eic kyf msh nnz uhz tv nt
Anzeige symplr (4)
Di, 08:34 Uhr
22.06.2004

10 Jahre

10 Jahre (Foto: nnz) 10 Jahre (Foto: nnz) Nordhausen (nnz). Am 1. Juli 1994 übernahm Barbara Rinke in Nordhausen die Regierungsgeschäfte. Fünf Tage zuvor hatte sie die Stichwahl gegen Dr. Manfred Schröter (CDU) gewonnen. Die nnz hat sich mit der Oberbürgermeisterin über Erfolge, Niederlagen und zehn Jahre eines Lebens unterhalten.


Als Journalist kann ich mich noch genau an diesen 26. Juni 1994 erinnern. Nach dem Bekanntwerden des Wahlergebnisses fuhr ich mit Harzkurier-Fotograf Hans-Peter Wolff in Rinkes Garten. Dort war die Party schon voll im Gange, nach uns kam dann auch der Unterlegene in der Stichwahl. Dr. Manfred Schröter erwies sich als fairer Verlierer und gratulierte der ersten Oberbürgermeisterin in Thüringen.

Seit dem sind 10 Jahre vergangen. Eine Zeit, die „vor allem meine Familie mit ausgehalten hat, die mich immer wieder ermutigt hat weiterzumachen“, so Barbara Rinke. Jetzt, nach zehn Jahren, bekommt der Begriff Familie eine noch andere, weil noch wichtigere Bedeutung, denn: Viele echte Freunde, auf die man sich in allen Situationen verlassen kann, die gibt es nicht in diesem Job. In der vergangenen Dekade habe Barbara Rinke gute Erfahrungen mit „ihrer“ Fraktion gemacht, da habe man zwar manchmal bis auf den Messers Schneide diskutiert, doch letztlich habe man der Oberbürgermeisterin den „politischen Rücken“ gestärkt. Und standen mal Entscheidungen auf der Kippe, dann sei das Gemeinwohl der Menschen dieser Stadt vor dem Parteibuch durchgegangen. Als Beispiel nannte Rinke die Planungen der Verwaltung für eine Tiefgarage in der Altstadt. Die seien selbst mit den Stimmen der SPD-Fraktion beendet worden.

In zehn Jahren habe sie in diesem Amt unendlich viele Erfahrungen gesammelt, ein bisschen wird jetzt der Zeit zwischen 1994 und 2000 nachgetrauert. „Vor allem durch die Gespräche mit den Nordhäusern wurde mir immer wieder der Blick für das Ganze geschärft.“ Doch mit Zufriedenheit konstatiert sie, dass während ihrer Amtszeit 90 Prozent der Entscheidungen im Stadtrat von allen Fraktionen mitgetragen wurden, trotzdem habe man nicht im Einheitsbrei herumgerührt, sondern diskutiert. Beispielsweise bei der Schulnetzplanung oder in punkto Kultur.

Auf Erfolge oder „Sternstunden“ angesprochen, fällt der SPD-Frau sofort die Gründung der Fachhochschule ein. Die Entscheidung der Landesregierung sei – strategisch gesehen – die wichtigsten in den zurückliegenden Jahren gewesen. Zuerst haben zu viele schlecht darüber geredet, doch letztlich habe man das durchgezogen. Barbara Rinke denkt in diesem Zusammenhang an die Unterstützung aus der Thüringer Landesregierung zurück und nennt einen Namen: Gerd Schuchardt, den damaligen Wissenschaftsminister.

Erfolge sind für Barbara Rinke auch der Bau des Hallenbades, die Sanierung der Altstadt und die begonnene Neugestaltung des Pferdemarktes sowie natürlich die Maßnahmen der Landesgartenschau. Stolz ist die OB auch eine solide Haushaltspolitik oder auf die Stärkung der kommunalen Betriebe. Hier gab es zu Beginn ihrer Amtszeit schmerzhafte Einschnitte zu durchstehen, letztlich war es richtig, vielleicht wäre sonst vieles in Nordhausen einfach „den Bach runter gegangen“. Die kommunalen Betriebe der Stadt, sie sind heute die Garantie für die Haushaltspolitik. Eine Politik mit Höhen und Tiefen, immer auch der Suche nach dem Ausreizen des Machbaren bei Investitionen, gepaart mit eine großen Portion an Risikobereitschaft.

Barbara Rinke hatte 1994 eine Vision: „Nordhausen soll in Nordthüringen die größte, die stärkste Stadt werden, die Wunden des Krieges sollen heilen und die Menschen sollen sich in ihr wohlfühlen.“ Vieles ist erreicht, auch dank der Landesgartenschau, aber: es gibt auch noch viel zu tun.

Zu zehn Jahren im Amt gehören aber auch Rückschläge. Das waren für Barbara Rinke meist persönliche Schicksale von Menschen, die bei ihr vorsprachen, denen sie aber nicht helfen konnte. Rückschläge waren Unglücke, aber auch rechtsextreme Aufmärsche in dieser Stadt des Friedens. Ein Rückschlag wirtschaftlicher Art war vor allem die Schließung des Reemtsma-Werkes. Neben dem Verlust von mehreren hundert Arbeitsplätzen, sind es vor allem die fehlenden Steuereinnahmen, drei Millionen pro Jahr. Im Fall Reemtsma musste Rinke auch ihre Grenzen kennen lernen, sie habe sich verschaukelt gefühlt, die kommunalen und die Interessen der Menschen der Region seien zwischen Konzern- und Gewerkschaftsinteressen zermalmt worden.

Was störte eine Barbara Rinke damals vor zehn Jahren, was stört sie heute? Vieles, was mit Gesetzlichkeiten, mit Verordnungen, Bürokratie oder Politik zu tun hat, dauert ihr immer noch zu lange. Dabei hat sie eine Charaktereigenschaft im letzten Jahrzehnt jedoch weiter ausgeprägt. Hartnäckigkeit, nicht aufgeben, auch nicht nach Rückschlägen. Ob nun beim Winkelberg, beim Oberzentrum oder beim Industriegebiet – was lange währt, das wird gut, meint das Stadtoberhaupt, die ihre Arbeit auch im zehnten Jahr „mit Lust“ erledigt. Zwei Jahre dauert die jetzige Legislaturperiode noch, zwei Jahre, in denen mit einem neuen Stadtrat viele bewältigt werden muß. Da müssen neben den Tagesaufgaben in Nordhausen auch neue Wege beschritten werden. Die Kooperation mit Sondershausen muß verstärkt werden, vielleicht gibt es auch Wege der Zusammenarbeit mit dem benachbarten Sangerhausen? Viele ist machbar und möglich, politische Grenzen dürfen nicht mehr stören.

Für den Stadtrat kandidiert Barbara Rinke, sie macht es wie viele ihrer Kollegen in Thüringen. Vielleicht will sie mit den Stimmen, die sie „zieht“ auch für stabile Mehrheiten sorgen, und „ich bin – rechtlich gesehen – auch ein Mitglied des Stadtrates“. Nicht verstehen kann sie jedoch solche Kandidaten, die sich aufstellen lassen und dann ihr Mandat zurückgeben mit der Begründung: Keine Lust, keine Zeit.

Die 57jährige regiert die Rolandstadt noch bis Mitte 2006. Und dann? Sie lächelt fast in sich hinein. „Wenn es gesundheitlich klappt? Vieles ist auf den Weg gebracht worden, wenn der Job dann noch Spaß macht...“ Sicher ist nur eines: Noch einmal zehn Jahre werden es nicht.
Autor: nnz

Anzeige symplr (6)
Kommentare

Bisher gibt es keine Kommentare.

Kommentare sind zu diesem Artikel nicht möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (9)
Anzeige symplr (8)