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Mi, 19:35 Uhr
19.12.2012

nnz-Forum: Opfer von Umweltzerstörung

Viel wurde in den letzten Tagen über den Maja-Kalender und über den in ihm für übermorgen prophezeihten Untergang der Menschheit geschrieben. Die Diskussion darüber offenbart in den Augen eines nnz-Lesers eine unglaubliche Oberflächlichkeit...


Natürlich wird die Menschheit am 21.12.12 nicht untergehen. Aber wir alle wissen, dass sie seit 150 Jahren nicht gerade viel dazu beiträgt, ihre Existenz nachhaltig zu sichern. Praktisch alle Parameter, die für optimale Lebensbedingungen auf der Erde stehen, weisen einen negativen Trend auf: Schauen Sie sich z.B. auf der Seite des Deutschen Wetterdienstes nur einmal die Kurven für die Konzentrationsentwicklung der Treibhausgase Methan, Lachgas und Kohlendioxid in unserer Athmosphäre an.

Die Konzentration von CO2, Jahrzehntausende mehr oder weniger konstant, ist innerhalb weniger Jahre um 30 % gestiegen, was einer stillen, unglaublichen Katastrophe gleichkommt. Oder nehmen Sie die Veröffentlichung der IUCN über das weltweite Artensterben, die des Potsdam Institut für Klimafolgenforschung PIK für die Situation des arktischen Meereises und jene anderer Institute zur Versauerung unserer Ozeane, zur Ausdehnung der Wüsten und zur kaum gebremsten Rodung der letzten Urwälder.

Selbstvernichtung der Maja

Und die Rodung ihrer eigenen Wälder war es offenbar auch, die im 9. Jahrhundert das Schicksal der Maja besiegelt hat (siehe untenstehenden Link). Demnach benötigten sie für ihr wachsendes Volk immer mehr Holz. Sie rodeten und rodeten und veränderten so das Klima auf der Halbinsel Yucatan, also in ihrer Heimat. Die Folge: Dürren und Missernten, Hunger, Aussterben.

Statt unsere Witze über die Richtigkeit oder Unrichtigkeit der Weissagungen im Maja-Kalender zu machen, sollten wir uns viel mehr mit der Botschaft dieser Untergangsannahme beschäftigen. Die Maja vor mehr als 1.000 Jahren waren offenbar weiter als wir - zumindest in ihrem Denken. Denn immerhin zogen sie ihren eigenen Untergang in Erwägung. Bei der "modernen" Menschheit ist auf diesem Gebiet hingegen "Verdrängeritis" angesagt - getreu dem Traum von bis zum Sanktnimmerleinstag steigenden Aktienkursen.

Was können wir aus der Untergangsprophezeihung der Maja lernen?

Erstens: Wir sollten froh sein, dass wir kein tatsächlich "letztes Datum" kennen, aber wir sollten uns andererseits nicht so sicher sein, dass es den "VORGANG des Untergangs" nicht doch in all zu ferner Zeit gibt. Wir tun alles dafür, dass ein solches imaginäres Datum näherrückt.

Zweitens: Die Maja beschäftigten sich mit Untergangsszenarien, klammerten aber offenbar die für sie tödlichen Folgen der eigenen Umweltzerstörungen aus. Ein fataler Fehler, wie die Forschung von heute erkennt. Wir sollten daraus mitnehmen, den eigenen Krieg gegen unsere Existenzgrundlagen als das zu sehen, was er ist: ein selbstmörderischer Feldzug. Nur wenn wir das erkennen, haben wir die Chance, den durch eigenes Fehlverhalten verursachten Weg der Maja nicht ebenso frühzeitig und an sich nicht geplant gehen zu müssen.

Drittens: Die Maja haben es uns mit der Proklamation eines DATUMS für den Untergang leicht gemacht: Ein Datum ist etwas Handfestes, etwas Greifbares. In einer Termingesellschaft wie unserer kann man mit einem Datum etwas anfangen. - Das Volk der Maja selbst aber ist gewiss nicht an einem einzigen Tag in die ewigen Jagdgründe hinabgestiegen, sondern über Jahre und Jahrzehnte. - Gleich einem Asteroideneinschlag in Zeitlupe sozusagen. Langfristige Prozesse zu erkennen und sie zur Grundlage des eigenen Handelns zu machen, liegt dem Menschen naturgemäß nicht.

Die Maja sahen ihren eigenen PROZESS des Unterganges offenbar nicht, sie sahen nicht oder wollten nicht sehen, dass sie sich mit jedem vernichteten Baum ein Stück weit selbst vernichteten und wir sehen nicht, dass wir Selbiges mit jeder neuen Tonne CO2-Emmission und mit jeder weiteren vernichteten Art mit uns ebenso wie die Maja tun. Der potentielle Untergang ist kein Tagesgeschehen sondern ein schleichender Prozess - nicht wahrgenommen von Milliarden. Welch ein Dilemma zeigen uns da die Maja auf.
Bodo Schwarzberg

http://de.nachrichten.yahoo.com/maya-kultur--selbstverursachte-apokalypse-durch-abholzung.html
Autor: nnz

Anmerkung der Redaktion:
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