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Mi, 15:35 Uhr
01.04.2015

Ehemalige Häftlinge und Veteranen der US-Armee zu Gast

2015 jährt sich die Befreiung der nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslager zum 70. Mal. Aus diesem Anlass erwartet die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau Dora vom 9. bis zum 15. April in Weimar und Nordhausen noch einmal mehr als 80 Überlebende...


Unter den aus allen Teilen Europas, Israel den USA, Kanada und Australien anreisenden Gästen sind zudem drei Veteranen der US-Armee, die im Frühjahr 1945 an der Befreiung Thüringens vom Nationalsozialismus beteiligt waren. In Weimar sind die Gäste der Stiftung wie schon zum 65. Jahrestag der Befreiung im Hotel „Elephant“ untergebracht – Hitlers „Heimstatt in Weimar“ wird einmal mehr gegen den Strich gebürstet.

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Ein elementares Thema des diesjährigen Befreiungstages sind die konkreten Wege, die von Buchenwald nach Europa führen – zu einem Europa des Friedens, der Aufklärung, der Menschrechte und der Solidarität über Grenzen hinweg; zu einem Europa, das weit mehr ist und bleiben muss, als ein bloßes ökonomisches Projekt oder eine Freihandelszone.

Dafür setzten sich zahlreiche ehemalige Häftlinge Zeit ihres Lebens ein, unter ihnen Stéphane Hessel (1917-2013) und der ehemalige französische Minister Pierre Sudreau (1919-2012), der 1995 auf dem ehemaligen Appellplatz in Buchenwald feststellte, die Erfahrung Buchenwalds habe ihn gelehrt, Europäer zu sein.

Dass Europa und Deutschland gerade jetzt vor fundamentalen Herausforderungen stehen, erweist der Blick in die Gegenwart; eine Gegenwart, die von politischen Regressionen gekennzeichnet ist und in der Gesinnungen, Einstellungen und politische Konzepte eine Renaissance erfahren, die zur düsteren Geschichte Deutschlands und Europas gehören: nationalistische und ethnische Hybris, Rassismus, Antisemitismus, fremdenfeindliche Ressentiments, kulturelle und soziale Stigmatisierungen, Herabwürdigungen, Ausgrenzungen und antidemokratische Ideologien und Populismen aller Art. Dem steht das „Nie wieder!“ der Überlebenden nationalsozialistischer Verfolgung als erfahrungsbegründete Maxime entgegen.

Aus diesem Grund haben die Landesregierung des Freistaats Thüringen, das Internationale Komitee Buchenwald-Dora und Kommandos und die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora sich dafür eingesetzt, die Befreiungsfeierlichkeiten deutlich europäisch zu gestalten. Dankenswerterweise hat der Präsident des Europäischen Parlaments Martin Schulz diesen Gedanken sofort aufgegriffen und seine Beteiligung als Hauptredner für den Staatsakt am 12. April 2015 im Deutschen Nationaltheater Weimar zugesagt.

Zur Bedeutung dieses Jahrestages der Befreiung sagte Professor Dr. Volkhard Knigge, Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora: „Die positive Entwicklung der vergangenen 70 Jahre in Europa und Deutschland sollte uns nicht als selbstverständlich erscheinen und sie sollte uns auch nicht zum Anlass politischer und erinnerungskultureller Selbstzufriedenheit werden. Denn dass nicht alles wieder gut ist, erweist der Blick in die Gegenwart. Im Gedächtnis zu behalten, dass – wie in der Zeit des Nationalsozialismus – Täter und Opfer nicht vom Himmel fallen und unter welchen Umständen und Rahmenbedingungen Menschen zu Unmenschen werden, bleibt notwendig – im eigenen Interesse.“

Bund und Freistaat Thüringen unterstützen die Aktivitäten der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora zum 70. Jahrestag der Befreiung mit Sondermitteln in Höhe von insgesamt 600.000 Euro.

Dazu führte Prof. Dr. Benjamin-Immanuel Hoff, Thüringer Minister für Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten und Chef der Staatskanzlei, Vorsitzender des Stiftungsrates der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, aus: „Wir wollen den 70. Jahrestag der Befreiung nutzen, um den ehemaligen Häftlingen, deren Angehörigen sowie den Befreiern Dank zu sagen. Dank für das, was von ihnen an Versöhnung, Verständigung und Aufklärung geleistet wurde. Wir werden diese Arbeit fortführen. Der Freistaat Thüringen ist sich seiner historischen Verantwortung bewusst. Wie wir hier in Thüringen mit unserer historischen Verantwortung umgehen, entscheidet auch über das Ansehen Deutschlands international. Das wird auch deutlich durch die Anmeldung von Medienvertretern für den Gedenkakt aus Frankreich, England, China, Kanada, Japan und Dänemark. Das Bekenntnis zur historischen Verantwortung darf sich nicht nur auf die Erinnerungskultur beschränken, sondern erfordert Einsatz im täglichen politischen Leben heute.“

Die Städte Nordhausen und Weimar sowie zahlreiche Institutionen und zivilgesellschaftliche Akteure im näheren und weiteren Umfeld der Gedenkstättenstiftung leisten wichtige Beiträge. Stefan Wolf, Oberbürgermeister Weimars und Mitglied des Stiftungsrates der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora betonte: „Der 70. Jahrestag der Befreiung markiert eine historische Zäsur. Letztmalig kommt eine größere Zahl Buchenwald-Überlebender nach Weimar. Ihre Erfahrungen können uns helfen, den Herausforderungen der heutigen Welt, in der Menschen vor Terror und Krieg flüchten und in der zugleich der Nationalismus wieder sein Haupt erhebt, zu begegnen.“

Ein besonderer Kooperationspartner ist das Deutsche Nationaltheater (DNT) Weimar, das eigene Akzente setzt und zugleich Ort zentraler Veranstaltungen ist. Dazu Hasko Weber, Generalintendant des DNT: „Die intensive Auseinandersetzung mit unserer Geschichte ist wesentlich für jede künstlerische Äußerung. Für das DNT gilt dies ganz besonders, weil sich Tradition eben auch aus Phasen heftiger Wechselhaftigkeit zusammensetzt.“
Autor: red

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