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Di, 12:30 Uhr
15.06.2004

Wirtschaft: Note 3

Nordhausen (nnz). Weder richtig gut noch wirklich schlecht, so sieht es aus in Sachen Wirtschaft im Kreis Nordhausen. Was die IHK Konjunkturumfrage bei 1.011 Thüringer Betrieben herausgefunden hat, erfahren Sie hier.

Der Konjunkturklimaindex, der die Erwartungen der Unternehmen für die nächsten Monate berücksichtigt, ist um 6 Punkte auf 126 von 200 möglichen gefallen. Überhaupt scheinen viele Chefs den Pessimismus als sicheren Berater zu betrachten. 27 % der Befragten sehen ihre Geschäftslage negativ. So wundert es auch nicht, daß jeder Dritte weiterhin Stellen streichen will.
Im Landkreis Nordhausen und der Stadt Weimar bewerten nur 11 Prozent aller Firmen ihre gegenwärtige Geschäftslage mit gut. Im Nachbarkreis Kyffhäuser sind mehr als doppelt so viele (30%) dieser Einschätzung. Als Grund gibt IHK- Wirtschaftsbeirat Bodo Stadler den stark gestiegenen Auslandsumsatz an.

Steigende Beschäftigungszahlen sieht nur ein Nordhäuser Unternehmen, das ist der schlechteste Wert in Thüringen. Im Kyffhäuserkreis wollen 23 Unternehmen einstellen, die meisten landesweit.
Die Zahl der Betriebe stieg zum Vergleichszeitraum 2003 um 5 auf 65, die Zahl der Beschäftigten von 4.231 auf 4.374.

Der einzige Wirtschaftszweig mit einer positiven Stimmung ist nach Aussage der IHK die Industrie.
Die zu DDR-Zeiten etablierte Schwerindustrie sei aber nicht erhalten worden und Neuansiedlungen gestalteten sich schwierig, so Stadler. In Sondershausen sei die Situation besser, da mehr Betreibe erhalten geblieben seien. Problematisch sei auch die Wiederbelegung von Altstandorten, da das seitens der Firmen mit Kompromissen verbunden wäre.

Einen Standortvorteil habe Nordhausen jedoch mit der Fachhochschule. Bodo Stadler möchte das Kompetenzzentrum mit seiner Firma IHU, die im Bereich der Hydrogeologie tätig ist, ebenfalls zu Forschungszwecken nutzen. Die Studiengänge Stoff- und Flächenrecycling sowie Regenerative Energietechnik seien in dem Zusammenhang besonders von Interesse. Eine gute Ausbildung würde aber nicht zwingend dazu führen, daß die jungen Menschen in Thüringen eine Arbeit aufnähmen. Die Löhne in Westdeutschland locken. Lokalpatriotismus würde derzeit noch mit Abstrichen in der Lohntüte bestraft.

Während die Industrie eine Art "Mini- Aufschwung" erlebt, der vor allem vom Export getragen wird, sieht es in bau- und konsumabhängigen Branchen eher skeptisch aus. Der private Konsum verringert sich auf Grund der Existenzangst. Die Bürger sparen ihre paar Euros lieber für schlechte Zeiten. Die Angst den Arbeitsplatz zu verlieren ist in Ostdeutschland sehr hoch. Gastwirte und Einzelhändler klagen über schlechte Geschäfte.

Ein anderes Problem für Unternehmer stellt die unsichere Politik der Bundesregierung dar. Nicht nur die Verbraucher werden durch Diskussionen über Steuern, Sozialabgaben und Renten verunsichert. Auch die Gespräche über die Ausbildungsabgabe beschäftigen die Unternehmer.

Für seine Firma IHU erklärt es Bodo Stadler: 50 Mitarbeiter seien vor allem im Bereich verschiedener Ingenieurwissenschaften beschäftigt. Diese Qualifikationen können aber nur durch ein Studium erworben werden. In einem kleinen Bereich des Unternehmens besteht die Möglichkeit Materialprüfer auszubilden. Mit zwei Lehrlingen sind die Grenzen erreicht. Vier müßten bei IHU ausgebildet werden, damit die Abgabe nicht fällig wird. So ginge es vielen Firmen, sie können die Quote einfach nicht erreichen.

Klar als Konjunkturbremse ausgemacht wurden die Spritpreise. 38 % aller Verkehrsunternehmen schätzen ihre Lage derzeit als sich noch verschlechternd ein. Nur im Baugewerbe ist die Stimmung noch mieser. Beinahe jeder zweite beurteilt seine Chancen mit schlecht.

Die IHK zog heute das Fazit, daß eine Wende eingeleitet und die Stagnation überwunden wurde, aber ein Aufschwung noch nicht wirklich in Sicht sei. Viele Unternehmen betrachten ihre Lage als befriedigend, also weder gut noch schlecht. Die binnenwirtschaftlichen Impulse seien zu gering. Durch die hohe Arbeitslosigkeit könne auch nicht mit mehr privatem Konsum gerechnet werden.
Autor: wf

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