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Sa, 07:00 Uhr
26.09.2015
Wasserverband arbeitet an alter Leitung

Die "alte Dame" wird auf Vordermann gebracht

Über zehn Kilometer Leitungen verbinden Nordhausen mit der Neustädter Talsperre. Dabei sind die Rohre so alt wie die Talsperre selbst. Der Nordhäuser Wasserverband arbeitet deswegen seit längerem daran, die "alte Dame" auf Vordermann zu bringen. Was genau getan werden muss, hat die nnz von der Geschäftsführerin des Verbandes Carmen Lis erfahren...

Neue Leitung (Foto: nnz) Neue Leitung (Foto: nnz)

Vor über hundert Jahre revolutionierte man die Wasserversorgung der Stadt Nordhausen. In den Neustädter Bergen entstand 1905 die Talsperre und gleichzeitig machte man sich daran, 10,7 Kilometer Rohrleitungen bis in die Stadt zu ziehen, wo das Wasser bis heute für den Hausgebrauch aufbereitet und verteilt wird.

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Die alten Leitungen funktionieren noch immer und zu dem Wasser aus Neustadt kommt heute auch kühles Nass in kleineren Mengen aus Brunnen bei Bielen, Salza und anderen Quellen. Über das Wasserwerk in der Puschkinstraße versorgt der Nordhäuser Wasserverband (WVN) rund 60.000 Einwohner des Landkreises, insgesamt sind es 76.000, also der Großteil der Bevölkerung. Nur in der Goldenen Aue gibt es mit dem Wasserzweckverband „Alter Stolberg“ noch einen kleineren Wasserversorger und im Südwesten des Landkreises werden einzelne Gemeinden über den Nachbarverband, den „Eichsfelder Kessel“ versorgt.

Wie anno 1905 steht man heute wieder vor großen Aufgaben. In den letzten Jahren zeigte sich, dass der Zahn der Zeit auch vor der Talsperrenleitung nicht Halt macht, vermehrt gab es Rohrbrüche. Im November 2012 erfolgte deswegen der Startschuss für die Sanierung der "alten Dame", wie WVN Geschäftsführerin Carmen Lis die lange Talsperrenleitung (TSL) nennt. Eine Herausforderung, auch für einen vergleichsweise großen Verband wie den WVN.

Angefangen hatte man im unteren Bereich an einem der komplizierten Knotenpunkte im Leitungsnetz - dem Kreuzungsbereich am Krankenhaus in der Dr. Robert-Koch-Straße. Bis hinauf nach Harz-Rigi und die Albert-Träger-Straße hinunter bis zur Puschkinstraße wurden die Erneuerungsarbeiten in der Folge getrieben. Bisher sind für die Maßnahmen rund um die TSL knappe 4 Mio. Euro investiert worden, insgesamt wird man aber auf gut 5 Mio. Euro Investitionskosten kommen.

WVN Geschäftsführerin Carmen Lis über den Plänen der Talsperrenleitung (Foto: Angelo Glashagel) WVN Geschäftsführerin Carmen Lis über den Plänen der Talsperrenleitung (Foto: Angelo Glashagel)

Neben der Leitung aus Neustadt sollen zum Beispiel auch die Hochbehälter in der Puschkinstraße auf den Stand der Zeit gebracht werden, die Wasserspeicher haben noch ein paar Jahre mehr hinter sich als die Leitungen, der ältere der beiden wurde noch zu Bismarcks Zeiten im Jahr 1874 eingeweiht. Wenn spätestens im Februar des kommenden Jahres die neuen Leitungen angeschlossen werden, soll hier unter anderem ein neues Bediengebäude entstehen und die Wasserkammern innen neu abgedichtet werden.

Baustelle Puschkinstraße (Foto: nnz) Baustelle Puschkinstraße (Foto: nnz)
Am auffälligsten ist zur Zeit der Bauabschnitt direkt vor dem alten Wasserwerk in der Puschkinstraße. Allein auf dem knapp 100 Meter langen Teilstück muss eine halbe Million Euro aufgewandt werden. Der Grund ist ein "Wirrwarr" an Leitungen, die unter der Erde zusammen verlaufen, erklärt Lis. Schmutzwasser, Regenwasser, zwei Gasleitungen, Leitungen der Telekom und von Kabel Deutschland sowie die alte und die neue Talsperrenleitung und die Versorgungsleitungen in die Ober- und Unterstadt kommen hier auf einem Fleck zusammen. Hinzu kommt, dass natürlich die Versorgung auch weiterhin sichergestellt sein muss. "Die Arbeit ist hoch anspruchsvoll und zwingt uns zu Provisorien", sagt Lis und meint den Teil der massiven Leitung, der zur Zeit oberirdisch verläuft.

Der Verband hat seit 1993 insgesamt 79 Millionen Euro in die Wasserversorgung investiert, 34 Mio. allein in das Rohrnetz. Auf Fördermittel kann man sich schon lange nicht mehr stützen, die Investitionen werden aus Eigenmitteln oder durch Kreditaufnahme finanziert, erklärte Lis, auf dieses Mittel habe man habe aber seit mehreren Jahren nicht zurück greifen müssen.

"Wasserversorgung muss langfristig geplant werden", so die Geschäftsführerin weiter, dafür gebe es zum einen den "Generalplan Wasser" der bis zum Jahr 2040 weitere 36 Mio. Euro an Investitionen vorsieht und Fünfjahrespläne, in denen die Investitionen der nahen Zukunft genauer aufgelistet werden. "Es ist leider erforderlich auf lange Sicht jährlich 5,5 Mio. Euro zu investieren", erläuterte Frau Lis die Pläne. Ob auch die neuen Leitungen ihre hundert Jahre halten werden? Man hoffe es, sagt Lis, „das Wasser aus der Talsperre kommt mit 18 bis 20 bar hier unten angeschossen. Dafür haben wir gutes Material ausgewählt“

Spätestens im Februar 2016 will man die Erneuerung der Talsperrenleitung im Großen und Ganzen abgeschlossen haben, was dann noch ansteht sind die Verfüllung und die Entsorgung der alten Leitungen.

Und irgendwann ist auch der Rest der Leitungsstrecke von Petersdorf bis Neustadt dran. Dieses Unterfangen existiert zur Zeit aber nur auf dem Papier.
Angelo Glashagel
Autor: red

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