Fr, 06:23 Uhr
04.09.2015
nnz-Gespräch mit dem Chef der Kreisjägerschaft
Trophäen, Kirrjagd und der Luchs
Torsten Meißner aus Bleicherode ist der neue Vorsitzende der Kreisjägerschaft. Der 37-jährige Leiter Entsorgung der Region Mitte der Bauer Umwelt GmbH wurde in der Jahreshauptversammlung im Frühjahr gewählt. nnz sprach mit ihm...
Torsten Meißner (Foto: privat)
nnz: Seit wann üben Sie das Weidwerk aus und wie kamen Sie dazu?
Torsten Meißner: Ich übe das Weidwerk seit 1995 aus. Schon als 16-Jähriger wurde ich Jung-Jäger. Vorbild war mein Vater. Er leitete auch die Jagdhornbläser-Gruppe in Bleicherode. Nach seinem Tod übernahm ich die Leitung. Zurzeit sind wir neun Mitglieder.
nnz: Ihnen zur Seite steht der Vorstand. Wer gehört ihm an?
Torsten Meißner: Christian Büchting aus Auleben, Jens Schlichting aus Gudersleben und Vicki Heinrich aus Woffleben. Auf das Team kann ich mich voll und ganz verlassen. Eine prima Truppe.
nnz: Sie sind als Regionalleiter viel unterwegs. Freizeit ist knapp, sagen Sie. Die Funktion des Vorsitzenden der Kreisjägerschaft ist aber mit zusätzlicher Arbeit, oft auch mit Ärger, verbunden. Warum taten Sie sich das noch an?
Torsten Meißner: Junge Leute, die auch rege in Vereinen wirken, sollen auch Verantwortung übernehmen und zeigen, was sie drauf haben. Um etwas am Leben zu erhalten, bedarf es aktiven Einsatz für die Sache. Ich denke, dass ich die nötigen Erfahrungen mitbringe, das Kreuz und den Willen habe, diese Funktion auszufüllen.
nnz: Das Image der Jäger ist allgemein nicht das beste. Was wollen Sie tun, um es aufzupolieren?
Torsten Meißner: Viele Menschen haben einen verklärten Blick zur Jagd. Sie ist mehr als Hege mit der Büchse. Neben der Wildfütterung kümmern wir uns mit der Landwirtschaft um den Schutz der Rehkitze. Genannt seien unter anderem die Agrarbetriebe in Kehmstedt und Wolkramshausen und deren Chefs Uwe Merx und Dieter Göbel. Großen Anklang bei Jung und Alt fand das Jagdhornblasen auf der Burgruine bei Neustadt mit allem Drum und Dran. Es soll keine Einmaligkeit bleiben. Unser Info-Mobil wollen wir aktivieren. Außerdem führen wir einen Jägerball im Landgasthof Bielen durch. Ein Jägerfest könnte folgen.
nnz: Wäre es nicht sinnvoll, dazu auch Außenstehende einzuladen und nicht nur Angehörige der Jägerschaft und diese Feste mit entsprechenden Informationen zu verbinden?
Torsten Meißner: Das wäre zu überlegen, um auch Unbeteiligten einen Einblick in unsere Arbeit zu vermitteln.
nnz: Jäger sind, sagen Sie, aktive Naturschützer. Welche Beispiele - außer der obligatorischen Wildfütterung und dem Rehkitzschutz -, belegen das im Landkreis?
Torsten Meißner: Wir sammeln Müll und entsorgen ihn zuhauf aus Wäldern und aus der Feldflur. Wir bemühen uns um biotopverbessernde Maßnahmen, um das Anlegen von Heckenstreifen. Wir unterstützen die Vorhabe von Landwirtschaftsbetrieben für das Anlegen sogenannter Blumenstreifen. Gerd Kaempffe aus Mauderode sei hier als ein Beispiel genannt. Wer offenen Auges durch die Lande fährt, wird die blühenden Feldstreifen zunehmend entdecken, durchsetzt mit verschiedenen Blumenarten und Wildkräutern. Nahrung für Bienen, Schmetterlinge und zahlreichen Insekten, die wiederum Vögeln Nahrung bieten. Dennoch bleibt noch viel zu tun.
nnz: Was halten Sie von der Kirrjagd, dem Anlocken von Wild, vor allem Schwarzwild, um es sicher vor die Flinte zu bekommen und damit namentlich die Schwarzwildbestände zu reduzieren?
Torsten Meißner: Übertreiben sollte man die Kirrjagd nicht. Stets bleibt zu überlegen, ob sie angebracht ist. Sicher ist sie eine Möglichkeit, das Schwarzwild wirkungsvoller zu bekämpfen.
nnz: Im Gegensatz zu vielen Vereinen gibt es bei der Jägerschaft keine Nachwuchsprobleme. Worauf führen Sie das zurück?
Torsten Meißner: Die Jagd spielt sich vorwiegend im ländlichen Bereich ab. Man kennt sich, diskutiert miteinander. Auch mit Jägern. So ergibt sich das Interesse für die Jagd. Wir haben aufgestockt und zählen gegenwärtig 430 Mitglieder.
Der Luchs und die Jäger (Foto: Ole Anders)
nnz: Der Luchs, den der Mensch einst ausrottete, ist auch im Südharz wieder angekommen. Wie ist Ihr Verhältnis zu dieser eindrucksvollen Großkatze?
Torsten Meißner: Wenn es die natürlichen Bedingen, das Biotop erlaubt, hat er seinen Platz. Nach meiner Ansicht haben wir schon zu viele dieser Raubtiere, die unverhältnismäßig in die Wildbestände eingreifen. Besonders stark leide das Muffelwild, unter anderem im Revier Hainleite. Die Mehrheit der Jägerschaft hierzulande hat ein gespaltenes Verhältnis zum Luchs.
nnz: Forstamts- und Revierleiter beklagen einen oft zu starken Wildverbiss. Kann die Jägerschaft da nicht froh sein, wenn neben der Flinte auch der Luchs regulierend in die Bestände eingreift?
Torsten Meißner: Erlegt er krankes Wild, ist das zu begrüßen. Die Luchs-Population sollte dennoch ein vertretbares Maß nicht überschreiten.
Der Luchs und die Jäger (Foto: Ole Anders)
nnz: Apropos Trophäenjagd. In unguter Erinnerung ist der Erfurter Elefantenjäger und jüngst der USA-Zahnarzt, der den berühmten Löwen Cecil in Südafrika abschoss. Der Mann musste aus seiner Stadt ob der Proteste flüchten. Auch in der Stadt und im Landkreis Nordhausen haben wir Jäger, die für teures Geld eine Lizenz erwerben, in Schweden auf Elchjagd gehen oder in Kanada Schwarzbären erlegen, die sie, ausgestopft, in ihrer guten Stube präsentieren. Ihre Meinung zur Trophäenjagd?
Torsten Meißner: Ich verbinde eine Trophäe immer mit dem jeweiligen Erlebnis in der Natur.
nnz: Möchten Sie dem noch was hinzufügen?
Torsten Meißner: Mir ist bewusst: Zu meiner Ansicht Naturerlebnis Trophäe wird es Widerspruch geben. Gewisse Trophäenjagden lehne ich aber grundsätzlich ab, zum Beispiel die, Löwen zu züchten, um sie später abknallen zu lassen. Das ist makaber.
nnz: Wann findet die diesjährige Hubertusmesse statt?
Torsten Meißner: Am 1. November ab 18 Uhr im Dom zu Nordhausen. Ich werde sie eröffnen. Auftreten werden wieder die Jagdhornbläser, angesagt haben sich Gäste aus Österreich.
Mit Torsten Meißner sprach Kurt Frank
Autor: red
Torsten Meißner (Foto: privat)
nnz: Seit wann üben Sie das Weidwerk aus und wie kamen Sie dazu?
Torsten Meißner: Ich übe das Weidwerk seit 1995 aus. Schon als 16-Jähriger wurde ich Jung-Jäger. Vorbild war mein Vater. Er leitete auch die Jagdhornbläser-Gruppe in Bleicherode. Nach seinem Tod übernahm ich die Leitung. Zurzeit sind wir neun Mitglieder.
nnz: Ihnen zur Seite steht der Vorstand. Wer gehört ihm an?
Torsten Meißner: Christian Büchting aus Auleben, Jens Schlichting aus Gudersleben und Vicki Heinrich aus Woffleben. Auf das Team kann ich mich voll und ganz verlassen. Eine prima Truppe.
nnz: Sie sind als Regionalleiter viel unterwegs. Freizeit ist knapp, sagen Sie. Die Funktion des Vorsitzenden der Kreisjägerschaft ist aber mit zusätzlicher Arbeit, oft auch mit Ärger, verbunden. Warum taten Sie sich das noch an?
Torsten Meißner: Junge Leute, die auch rege in Vereinen wirken, sollen auch Verantwortung übernehmen und zeigen, was sie drauf haben. Um etwas am Leben zu erhalten, bedarf es aktiven Einsatz für die Sache. Ich denke, dass ich die nötigen Erfahrungen mitbringe, das Kreuz und den Willen habe, diese Funktion auszufüllen.
nnz: Das Image der Jäger ist allgemein nicht das beste. Was wollen Sie tun, um es aufzupolieren?
Torsten Meißner: Viele Menschen haben einen verklärten Blick zur Jagd. Sie ist mehr als Hege mit der Büchse. Neben der Wildfütterung kümmern wir uns mit der Landwirtschaft um den Schutz der Rehkitze. Genannt seien unter anderem die Agrarbetriebe in Kehmstedt und Wolkramshausen und deren Chefs Uwe Merx und Dieter Göbel. Großen Anklang bei Jung und Alt fand das Jagdhornblasen auf der Burgruine bei Neustadt mit allem Drum und Dran. Es soll keine Einmaligkeit bleiben. Unser Info-Mobil wollen wir aktivieren. Außerdem führen wir einen Jägerball im Landgasthof Bielen durch. Ein Jägerfest könnte folgen.
nnz: Wäre es nicht sinnvoll, dazu auch Außenstehende einzuladen und nicht nur Angehörige der Jägerschaft und diese Feste mit entsprechenden Informationen zu verbinden?
Torsten Meißner: Das wäre zu überlegen, um auch Unbeteiligten einen Einblick in unsere Arbeit zu vermitteln.
nnz: Jäger sind, sagen Sie, aktive Naturschützer. Welche Beispiele - außer der obligatorischen Wildfütterung und dem Rehkitzschutz -, belegen das im Landkreis?
Torsten Meißner: Wir sammeln Müll und entsorgen ihn zuhauf aus Wäldern und aus der Feldflur. Wir bemühen uns um biotopverbessernde Maßnahmen, um das Anlegen von Heckenstreifen. Wir unterstützen die Vorhabe von Landwirtschaftsbetrieben für das Anlegen sogenannter Blumenstreifen. Gerd Kaempffe aus Mauderode sei hier als ein Beispiel genannt. Wer offenen Auges durch die Lande fährt, wird die blühenden Feldstreifen zunehmend entdecken, durchsetzt mit verschiedenen Blumenarten und Wildkräutern. Nahrung für Bienen, Schmetterlinge und zahlreichen Insekten, die wiederum Vögeln Nahrung bieten. Dennoch bleibt noch viel zu tun.
nnz: Was halten Sie von der Kirrjagd, dem Anlocken von Wild, vor allem Schwarzwild, um es sicher vor die Flinte zu bekommen und damit namentlich die Schwarzwildbestände zu reduzieren?
Torsten Meißner: Übertreiben sollte man die Kirrjagd nicht. Stets bleibt zu überlegen, ob sie angebracht ist. Sicher ist sie eine Möglichkeit, das Schwarzwild wirkungsvoller zu bekämpfen.
nnz: Im Gegensatz zu vielen Vereinen gibt es bei der Jägerschaft keine Nachwuchsprobleme. Worauf führen Sie das zurück?
Torsten Meißner: Die Jagd spielt sich vorwiegend im ländlichen Bereich ab. Man kennt sich, diskutiert miteinander. Auch mit Jägern. So ergibt sich das Interesse für die Jagd. Wir haben aufgestockt und zählen gegenwärtig 430 Mitglieder.
Der Luchs und die Jäger (Foto: Ole Anders)
nnz: Der Luchs, den der Mensch einst ausrottete, ist auch im Südharz wieder angekommen. Wie ist Ihr Verhältnis zu dieser eindrucksvollen Großkatze?
Torsten Meißner: Wenn es die natürlichen Bedingen, das Biotop erlaubt, hat er seinen Platz. Nach meiner Ansicht haben wir schon zu viele dieser Raubtiere, die unverhältnismäßig in die Wildbestände eingreifen. Besonders stark leide das Muffelwild, unter anderem im Revier Hainleite. Die Mehrheit der Jägerschaft hierzulande hat ein gespaltenes Verhältnis zum Luchs.
nnz: Forstamts- und Revierleiter beklagen einen oft zu starken Wildverbiss. Kann die Jägerschaft da nicht froh sein, wenn neben der Flinte auch der Luchs regulierend in die Bestände eingreift?
Torsten Meißner: Erlegt er krankes Wild, ist das zu begrüßen. Die Luchs-Population sollte dennoch ein vertretbares Maß nicht überschreiten.
Der Luchs und die Jäger (Foto: Ole Anders)
nnz: Apropos Trophäenjagd. In unguter Erinnerung ist der Erfurter Elefantenjäger und jüngst der USA-Zahnarzt, der den berühmten Löwen Cecil in Südafrika abschoss. Der Mann musste aus seiner Stadt ob der Proteste flüchten. Auch in der Stadt und im Landkreis Nordhausen haben wir Jäger, die für teures Geld eine Lizenz erwerben, in Schweden auf Elchjagd gehen oder in Kanada Schwarzbären erlegen, die sie, ausgestopft, in ihrer guten Stube präsentieren. Ihre Meinung zur Trophäenjagd?
Torsten Meißner: Ich verbinde eine Trophäe immer mit dem jeweiligen Erlebnis in der Natur.
nnz: Möchten Sie dem noch was hinzufügen?
Torsten Meißner: Mir ist bewusst: Zu meiner Ansicht Naturerlebnis Trophäe wird es Widerspruch geben. Gewisse Trophäenjagden lehne ich aber grundsätzlich ab, zum Beispiel die, Löwen zu züchten, um sie später abknallen zu lassen. Das ist makaber.
nnz: Wann findet die diesjährige Hubertusmesse statt?
Torsten Meißner: Am 1. November ab 18 Uhr im Dom zu Nordhausen. Ich werde sie eröffnen. Auftreten werden wieder die Jagdhornbläser, angesagt haben sich Gäste aus Österreich.
Mit Torsten Meißner sprach Kurt Frank

