Einzelfall sein. Aber der Reihe nach:

Die Vorgeschichte

Am 5. August 2011 stellte ich bei Kartierungsarbeiten im Naturschutzgebiet (NSG) fest, dass von einem mir gut bekannten und regelmäßig aufgesuchten Halbtrockenrasen ein Streifen von bis zu 1,50 Breite umgepflügt und damit dem angrenzenden Acker einverleibt wurde. Auf dem Halbtrockenrasen siedeln mindestens fünf Pflanzenarten der Thüringer Roten Liste, darunter eine der Kategorie 1 (vom Aussterben bedroht). In meinem damaligen mit Fotos dokumentieren Beitrag, wies ich Verstöße gegen die §§ 12 und 18 des Thüringer Naturschutzgesetzes nach.

Nach dem Beitrag und einer entsprechenden Information an die Untere Naturschutzbehörde wurde der Landwirt verpflichtet, den von ihm umgepflügten Streifen wieder aus dem Ackerbau herauszunehmen. Im Jahre 2012 verzichtete er tatsächlich auf eine Ansaat. Der umgepflügte Streifen ist dennoch für lange Zeit verloren. Halbtrockenrasen lassen sich nicht wie ein Getreidefeld einfach ansäen, das heißt innerhalb von ein paar Wochen erzeugen. Zudem wurde das Unternehmen meines Wissens nach zu Ausgleichsmaßnahmen herangezogen.

2012: Noch mehr umgepflügt

Am Freitag vergangener Woche nun traute ich meinen Augen nicht: Den ursprünglichen, ca. 1,50 m breiten Streifen Halbtrockenrasen, den der Landwirt auf Weisung der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) aus der Bewirtschaftung herausgenommen hatte, fand ich erneut umgepflügt vor. Und nicht nur das: Ein weiteres, bis ca. einen Meter breites Stück der gesetzlich geschützten Fläche hatte er augenscheinlich neu unter den Pflug genommen.

Dieses Vorgehen konnte ich zudem auch an anderen Rändern desselben Ackers beobachten, nur das der „Zugewinn“ an Ansaatfläche dort mit insgesamt rund einem Meter seit 2011 etwas geringer ausfiel.

Auch anderswo?

Noch am selben Tag erkundigte ich mich bei einer Person, die ungenannt bleiben möchte, die aber die Landwirtschaft wie ihre Westentasche kennt: Sie sagte mir, dass dieses ungesetzliche Vorgehen bei einigen Landwirten eine nicht gar so selten angewandte Praxis sei. Dies hätten der Person gegenüber Landwirte sogar offen bestätigt. Sie könnten dies mitunter ungestraft tun, weil sie von den in den jeweiligen Regionen Verantwortlichen ja auch noch für wichtige Vorhaben benötigt würden. Da dürfe man es sich mit ihnen nicht verscherzen.

Sollte dies tatsächlich stimmen, hätten wir es mit einer modernen Form von Korruption zu tun. Auf der Strecke bleiben, wie flächendeckend zu beobachten, der Naturschutz und das Recht. Und wie man sieht, möchten auch wissende Personen gern ungenannt bleiben. So weit sind wir also gekommen in der ach so freien und rechtsstaatlichen Bundesrepublik.

Vergessen wir nicht, dass Halbtrocken- und Trockenrasen durch Nutzungsänderung und Stickstoffimmissionen an sich schon zu den gefährdetsten Lebensräumen zählen. Jeder weitere Verlust muss vermieden werden, zumal im FFH-Gebiet 4, zu dem die hier diskutierte Fläche gehört, nur noch ein geringer Teil dieser Biotoptypen in einem befriedigenden Zustand ist.

Konsequenzen

Im Falle des umgepflügten Halbtrockenrasens in der Nähe von Woffleben sieht es so aus, dass die einst flachen Ränder der naturgeschützten Fläche bis etwa zum Beginn des Hanges umgepflügt wurden (siehe Bilder).
Fotografisches Zeugnis (Foto: B. Schwarzberg)
Fotografisches Zeugnis (Foto: B. Schwarzberg)
Fotografisches Zeugnis (Foto: B. Schwarzberg)
Wie schon 2011 werde ich die Untere Naturschutzbehörde über den Vorgang informieren. Und zum zweiten das zuständige Landwirtschaftsamt. So weit mir bekannt ist, ahndet diese Behörde derartige Verstöße mit recht hohen Geldbußen. Allerdings habe ich da Zweifel bekommen.

Zudem ist die konsequente und sofortige Herausnahme des nun rund zwei Meter breiten Streifens aus der Bewirtschaftung zu fordern, damit sich dieser langfristig wieder zu einem Halbtrockenrasen entwickeln kann. Und ich muss wohl damit rechnen, dass es auch in anderen Bereichen unseres hochgelobten Naturparks zu Flächenverlusten durch Umpflügen gekommen sein könnte. Einige Exkursionen dazu sollten möglich sein.

Von den Behörden wünsche ich mir, dass sie Verstöße gegen das Naturschutzrecht nicht als Kavaliersdelikt betrachten. Leider fehlt es an wirksamen Kontrollmechanismen für Verstöße. Die Naturparkverantwortlichen sollten Projekte fordern und fördern, die die Einhaltung der Bestimmungen im Naturpark überprüfbar machen. Wir brauchen keine Lobeshymnen, wie am 14.11. zur Vorstellung des Naturparkplanes erneut zu erwarten, sondern Maßnahmen zur Entschärfung der vielen Gefährdungen für unsere weltweit einmalige Gipsjarstlandschaft. Zu letzteren zählen v.a. Nutzungswandel und Gipsabbau!

Ein Foto zeigt den Zustand des Halbtrockenrasens vom 22.05.2010. Gut zu erkennen sind die flachen, an den Acker angrenzenden Bereiche. Diese wurden umgepflügt. Der Rucksack auf dem zweiten Bild (2011) steht dort, wo die Grenze des Halbtrockenrasens noch wenige Tage zuvor verlief. Auf dem dritten Bild vom 19.10.2012 ist zu erkennen, dass der 2012 von der Bewirtschaftung auf Behördenanweisung ausgesparte Teil besät wurde. Zudem wurde ein weiterer Streifen Halbrockenrasen umgepflügt.

Es gibt einen in der Landwirtschaft fachkundigen Zeugen für meine Beobachtungen sowie zahlreiche weitere Fotos.
Bodo Schwarzberg
Autor: nnz

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Kommentare
Wolfi65
22.10.2012, 09:55 Uhr
Es war notwendig,
denn das Volk muß mit Erzeugnissen aus der Landwirtschaft kontinuierlich versorgt werden. Da kann man sich nicht um Kleinigkeiten kümmern. Das Wohl des Volkes geht vor. Ich habe immer mehr den Eindruck, als wollen hier einige Kräfte unter dem Decknamen von Umweltschutz, die Produktion dieses Landes behindern.
98maschr
22.10.2012, 11:11 Uhr
Die Umpflugmafia
Das sind ja skandalöse Zustände. Es wundert mich, daß Bild noch nicht darüber berichtet hat. Aber Gott sei Dank haben wir ja Gutmensch Bodo Schwarzberg :)
meiner meinung nach
22.10.2012, 11:30 Uhr
@meine Vorkommentatoren
... es gibt sehr wohl ein schützenswertes Allgemeingut, auch wenn es natürlich nicht jedermanns Intellekt ist, diesen Wert zu begreifen! Leider ist diese Ignoranz gerade wie man siehr für die Umwelt noch weit verbreitet, was man an der Sache selbst, aber auch an den unwissenden Kommentaren sieht! Herrn Schwarzbergs Engagement auf diesem Gebiet ist sehr zu bewundern, auch wenn Umweltschützer meist auf verlorenem Posten kämpfen!
Bleibt zu hoffen, daß die Behörden hart durchgreifen!
Wolfi65
22.10.2012, 13:11 Uhr
Ja so ist das
Den Andersdenkenden Unwissenheit vorwerfen, weil man mit seiner Meinung anscheinend nicht durchkommt.
Ich persönlich halte von so etwas nichts bis garnichts. Selbstverständlich gibt es eine Klientel in Deutschland, welche alles besser weiss.

Trotzdem passiert von deren Seite nicht viel, wenn es um Verbesserungen geht.
Bestes Beispiel ist der ehemalige Umweltminister Trittin. Viel Wind um Nichts, ausser dass Energie bald nicht mehr zu bezahlen ist. Wahrscheinlich geben solche Leute erst Ruhe, wenn wir wie unsere Vorfahren mit dem Faustkeil und dem Naturfell ummantelt am Lagerfeuer sitzen und uns über den herannahenden Winter unterhalten.

Trockenwiesen im Südharz. Wen interessiert das schon? Arbeitsplätze schaffen und erhalten, dass ist die dringenste Aufgabe der Stunde. Frösche fangen und Blumen sammeln können wir später immer noch.
h3631
22.10.2012, 13:18 Uhr
@wolfi65
Kein Kommentar wäre besser.
Retupmoc
22.10.2012, 13:47 Uhr
@ Wolfi65
Wenn es keine Blumen und Frösche mehr gibt, haben Sie doch nichts mehr zu essen als Wolf!

Ihr Problem ist - sie werfen Herrn Schwarzberg mit unfähigen Politikern in einen Topf. Das geht so aber nicht. Herr Schwarzberg kümmert sich um die Umwelt in der Südharzregion - und das nötigt mir erstmal Respekt ab. Und sicher ist die Umflügeaktion erst einmal nihts Weltbewegendes. Aber mit Kleinem fängt es an. Man sollte schon die Natur achten. Das man trotzdem nicht allen Umweltaktivisten alles glauben sollte, steht auf einem anderen Blatt.

Im konkreten Fall, hätte man das Pflügen lieber lassen sollen.
meiner meinung nach
22.10.2012, 13:59 Uhr
lächerlicher geht es nicht...
Ich hab ne Weile überlegt, ob man auf so einen Unsinn reagieren soll: Nicht einen einzigen Arbeitsplatz wird der umgepflügte Trockenrasen bringen. Absoluter Quatsch, so etwas miteinander in Verbindung zu bringen...
NB: die Frage stellt sich dann schon etwas eher bei einem Autohof, einem Gewerbegebiet oder einer Biogasanlage (aber das nur am Rande...)
Wolfi65
22.10.2012, 14:54 Uhr
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