eic kyf msh nnz uhz tv nt
Di, 06:52 Uhr
18.12.2012

Aus einer (fast) 102-jährigen Zeitung (6)

Wieder einmal hat Bodo Schwarzberg im "Volksblatt für Nordthüringen" aus dem Jahre 1910 gestöbert, das er bei einem Bekannten einsehen kann. In loser Folge möchte er Sie, liebe nnz/kn-Leserinnen und -Leser mit einigen Veröffentlichungen der damaligen Zeit vertraut machen. Heute: Verkehrsunfälle in Nordthüringen...

Volksblatt für Nordthüringen (Foto: privat) Volksblatt für Nordthüringen (Foto: privat)

Volksblatt für Nordthüringen vom 25.01.1911:Verkehrsunfälle waren auch schon im Jahre 1911 an der Tagesordnung. Bei der Lektüre des "Volksblattes" fällt auf, dass zu jener Zeit in unserer Region viel mehr Menschen Opfer derartiger Ereignisse wurden - scheinbar viel öfter auch mit schweren Verletzungen oder gar Todesfolge als in der Gegenwart.

Viele Unfälle geschahen im Bereich der Eisenbahnen, bei denen noch bedeutend mehr Menschen als heute im unmittelbaren Gleisbereich zu tun hatten oder aber dort, wo sich unterschiedliche Verkehrsarten trafen. Auch die damals noch zahlreicheren Bergwerke waren regelmäßig grausamer Schauplatz. Auffällig ist zudem, dass die schwer Verunfallten in der genannten Zeitung so gut wie immer mit Namen benannt wurden.

Auch ihre Verletzungen beschrieb man genau. Das ist in unserer heutigen Presselandschaft, ja selbst in den Boulevardzeitungen kaum denkbar, sofern die Geschädigten nicht prominent sind. Trotz der langen Zeit, die der hier dargestellte Unfall zurückliegt, habe ich die Namen des Unfallopfers abgekürzt:

"Ein entsetzlicher Unglücksfall ereignete sich auf der Chaussee zwischen Niedersachswerfen und Crimderode. Der Koppelknecht J. H., schon 10 Jahre im Dienste des Pferdehändlers Julius Schwabe in Nordhausen, hatte ein paar Pferde nach Ilfeld gebracht und ein dort angenommenes wieder mit zurückgeführt. Als er mit dem Pferde unterhalb Niedersachswerfens war, kam ein ihm bekanntes Nordhäuser Geschirr hinter ihm her. Er band sein Pferd an die Seite der beiden vor dem Wagen gespannten Pferde und setzte sich zu dem Kutscher in die Schoßkelle. Als das Geschirr in die Nähe der früheren Chausseegeldhebestelle (Sachswerfer Zoll) kam, ließ der von Ilfeld her 1.35 eintreffende Zug der Harzquerbahn das Läutewerk ertönen.

Hierdurch wurden die vor den Wagen gespannten Pferde scheu und gingen durch. Der Kutscher war nicht imstande, die rasenden Tiere zu halten und beide Männer flogen aus der Schoßkelle, da der Wagen über Erdhaufen hinwegging und 12 bis 15 der dort angepflanzten Bäume umfuhr. Der Geschirrführer konnte sich glücklicherweise an der Wagenstange festhalten, während H. auf die Straße geschleudert wurde. Der Geschirrführer trug außer dem Schrecken nur geringe Verletzungen davon, während H. unter den Wagen gefallen war und überfahren wurde. Außer den Oberarmen wurde ihm der Brustkorb überfahren.

Der Verunglückte, der besinnungslos war, wurde ins Krankenhaus nach Nordhausen gebracht, wo er aber bei der Einlieferung starb. Der Tod ist infolge innerer Verblutung eingetreten. Der Verunglückte, der erst 49 Jahre alt war, hinterließ eine Witwe und vier Kinder, von denen der jüngste Sohn in Nordhausen in der Lehre ist."

ausgewählt, zitiert und kommentiert von Bodo Schwarzberg
Autor: nnz

Anzeige symplr (6)
Kommentare

Bisher gibt es keine Kommentare.

Kommentare sind zu diesem Artikel nicht möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (8)